Test
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22.09.2017

Arturia AudioFuse Test

Kompaktes Audiointerface mit Monitorcontroller-Funktion

Quadratisch, praktisch – gut?

Kleine Desktop-Audiointerfaces waren bislang oft eher Notlösungen: ein großer Regler für viele Funktionen, wenige Anschlüsse und diese zumeist als Kabelpeitsche oder Breakoutbox dargeboten. Theoretisch viele Möglichkeiten der Kontrolle, die aber nur umständlich am Gerät oder per Software bedienbar waren.

Arturia erfinden mit ihrem ersten Audiointerface das Genre nicht neu, aber sie haben alles, was der moderne Producer zum Arbeiten benötigt, in eine kleine feine Box gepackt, die mit Schaltern, Reglern, Ein- und Ausgängen gespickt ist. Es gibt einen USB-Hub, Talkback, zwei getrennte Kopfhöreranschlüsse und ein Monitorcontroller ist auch noch mit an Bord. Das AudioFuse ist auf dem Papier ein sehr komplettes Angebot für die meisten Recordingfälle, ob nun im Studio oder unterwegs. Mal sehen, wie es sich im Praxistest bewährt.

Details

Das AudioFuse kommt in einer ansprechenden quadratischen Box mit Magnetverschluss. Die stylische Soundkarte ist in drei verschiedenen Farbvarianten erhältlich: Space Grey mit weißem Sockel und Lederdeckelbezug, Dark Black mit grünen Bodenstreifen und orangefarbenem Deckel sowie Classic Silver mit braunem Deckel. Wozu ein Deckel bei einem Audiointerface, dazu noch innen mit samtähnlichem Bezug? Zu einen schützt er die vielen Bedienelemente auf der Oberfläche optimal vor Beschädigungen, gerade auch, wenn man das Gerät im Rucksack transportiert. Untergesetzt fungiert der Deckel als Sockel, der das AudioFuse um gut drei Zentimeter anhebt, sodass die rückwärtigen Anschlüsse gut zugänglich sind. Und er sieht einfach auch verdammt schick aus. Das Auge mixt mit.

Die inneren Werte stimmen auch: das kleine Arturia-Teil bietet 24Bit-AD/DA-Wandler mit bis zu 192 kHz Samplingrate. Alle Audiowege sind komplett symmetrisch aufgebaut. Auf die Qualität der Vorverstärker seines neuesten Sprösslings ist Arturia ganz besonders stolz. Die Franzosen haben eigene Preamps entwickelt, die sie DiscretePRO® nennen und die den warmen und runden Klang alter analoger Vorverstärker liefern sollen.

Arturia wirbt mit hohem Rauschabstand, minimalen Verzerrungen, ausgeglichenem Frequenzgang und zwei verschiedenen Preamps, jeweils für die Mikrofon- und Line- Vorverstärker. Anschlussseitig bietet das AudioFuse alles, was man im Projektstudio braucht. An der Vorderseite befinden sich zwei nicht arretierbare Kombibuchsen für XLR- und Klinkenkabel sowie zwei mal zwei Kopfhöreranschlüsse in 6,3mm- und 3,5mm-Ausführung. Beide Kopfhörerwege sind unabhängig voneinander per Volumenpoti auf der Oberfläche regelbar. Als Abhörquelle sind die drei internen Busse (Main, Cue 1 oder Cue 2) anwählbar. Tatsächlich kann mit bis zu vier Kopfhörern abgehört werden.

Rückseitig gibt es dann das volle Programm: Über zwei weitere Lineeingänge in Klinkenausführung können Synths angeschlossen werden. Alternativ findet über Phonoeingänge in Cinch-Ausführung bei Bedarf ein Plattenspieler Anschluss, eine Erdungsschraube gibt es auch. Wenn das nicht reicht, es gibt auch einen ADAT In/Out, um etwa eine ADAT-Box mit acht weiteren Ein- und Ausgängen am AudioFuse zu betreiben. Über kombinierte Cinchbuchsen kann das AudioFuse entweder per Wordclock zu anderem digitalen Studioequipment synchronisiert werden oder man nutzt es als S/PDIF-Digitalschnittstelle. Das MIDI-Interface ist mit zwei Miniklinkenbuchsen für In und Out ausgestattet, ein Zugeständnis an das kleine Gehäuse. Entsprechende Adapter auf fünfpolige DIN-Stecker liegen bei. Diese MIDI-Miniklinken werden in letzter Zeit vermehrt verbaut, auch im flunderflachen Stepsequencer Arturia Beatstep Pro, den ich praktischerweise auch ohne doppelte Adapter-Action einfach über ein Kabel mit zwei Ministereoklinken mit dem AudioFuse verbinden und synchronisieren konnte, ebenso wie die Novation Circuit Mono Station. Kommt da ein neuer Standard auf uns zu?

Über zwei Klinkenbuchsenpärchen schickt man den Sound an zwei Monitorboxenpaare. Diese können nicht gemeinsam, sondern immer nur alternativ betrieben und auf der Oberfläche mit einem dedizierten Button umgeschaltet werden. Beim Initialisieren des AudioFuse sollten angeschlossene Aktivboxen oder Verstärker allerdings ausgeschaltet sein, es knackt sonst zweimal recht dumpf und laut. Last but not least finden sich auf der Rückseite unserer Bonsai-Studioschaltzentrale noch eine Buchse für das beiliegende Netzteil (18 V Gleichstrom, 1,66 A), ein Micro-USB-Anschluss und ein dreifacher USB-Hub. Der ist Gold wert, wenn man unterwegs ist und keinen zusätzlichen externen USB-Hub mitführen braucht, um USB-Keyboards, -Controller, -Sticks oder auch den Access Virus TI anzuschließen. Der wäre dann übrigens auch als Audiointerface anwählbar. Über das mitgelieferte USB-Doppelkabel (Micro-USB auf 2 x USB-A) kann das AudioFuse am Mac ohne Netzteil und nur mit Buspower betrieben werden. Dann ist allerdings der USB-Hub nicht aktiv und der maximale Ein- und Ausgangspegel auf +18 dBu statt +24 dBu begrenzt. Möchte man lediglich hören oder abmischen, wechselt man über das AudioFuse Control Center in den Mixdownmodus, der die Eingänge deaktiviert, im Gegenzug aber trotz USB-Stromversorgung die vollen +24 dBu am Ausgang bereitstellt.

Arturia setzt beim AudioFuse auf USB 2.0. Class Compliance und möglichst universelle Einsetzbarkeit erschienen wichtiger als USB 3 oder Thunderbolt. Damit kann das AudioFuse schwerlich als Konkurrenz zu Desktopinterfaces wie dem UAD Apollo bezeichnet werden, das zusätzlich DSPs für UAD-Plugins an Bord hat. Dennoch kann man mit dem AudioFuse dank kleiner Latenz und unkompliziertem Direct Monitoring sehr komfortabel arbeiten. Das AudioFuse macht auf dem Produktionstisch einen sehr schlanken Abdruck. Auf einer schwarzen Gummisohle steht das Teil superfest auf der Oberfläche. Nur über ein USB-Kabel mit dem Computer verbunden verschwinden fast alle übrigen Anschlüsse nach hinten und der Arbeitsplatz wirkt übersichtlich und aufgeräumt. Mir persönlich gefällt so was. Man kann es auch auf dem Metalldeckel erhöht positionieren, dann schweben die rückwärtigen Kabel und Stecker auch über etwaigen Hindernissen. Allerdings rutscht das Minitürmchen auf einer glatten Oberfläche dann gern mal hin und her.  

Die Oberfläche des Interfaces neigt sich wie ein kleines Mischpult zum Anwender hin. Mittig thront ein großer Volumenregler für die Monitorlautstärke, der als gerasterter Endlosregler ausgelegt ist und sich wirklich schön smooth drehen lässt. Er ist zu beiden Seiten von je einer runden achtstelligen LED-Kette umrahmt. Im Normalzustand zeigen fünf grüne und drei rote LEDs den Musikpegel der DAW. Wird der Volumenregler gedreht, leuchten diese blau und zeigen den Ausgangspegel an. Über einen Schalter mit weiß hintergrundbeleuchteter Schrift kann man den Main Out oder einer der beiden Cuewege auf die Ausgänge legen, mit einem weiteren Schalter wird zwischen Monitorausgang 1 oder 2 hin- und hergeschaltet.

Drei weitere Taster mit weiß hintergrundbeleuchteter Schrift fungieren als Mono, Dim und Mute. Auch die beiden Kopfhörerausgänge lassen sich mono schalten und zwischen den beiden Headphonepotis befindet sich sogar eine kleine Talkbacktaste mit eingebautem Mikrofon. Bei anderen Audiointerfaces ist so was irgendwo in der Software versteckt, beim AudioFuse auf der Hardware-Oberfläche.

Auch das Direct Monitoring funktioniert sehr intuitiv: An der hinteren rechten Ecke des Gehäuses befindet sich ein sehr flaches schwarzes Poti mit gerädertem Rand, mit dem stufenlos zwischen Computerausgang und den direkt angeschlossenen Quellen geregelt wird. Prinzipiell kann das AudioFuse auch ohne Computer als sehr reduzierter Stand-alone-Mixer genutzt werden. Richtig toll wäre es, wenn man zumindest die Mikrofoneingänge stumm schalten könnte. Bei Direct Monitoring hört man immer auch noch das Mikro, wenn es angeschlossen ist. Also: abstöpseln oder bei Kondensatormikrofonen (mein persönlicher Workaround) die Phantomspeisung abschalten!

Drei LEDs zeigen jeweils für Input Channel 1 und 2 an, ob ein Mikrofon-, Line- oder Instrumentensignal wie etwa Gitarre anliegt. AudioFuse ist so schlau, dass es automatisch auf „Mikrofon“ umschaltet, wenn ein XLR-Stecker angeschlossen wird. Auch nur dann sind 48 V Phantomspannung zuschaltbar. Möchte man Gitarre einspielen, muss zusätzlich die „Instrument“-Taste gedrückt werden. Eingangskanal 1 und 2 haben jeweils ihren eigenen flachen Gain-Regler zur Aussteuerung, die durch fünf grüne, eine orangefarbene und zwei rote LEDs angezeigt wird. Je ein Pad-Schalter für eine Absenkung der Vorverstärkung um -20 db und ein Phasenumkehrschalter runden die vorbildliche Ausstattung der beiden Eingangskanäle ab.

Eine Monitorsoftware gibt es ebenfalls und man muss sie gar nicht lange suchen. An der hinteren linken Ecke befindet sich ein illuminiertes Arturia-Logo, das als Software-Call-Button dient. Ein Druck darauf zaubert das große AudioFuse-Softwarefenster auf den Bildschirm, ein erneuter Druck lässt es wieder verschwinden. Toll, gerade wenn man mit einem kleinen Laptopbildschirm arbeitet. Die Größe des Softwarefensters lässt sich in mehreren Schritten einstellen.

Das AudioFuse Control Center muss von der Arturia-Website heruntergeladen und installiert werden. Danach sieht man alle Einstellungen des AudioFuse auf einen Blick und kann die wenigen Einstellungen tätigen, die nicht direkt am Interface ausführbar sind. In den meisten Fällen reichen die Bedienelemente und Anzeigen der Hardware allerdings völlig aus. Andere Audiointerfaces kommen gern mit Mischpultsimulationen und virtuellen Kompressor-und Reverbalgorithmen daher. Das Arturia verzichtet auf so etwas und setzt auf direkte und intuitive Bedienbarkeit.

Arturia schreibt als Betriebssystem mindestens Win 7+ oder Mac OSX 10.8 vor. Version 1.0.1.68 ließ sich allerdings auch auf meinem MacPro 2,8 GHz Quad Core Intel Xeon unter Mac OSX 10.7.4 installieren und öffnen. Die schicke Call-Funktion über den Button oben links an der Hardware funktionierte zwar unter 10.7 nicht komplett (ich konnte das Kontrollfenster via Knopfdruck öffnen, jedoch nicht schließen), doch es gibt schlimmeres. Aber bei Mac und PC ist noch lange nicht Schluss: AudioFuse funktioniert auch unter Linux, Android und iOS. Mein iPhone empfing in der App iRig-Recorder sofort und ohne weitere Installation das Mikrofonsignal auf AudioFuse-Kanal 1, allerdings auch nur dort. Hier benötigt man eine iOS-App, die sich auf Mehrkanalaufnahmen versteht. Möchte man völlig losgelöst von der Steckdose arbeiten, geht das mit einer Powerbank. Und hier kommt dann das zweigeteilte, recht klobige USB-Kabel ins Spiel: Der Hauptstecker wird zur Kommunikation über das erforderliche Camera Connection Kit mit dem iPhone verbunden, der zweite Stecker zur Stromzufuhr mit der Powerbank. Dieses Kabel scheint übrigens auch zwingend notwendig für einen netzunabhängigen Betrieb zu sein. Mit allen meinen anderen Micro-USB-Kabeln war ein Betrieb des AudioFuse ohne Netzteil nicht möglich. Mit dem mitgelieferten USB-Kabel klappte das auch ohne zusätzlich angeschlossene Powerbank. Damit kann man sowohl Kondensatormikrofone mit Phantomspeisung als auch ein Mikro und eine Gitarre betreiben. Singer/Songwriter dürfen sich also auf Recordingsessions unter freiem Himmel ohne externe Elektrizitätszufuhr freuen, einen vollen Laptopakku und Arturias USB-Spezialkabel vorausgesetzt. Für den USB-Hub reicht die Buspower dann aber doch nicht aus, dazu muss AudioFuse mit dem Stromnetz verbunden sein. Wird das Netzteil im Betrieb abgezogen, verliert der Computer kurz die Verbindung zum AudioFuse und muss als Soundkarte neu angewählt werden. Und Achtung: Audiomonitore ausschalten, denn beim erneuten Verbinden ploppt es laut!

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