Gitarre Hersteller_B_C_Rich
Test
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25.02.2021

B.C. Rich Shredzilla Z6 Prophecy Exotic Floyd Rose Reptile Eye Test

E-Gitarre

Metal-Model

Die B.C. Rich Shredzilla Z6 Prophecy Exotic mit Floyd Rose und Reptile Eye-Finish wird, wie die übrigen Instrumente der Serie, in Korea gefertigt. Resultat ist ein deutlich günstigerer Preis als der ihrer USA-Schwestern und Brüder, aber nach eigenem Anspruch wird trotzdem der gleiche hohe Standard angelegt.
Die Vertreterin der Abteilung Super-Strat mit Doppel-Cutaway ist mit einer auffällig gemaserten Decke versehen und üppige Bindings sowie viele weitere Features machen nicht nur optisch einiges daher, sondern legen die Messlatte auch in Sachen Klang und Bespielbarkeit recht hoch.

Details

Die Gitarre wird in einem schlichten Karton geliefert, in dem sich sämtliche Einstellwerkzeuge sowie der Tremoloarm für das verbaute Floyd Rose-System befinden. Dazu kommen die Gegenstücke der angeschraubten Strap Locks. Meiner Meinung nach sollte bei einem Preis von runden 1700 Euro ein Koffer oder zumindest ein Gigbag zum Standard-Lieferumfang gehören - andere Hersteller machen es vor.

Schon beim ersten Blickkontakt fällt das opulente Erscheinungsbild und die Liebe zum Detail auf. Der Body besteht aus Nyatoh Palaquium und besitzt eine gewölbte Decke aus auffällig gemasertem Holz, das nicht näher spezifiziert wird, bei dem es sich aber vermutlich um Pappel handelt. 

Wie schon bei unserem Test der B.C. Rich Mockingbird nimmt man es auch bei unserer Kandidatin mit der Bezeichnung des Korpusholzes nicht so genau - Anfragen beim amerikanischen Hersteller blieben in diesem Zusammenhang übrigens unbeantwortet. Auch wenn B.C. Rich auf seiner Website von Mahogany "Nyatah Palaquium" spricht: Der Korpus besteht offensichtlich aus Nyatoh, einem Hartholz der Gattung Palaquium, das in Südostasien wächst und nichts mit dem streng geschützten Mahagoni zu tun hat. Hier sollte nicht der Eindruck erweckt werden, Nyatoh sei eine bestimmte Mahagoni-Art.

Die Farbgebung unserer Probandin nennt B.C. Rich Reptile Eye, die Gitarre ist aber auch in Cyan Blue zu haben, wobei beide Finishes das Instrument spektakulär in Szene setzen. Dazu kommt ein Abalone-Binding, das die Gitarre komplett umrundet und ihr einen weiteren edlen Akzent verleiht. Die Farb- und Lackierarbeiten wurden tadellos ausgeführt, was so auch für die sonstige Verarbeitung bis ins Detail gilt.

Die beiden Humbucker sitzen in Korpusausfräsungen, ein Di Marzio D Activator X am Hals und ein Di Marzio Super Distortion am Steg. Dabei haben wir es mit passiven Varianten zu tun, wie sie häufig im Hard- und Heavy-Genre eingesetzt werden. Der Super Distortion ist ein alter Bekannter, der trotz seines recht hohen Outputs bei über 13 kOhm nicht nur am stark zerrenden Amp eine gute Figur abgibt und bereits seit 1972 die Gitarristenwelt erfreut. Beim D Activator X haben wir es, wie beim Super Distortion, mit einem Humbucker mit Keramikmagneten zu tun, der mit etwas über 11 kOhm etwas moderater ausfällt als der Kollege am Steg, aber ebenfalls ein sehr gern genutzter Tonabnehmer bei High-Gain-Usern ist. Organisiert und geregelt werden die beiden Pickups mit zwei Volume-Potis mit griffigen Metallknöpfen und Push/Pull-Funktion, mit der die von B.C. Rich "Voice Selector" genannte Coil-Split-Option geschaltet und so die Klangausbeute quasi verdoppelt wird. Dazwischen der Dreiweg-Kippschalter, der Hals-, Steg- oder beide Tonabnehmer zusammen auswählt.

Ein unterfrästes Original Floyd Rose Tremolo darf bei einem solchen Instrument natürlich auch nicht fehlen, mit einem Tremoloarm, der mithilfe einer Überwurfmutter in seiner Position fixiert werden kann. Das System lässt sich erwartungsgemäß nicht aus der Stimmung bringen, wobei die sechs Feintuner am unteren Ende ausgesprochen leichtgängig ihre Arbeit verrichten.

Die Rückseite der 3586 Gramm wiegenden Gitarre besitzt die typischen Ausfräsungen für Tremolofach und Elektronik, die mit versenkten Kunststoffdeckeln verschlossen sind. Ein Blick ins Tremolofach zeigt den Block des Floyd Rose-Systems, in den drei Federn eingehängt sind, die mit unterschiedlichen Farbgebungen auch verschiedene Spannungen signalisieren. Die hier eingesetzten grünen Federn besitzen die stärkste Spannung, optional bietet Floyd Rose aber auch Federn in schwarz, rot oder klassisch ungefärbt an, die allerdings nicht zum Lieferumfang gehören.
Die beiden zum Schutz des Lacks unterlegten Gurtpins befinden sich wie gewohnt am unteren Ende des Instruments und auf der Rückseite des oberen Horns, da dieses zu scharf zuläuft, um in die Spitze eine Schraube zu treiben.

Hals

Dank der tief ausgeschnittenen Cutaways ist ein Erreichen der allerhöchsten Lagen gar kein Problem. Der Übergang des durchgehenden Halses zum Korpus wurde deutlich ausgefräst, was dem komfortablen Bespielen ebenfalls sehr entgegenkommt. Der Hals selbst besteht aus drei Streifen Ahorn und zwei Streifen Wenge, was nicht nur der Optik, sondern auch der Stabilität zugutekommt. Die Rückseite vermittelt ein angenehmes, natürliches Greifgefühl, da sie lediglich satiniert wurde, dazu kommt das vom Hersteller mit Ultra Slim bezeichnete Profil. Als Griffbrettmaterial kommt Vogelaugenahorn zum Einsatz, das auf einem 14"-Radius 24 Extra-Jumbo-Bünde beherbergt und wie der Korpus mit einem Abalone-Binding versehen ist. Auch hier gibt es seitens der Verarbeitung keinerlei Anlass zur Kritik, die Bünde wurden tadellos eingesetzt und an den Kanten vorbildlich verrundet. Der 12. Bund besitzt zudem ein auffälliges Prophecy Shredzilla-Inlay und kleine schwarze Punkte in der Halskante sorgen für weitere Orientierungsmöglichkeiten auf dem Griffbrett.
Auf dem Weg zum versetzt angebrachten Reverse-Headstock läuft der aufgezogene D'Addario NYXL0946 Saitensatz über den 41,3 mm breiten Klemmsattel, der ihn über den verschlossenen Zugang zum Dual Action-Halsstab zu den einseitig angebrachten Grover Locking Rotomatic 18:1 Mechaniken führt.

Es könnte die Frage aufkommen, warum bei einem Klemmsattel zusätzlich noch Klemmmechaniken zu finden sind, aber ehrlich gesagt finde ich die Idee ziemlich gut. Sollte der für den Sattel benötigte Inbusschlüssel einmal nicht bei der Hand sein, lässt sich das Floyd Rose Tremolo auch ohne Festziehen der Sattelklemmen problemlos nutzen. Dank der angewinkelten Kopfplatte laufen die Saiten im perfekten Winkel zu den Mechaniken, die ein weiches und ruckelfreies Stimmen ermöglichen.
Die Verarbeitung der in Korea gefertigten Gitarre ist fehlerlos und auf hohem Niveau, womit wir auch schon im Praxisteil angelangt wären.

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