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08.06.2018

21 legendäre Tonstudios, die Recording-Fans kennen sollten – Teil 4

Von Studio One bis Trident Studios

Erstaunliche Geschichten, beeindruckende Technik, weltbekannte Künstler

 „Superstudios“ entstehen oftmals nicht über Nacht. Stattdessen wachsen und gedeihen sie über viele Jahre unter den Händen von visionären Unternehmern, innovativen Engineers und kreativen Künstlern. Einige dieser Tonstudios sind legendär und haben/hatten großen Einfluss auf die Grenzen des technisch Machbaren. In den vergangenen drei Teilen dieser Mini-Reihe haben wir bereits 15 weltbekannte Studios kennengelernt, die von Abbey Road bis Capitol Studios, von EastWest bis Mountain Studios und von Muscle Shoals bis SARM reichten. Ob witzige Anekdoten, verwundernde Produktionsdetails oder eindrucksvolles Equipment – Diese Studios präg(t)en die weltweite Recording-Landschaft seit vielen, vielen Jahren. In Dieser Folge befassen wir uns mit dem chilligen Studio One, der Geburtsstätte des Rock & Roll, dem Sun Studio, der Hit-Schmiede Sunset Sound und den wegweisenden Trident Studios. Einen ganz speziellen Platz nimmt das mobile Tonstudio der Rolling Stones ein, über das ihr ebenfalls mehr erfahrt. Los geht’s!


16. Studio One (Kingston, Jamaika)

Studio One in Kingston, Jamaika, hatte von Beginn an eine Doppelfunktion als Tonstudio und Zentrale für das gleichnamige Platten-Label, das für seine einflussreiche Rolle im Reggae bekannt ist. Als Mitte der 1950er-Jahre jamaikanische DJs, Musiker und Rapper sogenannte „Sound Systems“ gründeten, die anstelle von Musikgruppen auftraten und Partys beschallten, erkannte der Produzent Clement „Coxson“ Dodd das Potential dieser Bewegung und gründete 1962/63 sein eigenes Label mit dem angeschlossenen Recording Studio gleichen Namens: „Studio One“.

Es war das erste Tonstudio, das in Jamaika von einem farbigen Musiker betrieben wurde. Seit etwa 1954 hatte Dodd schon mit seinem eigenen Sound System großen Erfolg. Diese mobilen Party-Beschaller importierten aus den USA Songs der Jazz- und Rhythm&Blues-Bewegung nach Jamaika und formten sie zu eigenen Stücken um, sogenannten „Riddimms“ (jamaikanisch für „rhythms“). Passend dazu engagierte Dodd Studiomusiker, die er in der heimischen Jazz-Szene fand.

In den folgenden zehn Jahren nach Gründung von Studio und Plattenfirma hatte Dodson großen Einfluss auf die jamaikanische Reggae- und Dancehall-Szene. So war er einer der ersten, der in den 1970er-Jahren alte Riddims neu besingen ließ und auch Dub-Tracks herstellte, über die MCs dann „toasten“ konnten (jamaikanisch für „besingen“). Auch durch diese Art „Produktions-Recycling“ wurde Studio One mit mehreren tausend Produktionen nicht nur zur größten Plattenfirma Jamaikas, sondern das zugehörige Tonstudio auch zum einflussreichen Dreh- und Angelpunkt des Reggae. Auf diese Weise entstanden über die Jahre im Studio One zahlreiche Hits, die bis heute Musikfans weltweit ansprechen. Stücke aus dem Studio One wurden in den vergangenen Jahren unter anderem von Rihanna und Beyonce gecovert oder in Songs von Künstlern wie The Prodigy gesamplet.

Nur wenige Fotos existieren, die das Innere der Studios zeigen. Das Equipment von Studio One stellte Studiobetreiber Dodd handverlesen zusammen. So gibt es Berichte, nach denen er für die meisten Aufnahmen ein und dasselbe Mikrofon benutzte, ein altes Neumann U 67 Röhren-Mikrofon. Zum Einsatz kamen aber auch alte Bändchenmikrofone wie das RCA 44BX sowie ab 1967 das RCA 77DX. Wobei Coxsone in der Regel nicht mehr als zwei Mikrofone benutzt haben soll, um Schlagzeuge zu mikrofonieren.

Der Legende nach kam der besonders „fette“ Bass-Sound, den nur Studio One lieferte, zufälligerweise zustande, weil bei den Aufnahmen ein Bändchenmikrofon benutzt wurde, das im Studio auf die Schnelle unfachgemäß mit einem Stückchen aus einem 1/4"-Tonband repariert wurde und über Jahre einfach weitergenutzt wurde. Als Mischpult kam ein Vorgänger der frühen Quad-Eight-Konsolen zum Einsatz. Aufgezeichnet wurde dann wie zu dieser Zeit üblich auf Ampex-Bandmaschinen. Das Original-Studio, in dem unter anderem Bob Marley mit seinen The Wailers aufnahm, zog über die Jahre innerhalb von Kingston um und wurde 1980 geschlossen. Denn Betreiber Coxsone Dodd zog es nach New York, wo er in der Bronx „Coxsone’s Music City“ eröffnete, ein Plattenladen mit Tonstudio in den Hinterräumen. Zwar eröffnete Dodd in Kingston Studio One ein zweites Mal und betrieb es bis zu seinem Tod im Jahr 2004. Doch obwohl weiterhin aktiv, liefen die Geschäfte von da an schleppender.

2012 kündigte sein Sohn Courtney an sowohl das Studio als auch die Plattenfirma fortführen zu wollen und noch einmal neu Fahrt aufnehmen zu wollen. Seitdem sind unter dem Label „Studio One“ jedoch vorwiegend Reissues vergangener Produktionen erschienen. Das Studio enthält zwar noch heute viel Equipment vergangener Tage, ist aber leider verwaist.

Wer sich für die Geschichte des Studios interessiert, findet unter dem folgenden Link eine interessante zweiteilige Dokumentation aus dem Jahr 2002 mit dem Titel „The Studio One Story“.

Homepage des Studios

17. Sun Studio (Memphis, USA)

Wie Studio One war auch das von Sam Phillips 1950/52 gegründete Sun Studio ursprünglich an eine Plattenfirma ähnlichen Namens angeschlossenen („Sun Records“). Zur Gründungszeit trug das Studio allerdings noch den Namen „Memphis Recording Service“. Das Sun Studio war in einem gerade mal gerade einmal 95 qm großen Gebäude in der Union Avenue in Memphis (Tennessee, USA) untergebracht und gilt als die Geburtsstätte des Rock’n’Roll. Es ist vor allem durch die illustre Künstler-Reihe bekannt, die dort ihre Songs aufnahm. Egal ob Elvis Presley, Jerry Lee Lewis oder Roy Orbison, in den 1950er-Jahren wurden hier zahlreiche Rock-Hits produziert.

1959 verließ der Produzent die Original-Räumlichkeiten der Sun Studios und eröffnete in Memphis das und deutlich größere „Sam C. Phillips Recording Studio“. Und spätestens mit dem Verkauf des „Sun Studio“-Plattenlabels im Jahr 1969 wurde das Studio bis zum Jahr 1985 nicht mehr für Aufnahmen genutzt, 1987 aber unter neuer Führung wieder eröffnet, sowohl als Pilgerstätte für Elvis-Fans als auch als Recording-Studio. Daraufhin kam es zu einer zweiten Blütezeit des Sun Studio, in der Größen des Musikbusiness dort ihre Scheiben einspielten wie beispielsweise U2 Teile ihres Albums „Rattle and Hum“.

In dem 50 qm großen Aufnahmeraum wurde bereits 1949 Akustikplatten angebracht, die parallele Flächen und daraus resultierende „stehende Wellen“ vermeiden sollten. Auch das ist eine Besonderheit, da das Thema Raumakustik in kleinen Studios zu dieser Zeit nur selten berücksichtigt wurde. Sowohl die Akustikelemente als auch einige der Original-Instrumente der 1950er-Jahre können noch heute bei einer Führung durch die Sun Studios bewundert werden.

Wie bei anderen legendären Studios ranken sich auch um die Produktionen der Sun Studios zahlreiche Legenden. So soll beispielsweise der heute als „Slapback Echo“ bekannte Effekt während der Aufnahmen zu einem Song dort entstanden sein. In unserer Liste legendärer Tonstudios darf es deshalb auf keinen Fall fehlen.

18. Sunset Sound (Los Angeles, USA)

Das in Hollywood angesiedelte Studio Sunset Sound liegt direkt auf dem berühmten Sunset Boulevard und wurde 1958 von Salvador „Tutti“ Camarata gegründet. Ursprünglich wurde es für die Nachvertonung von „Walt Disney“-Animationsfilmen eingesetzt – damals noch unter dem Namen Sunset Sound Recorders. Über die Jahre wandelte sich das Profil des Studios, und bekannte Rock- und Pop-Künstler nahmen ihre Klassiker hier auf. Dazu zählen Bands wie The Doors, The Rolling Stones, Guns N’ Roses und Van Halen. Aber auch das legendäre „Purple Rain“-Album von Prince wurde hier produziert. Dass sich das Studio auch heute nicht verstecken muss, was seine Buchungsliste angeht, zeigen so illustre Namen aktueller Künstler wie Maroon 5, Jason Mraz oder Slipknot, die bei ihren Aufnahmen ebenfalls auf den Sound dieser Räume vertrauen.

Das Besondere am Recording-Raum von Studio 1 ist, dass sein Boden leicht abschüssig ist. Da in den Räumlichkeiten ursprünglich eine Autowerkstatt untergebracht war, sollten Flüssigkeiten so in einen Ablauf am Ende des Raums ablaufen können. Für den Tonstudiobetrieb bedeutet diese architektonische Besonderheit aber, dass Decke und Boden nicht parallel zueinander verlaufen. Dadurch wird die Dauer früher Reflexionen erhöht und stehende Wellen vermieden. Beides sind optimale Eigenschaften für den Betrieb eines Tonstudios.

Wer bei Echokammern an kalte, feuchte Räume denkt, die im Keller eines alten Studiokomplexes vor sich hin modern, wird hier eines Besseren belehrt. Die Echokammer der Studios befindet sich stattdessen im oberen Stockwerk. Als kleines Schmankerl gewähren wir euch mit dem obigen Foto einmal einen Einblick in die Reparatur-Werkstatt einer Studiolegende. Darin ist wunderbar zu sehen, wie groß der technische Aufwand ist, um ein Tonstudio wie dieses instand zu halten.

In guten Business-Zeiten baute Camarata Sunset Sound zu einem Komplex mit drei separaten Studios aus. Darin findet sich eine Unzahl von Vintage-Equipment. Die Highlights stehen wohl in den Control-Rooms. Eine große diskret aufgebaute Custom-Konsole mit 56 Eingängen und 16 Bussen steht in Studio 1. Sie ist mit insgesamt 58 Reglern ausgestattet, die per „Flying Fader Automation“ steuerbar sind. Studio 2 beherbergt eine modifizierte Neve 8088-Konsole, die zwei Neve 32264-Kompressoren mit an Bord hat. In der Regie von Studio 3 steht eine Mixkonsole, die eine Custom Made-Mischform aus API- und De-Medeo-Bauteilen bietet.

Alle Studios sind zudem mit einer 2“-Studer-Bandmaschine ausgestattet. Die gute alte analoge Welt, hier lebt sie noch. Aber nichtsdestotrotz hat selbstverständlich auch bei Sunset Sound die Computer-basierte Musikproduktion Einzug gehalten. Die Räume sind allesamt mit Pro Tools und Mac Pros ausgestattet, wie es in amerikanischen Studios üblich ist.

Das Studio ist heute für jedermann buchbar. Die Anfrage sollte nur rechtzeitig stattfinden, denn das Sunset Sound Studio ist für gewöhnlich über Monate im Voraus ausgebucht. An einen Verkauf, eine Auflösung oder gar einen Abriss ist bei diesem Klassiker deshalb noch lange nicht zu denken. Sunset Sound ist einfach ein waschechter Studio-Dinosaurier, der bis in die Zeit der digitalen Musikwelt überlebt hat.

19. The Record Plant (New York, USA)

Auch im Verbund von The Record Plant waren ursprünglich drei Tonstudios ansässig. Diese waren jedoch nicht an einem Standort untergebracht. Vielmehr wurde der Grundstein mit einem 12-Spur-Studio 1968 in New York gelegt und 1969 beziehungsweise 1972 in Los Angeles und Sausalito in Kalifornien erweitert.

Die Liste der Künstler, die in diesen Studios ein und aus gingen, ist illuster und lang. Sie reicht von Aerosmith und Alice Cooper über Jimi Hendrix bis zu Frank Zappa. John Lennon nahm hier seinen letzten Song auf, just an dem Tag, als er erschossen wurde. Auch der Song „Hotel California“ wurde hier auf Tonband verewigt.

Warum die Studios so beliebt als kreative Räume waren, ist kein Geheimnis. Die Gründer sorgten dafür, dass sich die Musiker in jedem Raum wohl fühlen konnten. Während andere Tonstudios Ende der 1960er-Jahre sterile Produktionsorte mit gleißendem Licht waren, sorgten die Gründer Gary Kellgren und Chris Stone für wohnliche Räume, die eine angenehme Atmosphäre vermittelten.

Der Standort in New York wurde bereits 1987 aufgegeben. Wie renommiert und gut ausgestattet aber beispielsweise die Studios von The Record Plant LA waren, zeigt, dass sie in späteren Jahren vom „The Beatles“-Produzenten George Martin geführt wurden, bevor sie 1991 erneut den Besitzer wechselten. Record Plant Hollywood ist bis heute ein Name im Recording-Business, der Künstler wie Rihanna, Justin Bieber oder Robin Thicke anzieht.

Einen besonderen Blick ist aber The Record Plant in Sausalito wert, das von San Francisco aus jenseits der Golden Gate Bridge liegt. Hier wurden im beinahe 10 m hohen Aufnahmeraum von Studio A unter anderem die Metallica-Alben „Load“ und „Reload“ aufgenommen.

Die Gänge dieses ehemaligen Musiker-Refugiums sind mit Holzintarsien aus der Hippie-Ära verziert. Kunterbunte, psychedelische Wand-Dekorationen schmückten einst diese Räume. Wie die Legende es will, gab es im Besprechungsraum von The Record Plant Sausalito einen Wasserbett-Fußboden. Schließlich sollten sich die Anwesenden beim Business-Talk wohl fühlen. Außerdem konnten sich die Musiker mit eigens dafür angebrachten Masken mit Euphorie auslösendem Lachgas in Stimmung bringen. Der Drogenkonsum ging so weit, dass es 1985 zu einer FBI-Razzia kam und das Studio – laut einem Interview mit dem ehemaligen Studiobesitzer Jim Gaines – zeitweise sogar von den Bundesbehörden betrieben wurde.

Zum Equipment: Der über 900 qm große Sausalito-Ableger beherbergte in Studio A eine SSL 9000J-Konsole, Bandmaschinen von Ampex, Sony und Studer. In Studio B kam eine Custom-Neve-8068-Konsole mit GML-Automation zum Einsatz. Und natürlich durften auch die für Rock- und Pop-Produktionen in den 1980er-Jahren unverzichtbaren Yamaha-NS-10M-Monitorlautsprecher nicht fehlen, die hier ganz klassisch über Bryston-Verstärker versorgt wurden. Selbst das kleinste der Studios („The Garden“), das sich in den Räumen in Sausalito befand, war zuletzt noch mit einer SSL 8096G+ Surround-Konsole ausgestattet.

Der Sausalito-Standort überlebte zwar hartnäckig bis in die heutige Zeit hinein, musste aber dennoch 2008 geschlossen werden. Pläne die Räume als Kulturzentrum und Museum wieder zu eröffnen scheiterten. Etwa die Hälfte des Gebäudes wird heute von einem Wellness-Studio genutzt. Auf der Webseite www.plantstudios.com könnt ihr noch einen Blick zurück ins Studio werfen. Mehr über das The Record Plant (Hollywood) erfahrt ihr auf www.recordplant.com.

20. The Rolling Stones Mobile Studio (überall, weltweit)

Es gibt Bands, die benötigen einfach keine Vorstellung. Dazu zählen zweifellos The Rolling Stones. Was aber manchem weniger bekannt sein dürfte, ist ihr rollendes Recording-Studio, mit dem sie zahlreiche Alben aufnahmen wie „Sticky Fingers“ und „Exile on Main Street“. Doch nicht nur die Stones zeichneten hier auf, sondern auch andere Musikgrößen. Beispielsweise nahm Bob Marley mit Hilfe des mobilen Studios die berühmte Live-Version seines Songs “No Woman No Cry”, Led Zeppelin ihre Klassiker-Alben „Led Zeppelin III“ und „Led Zeppelin IV”, Iron Maiden ihre Single „Bring Your Daughter … to the Slaughter“ oder Frank Zappa den Musikfilm „200 Motels“ auf. Zur Geschichte des Trucks gehört auch, dass Deep Purple in ihm ihr berühmtes Stück „Smoke on the Water“ aufnahmen, nachdem der Laster bei dem Feuer, das in dem Song beschrieben wird, beinahe Opfer der Flammen geworden wäre.

Die von der in den 1960ern angesagten Firma Helios angefertigte Technik des Recording-Lasters der britischen Marke BMC bestand ursprünglich aus einer 8-Spur-Bandmaschine und einer Recording-Konsole mit 20 Eingängen. Mit wachsenden Ansprüchen wurde stets am Puls der Zeit nachgerüstet. Und schon bald war die Raumakustik des Trucks verbessert und es konnte auf 24 Spuren aufgenommen werden. Für den Einsatz als Übertragungswagen von Live-Konzerten fürs TV wurde es bereits 1982 mit Computern ausgestattet und sogar von der BBC als mobiles Studio gebucht. Anders als bei so manch anderem Studio üblich, bestand/besteht das Rolling Stones Mobile Studio allerdings nur aus einem Regieraum. Die musikalische Performance musste stattdessen in externen Räumen stattfinden. Aber gerade das schätzten die buchenden Bands an den Aufnahmen, die mithilfe des mobilen Studios entstanden. Denn so konnten sie während der Recordings beispielsweise live auf einer Bühne spielen, statt in Studioräumen zu sitzen. Außerdem wurden Tonstudios zu dieser Zeit noch so gut wie ausschließlich von Plattenfirmen betrieben und richteten sich mit ihren Betriebszeiten auch nach deren Öffnungszeiten. Das Rolling Stones Mobile Studio bot die Möglichkeit, den Einschränkungen dieses Standards zu entfliehen. Auf diese Weise mussten die Studioaufnahmen nicht innerhalb weniger Tage stattfinden, sondern konnten sich auch über einen längeren Zeitraum hinziehen.

Als das Studio Ende der 1980er-Jahre von den Stones nicht mehr genutzt wurde, kaufte Stones-Bassist Bill Wyman der Band das Gefährt an. Mithilfe eines Sponsors rollte es dann durch die Lande, um britischen Nachwuchsbands die Möglichkeit professioneller Demo-Aufnahmen zu ermöglichen. 1993 kam dann das Aus für das fahrende Recording-Studio, das einfach nicht mehr so recht in die sich verändernde, allmählich digitalisierende Studiolandschaft passen wollte. Heute gehört das Rolling Stones Mobile Studio dem National Music Centre von Calgary in Kanada. Ein kanadischer Nachrichtensender hat eine kurze Doku gedreht, der euch einen Einblick in das Studio gibt. Ihr könnt sie hier auf YouTube anschauen. 

21. Trident Studios (London, UK)

Zu guter Letzt darf in aller Kürze ein Studio nicht fehlen, das zu Recht zu den großen Legenden gezählt werden muss. Die im Zentrum des Londoner Stadteils Soho gelegenen Trident Studios waren in den 1960er-Jahren mit ihrer Technik am Puls der Zeit. Sei es Dolby-Rauschunterdrückung oder eine 8-Spur-Bandmaschine von Ampex – hier konnte man darauf zurückgreifen. Neben dem Tonstudiobetrieb versuchte man sich auch als Produzenten und Manager. So wurde vier Jahre nach Gründung unter anderem eine damals noch unbekannte Band namens Queen unter Vertrag genommen. Da man keine Plattenfirma für das erste Album fand, gründete man kurzerhand auch diese noch selbst. Der Rest ist Rock-Geschichte.

Neben The Beatles („Hey Jude“) nahmen hier unter anderem auch David Bowie („The Rise and Fall of Ziggy Stardust“) und Elton John („Candle in the Wind“) auf. Die Liste der Stars, bei denen diese Studios einen musikalischen Fingerabdruck hinterlassen haben, wäre einfach zu lang, um sie hier vollständig anzuführen. Eine nette Anekdote am Rande ist, dass zahlreiche Künstler des EMI-Labels Apple Records in den Trident Studios aufnahmen, weil ihnen die zur EMI gehörenden Abbey Road Studios nicht zusagten.

Legendär sind die Mischpulte der Tonstudios. Die Trident-A-Range-Konsolen sind heute nicht nur aufgrund der in ihnen verbauten Vorverstärker und Equalizer echte Legenden. Sie wurden in den Studios entwickelt, gebaut und vor ihrer verkaufsmäßigen Produktion auch nur hier verwendet. Insgesamt wurden allerdings auch nur 13 dieser Konsolen gefertigt. Wer also heute auf Module dieses Klassikers stößt, die zudem noch funktionstüchtig sind, ist ein echter Glückspilz.

Wie so viele andere Ikonen der großen Tonstudiozeit haben aber auch die Trident Studios den Wandel der Studiolandschaft nicht überlebt. 1981 schlossen sie ihre Tore. Erst 1993 entstanden mit den Trident Sound Studios ihre Nachfolger.

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