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Test
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25.04.2013

American Audio 19MXR Test

19 Zoll Rack-Mixer

Preiswertes Universaltalent fürs DJ-Rack?

Von den Mitbewerbern abheben, nicht das Portemonnaie sprengen und das Rüstzeug für die digitale DJ-Zukunft mitbringen. Das scheint die Maßgabe für den Rackmixer American Audio 19MXR zu sein. Wichtig, denn die Konkurrenz auf diesem Sektor ist zahlreich und schläft bekanntlich nicht. Angefangen mit Behringers DX2000, NOX1010 und VMX 1000 USB, die bereits für 180 bis 250 Euro über den Tisch gehen oder Stantons RM 416 und Numarks C3 USB, die sich knapp unterhalb der 300-Euro-Grenze positionieren, sind symmetrische Master- und Zone-Outputs, vier oder mehr Kanäle mit dreifach EQs und multiple Mikrofonanschlüsse gängige Ausstattungsmerkmale.  

Um den Kunden die Kaufentscheidung zu versüßen, servieren die Hersteller zum Teil „Sahnehäubchen“ wie integrierte Beatcounter, Subwoofer-Outputs, Effektsektionen oder USB-Audio-Funktionalität. Pioneer legt mit dem getrennt bespielbaren Zone-Out beim DJM 5000 noch einen drauf, verlangt dafür aber stolze 799 Euro. Was den meisten der zuvor genannten Modellen jedoch fehlt, ist eine adäquate Anzahl an MIDI-Controllern und ein MIDI-Modus zur Befehligung einer DJ-Software. Und da kommt die neue MXR-Serie von American Audio ins Spiel.  

Sie umfasst den Clubmixer 14MXR, den Battlemixer 10MXR und meinen heutigen Testkandidaten 19MXR. Dieser lockt mit einer integrierten DSP D-Core Soundkarte, MIDIlog-Audioschnittstellen, XLR-Ausgängen und einer MIDI-Navigationssteuerung samt konfigurierbarer Steuertasten, welche eine digitale DJ-Performance mit jeder lernfähigen, kompatiblen Software ermöglichen. Der DJ muss also, ausgenommen bei Serato Scratch Live und Traktor Scratch, nicht unbedingt sein Interface mit zum Set schleppen. Virtual DJ LE liegt dem Lieferumfang bei, damit der Käufer gleich loslegen kann. Doch gerade Rackmixer müssen im rauen Arbeitsalltag mit erhöhter Robustheit, Ausfallsicherheit, austauschbaren Komponenten und nicht zu vergessen: soliden Audioeigenschaften aufwarten – geht das denn für knapp 300 Euro Straßenpreis?

Details

Viel drin ist nicht im Karton, denn dieser beherbergt lediglich den Mixer, ein Strom- sowie USB-Kabel, eine Bedienungsanleitung und eine Serial Card für Virtual-DJ LE. Das Pult wiegt stattliche 4,5 Kilogramm, kleidet sich in ein mattschwarz lackiertes Metallgehäuse und suggeriert auf Anhieb eine „road-taugliche“ Robustheit. Der visuelle Schnellcheck zeigt eine ordentliche Verarbeitung, angefangen bei der sauberen Entgratung, den Anschlussbuchsen und den fest verschraubten Standfüßen. Die Haptik der Fader und Potis geht in Anbetracht der Preisklasse in Ordnung, wenngleich es noch feine Unterschiede hinsichtlich des Drehwiderstands gibt, was sich aber über die Zeit legen sollte. Sämtliche der griffigen, gummierten Equalizer-Kappen sitzen (nicht zuletzt aufgrund eines Klebestreifens – siehe Foto) bombenfest auf den fest verschraubten Metallachsen. Nur die Drehregler, denen eine Button-Funktion zuteilwurde, sind konstruktionsbedingt ein wenig wackeliger Natur, genau wie die Crossfader-Assign-Taster mit ihren schwarzen Kunststoffstiften. Irgendwo merkt man dann am Ende schon die Qualitätsunterschiede zur dreimal so teuren „Luxusklasse“, doch den Vergleich in seiner Preiskategorie braucht der 19MXR bis hierher gewiss nicht zu scheuen.

Anschlüsse

Das anschlussfreudige Backpanel startet links außen mit der Kabelbuchse, dem Einschaltknopf und der USB-Schnittstelle für den Computer. Dann folgt der Ausgangsblock mit symmetrischen XLR-Buchsen und Stereo-Cinch für den Master sowie einem getrennt regelbaren Cinch-Booth. Ein Record-Ausgang ist nicht zugegen, auch hätte ich persönlich gern einen Playout in Klinkenform statt zweimal Cinch gesehen, doch sollten die angebotenen Schnittstellen den meisten Szenarien, zum Beispiel Promotion-Veranstaltungen, Firmenevents, kleine bis mittlere Outdoor-Parties oder fest verankert in der Musik-Kneipe gerecht werden. Dem sprechen auch drei Mikrofonanschlüsse (2x Klinke, 1x XLR) zu, die leider ausschließlich an der Hinterseite verbaut wurden. Mal eben sein eigenes Mike bei der „Karaoke-Gastdarbietung“ aus der Innentasche des Mantels zücken und geschwind oben einstöpseln ist nicht möglich, aber im Grunde auch nicht wirklich üblich, also lässt sich dies bestimmt verschmerzen. Die sogenannten „MIDIlog-Inputs“ eins und vier nehmen analoge Line-Signale via Stereo-Cinch entgegen, was auch auf die Kanäle zwei und drei zutrifft. Nur können die mittleren beiden auch Plattenspielersignale verarbeiten, wenn die rückseitigen Wahlschalter auf „Phono“ stehen. Zwei Erdungsschrauben zeigen sich für die Massekabel zuständig. Eine Möglichkeit, externe Effektgeräte über Send/Return-Buchsen einzubinden, suche ich vergebens. Effektsüchtige Plattenreiter greifen wahrscheinlich eher zu einem anderen Pult.  

Eines wird bereits zu Beginn ziemlich deutlich: Trotz der Option, Virtual-DJ, Mixvibes, Traktor und Co zu dirigieren, ist der 19MXR nicht für Remix-Deejays, sondern in der Kategorie Working-DJ-Tools angesiedelt. Doch gerade diese benötigen, besonders als Plattenwunsch erfüllende Musikdienstleister, auch oftmals die Möglichkeit, auf den Datenbestand ihrer Laptops zuzugreifen und freuen sich über das integrierte Audiointerface, das das Mitführen einer externen Lösung obsolet macht. Über die USB-Buchse werden neben den Signalen USB1/2 und USB3/4 auch MIDI-Befehle übertragen.

Oben angekommen

… startet das Einbaupult auf der linken Seite mit den beiden ziemlich neutral klingenden Mikrofongruppen, die standesgemäß jeweils mit einem im Cut und Boost zwölf Dezibel umfassenden Hi/Low-EQ ausgestattet sind und obendrein je einen separaten Reverb-Effekt spendiert bekommen haben. Eine Talkover-Funktion fehlt indes. Praktisch finde ich, dass diese beiden Signalwege mit einem Einschaltknopf bedacht sind, denn so muss das Mikro nicht immer aufs Neue ein- und ausgepegelt werden. Ob er sich allerdings tatsächlich in einer Press-Funktion (Herunterdrücken) des Gain-Reglers widerspiegeln sollte, darüber lässt sich durchaus streiten, denn die Gefahr, das Mikrofon beim „impulsiven“ Nachregulieren auszuschalten, ist somit grundsätzlich gegeben. In diesen Zusammenhang möchte ich erwähnen, dass sämtliche Gains am Pult eine maximale Verstärkung von vier Dezibel ermöglichen. Von klanglicher Seite gibt’s hier, bis auf das im Vergleich zu meinem DJM-850 auffälligere Grundrauschen, in Anbetracht der Preisklasse weiter nichts zu beanstanden. Das dritte Mikrofon landet im Übrigen auf Kanal vier, womit ihm die Ehren eines dreibändigen Regelwerks und die Option zum Vorhören zuteilwerden. Einmal eingepegelt übernimmt der Channel-Fader dann den Blendvorgang bis zur maximal voreingestellten Lautstärke.

Ansonsten bieten Kanal eins und vier die Möglichkeit, einen externen Line-Zuspieler einzubinden. Beide zeigen sich jedoch in Verbindung mit dem MacBook, was den USB-Signalfluss angeht, gänzlich unbeeindruckt von der Schalterstellung USB. Channel zwei und drei hingegen sind mit Phono-Preamps ausgestattet, können entweder Turntables oder Line-Player einbinden und sind standardmäßig für die Audiostreams aus der DJ-Software ausgelegt. Zur klanglichen Anpassung der Musik lassen sich die Höhen-, Mitten- oder Bass-Bänder der vier Hauptkanäle jeweils um 12 Dezibel anheben oder vollständig absenken. Die Equalizer klingen warm und packen praxistauglich, wenngleich gegen den Uhrzeigersinn deutlich stärker zu. Zwei ordentlich klingende High/Lowpass-Kombifilter, die in Abhängikeit von der Stellung des CF-Assign operieren, ergänzen das Repertoire. Für Vinyljockeys habe ich nachstehend zu den EQs noch die Qualität der Phonovorverstärker im Vergleich festgehalten.

Dem wäre noch hinzuzufügen, dass die Positionierung von Equalizern direkt neben den Linefadern nicht unbedingt außergewöhnlich ist, wie ihr auch am Behringer Nox 1010 und dem Numark C3 sehen könnt. Wer jedoch klassische Clubmixer gewöhnt sein sollte, der muss sich, anders als am DJM-5000 Rack-Pult von Pioneer, ein wenig umgewöhnen. An jedem Kanalzug sind noch ein 45 Millimeter langer Linefader und der obligatorische Cue-Button zum Vorhören auf dem Kopfhörer beheimatet. Zwei Kanäle lassen sich den beiden Seiten des Crossfaders zuweisen, der zur Freude aller Scratcher stufenlos in seiner Blend-Charakteristik von schnellöffnend bis allmählich einblendend justierbar ist. Auch liegen die Assigns weit genug weg vom CF. Allerdings beträgt die Strecke bis zum Cut-in gut drei Millimeter. Positiv hervorheben möchte ich, dass sich der Flachbahnregler bei einem Defekt im laufenden Betrieb gegen ein Inno-kompatibles Modell austauschen lässt.   An der rechten Außenflanke haben es sich die Master- und Monitoring-Sektion gemütlich gemacht. Master und Booth sind getrennt regelbar, wobei der Ausgangspegel an einer zehnschrittigen LED-Kette abzulesen ist (-25 bis +11 dB). Beim Kopfhörermix sind ein stufenloser Cuemix-Regler und ein Lautstärkepoti behilflich. Der Kopfhöreranschluss (16 bis 64 Ohm) befindet sich auf der Oberseite, ist zu Beginn nicht gerade filigran ansteigend und auf den ersten drei Teilstrichen schon ziemlich laut. Daher ist anzuraten, den Regler komplett herunterzupegeln, bevor ihr die Ohrhörer aufsetzt. Der Sound auf dem angeschlossenen DJ-Kopfhörer zerrt dann auch dementsprechend früh und die Membranen flattern und die Ohren leiden mit, sobald ich den Pegel weiter als 12 Uhr aufreiße (alle Gains und EQs auf null dB). Das geht sicherlich auch anders. Master- und Booth-Volume agieren da im Vergleich gleichmäßiger. Anzumerken wäre noch, dass es dem American Audio (vor allem als Festinstallation) gut zu Gesicht gestanden hätte, wenn er in der Lage wäre, dem Booth-Out eine separate Audioquelle zuzuweisen, sodass der DJ einerseits den Tanzflur zum Kochen bringen kann, aber gleichzeitig die Möglichkeit hat, den Nebenraum mit einer Playliste vom PC oder einem Mediaplayer zu versorgen. Jedoch möchte ich das in der Preisklasse des 19MXR nicht verlangen, weshalb dies keinen Wertungseinfluss hat, aber vielleicht als Vorschlag für einen Nachfolger durchgeht. Soweit die „Pflicht, es folgen „Kür“ und Praxisteil.

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