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Test
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05.02.2013

Audio-Technica AT5040 Test

Vocal-Kondensatormikrofon mit vier rechteckigen Membranen

Audio-Quattro

Neue Mikrofone werden laufend vorgestellt, doch selten ist es wie beim Audio-Technica AT5040: Die absolute Besonderheit sind die vier verbauten rechteckigen Membranen. Nein, ich habe im letzten Satz nicht zwei Fehler hintereinander gemacht. Rechteckige Membran. Vier mal. Stimmt alles. Nun sind "nichtrunde" Mikrofonmembranen keine Weltneuheit, denn die Schweden von Milab und Pearl verwenden beide rechteckige Membranen, von Violet gibt es sogar eine "ohrförmige"… und Bändchen sind schließlich auch alles andere als rund.

Dennoch hat das japanische Unternehmen hier einen "Unique Selling Point" geschaffen, denn die Kombination mehrerer rechteckiger Membranen zu einem Kondensatormikrofon mit fester Nierencharakteristik ist wirklich neu. Und wie man die zurückhaltend designenden und sehr "kühl-ingenieurig" wirkenden Audio-Technicas kennt, wird es sich dabei nicht um Augenwischerei handeln, nur um Aufmerksamkeit zu erlangen. Mit dem explizit als Gesangsmikrofon ausgewiesenen 5040 gibt es auch eine neue Serie im Programm des Herstellers, denn erstmalig gibt es eine Reihe, die mit 50 beginnt – dementsprechend ist das 5040 auch das momentan teuerste AT-Mikrofon.

Details

Koffer mit abgerundeten Ecken, Mikrofon mit eckiger Membran

Über Testgeräte freut man sich als Autor natürlich immer, bei Sonderlingen wie dem 5040 gilt das aber ganz besonders. Bei Audio-Technica Deutschland scheint man Himmel und Hölle in Bewegung gesetzt zu haben, um uns so früh wie möglich ein Exemplar zukommen lassen zu können – vielen Dank dafür, denn wir waren wirklich sehr gespannt. Geliefert wird jedes 5040 in einem äußerst knuffigen Hartschalenkoffer, in dessen Inneren es jedoch sehr gediegen zugeht – und spartanisch: Dort findet man nebst dem eigentlichen Mikro eine passende Spinne namens AT8480 und die Dokumentation. 

Das Kondensatormikrofon selbst ist wirklich sehr schlicht gehalten, es gibt keinerlei Schaltfunktionen wie Pad, Filter oder Richtcharakteristik, nur einen Metallkorpus mit Ring und einen großen Korb, unter dem sich die Membranen verstecken. Ein Blick durch die Metallgitter des Kondensers zeigt: Die gesamte Membranfläche wirkt riesig! Auf der AT-Webseite ist von einer doppelt so großen Membranfläche wie bei einer üblichen Einzoll-Rundmembran die Rede, grob überschlagen wäre das Äquivalent also eine 1,4"-Membran. Das ist sogar weit mehr als beim schon üppig ausgestatteten Lauten Oceanus mit seinen 1,23 Zoll, welches wir mal im Test hatten. Wer hätte das gedacht: Das Kondensatorprinzip kommt durch eine Elektretschicht auf der starren Kapsel-Backplate zustande, es handelt sich also mitnichten um einen mit externer Spannung polarisierten Kondensator.

Die "Eck"-Daten

Das fast 600 Gramm schwere, phantomgespeiste Mikrofon produziert 1% Harmonische bei 142 dB(SPL). Verblüffend ist das Eigenrauschen, welches mit schlanken 5 dB(A) angegeben wird - die Empfindlichkeit liegt bei enormen 56,2 mV/Pa. Da zeigen sich die Vorteile einer großen Membranfläche: 137 dB Signal-Störspannungsabstand muss man erst mal hinbekommen.

Der grafische Frequenzgang weist unter anderem eine kleine Absenkung kurz über 5 kHz auf, die sich bei etwa 8 kHz wieder bekrabbelt. Es gibt weitere leichte Unlinearitäten im Pegelfrequenzgang, aber will man das nicht, nimmt man bekanntlich lieber ein Kleinmembranmikro, möglichst sogar einen Druckempfänger. Die Ausgangsimpedanz beträgt nur 50 Ohm. Das bedeutet einerseits, dass nicht mit stark unterschiedlichem Frequenzgang an verschiedenen Preamps zu rechnen ist, aber eben auch, dass die Impedanzumschaltung, wie sie manche modernen Vorverstärker bieten, nicht so große Auswirkungen haben wird. Wie üblich bildet auch das AT5040 bei 1 kHz eine perfekte Nierencharakteristik, die darüber sehr stark richtend wird und selbst bei 200 Hz noch eher Breitnierencharakteristik denn Kugelform aufweist. Aufgrund des hochkant ausgerichteten Kapselarrays ist die vertikale Richtwirkung etwas größer als die horizontale, doch ist das hier weit weniger ausgeprägt als bei Milab und Pearl oder gar dem Kardioid-Ebenen-Mikrofon von Microtech-Gefell, das jeder aus dem Deutschen Bundestag kennt.

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