Test
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28.04.2010

Details

Erster Eindruck
Gemessen an seiner Veranlagung ist Xone:DX mit 40 x 32 x 5 cm noch relativ kompakt ausgefallen. Der „viereinhalb-Kilo-Kämpfer“ aus Cornwall ist sauber verarbeitet und wirkt robust, die Ecken werden von Gummikappen geschützt. In meiner 17“-Laptoptasche scheint sich nicht wohl zu fühlen, doch mit einer adäquaten „Gigbag“ bewaffnet, spricht rein äußerlich nichts dagegen, die kostbare Gerätschaft auf (inter)kontinentale Abenteuer einzuladen. Vernünftig gepolstert sollte das Transportmittel allerdings schon sein, will man die Fader oder Mikrofonpotis nicht verbiegen oder gar abbrechen. Vorrichtungen für einen optionalen Schutzdeckel verbauen Allen & Heath nicht. Das ist schade. Ich habe leider schon verbogene Bedienelemente an reisegeplagtem Equipment befreundeter DJ-Kollegen gesehen. Damit verbundene mehrwöchige Aufenthalte in Herstellerwerkstätten führen gegebenenfalls zum Zweitgerät. Das muss doch nicht sein. Ich finde es auch nicht so toll, wenn das Equipment im Studio durch weiße Kunststoffsärge verhüllt wird, aber zugestaubt ist keine Alternative.

Beim DX kommen die bewährten ALPS Regler zum Einsatz, wie man sie auch an den analogen Geschwistermodellen zu schätzen gelernt hat. Auf den ersten Blick scheint alles da zu sein, was der DJ für eine zünftige Mix-Session benötigt. Das Layout wirkt sehr durchdacht, eindeutige Beschriftungen verhelfen auch Greenhorns zum nötigen Durchblick. Wie beim Xone:4d bildet der Vierkanal-Mixer das Zentrum und wird rechts und links von je einer Dual-Layer-fähigen Deck- und Kreativsektion flankiert. Beim Pitch verzichten die Produktentwickler auf die sonst üblichen Fader. Statt dessen kommen Encoder zum Einsatz. Insgesamt zähle ich 27 Drehregler, fünf Fader, vier Switches, sieben Push-Encoder, zwei Jogdials und 65 Buttons. Das ist mal üppig und lässt Xone bis zu 168 Steuerbefehle an die Software übermitteln. Itch kommuniziert per USB, die Standard-MIDI-Buchsen sind wohl eher für einen Betrieb jenseits von Itch ausgelegt oder vielleicht zum wechselseitigen Daten-Austausch mit Ableton Live, beziehungsweise zur Koproduktion „The Bridge“ konzipiert. The Bridge zeichnet einerseits Regelparameter wie Fader und EQ-Cuts während eines DJ-Mix auf und ermöglicht so eine nachträgliche Bearbeitung in Ableton-Live. Andererseits bindet es Ableton-Projekte direkt in die neuseeländische Software ein, um Echtzeit Serato-DJ-Manöver live zu vollziehen. Die beiden Programme lagen natürlich nicht im Paket, dafür aber eine Treiber-CD, Stromversorgung, USB-Kabel, Quickstartguide und Aufkleber.

Hardware
Audiointerface - Backpanel

Mein lieber Herr Gesangsverein, das ist das umfangreichste Audiointerface, was ich bisher bei einem DJ-MIDI-Controller gesehen habe. Neben vier unsymmetrischen Stereocinchbuchsen für Cue-, Booth-, Aux- und Master-Out, der auch als XLR vorliegt, sehe ich einen S/PDIF I/O, einen optischen Ausgang, zwei Fünfpol-MIDI-Buchsen und satte vier Line-Eingänge. Zwei von ihnen lassen sich auf Phono- und einer auf Mikrofon-Betrieb schalten (3,5 Millimeter Direct-Input). Das Interface arbeitet mit 24-Bit, die verfügbaren Sampleraten liegen bei 44,1/ 48/ 88,2 und 96 kHz. Was sich da aus den Boxen „presst“, ist druckvoll. Zudem klingen die Wandler sauber und transparent. In dieser Hinsicht ist das Interface schlichtweg gut gelungen. Und die Kehrseite der Medaille? Sämtliche Eingänge sind an den Betrieb mit einer Software gekoppelt. Es ist nicht möglich, das Gerät Standalone, wie einen analogen DJ-Mischer zu verwenden…Stop, da ist ja noch der Direct-Input für den Fall eines Softwarecrashs. Hier kann der DJ einen Erste-Hilfe-iPod anschließen. Sogar wenn die Stromverbindung ausfällt, wandert das Signal in den Mixer, dann aber selbstredend ohne Vorverstärkung. Eines möchte ich gleich vorwegnehmen. Auch wenn DX über Phono-Eingänge verfügt, ist es leider nicht möglich, mit Serato Scratch Live- oder SSL-Timecodes zu arbeiten. Und auch mit NIs Traktor Scratch Pro bleibt der Einsatz von Steuervinyl wegen fehlender Zertifizierung außen vor.

Audiointerface – Frontpanel
Der Mic-Anschluss ist gut zugänglich an der Front plaziert, ein 2-Band-EQ steht ihm klangtechnisch zur Seite. Der Preamp leistet gute Arbeit, erweitert das Einsatzgebiet des Multitalents um moderierte Veranstaltungen und mit dem passenden Plugin ist er auch zu einem unkomplizierten Webcast bereit. Hier fehlt mir aber in letzter Konsequenz der Talkover-Button.

Gleich zwei Kopfhörerausgänge im 6,3 mm- und Mini-Klinkenformat machen den Adapter obsolet und ermöglichen auch DJ-Teams eine komfortable Zusammenarbeit, allerdings bei identischer Lautstärke. Sie liefern einen kristallklaren, doch für druck- und geräuschvolle Umgebungen nicht ausreichend lauten Sound. In einer Bar und auf kleineren Partys reicht der Pegel aus, Software-Overdrive hebt ihn bei Bedarf schätzungsweise noch um drei bis vier zusätzliche dB an, aber dann ist Schluss. Selbst mit Software-Übersteuerung bleibt das Signal hinreichend sauber. Das Volumen wird in der Mixersektion angepasst und lässt sich auch „splitten“. Seltsamerweise hat die softwareseitige Übersteuerung des Kopfhörerlevels Auswirkungen auf die Master LEDs und nicht nur auf die Cuemix-Indikatoren, was beim Einmessen stört. Ein Softwareupdate soll bald Abhilfe schaffen.

Oberfläche: Bedienelemente-Mixer
Ein waschechter Allen & Heath, das ist DX unweigerlich und das sieht man sofort. Die Mixersektion bietet vier komplette Kanalzüge, die kaum Wünsche offenlassen, außer vielleicht einem fetten A & H-Filter fürs Mastersignal. Er wäre bestimmt das Sahnehäubchen auf einer durchgeschleiften Schallplatte. Jeder XONE-Bus besitzt einen 60 mm langen und leichtgängigen Fader zur Lautstärken-Anpassung mitsamt 3-Band-EQ und Aufholverstärker. Vierstufige Kanal-LEDs, Kippschalter für die Crossfader-Zuweisung und je drei Buttons um Kopfhörer oder Effekte zuzuschalten komplettieren die potenten Signalwege. Der Vorhörknopf schleift als Zweitfunktion eine extern anliegende Quelle ein, zum Beispiel das Mikrofon oder einen Plattenspieler. Alle Drehregler sind gummiert, angenehm griffig und weisen großzügigen Sicherheitsabstand zum Nachbarn auf. Da freut sich der „Frequenzschrauber“. Der EQ-Boost liegt standardmäßig bei 6 dB und lässt sich im Programm auf 12 dB anheben. Auf 8-Uhr-Position wird der anvisierte Frequenzbereich gekillt.

Unser Proband hat getrennte Master und Booth-Ausgänge, die Regler liegen im oberen Zentrum unter dem achtsegmentigen Peakmeter. Etwas weiter südlich ermöglichen Push-Encoder und Buttons mauslosen Zugriff auf die Musikbibliothek. Sehr praktisch ist VIEW. Dieser Knopf blendet die Wellenformen der Softwaredecks aus, was gerade bei einer Vierdeck-Performance auf dem Notebook während der Arbeit in einer Playlist von Vorteil ist. Mit Ausnahme der exakt punktierten Buttons CUE/PLAY/LAYER und LOAD haben die übrigen Tastentypen keinen definierten Druckpunkt, sondern lösen ungefähr nach einem Drittel des Weges aus. Fast alle Schaltflächen sind beleuchtet und liefern so eine optische Statusrückmeldung. Die Nacht kann also kommen.

Decks an FX
Schön übersichtlich, am Kopfende des Mixers, sind die Effekt-Units plaziert. Auswahl, Wechsel und Timing geschehen direkt von der Hardware. DEPTH, MOD und X geben Zugriff auf die individuellen Typenparameter. Der DJ hat dabei die Wahl zwischen freier, beatgetriggerter oder manuell „eingetappter“ Modulation. Ein Druck auf den Endlos-Encoder wechselt den gesamten Effekt aus. Die Fader steuern sehr präzise, die Taster leuchten blau, wenn sie aktiv sind, jede Unit kann auf jeden Kanal geschaltet werden, da gibt’s nichts zu bemängeln. Die Effektsektionen packen auch bei eingeschliffenen Audiosignalen gut zu, zum Beispiel vom Mikro oder CD-Player. Das haben A&H gut hinbekommen. Gegenwärtig gehören zwölf Software-Effekte zum Lieferumfang. Im direkten Vergleich sind sie ihren Kollegen aus Virtual-DJ, Deckadance oder Spin überlegen, können aber noch nicht ganz mit den knackigen Traktor-FX mithalten. Doch was nicht ist, kann ja noch werden. Nachstehend findet ihr einen Auszug aus dem Itch-Repertoire.

Insgesamt Hinterlassen die Effekte einen soliden Gesamteindruck.

Im Gegensatz zu den seinerzeit hier (Link Xone:1D) vorgestellten Modellen des Xone:1D haben die Teller am Testmodell keine Button-Funktion mehr inne. Das ist in meinen Augen eine gute Entscheidung. Wer einmal am DX auf das Dial drückt und es dann hin und her bewegt, hört zuerst und sieht danach, welche Spuren dieses Verhalten hinterlässt. Scratching ist meiner Meinung nach nicht die Königsdisziplin des DX. Es gibt zwar einen Knopf zum Aktivieren von SCRUB im Pausenmodus. In Anbetracht der kleinen Rädchen würde ich aber davon absehen. Jogartisten sind mit einem Vestax-VCI-300 wegen der größeren Wheels oder einem Numark-NS7/V7 mit seinem Plattenteller und 7-inch-Echtvinyl besser beraten. Xones 65 mm-Rädchen sind von einem Leuchtkranz umgeben. Ein schöner, und für manchen auch durchaus nützlicher, Eyecatcher, denn er zeigt die Position und Richtung eines Tracks entsprechend dem Indikator am Softwaredeck. Die Wheels sind handlich genug zum Tempobeugen und kommen zügig zum Stillstand. Bei ausgeschalteter Wiedergabe spult eine Umdrehung circa zwei Sekunden im Song vor. Per Shift geht’s ungefähr viermal so schnell. Aber man sollte sich nichts vormachen. Mit einem virtuellen Needledrop, wie bei Numarks Strip-Search-Slider am V7 und NS7 ist man schneller unterwegs. Zur Verdeutlichung: Um komplett durch Julian Jabres Song „Swimming Places“ zu navigieren, brauchte es immerhin 85 volle Umdrehungen.

Eingekreist wird das Plastik-Tellerchen von zwei schlagkräftigen PLAY- und CUE-Tasten, bei denen man sich schon etwas Mühe geben muss, um daneben zu „semmeln“. LAYER wechselt zwischen den beiden virtuellen Benutzeroberflächen, je nach Layer illuminieren die Zonen dann Rot oder Grün. (Das wirkt sich ebenfalls auf die dazugehörigen Loop-Sync-Sektionen aus). LOAD lädt den ausgewählten Song in den aktiven Player. Die Decks können auch über den Mixer umgeschaltet werden. Dazu genügt es, den Vorhörtaster einmal zu betätigen. Das ist sicher nicht für jeden die Optimallösung, bietet aber direkten Zugriff während des Previews. Auch an Cuejuggler haben die Produzenten gedacht, vier Hotstarts im unteren Decksegment springen usergenerierte Song-Markierungen an. Mir persönlich sind die Buttons etwas zu klein und ich hätte gern einen weiteren Satz darunter gesehen, denn immerhin bietet Itch neun Cuepoints pro Deck, was einer 1:1 Umsetzung noch näher käme.

Der Geschwindigkeitsknopf
Ihr habt richtig gelesen, zum Anpassen des Tempos haben A&H hier keinen Fader verbaut, sondern einen dreistufig skalierbaren Endlosdrehregler (8,16, 50 Prozent). Bei acht Prozent ändert er den Pitchwert mit jedem Schritt um 0,01 Prozent, was bei einem Song von 120 BPM zwischen 0,01 bis 0,02 Beats pro Minute ausmacht. Das ist sehr genau. Wer in einem bestimmten Genre musiziert, zum Beispiel House, und zumeist Tracks zwischen 120 und 128 BPM hat, bekommt mit den Jahren irgendwie ein Gefühl dafür, wie weit er den Pitchfader zu schieben hat, um, nach einem ersten Preview, zum annähernd richtigen Wert zu gelangen. Das kann ich so für die Encoder-Lösung nicht unterschreiben, doch mit der Zeit gewöhnt man sich bestimmt an die unkonventionelle Art der Steuerung. Wer nicht ausschließlich nach Gehör mixt, dem hilft vielleicht der zeitschenkende Blick zum Laptop Screen, um die aktuellen BPM abzulesen und dann einzupitchen. Noch flinker ist die automatische Tempoanpassung mit SHIFT + SYNC oder gleich das voll computergesteuerte Beatmatching per Direktzugriff. Versteht mich nicht falsch, ich liebe meine 100-mm-Pitch-Fader am Plattenspieler. Sie treten grundsätzlich immer als Beatmatch-Alternative beim DVS-Einsatz und logischerweise bei Schallplatten in Aktion. Am MIDI-Controller, da bin ich ehrlich, kommen sie eher zum Nachjustieren und dementsprechend weniger zum Gebrauch. Aus diesem Grunde finde ich auch diese Lösung praxisnah, vorausgesetzt der Beatcounter rechnet präzise genug und die Synchronisation funktioniert dann auch. Was das LED-Positionsmeter angeht, sehe ich ihn eher als optisches Beiwerk, weil er sprunghaft und zudem in seiner Darstellung zu ungenau ist.

Software
Serato Itch 1.6

Serato Itch 1.6 hat im Gegensatz zur Vorgängerversion ordentlich zugelegt, bietet jedoch grundsätzlich den gleichen Aufbau, also oben die Trackverwaltung und unten die Abspieleinheiten. Neu hinzugekommen sind die Decks drei und vier. Jedes zeigt die volle Palette der mixrelevanten Informationen an, eine individuelle Anpassung ist nicht möglich. Je nach Auflösung der Grafikkarte geht dies zulasten der Übersichtlichkeit in der Library.  Jeder Player zeigt sein Musikstück mit einer farbcodierten Wellenform an, in der Rottöne die Bässe, Blautöne die Mitten und Grüntöne die Höhen repräsentieren. Wem diese Darstellung nicht gefällt, der kann jede Wave individuell auf ein Dreibandspektrum umstellen. Beide Ansichten zeigen nach abgeschlossener Fileanalyse ein Grid an. Nebenbei bemerkt gab es mit der Chipsatzlösung des NVIDIA9400m im Intel-Macbook zeitweilige Aussetzer in der Darstellung.

Die Trackverwaltung kommt mit den bekannten vier Shortcuts und den virtuellen Plattenkisten „Crates“. Intelligente Ordner sind nicht vorhanden, iTunes wird voll unterstützt. FILES greift auf die Verzeichnisstruktur zu, hinter BROWSE verbirgt sich die Musikbibliothek, welche übersichtlich nach Album, Artist, Genre und BPM sortiert wird. In der History werden vergangene Mixsessions aufbereitet. Prepare ist eine temporäre Reihenfolge, deren Tracks nach dem Abspielen aus der Liste entfernt werden. So laufen DJ Teams nicht Gefahr, Stücke doppelt zu spielen. Die Itch-Listen bieten 19 ID3-Tags. Ein Track-Bewertungssystem fehlt mir in diesem Kontext am meisten, denn es sorgt für mehr Effizienz im täglichen Einsatz, zum Beispiel beim Beurteilen von neuen Songs und Promo-Material. Ein Kollege, der im Sommer an 5 Tagen in der Woche mehrstündige Outdoor-Sets im Genremix ohne Chartbuster spielt, sagte in diesem Zusammenhang, dass für ihn eine Software ohne Bewertung nicht in Frage käme. Ich habe allerdings auch schon einige Genrevertreter gehört, die mit 50 Tracks pro Saison auszukommen scheinen. Da sieht die Sachlage natürlich schon wieder anders aus.

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