Hersteller_Allen&Heath
Test
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31.01.2014

Allen & Heath ZED-10FX Test

6-Kanal Mischer mit Effektsektion & Audiointerface

„High End“-Sound für Stage & Heimstudio!

Der britische Hersteller Allen & Heath ist heutzutage beinahe jedem DJ ein Begriff, haben sie doch unter anderem dank Richie Hawtin und Konsorten Pioneer ein wenig ihren Rang streitig gemacht. Dass die Briten aber bereits über 40 Jahre eine echte Größe in der PA-Branche sind, mag dem Junior-Elektronerd und neuen jungen Bands womöglich gar nicht so gegenwärtig sein.

Den kleinen Club und die Begehrlichkeiten kleiner Bands fest im Blick, hat Allen & Heath einen Kleinmischer mit etlichen Features entwickelt, der auch locker noch auf einem Barhocker Platz findet. Zu den Features gehören zum Beispiel zwei Hi-Z-Eingänge, mit deren Hilfe E-Gitarren und andere Pickup-basierte Instrumente angeschlossen werden können. FET-Transistoren sollen den schwachen Strömen im Mix „Beine machen“ und einen röhrenähnlichen Klang verleihen! Eine Effektsektion findet sich auch in diesem Kleinpult sowie ein obligater USB-Port.

Details

Die Historie von Allen & Heath belegt, dass sie in den frühen 70er Jahren ein Mischpult für Quadrophonie entwickelten, dass dann von Pink Floyd für Ihre Auftritte genutzt und dabei von Alan Parsons bedient worden ist. Das Pult MOD1 ist übrigens im Film „LIVE AT POMPEII“ zu sehen! Des Weiteren geht auf Allen & Heaths Konto, Potentiometer nicht mehr „per Draht“ anzuschließen, sondern direkt auf der Platine zu verlöten. Dies läutete endgültig den modularen Aufbau ein und vereinfachte den Service beim Austausch von defekten Baugruppen. Ebenso waren sie einer der ersten Hersteller, die OP-Amps in ihren Pulten verbauten und auch die ersten, die ein MIDI-fähiges Mischpult auf den Markt brachten.

Es gibt viele Innovationen von Allen & Heath, die wir heute als selbstverständlich ansehen und auch in Pulten anderer Hersteller wiederfinden. Recht früh platzierten die Briten erfolgreich Minimixer mit sechs Kanälen und einem Stereo-Output am Markt. Die langjährige Erfahrung in diesem Sektor sollte wohl auch unserem Testkandidaten zugutegekommen sein...

Architektur

Wie bei den klassischen Kleinpulten verfügt auch Allen & Heaths ZED10-FX über sechs Kanäle und einen Stereoausgang. Zwei sind als Stereokanäle ausgelegt, was die Einsetzbarkeit enorm erweitert. Es gibt mehrere Wahlmöglichkeiten bei den Eingängen, wobei zusätzlich noch ein Playback-Kanal eingeschliffen werden kann, der parallel zu den „offiziellen“ Kanälen angelegt und per Poti regelbar ist. Zu dem „Main Mix Out“ gesellen sich noch ein Monitorausgang, ein Record-, ein FX- und ein Aux-Out. Die USB-Schnittstelle erweitert die Einsetzbarkeit des Pultes auf digitaler Ebene, mehr dazu später...  

Der obligate und multifunktionale Kopfhöreranschluss erlaubt ein umfassendes Monitoring. Abgerundet wird das Pult durch seine Effektsektion, die einen der beiden Aux-Busse in Beschlag nimmt und fortan FX-Bus heißt. Im Inneren des ZED-10FX hat Allen & Heath konsequent den vertikalen Aufbau der Kanalzüge verfolgt, somit kann im Service-Fall ein defekter Kanal zügig ersetzt werden, ohne dabei gleich die kompletten Intarsien austauschen zu müssen. Es lohnt sich für den Kunden auch bei den kleinen Dingen groß zu denken und einzukaufen!   Eingänge An dem ZED-10FX kann man wahlweise vier Mikrofone per XLR anschließen oder vier Line-Inputs per Klinkenstecker nutzen. Sollte ein Mikrofon angeschlossen sein, hat dieses Vorrang vor dem Line-In, der dabei stummgeschaltet wird. Auf Kanal 3 und 4 lassen sich diese Line-Eingänge zudem noch als Hi-Z-Eingänge nutzen - die Wahlschalter hierfür befinden sich auf der Rückseite des Pultes. Sie sind versenkt und nur mit einem Kugelschreiber oder einem ähnlich spitzen Gegenstand zu betätigen. Ein versehentliches Schalten ist so nicht möglich und es wäre bei einem regulären Line-Signal wegen der aufkommenden Verzerrung auch nicht ratsam. Der erste Stereokanal kann wahlweise mit zwei Klinken- oder Cinch-Steckern besaftet werden. Der zweite Stereokanal hat zwei Klinkeneingänge spendiert bekommen und ist mit dem USB-Eingang kombiniert. Dieser ist so lange auf „Stereo 2“ geroutet, bis die Klinkeneingänge mit Steckern belegt werden. Channel „ST-1B“ verfügt ausschließlich über Cinchbuchsen und dient somit unter anderem auch als „2-Track Return“. Es gibt einen gesonderten Playback-Kanal, der nur über ein Gain-Poti und zwei Klinkeneingänge verfügt und ebenfalls mit dem USB-Eingang verschaltet ist. Sollte man die Playback-Klinken nutzen, so wird auch hier der USB-In wieder automatisch stummgeschaltet.   Die Mikrofon-/Line-Vorverstärker basieren auf den Pre-Amps der MixWizard-Reihe. Hier hat der Hersteller der ZED-Reihe seine rauscharme, diskrete Transistortechnik unter die Haube geschraubt, die bei sehr niedrigen Rauschpegeln und einem nahezu linearen Übertragungsbereich eine Verstärkung bis maximal 60 dB ermöglicht! Für die Instrumenteneingänge wurden diskrete Class-A-FETs eingesetzt, die man am Backpanel hinter dem Lüftungsgitter prima begutachten kann. Switcht man mit den versenkten Schaltern die 26 dB Verstärkung an, so lassen sich damit problemlos relativ leistungsarme Tonabnehmer einschleifen und in den Mix integrieren. Der FET-Schaltkreis sorgt dabei für ein Klangbild, das einem Röhrencombo recht nahe kommt!

Ausgänge

Die Main-Outputs sind als vergoldete männliche XLR-Buchsen ausgelegt. Via auf der Rückseite liegendem Schalter, der wie die Hi-Z-Buttons versenkt und nur per Kugelschreiber o.ä. zu betätigen ist, kann man den Ausgangspegel auswählen (0 dB oder -30 dB). Dadurch lässt sich das Pult beispielsweise gut als Submixer betreiben. Beide Seitenkanäle des Masters stellen je eine Insertbuchse für externe Effektprozessoren bereit – die einzigen Insertbuchsen des Pultes.

Zusätzlich zum Main Mix-Out gibt es einen Recording-Out auf Cinchbuchsen-Basis, und ebenfalls als Cinch ausgelegt ist der Monitorausgang - beides stereo - versteht sich. Die Signale des FX- und des Aux-Busses sind ebenso jeweils an einer Klinkenbuchse abgreifbar. Für den Effektkanal stellt Allen & Heath noch eine Buchse für einen Fußschalter bereit, der die FX-Sektion (de)aktivieren kann!

Kanalzüge

Es gibt vier identische mono ausgeführte Kanalzüge, von denen zwei auch als „Gitarrenkanäle“ direkt ohne vorgeschaltete Vorverstärkung nutzbar sind. Im Signalfluss folgen nach dem Eingang der Gain, ein zuschaltbares Trittschallfilter und daraufhin ein semiparametrischer Equalizer. Alle Bänder der EQs ermöglichen einen Cut/Boost von plus/minus 15 dB. Die Grenzfrequenz des Höhenbandes liegt fest bei 12 kHz, die des Low Shelfs bei 80 Hz. Die Mittenparametrik lässt sich zwischen 120 Hz und 4 kHz variieren. Darunter liegen die FX- und AUX-Potis, gefolgt vom Pan-Regler und dem ebenso als Drehregler ausgelegten Pegelsteller für den Mischvorgang auf die Summe, dessen Einsatzbereich von unendlicher Bedämpfung bis plus 10 dB Verstärkung reicht. Abgeschlossen wird der Kanalzug von den Tastern „Record“ und „Listen“.

Die beiden Stereokanäle verfügen über je einen Gain-Regler, der die maximale Dämpfung ermöglicht, aber eben auch eine Verstärkung von bis zu plus 15 dB. Die Klangregelung mit nur zwei Bändern ist genauso eingestellt wie bei den Bändern der Monokanäle, ansonsten finden sich hier ebenso FX-, AUX-, Pan- und Level-Regler sowie die beiden Taster ein.  

Effektsektion

Vorab möchte ich erwähnen, dass der FX-DSP bei Markteinführung des ZED-10FX das erste Kleinpult überhaupt war, das ein Tap Delay bietet. Mit dem Teil lassen sich Delays mit Verzögerungszeiten von 70 ms bis 1,35 s realisieren. Der DSP werkelt mit 24 Bit Auflösung und 48 kHz Samplingrate. Die 16 Effektpresets bieten einen ordentlichen Sound und wirken in keinster Weise unangenehm oder billig. Die Delays sind praktischer Weise bereits mit einem Reverb gekoppelt und bekommen so noch mal Extratiefe. Die Hallräume klingen sehr dicht und je nach Algorithmus heller, dunkler oder rauer. Flanger und Chorus sind sehr solide Modulationen! Sämtliche Effekte sind in bestimmten Parametern beeinflussbar, sodass sie gezielter einsetzbar sind, so kann die Tiefe, Breite oder Färbung an die Musik angepasst und zudem im Live-Betrieb nachgeregelt werden. Allen & Heath bietet hier hochqualitative Features, die man normalerweise erst bei Mischpulten jenseits der 1000 Euro erwartet und dort auch nicht immer vorfindet. Last but not least: Die Effekte können zudem noch auf den Aux-Bus geroutet werden. Ein Level-Regler bestimmt dabei den Pegelanteil des Effektsignals. Auch an diesem Kanal befinden sich die beiden Taster „Record“ und „Listen“.  

Mastersektion

Neben der Pegelregelung des Main-Mixes und des Aux Master-Mixes bietet das Kleinpult noch den Playback-Kanal und umfassende Vorhöroptionen, denen wir uns noch widmen werden.  

Playback

Mit der Playback-Option stellt Allen & Heath einen weiteren Kanal an dem ZED-10FX bereit, der dabei auf Klangregelung und Vorhörfunktionen verzichtet. Einzig ein Beimischen auf den Aux-Bus ist möglich und der Level des Playback-Kanals ist in der Mastersektion regelbar.  

Vorhören/Phones

Der Phones-Bus stellt drei Quellen zur Auswahl: „Record“, „Aux“ und „Playback“. Ist keiner der Auswahltaster betätigt, hört man auf dem Kopfhörer den Main Mix AFL (After Fader Listening). Ist das „Playback“ selektiert, hört man den gleichnamigen Kanal respektive USB-Input und zwar PFL (Pre Fader Listening). So lässt sich auch im Hot-Mix prüfen, welches Signal überhaupt gerade eingangsseitig anliegt, bevor man es mir-nichts-dir-nichts in den Mix „hereindreht“.

Die Auswahlmöglichkeit „Aux“ hat Vorrang vor dem „Playback“, und das Signal des AUX MASTER MIX ist AFL abhörbar. So kann man einen potentiellen Monitormix bereits an diesem Pult prüfen und beeinflussen.  

„Record“ hat wiederum Priorität vor den beiden eben genannten Wahltastern und gibt die Summe aller per „Record“-Taster angewählten Kanäle AFL aus. Der Record-Bus ist eine eigene Stereoschiene, die am Record-Out abgegriffen wird - dazu muss die Taste „Record Bus“ an der USB-Schnittstelle betätigt werden. Wahlweise kann auch das Signal der Aux- und FX-Busse auf den Record Out gelegt werden. Das gleiche Signal wird auf Wunsch auch digital durch das USB-Interface aus dem Gerät geführt. Sollte allerdings keiner dieser Taster genutzt werden, so liegen sowohl am Recording- wie auch am USB-Out der Main-Mix an. Sollte eine „Listen“-Taste der Kanalzüge betätigt werden, so werden alle anderen Vorhörfunktionen stummgeschaltet und es sind nur die „Listen“-Signale zu hören. Der Abgriff für den Listen-Bus liegt vor dem Fader. Dieser ist als Mono-Bus ausgelegt, was auch für das Vorhören der Stereokanäle gilt, was ich ein wenig schade finde. Trotzdem behält man einen guten Überblick, was an den Kanälen anliegt, ohne dabei den Mastermix deswegen beeinflussen zu müssen.  

Monitorsektion

An dieser Stelle kann sowohl die Lautstärke des Monitor-Outs geregelt werden, sowie auch entschieden werden, ob das Monitorsignal aus dem Stereomix oder aus der Summe der ausgewählten Vorhörsignale des Kopfhörers gespeist wird. So lässt sich bequem ein individueller Monitormix erstellen.  

Über dem Monitor Level-Poti befinden sich die Wahltasten für die Phantomspeisung samt Kontroll-LED und auch die Betriebs-LED, welche die Bereitschaft des Mischpults bereitwillig signalisiert. Daneben findet das zwölfstellige LED-Stereometer Platz, welches den Mix oder das vorgehörte Signal optisch äußerst zufriedenstellend visualisiert.  

USB

Im Gegensatz zu anderen USB-fähigen Kleinmischpulten bin ich dieses Mal von dem Audiointerface angenehm überrascht worden. Das Signal klingt sehr klar und weist keine raspeligen Artefakte auf. Die Wiedergabe erfolgt entweder über den „Stereo 2“ oder den „Playback“-Kanal. Unterbrechkontakte in den Klinkenbuchsen der beiden Kanäle schalten den USB-Eingang stumm, falls diese benutzt werden. Der Audioausgang des Interfaces ist direkt mit dem Stereomix des Pultes verschaltet. Wahlweise kann man den „Record“- oder die AUX-/FX-Busse via USB-Audio aus dem Pult führen.

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