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14.11.2020

Ashun Sound Machines Hydrasynth Sounddesign Workshop

Komplexe Sounds auf dem ASM Hydrasynth erstellen

Geht nicht? Gibt’s nicht!

Mit dem Hydrasynth präsentierte der neue Hersteller Ashun Sound Machines (ASM) im letzten Jahr einen Wavetable-Synthesizer, dessen weitreichende Möglichkeiten zum kreativen Sounddesign geradezu einladen. Ausführlich getestet haben wir den Hydrasynth natürlich bereits. In diesem Workshop werden wir nun die kreativen Möglichkeiten der Klangerzeugung erforschen und drei Beispielsounds programmieren, die davon reichlich Gebrauch machen.

Unter dem Motto „digital is the new analog“ vereint der Hydrasynth drei mächtige Oszillatoren (davon zwei mit Wavetables), vier sogenannte „Mutant“-Module, die von PWM und Sync über FM bis hin zu ausgefalleneren Varianten viele Möglichkeiten zum „Verbiegen“ von Schwingungsformen bieten und zwei äußerst vielseitige Filter mit flexiblem Routing. Hinzu kommen je fünf Hüllkurven und LFOs, die sich in der üppigen Modulationsmatrix mit einer großen Zahl von Zielen verknüpfen lassen. Fast alles kann hier moduliert werden, weshalb der Hydrasynth für Sounds mit viel Bewegung geradezu gemacht ist. Eine gut ausgestattete Effektsektion, viele Performance-Controller und eine gute Verbindung zur Außenwelt (u. a. mit umfassender CV/Gate-Schnittstelle) runden den Synthesizer ab. Beim ASM Hydrasynth kann man bei der Klanggestaltung so richtig aus dem Vollen schöpfen und es gibt kaum etwas, was nicht geht.

Mithilfe der folgenden drei Beispielsounds werden wir einige dieser Möglichkeiten erforschen. Wir haben die Programmierung auch per Video dokumentiert, sodass ihr sehen und hören könnt, wie die Sounds Schritt für Schritt entstehen.

Am Ende dieses Artikels findet ihr die Patches zum Download.

Beispielsound 1: Pad

Der erste Sound soll ein breiter, warmer Pad-Sound werden. Ich stelle mir eine Kombination aus einem beinahe analog klingenden Flächensound und etwas digitalem Glitzern vor, das langsam hinzukommt.

Zunächst setzen wir den Hydrasynth auf das einfache Init-Preset zurück – sozusagen ein weißes Blatt Papier. Das geht ganz einfach, indem man zweimal den Knopf INIT drückt. Sehr angenehm, dass man nicht - wie bei manchen anderen Synthesizern - tief in Menüs abtauchen muss, um diese Funktion zu finden.

Das Init-Preset besteht aus einer einfachen Sägezahnschwingung von Oszillator 1 und klingt so:

Die Oszillatoren 1 und 2 des Hydrasynth können im Single- oder Wavescan-Modus betrieben werden. Den Wavescan-Modus brauchen wir später noch. Oszillator 1 bleibt im Single-Modus und aus der langen Liste der Schwingungsformen wählen wir Orland 5. Diese Schwingungsform klingt einem Sägezahn nicht unähnlich, ist aber etwas weicher.

Im Modul Mutant 1 wählen wir den Modus Wavstack, der an mehrere, übereinander geschichtete Oszillatoren erinnert. Im nächsten Beispiel steht Depth auf etwa 20 und Dry/Wet auf ca. 40%.

Die Mutant-Module werden beim Hydrasynth auch zur Pulsbreitenmodulation (PWM) genutzt, die sich nicht nur auf die Pulsschwingung, sondern auf sämtliche Schwingungsformen anwenden lässt. In Modul Mutant 2 wählen wir den Modus PW-Orig und setzen Dry/Wet auf 100%.

Die Pulsbreite soll von LFO 3 moduliert werden. Die Zuweisung von Modulationen ist trotz der vielen Möglichkeiten zum Glück sehr einfach: Einfach die Taste für LFO 3 gedrückt halten und dann den Knopf für Mutant 2 drücken und es wird in der Modulationsmatrix ein Slot mit der entsprechenden Verbindung eingerichtet. Nun müssen wir nur noch Depth als Ziel einstellen und die Modulationsintensität aufdrehen, in diesem Fall auf ca. 30. LFO 3 kriegt eine Dreieckschwingung mit einer Rate von etwa 0,4 Hz.

Als nächstes kommt Oszillator 3 ins Spiel, der im Gegensatz zu den anderen beiden keinen Wavescan-Modus bietet. In der Voreinstellung liefert er eine Sägezahnschwingung eine Oktave unter Oszillator 1. In diesem Fall soll er jedoch in derselben Oktave klingen, weshalb wir Semi auf ‘Null’ stellen. Außerdem können wir die Oszillatoren 1 und 3 um ein paar Cent gegeneinander verstimmen, was dem Sound schöne Schwebungen hinzufügt. Im Mixer verteilen wir die beiden Oszillatoren zudem etwas im Stereobild.

Im Voice-Modul gibt es noch weitere Einstellungen, die den Sound breiter und voller machen. Hier drehen wir das Analog Feel etwas auf, aktivieren den Warm Mode und vergrößern die Stereobreite (Stereo Width).

Envelope 2 wird beim Hydrasynth standardmäßig als Amp-Hüllkurve verwendet. Sie wird mit einer Attack-Zeit von etwa einer Sekunde sowie etwas längeren Decay- und Release-Zeiten bestückt. Das Sustain wird von 128 auf etwa 100 reduziert. Im Modul Amp drehen wir Vel Env auf etwa 45 auf, wodurch sich die Anschlagstärke auf die Wirkung der Amp-Hüllkurve und damit die Lautstärke auswirkt.

Die beiden Filter des Hydrasynth können seriell oder parallel betrieben werden. Da ich die beiden Oszillatoren 1 und 3, die derzeit zu hören sind, durch Filter 2 schicken und Filter 1 später für Oszillator 2 verwenden möchte, stelle ich das Filter-Routing im Mixer auf Parallel. Dieselbe Einstellung findet man übrigens auch direkt in der Filtersektion bei Filter 1.

Filter 2 ist ein State-variable-Filter nach dem Vorbild des Oberheim SEM. Mit dem Parameter Morph lässt es sich stufenlos von Tiefpass über Bandpass bis Hochpass überblenden. Wir wählen einen Morph-Wert von etwa 10, wodurch das Filter den Sound im Bassbereich leicht ausdünnt, sich aber insgesamt noch wie ein Tiefpassfilter verhält. Dann wählen wir einen recht niedrigen Cutoff-Wert von etwa 16 – die Filterhüllkurve wird gleich dafür sorgen, dass das Filter wieder weiter öffnet. Die Resonanz wird auf etwa 20 eingestellt. Mit dem Parameter Env1Amt wird gesteuert, wie stark Envelope 1 sich auf das Filter auswirkt. Hier wählen wir einen Wert von ca. 45. Außerdem drehen wir Keytrack auf etwa 20% auf, wodurch das Filter umso weiter öffnet, umso höher wir auf der Tastatur spielen.

Die Filterhüllkurve (ENV 1) bekommt ungefähr die folgenden Werte: Attack = 4,5 Sek., Decay = 3 Sek., Sustain = 75%, Release = 2 Sek.

Damit steht der Grundsound. Da wir noch Oszillator 2 mit seinen beiden Mutant-Modulen und Filter 1 zur Verfügung haben, können wir dem Klang aber noch eine weitere Facette hinzufügen: Etwas hochfrequentes Glitzern, das nach dem Anschlagen eines Akkords langsam hinzukommt.

Nachdem wir Oszillator 2 im Mixer aufgedreht und zunächst auf solo gestellt haben, wählen wir den Wavescan-Modus. Ein Druck auf Wavelist Edit bringt uns zu einer Ansicht, wo wir die Möglichkeit haben, bis zu acht verschiedene Waves auszuwählen, zwischen denen dann stufenlos überblendet werden kann. Für diesen Sound benötigen wir die Waves ‘ChriMey 1’ bis ‘ChriMey 8’. Übrigens lassen sich mehrere Waves schnell zuweisen, indem man Shift gedrückt hält, während man die Wave in Slot 1 auswählt. Die anderen Slots werden dann automatisch mit weiteren Waves in aufsteigender Reihenfolge gefüllt.

Beim Drehen am Wavescan-Regler klingt das ChriMey-Set so:

Um Bewegung in den Sound zu bringen, modulieren wir den Wavescan-Parameter mit LFO 4. Die Zuweisung funktioniert wie gehabt: Taster für LFO 4 gedrückt halten und den Taster für Oszillator 2 drücken. Dann als Ziel Wavescan auswählen und die Modulationsintensität aufdrehen. In diesem Fall verändere ich noch die Quelle zu LFO4+, was den LFO zu einer unipolaren Modulationsquelle macht.

Für LFO 4 wählen wir den Modus Sample&Hold (S&H) und belassen die Rate auf 1 Hz.

Zusätzlich soll dies auch durch eine Hüllkurve moduliert werden. Dafür weisen wir nach dem eben beschriebenen Schema ENV 4 dem Wavescan-Parameter von Oszillator 2 zu. Die Hüllkurve 4 wird mit langen Zeiten belegt (ca. 5 Sekunden) für Attack und Decay. Den Sustain-Level regeln wir auf ‘Null’ herunter und fügen etwas Release hinzu. Jetzt morpht Oszillator 2 durch die Hüllkurve und den LFO gesteuert durch die verschiedenen Schwingungsformen:

Auch die Lautstärke von Oszillator 2 soll von einer Hüllkurve gesteuert werden, damit der Oszillator langsam hinzukommt. Dafür regeln wir die Lautstärke zunächst im Mixer auf ‘Null’ herunter. Dann weisen wir in der Modulationsmatrix die Quelle ENV 5 dem Ziel Osc2Volume zu.

Envelope 5 erhält ebenfalls lange Zeiten. Attack steht auf ca. 4-5 Sekunden, Decay auf ca. 8 Sekunden, Sustain etwa auf der Hälfte und Release auf etwa 2 Sekunden. Da es nach dem Anschlagen einer Taste eine Weile dauern soll, bis Oszillator 2 hinzukommt, geben wir der Hüllkurve außerdem etwa eine Sekunde Delay. Denselben Delay-Wert bekommt auch die Hüllkurve 4, die den Wavescan-Parameter steuert.

Oszillator 2 durchläuft Filter 1, das wir in einen Bandpass-Modus versetzen (BP 3-Ler). Den Cutoff-Wert setzen wir auf etwa ein Drittel und fügen etwas Resonanz hinzu. Dann nutzen wir die Hüllkurve, die den Wavescan-Parameter steuert, auch zur Modulation von Filter 1, sodass sich mit dem Morphen durch die Schwingungsformen auch die Filterfrequenz ändert.

Um den Klang noch interessanter zu machen verwenden wir das Modul Mutant 3, das wir in den Harmonic-Modus versetzen. Wenn wir nun Envelope 4 auch zur Steuerung von Mutant 3 Depth verwenden, klingt das Ganze so:

Zu guter Letzt nehmen wir noch LFO 5 hinzu, um Oszillator 2 langsam im Stereobild umherwandern zu lassen. Dazu weisen wir LFO 5 dem Ziel Osc2Pan zu und drehen die Modulationsintensität etwas auf. LFO 5 kriegt eine Sinusschwingung und eine Rate von etwa 0,5 Hz.

Zusammen mit den anderen Oszillatoren klingt das nun so:

Zum Schluss fügen wir noch einige Effekte hinzu, um den Sound abzurunden. Im Modul Pre FX nehmen wir Chorus 2. Außerdem kann etwas Reverb nicht schaden – aber nicht zu viel, sonst wird der Sound matschig.

Und damit ist unser Pad-Sound fertig! Hier hört ihr das Endergebnis:

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