Software
Test
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04.03.2019

Arturia Pigments Test

Wavetable Softsynth

Modulationswunder und Augenschmaus

Arturia aus Frankreich sind auf dem Feld der Software-Synthesizer ein echtes Schwergewicht. Seit gut 20 Jahren sind sie, wenn es um Emulationen großer Synthesizer-Legenden wie Moogs Minimoog oder Yamahas CS-80 geht, ganz vorne dabei. Auch bei Hardware-Synthesizern und -Samplern wie dem MatrixBrute, DrumBrute oder MiniBrute und Controllern wie dem Beatstep Pro oder der Keylab-Reihe haben Arturia eine große Fangemeinde. 

Die Überraschung war groß als Pigments vergangenen Oktober angekündigt und im Januar dieses Jahres veröffentlicht wurde. Arturia? Waren das nicht die, die mittlerweile quasi ALLE Synthesizer-Legenden nachprogrammiert hatten? Egal ob Arp2600, DX7, Juno60, Prophet V oder Synclavier – Arturias V-Collection hat sie. 

Mit effektgeladenem Vorstellungsvideo und einer gut durchdachten Promo-Kampagne, bei der im Vorfeld der Veröffentlichung einige prominente YouTuber aus dem Synth-Bereich wie Andrew Huang zur Beteiligung eingeladen wurden, zeigte Arturia, dass man es mit Pigments ernst meint. 

Bei der Auswahl der Presets schauen Synth-Hersteller auf die aktuellen Trends. Trap ist langsam vorbei und EDM im Winterschlaf, Lofi Hiphop und Synthwave sind die Genres der Stunde, Psytrance wächst und auch bei vielen Film- und TV-Kompositionen werden ungewöhnliche Synth-Sounds immer wichtiger. Also holt man sich Produzenten und Sounddesigner ins Boot, die in diesen Genres unterwegs sind. Auch Arturia hat seine Hausaufgaben gemacht: Künstler und Sounddesigner wie Maxime Dangles (Electro), Cubic Spline (Psytrance), Jörg Hüttner (Filmmusik), Robert Dudzic (Filmmusik) oder Starcadian (Electro) wirkten bei der Preset-Erstellung mit.

Details

Arturia Pigments gibt es als Standalone und in den Plugin-Formaten VST2.4, VST3, AU und AAX. Der Soft-Synth bringt zwei sogenannte Engines mit. Eine, die klassische Analog-Synth-Wellenformen erzeugt, insgesamt sechs Oszillatoren hat und dementsprechend „Virtual Analog triple oscillator engine“ heißt, und eine weitere, die wie Massive oder Serum mit Wavetable-Synthese arbeitet und sich „Complex Wavetable engine“ nennt. Dazu kommen zwei Filter-Slots mit einigen Filtern, die man aus den Hardware-Emulationen Arturias kennt, dreizehn Effekte und eine sehr vielseitige Modulationsengine. 

Pigments – Modulationswunderkind

Pigments bringt vieles mit, was man kennt: Analoge und digitale Oszillatoren, verschiedene Filtertypen und -routings, jede Menge Modulations- und Raumeffekte und eine Vielzahl an Modulatoren wie Hüllkurven, LFOs, MIDI-Controller-basierte Parameter wie Aftertouch und neuartige Möglichkeiten wie Kombinatoren und komplexe Zufallsgeneratoren. Trotzdem aber weitestgehend alles bekannt. Was aber sofort ins Auge fällt im Vergleich zur Konkurrenz, ist  die Visualisierung. Alle 23 Modulatoren sind immer zu sehen, egal welche Module oder Bereiche man rundherum gerade bearbeitet. So ist man sofort dabei zu modulieren, was das Zeug hält.

Lieber besser als neu

Auch sonst ist dem Software-Synthesizer anzumerken, dass Arturia viel Wert auf das Bessermachen legen und nicht so viel darauf, es anders zu machens. Im Laufe des Tests passierte es im Workflow immer wieder, dass ich mich freute, wie durchdacht die Oberfläche ist und wie schnell Sounds erstellt und verändert werden können. Auch Dinge wie Preset-Playlisten, die sehr einfache und übersichtliche Verknüpfung von Modulatoren und Parametern und ein Routing, das sehr komplexe Sounds durch verschiedene serielle und parallele Kombinationen zulässt, zeigen, dass hier Synthesizer-Freaks am Werk waren, die den ganzen Tag nichts anderes tun.

Was ist drin in Pigments?

Ansonsten hat man gepackt, was bekannt ist, aber dann immer noch eine Schippe draufgelegt: Zwei Filtermodule mit acht Filtertypen, die man teilweise aus Arturias V Collection kennt, wie beispielsweise den Filtern des Matrix 12 oder des Minimoog aber auch effektvollere Filter wie ein Comb-Filter, der stark an den MS-20-Filter erinnert, und einen Formant-Filter. Im Effektbereich gibt es zwei Insert-Effekt-Module und ein Send-Modul, in denen sich jeweils drei der dreizehn Effekte kombinieren lassen. Eine Preset-Bank ist dabei, die von Haus aus ordentliche 662 Presets mitbringt. Dazu ein Browser, wie man ihn aus Arturias Analog Lab 3 kennt, wo sich Sounds nach Typ und Genre suchen lassen und man gleich Zugriff auf vier Makros hat und den Sound verändern kann.

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