Test
2
08.11.2019

Praxis

Installation recht einfach

Wenn die Installation der Apple AirPods Pro kompliziert wäre, käme das ja auch fast einer Zeitenwende gleich. Natürlich ist es sehr einfach, die beiden Hörer mit einem Gerät wie iPhone oder MacBook zu verbinden, schließlich stammt alles vom gleichen Hersteller. Bei aktiviertem Bluetooth am zu connectenden Gerät reicht es aus, die Klappe der Ladebox in der Nähe zu öffnen, schon werden die AirPods erkannt und benannt. Wichtig: Die Stöpsel müssen sich dafür im Case befinden.  

Alles Weitere ist einfach wie Rhabarberkuchen essen, denn die Integration in die Betriebssysteme (macOS und iOS geprüft) erfolgt nahtlos. Ein wenig erstaunlich war, dass das Telefonieren erst möglich war, nachdem das iPhone neu gestartet wurde, davor ist die Auswahl immer wieder auf das interne Telefon-Mikrofon umgesprungen, aber dennoch stumm geblieben.  

Sitz der Apple AirPods Pro

Nicht anders als bei den bisherigen AirPods sitzen die Apple In-Ears ganz gut im Gehörgang. Sie besitzen durchaus Joggingtauglichkeit, Vorsicht sollte man walten lassen, wenn man ein Kleidungsstück über Kopf auszieht, denn dann werden sie durch die weißen „Hebel“ schnell einmal mitgerissen. Mir passten die vorinstallierten M-Ohrpassstücke sehr gut, mit einem beherzten Zug lassen sich die anderen Größen installieren und an den individuellen Gehörgang anpassen. Vom Sitz her sind die AirPods Pro damit sogar einigermaßen In-Ear-Monitoring-tauglich, doch die Connectivity und nicht zuletzt der „Consumer-Look“ werden wohl dafür sorgen, dass man auch in Zukunft keine Apple-Phones auf Bühnen sehen wird.

AirPods Pro: Bedienbarkeit

Auch mit nassen oder fettigen Fingern lassen sich die AirPods Pro bedienen. Sowohl die haptische als auch die akustische Rückmeldung sind eindeutig. Was jedoch kolossal nervt: es gibt auch bei den Pros keine Möglichkeit zur Steuerung der Volume an den Hörern. Per Siri geht es (und das finden viele User und erst recht viele Umstehende reichlich dämlich), per iWatch geht es auch, natürlich auch über das iPhone oder die anderen verbundenen Geräte.

Da lobe ich mir die Sennheiser Momentum True Wireless, die das mit langer Berührung des linken (lauter) oder rechten (leiser) Earbuds regeln.

Überraschung bei der Qualität des Noise Cancellings der Apple AirPods Pro

Noise-Cancelling-Kopfhörer kenne ich seit fast zehn Jahren, bei Ear Buds seit 2015 von Audio-Technica-In-Ears, die damals ausschließlich auf dem japanischen Markt zum Einsatz kamen. Seither hat sich eine Menge getan, so werden Transienten und auch etwas höherfrequente Signale beispielsweise von den aktuellen Sennheiser-Systemen deutlich besser bedämpft, zudem ist das Rauschen, ein nicht komplett zu vermeidender Artefakt dieser Technik, deutlich gesunken. Die Apple Air Pods Pro gehen aber in Dingen wahrgenommener Dämpfung noch einen Schritt weiter. Besonders Geräusche wie Verkehrslärm (Bahnen, Autos etc.) treten so weit in den Hintergrund, wie ich es bislang nicht kennengelernt habe. Das Noise Cancelling funktioniert deutlich besser als bei den Momentum True, dafür rauscht es etwas stärker. Auch bei „Sturm“, den ich mit einem Föhn im Kaltluftmodus erzeugt habe, funktionierte das Noise Cancelling deutlich besser. Das galt aber nicht für das Telefongespräch, was über die AirPods Pro bei wirklich starkem „Sturm“ nicht möglich war. Da der Sound beim Telefonieren bei beiden recht identisch (identisch schlecht…) ist, ist es es auch durchaus möglich, das die Funkverbindung bei den Apple Ear Buds stärker litt. Position und Stärke des künstlichen Sturms waren aber identisch. Zwar lässt sich in den Einstellungen die Wahl des Mikrofons von „Automatisch“ manuell auf einen der beiden AirPods umschalten, aber das würde in der Praxis wohl kaum jemand tun.

Mikrofonsound der Apple AirPods Pro

Hier ein kleines geschauspielertes Telefonat (mit der Frau Mama) mit unterschiedlichen Geräten: 

Apple AirPods Pro: Sound

Was wohl von sehr großem Interesse sein wird, ist wie die Apple AirPods Pro klanglich dastehen. Zunächst einmal wird wohl jeder Consumer-User, der sich die amerikanisch-chinesischen Ear Buds in den Gehörgang steckt, beeindruckt sein. Groß und mächtig, dick und modern klingen die In-Ears. Die Klangsignatur hat durchaus ihre Ähnlichkeiten mit den „Beats“-Kopfhörern. Auffallend ist der bewusst trockene Bass, der massive Fundamente schafft und fast nicht zum Dröhnen und Schwimmen zu bewegen ist. Auch Ausreißer im Frequenzgang finden nicht statt. Tiefmitten und Hochmitten sind dynamisch recht energiereich, dicht und etwas verklebend, die Schärfe wird leicht zurückgehalten, was der Langzeithörbarkeit zugute kommt. Höhen und Luftband sind exakt, wirken auf mich aber etwas gehypt.

Ich fühle mich beim Musikhören ein wenig an sanft eingestellte Multiband-Dynamikbearbeitung erinnert, die nicht nur schnell abriegelt und den Energiegehalt steigert, sondern mit kurzen Regelzeiten auch in mehreren Frequenzbändern expandiert. Was zum Hören aktueller Chartsmusik und von Sprachproduktionen (vor allem im Mobilbetrieb in tendenziell lauten Umgebungen) sehr gut funktioniert, schränkt den Spaß beim Hören von akustischer Musik, Jazz, Ethno, Folk und besonders Klassik deutlich ein. Sicher ist der typische Klassikhörer nicht Apples Zielgruppe. Man sollte sich aber im Klaren darüber sein, dass es den Apple AirPods Pro nicht um größtmögliche Natürlichkeit geht. Dadurch wird deutlich, wie die Eignung für Audio-Profis und Musiker ist: eher gering. Bezüglich der Bühnendarstellung kann man den Ear Buds bestimmt keine Bestnote erteilen, hier haben In-Ears sowieso schon ihre konzeptionellen Probleme – und andere, selbst deutlich preiswertere kabelgebundene Hörer wie die Soundmagic E50C deutlich die Nase vorn. Mit ihrem immer leicht prozessiert klingenden Klangcharakter eignen sich die Apple AirPods Pro nur bedingt für tontechnische Arbeiten, die über den Schnitt, die Beurteilung von musikalischer und spielerischer Qualität und ein grobes Festlegen von Pegelverhältnissen und spektralen Eigenschaften hinausgehen. Ich will aber auch durchaus die positiven Eigenschaften beleuchten: Aufgrund der wirklich hervorragenden Noise-Control-Fähigkeiten kann man vor allem bei längeren Reisen mit der Bahn oder als Mitfahrer im Auto mit MacBook, iPad oder sogar iPhone durchaus „in Ruhe“ arbeiten. Sende- oder veröffentlichungsfähiges Material zu erstellen, wird wohl erst nach sehr langer Kennenlern-, Vergleichs- und Beurteilungsphase gelingen. Ich würde dennoch immer geschlossene, ohrumschließende Kopfhörer vorziehen. Und wenn Schallimmissionen und -emissionen keine Rolle spielen, sind ja sowieso offene Hörer das Mittel der Wahl. Mit ausgeschaltetem Noise Cancelling ist die Performance der Apple AirPods Pro übrigens insgesamt besser. Das ist kein Kunststück, denn dann fällt eine der beiden Aufgaben für die Wiedergabekette weg.  

Konzeptionelles

Natürlich kann man sich den Kauf des nicht gerade preiswerten Lifestyle-Produktes dadurch selbst rechtfertigen, dass man auch eine professionelle Nutzung „mitnehmen“ kann – auch wenn man einige Abstriche in Kauf nehmen muss. Interessenten sollten bei diesen Abwägungen aber die Haltbarkeit bedenken: Die Akkus sind nicht wechselbar, sobald also ein Hörerakku schwächelt, ist das gesamte System am Ende seines Nutzungszyklus angelangt. Der Vergleich hinkt natürlich, aber ein klassischer Kopfhörer eines Markenherstellers erlaubt oft die Reparierbarkeit auch noch nach Jahren und teilweise Jahrzehnten (!), da die Informationen dafür offengelegt werden und Ersatzteile bestellt werden können. Die Preise für die proprietären Ohrpassteile der Apple AirPods Pro sollen nur im Einstelligen Bereich liegen, ein Ladecase bekommt man bestimmt nicht für diesen Kurs – und nicht nur Ohrpassteile, auch Akkus sind bekanntlich Verschleißteile.

2 / 3
.

Verwandte Artikel

User Kommentare