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15.06.2021

Apple Music Chef: "Verlustfreie Musik ist reines Marketing"

Es war der nächste logische Schritt. Auf Spotify, Apple Music oder Tidal gibt es seit kurzem oder wird es bald verlustfreie Musikwiedergaben geben. Der Apple Music Chef ist jedoch der Ansicht, dass kaum jemand einen Unterschied hört und hinter diesem Trend reines Marketing steckt. Ist verlustfreie Audiokomprimierung ein notwendiges Feature oder einfach unnötig? 

Apple Music-Chef Eddy Cue hat in einem Interview mit Billboard zugegeben, dass er den Unterschied zwischen komprimierten Tracks und den verlustfreien Gegenstücken nicht wahrnehmen kann. Damit ist er wohl nicht alleine. Laut Cue ist verlustfreies Audio nicht die Zukunft: "Die Realität von Lossless ist: Wenn du 100 nimmst und einen Stereosong in Lossless nimmst und du nimmst einen Song, der in Apple Music ist, der komprimiert ist, ich weiß nicht, ob 99 oder 98 den Unterschied erkennen können."

Zwar gebe es sicherlich "Klassik-Kenner, die in der Lage sind, den Unterschied zu Lossless zu erkennen". Bei den internen Blindtests von Apple können es die Mitarbeiter aber praktisch nicht unterscheiden. Dabei sieht Cue das als "Problem, welches nicht funktionieren wird". Es ist nämlich kein "Kunden-Spielchen", sondern nur ein "Marketing-Spielchen". Wenn man jemanden sage, dass er verlustfreie Musik höre, sage derjenige laut Cue "Oh, wow. Das klingt unglaublich." Allerdings sagen sie es nur, "weil Sie ihnen gesagt haben, dass es verlustfrei ist, und es klingt wie das Richtige, aber Sie können es einfach nicht unterscheiden". Letztlich hängt es aber auch stark vom Wiedergabegerät ab. Bei HI-FI-Kopfhörern oder Monitoren ist ein Unterschied noch eher hörbar als bei 20,- € In-Ear-Kopfhörern vom Elektroladen am Eck. 

Selbst Apple schreibt in ihrem Support Bereich: "Auch wenn AAC von verlustfreiem Audio praktisch nicht zu unterscheiden ist, bieten wir Apple Music-Abonnenten die Option, auf Musik mit verlustfreier Audiokomprimierung zuzugreifen."

Wie stehst du zu verlustfreiem Sound? Mache doch den Test um zu erfahren, ob du einen Unterschied hörst. Auf dieser Webseite kannst du testen, ob du einen Unterschied bei Songs zwischen HQ und komprimiert erkennen kannst. Am besten mit Kopfhörern probieren!

3D-Sound ist die Zukunft

3D-Sound ist zwar nichts neues, wurde aber noch nie in dem Ausmaß verbreitet wie durch Apple Spatial. Vergleichbar mit Dolby Atmos sind ab sofort tausende Songs in der Apple Datenbank mit 3D-Sound hörbar. Durch Spatial bekommt der Sound mehr Immersion, eine größere Weite. Es kommt einem vor, als ob die verschiedenen Sounds mehr Platz im Mix haben und an verschiedenen Stellen im Raum gehört werden können. Der Sound kommt dabei nicht nur von der Seite, sondern auch von vorne, hinten und sogar über dem Kopf. Vor allem Vocals wirken so oft unabhängiger. Ein tolles Beispiel wozu räumlicher Sound fähig ist zeigt der 8D Billie Eilish-Remix von Ilomilo. Diesen aber unbedingt mit Kopfhörern anhören!

Apple Spatial ist oft genial, aber manchmal auch störend

In einem Beitrag von The Verge wurde Apples Spatial Audio intensiv getestet. Der Autos sieht zwar Potenzial in der Technik, attestiert ihr aber auch Schwächen. Wenn der Produzent nicht genügend Sorgfalt in den Atmos-Mix steckt, können einzelne Instrumente ihre Wirkung verlieren. Manche Aspekte eines Sounds im freien Raum "fallen flach" oder "der Gesang klingt seltsam". Dies ist von Song zu Song allerdings sehr unterschiedlich, weshalb der Effekt nicht bei allen Titeln Sinn macht - selbst bei gutem Mix. 

Eddy Cue ist in jedem Fall überzeugt von Spatial Audio und der Unterstützung von Dolby Atmos: "Ich denke, das wird alles übernehmen. Es ist die Art und Weise, wie ich Musik hören möchte, wenn ich in meinem Auto sitze. Es wird die Art und Weise sein, wie ich Musik in meinem Haus höre." Demnach werde es kein zurück mehr geben, wenn sich 3D-Audio durchgesetzt habe. Laut Cue ist es "so gut, dass es schwer ist, zurückzugehen". 

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