Gitarre Workshop_Folge
Workshop
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13.02.2013

Gitarren-Akkorde lernen #3 - Gitarren-Workshop

Tutorial: Gitarren-Chords lernen und verstehen

Moll Akkorde

Helau! Nachdem wir bisher ausschließlich Dur-mäßig unterwegs waren, möchte ich mich im dritten Teil des Workshops nun den Moll-Akkord-Voicings bzw. Shapes zuwenden, euch ein paar Übungen zum Lernen der Shapes an die Hand geben - und natürlich auch zeigen, wie man damit Musik machen kann.

Genau wie im Dur-Bereich gibt es auch in Moll eine Handvoll Shapes, die wir schon vom Wanderklampfenspiel her bestens kennen und die sich (nach einem kleinen Umbau) wunderbar dazu eignen, das gesamte Griffbrett zu beackern. Wir fangen mit E-Moll an:

Der Grundton liegt auf der tiefen E-Saite. Möchten wir also zum Beispiel ein C-Moll produzieren, spielen wir den Griff unter Zuhilfenahme eines Barrés im 8. Bund - also genau so, wie wir es bereits für die Dur-Akkorde gelernt haben.

Auf der A-Saite geht es weiter mit A-Moll (Shape, erste Lage - Grundton auf der A-Saite).

Einen C#-Moll-Akkord finden wir also, indem wir zunächst das C# auf der A-Saite suchen und anschließend das A-Moll-Shape mit Barré-Unterstützung greifen.

Kleiner Hinweis: Wenn wir die Lagerfeuerakkorde A-Dur und A-Moll in der ersten Lage miteinander vergleichen, fällt auf, dass sie sich lediglich in einem Ton voneinander unterscheiden - der Terz. Bei A-Dur bekommen wir es mit der großen Terz C# zu tun, bei A-Moll mit dem C, der kleinen Terz. Es ist also nicht nur wichtig, sich die Lage des jeweiligen Grundtons eines Akkordes einzuprägen - auch die direkten Unterschiede zwischen einzelnen Akkord-Typen sind logisch nachvollziehbar und erleichtern so das Lernen von Griffbildern enorm!

Kommen wir zu einem weiteren alten Freund aus Wanderklampfen-Tagen, dem D-Moll.

Mit dem D-Moll-Shape ein F-Moll spielen? Kein Problem! Auf der D-Saite das F gesucht und im dritten Bund gefunden, dort das Shape hingeworfen und schräng! F-Moll at its best.

TRAINING

Nachdem wir bisher ausschließlich komplette Akkorde gespielt haben, wollen wir euch jetzt  eine Möglichkeit geben, auch Teile der Moll-Shapes zu entdecken. Genau wie beim letzten mal, habe ich die Grundtöne (hier D) wieder viereckig dargestellt - beim ganzen Rest bleibt's rund.

Um euch die Arbeit zu erleichtern (und das Ganze ein wenig übersichtlicher zu machen), habe ich Teile der Shapes auf der G-, H- und E-Saite entsprechend zusammengefasst. Wie die einzelnen Umkehrungen des D-Moll-Akkordes klingen, erfahrt ihr im nachfolgenden Abschnitt " Der Kür".

DIE KÜR

So, das war die Pflicht, jetzt kommt die Kür! Im Folgenden wollen wir das bisher Gelernte anwenden, um es so noch besser in die Finger und den Kopf zu bekommen. Und noch einmal: Nehmt euch Zeit, denn es geht hier nicht darum, einen Lick zu lernen und zu spielen. Es geht um das große Ganze, um das WIE – wie nutze ich mein neues Wissen, um mich musikalisch besser ausdrücken zu können?!

Packen wir es also an. Unseren ersten Abstecher in die Praxis wollen wir mit den neu vorgestellten Moll-Umkehrungen wagen und sie – wie im letzten Workshop mit den Dur-Akkorden –auf drei benachbarte Saiten greifen und spielen.

Wir fangen mit den Saiten G-H-E an und spielen die verschiedenen Shapes für D-Moll (siehe Griffbild oben) aufwärts.

Ihr könnt natürlich gerne auch noch die tieferen Saitenpaare, also A-D-G und E-A-D bearbeiten.

TIPP: Das Ganze ist nichts, was man mal eben nebenbei in einer Stunde lernen kann. Der passende Tagesspruch wäre hier: Gut Ding will Weile haben! Nehmt euch Songs eurer Band oder Nummern vor, die Ihr einfach gerne hört, schaut euch die Akkorde an (entsprechende Sheets findet man ggf. ja auch im Netz) und wendet ein paar der hier gelernten Shapes an.

Wenn ihr die Umkehrungen/Shapes in den Fingern habt, wird es wichtig, sich zu orientieren. Wie bereits erwähnt, solltet ihr unbedingt wissen, wo der jeweilige Grundton eines Akkordes im Griffbild liegt. Denn dieses Wissen ist entscheidend, wenn es darum geht, andere Tonarten abzudecken. Aber das ist nur die halbe Miete. Ihr müsst natürlich auch die Töne auf dem Griffbrett kennen.

Solltet ihr den ersten Teil meines Workshops verpasst haben, hier zur Unterstützung, noch einmal eine kleine Ton-Übersicht – der Tonfinder.

Wichtig für das Spielen unserer Shapes sind für den Anfang die Töne auf E-, A-, und D-Saite. Konzentriert euch beim Lernen also zunächst einmal auf diese. Der Rest kann warten.

Weiter im Text. Jetzt wird es praktisch und wir schnappen uns eine typische Moll-Akkordfolge. 

Am---Dm---Em---Am---, jeweils eintaktig gespielt.

Damit machen wir jetzt Folgendes: Wir suchen uns zunächst ein Shape, mit dem wir den Anfang machen. Die nachfolgenden Akkorde versuchen wir dann jeweils mit den Shapes abzudecken, die dem Ersten am nächsten liegenden. Das wird Euch unter Umständen ein wenig ins Grübeln bringen, aber es lohnt sich! Wählt dabei zunächst ein sehr langsames Tempo – oder macht das Ganze frei und ohne Tempovorgabe. Wenn ihr das eine Zeit lang trainiert habt, werdet ihr merken, dass sich Spielroutine einstellt. Und genau darum geht es hier ja auch! Noten und Tabulatur lesen zu können, ist die eine Sache - und für gewisse Teile der Musik unumgänglich. Sich selbst zurechtzufinden, ohne in irgendwelchen Noten oder Akkordtabellen nachschauen zu müssen, ist aber mindestens genauso wichtig. Wir beginnen auf den Saiten D, G und H mit einem A-Moll-Shape für A-Moll und tasten uns dann schrittweise auf dem Griffbrett nach oben, immer die Umkehrung für den nächsten Akkord im Blick.

Wenn das klappt, geht es etwas sportlicher weiter: zwei Umkehrungen/Shapes pro Takt, angefangen auf der D-, G- und H-Saite mit dem A-Moll-Shape. Jeweils im vierten Takt ruhen wir mit nur einer Umkehrung immer ein wenig aus.

... ich finde, mit zwei Umkehrungen pro Takt klingt das Ganze schon wesentlich musikalischer als mit nur einer. Hier noch einmal der Backing-Track zum selbst Weiterspinnen.

So, und nun gehen wir das Ganze noch etwas praxisnäher an: Wir bleiben bei den Akkorden Am-Dm-Em-Am, schauen aber, wie wir die Umkehrungen optimal ausreizen können.

Die Rhythmus-Truppe Bass/Drums geht hier stilistisch in Richtung Funk, daher sollte auch die Gitarre entsprechend funky anbieten. Ich starte in der V. Lage. Hier spiele ich für Am das Em-Shape, für Dm und Em jeweils das Am-Shape. Damit lässt sich schon eine ganze Menge machen. Ihr werdet sehen, dass ich nicht viele Töne spielen muss, um die Akkorde klar zu „beschreiben“!

Jetzt geht es darum, aus wenigen Tönen (wir beschränken uns ja gerade auf drei Töne für einen Akkord) viel zu machen. Ich habe mal ein paar unterschiedliche Ansätze gewählt:

1. Flächen

2. Pulsierende Achtel – 

es sind exakt die gleichen Töne, aber anders gespielt haben sie eine komplett unterschiedliche Wirkung!

3. Ein Pattern mit Single-Notes  

Immer noch die gleichen Töne, sogar nur zwei der drei.

4. Funk-Pattern 

Funk-Pattern mit den entsprechenden Shapes auf G, H und E-Saite – hier wird es etwas anspruchsvoller, denn ich verwende in den zweiten vier Takten jeweils zwei verschiedene Shapes pro Akkord. Außerdem gibt es hier eine Handvoll Slides und Dead-Notes. Funk eben, am besten locker aus dem Handgelenk geschossen!

Für weiterführende eigene Experimente, hier noch der Backing-Track:

Zugabe

Als letzten Ansatz für diesen Workshop möchte ich noch sogenannte Dezimen ins Spiel bringen. Das sind zwei Töne eines Akkords, meist Grundton und Terz (also basic, basic ...), allerdings ist die Terz hier eine Oktave höher gespielt (daher wird sie Dezime genannt). Die Dezime klingt überraschend voluminös und Ihr kennt ihren Klang wahrscheinlich bereits aus zahlreichen Songs - oder habt sie vielleicht bereits selbst einmal gespielt.

Hier einige typische Greifweisen:

Dur - schaut, wie sich das Griffbild auf den verschiedenen Saiten ändert (Grundton ist immer auf der tieferen Saite und man kann jeden Durakkord mit einer Dezime ausdrücken):

Jetzt die gleichen Akkorde in Moll:

Anhand der Akkordfolge Em - C und G - D (also halbtaktige Changes/Akkordwechsel) wollen wir jetzt antesten, wie Dezimen klingen können:

So, damit wären wir am Ende meines Workshops angekommen. Zum Abschluss noch ein paar Worte in eigener Sache: Mich ausschließlich auf Akkordtöne zu beschränken, ist mir beim Einspielen der verschiedenen Übungen und Beispiele nicht immer leichtgefallen, doch manchmal ist es im Studio genau das, was gefragt ist. Grund dafür kann sein, dass vielleicht auf dem Playback schon andere Instrumente dominant sind und es deshalb schnell zum "Clashen" kommen könnte (also zu Überlagerungen zwischen Gitarre und anderen Instrumenten). Daher ist es von Vorteil, flexibel zu sein und so auf die Herausforderungen des musikalischen Alltags optimal reagieren zu können. Und mal ganz abgesehen davon: Natürlich wäre es auch schön, wenn euch die in diesem Workshop vorgestellten Shapes und Tricks zu "Neuentdeckungen" auf dem Griffbrett inspirieren würden.

Go for it!

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