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15.11.2016

7 Kopfhörer für FOH-Leute

Auf die Murmel, fertig, los

Wer einige Zeit seines Lebens damit verbracht hat, auf Festivals den FOH-Betreuer zu mimen, der dürfte einen gesunden Einblick in die aktuellen Kopfhörer-Trendcharts besitzen. Viele Gastmischer bringen ihren eigenen Kopfhörer mit und das aus gutem Grund. Im ungünstigsten Falle kennt man weder die PA noch das Mischpult, somit bietet der eigene Kopfhörer ein Stück akustische Heimat. Einen Sound, den man kennt und dem man vertraut. Bonedo hat sich umgesehen an den Pultplätzen der Republik. Folgende Kopfhörer lassen sich besonders häufig in freier Wildbahn beobachten.

Sennheiser HD25

Der Youngtimer unter den Kopfhörern. Klein, kompakt und bei Bedarf auch laut. Der HD25 erfreut sich bei vielen Kollegen einer großen Beliebtheit und bietet seinem Besitzer eine gute Qualität zum vernünftigen Preis. Zumal „Made in Germany“ in der Riege der Tontechniker immer noch ein Aushängeschild ist. Klanglich ist der Autor kein glühender Fan des HD25, aber viele Kollegen mögen den soliden Schallwandler aus Wedemark. Und zwar gleich so sehr, dass es mittlerweile sogar eine modernisierte MK II Version und eine Alu-Edition in die Läden geschafft haben.

the t.bone HD990D

Der Thomann Kopfhörer ist die richtige Wahl, falls es zur Sache geht. Sein Motto ist: Nicht schön – aber laut. Und zwar sehr laut. Wenn nichts mehr geht, der Musiker taub oder der Kopfhörerausgang des Pultes zu schwachbrüstig ist, der HD990D erzeugt bei Bedarf ein Laustärkeinferno, das sich überall durchsetzt, selbst beim Death Metal Festival im örtlichen Pfarrheim. Tiefbass und silbrige Höhen glänzen zwar durch Abwesenheit, dafür ist dieser Kopfhörer ideal, wenn man in sehr lauter Umgebung abhören muss. Und sollte die Band mit nichts anderem als Lautstärke überzeugen, kann man den HD990D perfekt zum Gehörschutz umfunktionieren: Aufsetzten, Kopfhörerausgang auf null und der Lärm hat ein Ende.

Beyerdynamic DT770M

Der DT770M ist ein typisches Produkt aus dem Hause Beyerdynamic. Klanglich macht der Schallwandler nicht auf fette Hose, sondern klingt eher angenehm zurückhaltend und ohne Hype. Die Außendämmung ist deutlich größer als bei seinem Bruder mit dem Namen DT770 Pro, somit ist die M-Version besser an einem FOH-Platz aufgehoben. Der Tragekomfort ist ein guter Kompromiss zwischen Anpressdruck und Wellness-Hören.

Optisch ist der DT770M eher ein "Old School Produkt" und somit vermehrt bei der Altherrenmannschaft der Tontechnik zu finden, wo er im Zusammenspiel mit Geheimratsecken und grauem Haar ein stimmiges Bild eines FOH-Gandalfs erzeugt.

RCF Iconica

Der Design-technische Gegenentwurf zum Beyerdynamic kommt aus dem Hause RCF und heißt Iconica. Gestandene Tonleute müssen jetzt sehr stark sein, denn laut RCF wurde der Kopfhörer von einem DJ mitentwickelt. Passend dazu gibt es den Kopfhörer nicht nur in schwarz, sondern auch in einer weißen Version. Logisch, dass sich auch die Hörmuscheln abklappen lassen für ein einseitiges Abhören. Bei einem Probehören stelle ich mich vorab auf absurd fette Bässe, ein Mittenloch und jede Menge Höhengezissel ein. Wow – wie weit man doch danebenliegen kann!

Der Iconica besitzt einen strammen, impulsfesten Bassbereich und richtig prominente Mitten. Die Höhen lösen sehr gut auf, ohne überbetont zu sein. Im Grunde ist der RCF so, wie der HD25 sein möchte. Auch in puncto Verarbeitung hinterlässt der Italo-Hörer einen sehr guten Eindruck und ein solides Kunststoff-Case und gleich zwei abnehmbarer Anschlusskabel gibt es noch oben drauf. Molto Bene, auch bei uns im Test!

Ultrasone Pro-900

Ich habe keine Ahnung warum, aber gerade bei Kollegen aus den Benelux Ländern oder dem französischsprachigen Ausland sind Ultrasone Kopfhörer sehr beliebt. Jedenfalls erspähe ich das Ultrasone Logo recht häufig, wenn sich das Pelicase öffnet und der Kollege neben dem Kopfhörer noch eine im Backstage organisierte Flasche Rotwein hervorzaubert. Dabei ist dieser Hersteller im bayerischen Tutzing angesiedelt und auch eher im Hi-End-Sektor unterwegs.

Der Pro-900 zählt allerdings noch zu den „bezahlbaren“ Produkten aus dem Hause Ultrasone und besitzt zudem den Nimbus, ein Kopfhörer für Individualisten zu sein. Der Hersteller gibt satte fünf Jahre Garantie auf sein Produkt und ist damit eine Insel der Beständigkeit in dem stets aufgewühlten Ozean des Rock’n’Roll Zirkus. Falls ihr mal in den Niederladen unterwegs seid und den eigenen Kopfhörer vergessen habt: Fragt den FOH-Babysitter einfach nach einem „Koptelefoon“. Die Chancen stehen gut, dass ihr einen Ultrasone bekommt.

Nowsonic Prinz und Yamaha HPH-MT7

Zu diesen fünf gestandenen „Koptelefoonen“ haben sich in den letzten Wochen zwei weitere Kandidaten mit FOH-Platz Anwärterstatus bei Bonedo vorgestellt. Der Nowsonic Prinz ist ein Preis-Leistung-Monster, das mit gefälligem Sound, hoher Lautstärke und niedrigem Preis von kaum 70 Euro punkten kann. Zum Test ...

Mit 190 Tacken ist der Yamaha HPH-MT7 deutlich teurer. Der analytische Kopfhörer hält mit seiner linearen Abstimmung dem Tontechniker etwaige Schwächen im Mix deutlich vor Ohren. Der komfortable Schallwandler besitzt ein extra langes Anschlusskabel und eine professionelle Verarbeitung und hat zudem das Potenzial, ein echter FOH-Klassiker zu werden.

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