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Fulltone PlimSoul Test

Die Konstruktion von Verzerrerpedalen hat viel mit Fingerspitzengefühl und musikalischem Geschmack zu tun. Wenn Mike Fuller, der selber hervorragend Gitarre spielt, ein neues Pedal auf den Markt bringt, kann man sicher sein, dass es sich dabei um etwas Besonderes handelt.

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Bekannt wurde der kalifornische Daniel Düsentrieb durch seine verbesserten Versionen alter und klassischer Gitarrenpedale, die teilweise nicht mehr hergestellt werden. Studiocracks, wie Michael Landau oder Michael Thompson, machten die Pedale aus der Edelschmiede im Laufe der Zeit immer bekannter, wodurch auch die internationale Nachfrage stetig stieg. Mittlerweile sind die Kreationen aus dem Hause Fulltone ein fester Bestandteil im Vokabular vieler Gitarristen – und immer ein Antesten wert. Seit dem Erscheinen des legendären OCD Overdrive setzt Fulltone aber auch auf Eigenentwicklungen. Der von uns getestete Plimsoul ist eine von ihnen.

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Details

Die inneren Werte des neuen Fulltone-Verzerrers verbergen sich in einem kleinen Stahlblech-Gehäuse, das in etwa Boss-Maße hat. Die Ein- und Ausgänge befinden sich seitlich, ebenso  wie der Anschluss für ein 9 oder 18 Volt Netzteil. Die Batterie lagert hinter einer klappbaren Abdeckung auf der Stirnseite, die mit einer Rändelschraube verschlossen wird. Wie die meisten Fulltone-Tretminen, ist auch der PlimSoul ein handgefertigtes und handverdrahtetes  Pedal mit True-Bypass-Schaltung. Das Gerät ist in der Lage, sowohl mit 9 als auch mit 18 Volt zurechtzukommen. Abhängig von der verwendeten Spannung kann es zu marginalen Soundunterschieden kommen.

Das Pedal besitzt vier Regler, von denen das „Stage 2“-Poti wie ein Trimm-Poti in verkleinerter Form vorliegt. Hier lassen sich zwei unterschiedliche Zerrvariationen mischen. Dabei handelt es sich um eine Soft-Clipping-Zerre, wie man sie vom Tube Screamer her kennt und eine härteren Variante, die beim Distortion+, der RAT oder beim Boss DS-1 eingesetzt wird. Die Möglichkeit, beide Zerrstrukturen mischen zu können, dürfte für einige Leute eine wahre Offenbahrung darstellen, denn man hat so quasi zwei Pedale in einem. Einmal auf den persönlichen Geschmack eingestellt, lässt man dieses Poti in der Regel in seiner Position – von daher geht die verkleinerte Poti-Variante für mich voll in Ordnung. Je weiter man das Trimm-Poti aufdreht, umso mehr harte Clippings werden dem Sound beigemischt. Abhängig vom jeweiligen Anschlag beginnt gleichzeitig eine LED zu leuchten, die sich über dem Stage2-Poti befindet.

Kommen wir zu den weiteren Reglern. „Gain“ ist für die Kontrolle des Verzerrungsgrades zuständig. Von einer fast unhörbaren Zerre, bis hin zu einem runden, fetten und eigenständigen Rocksound, ist hier alles drin. Mit dem „High Cut“-Poti wird der Obertonbereich gefiltert. Beim Zurückdrehen verwandelt sich der Klang nicht in ein muffiges Etwas, genauso wenig erhält man bei höheren Einstellungen einen kratzigen Eierschneider-Sound. Hier hat sich nicht nur bei Fulltone in den letzten Jahren zum Glück einiges getan. So gesehen bietet die Klangregelung mehr Variationsmöglichkeiten, obwohl sie die Bässe und Höhen nicht so stark beschneidet, wie es beispielsweise beim Tubescreamer der Fall ist. Die Ausgangslautstärke des Pedals und die damit verbundene Anpassung an den jeweiligen Gitarren-Amp nimmt man mit dem Level-Poti vor. Bei meinen Tests hat sich gezeigt, dass es besser ist, wenn man den Eingang des Verstärkers nicht überfährt. Die Lautstärke sollte nicht lauter sein als der Clean-Ton des Amps. Vor einem angezerrten Eingang würde ich den PlimSoul nicht hängen, dafür eignen sich andere Pedale weitaus besser.

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Praxis

Beim PlimSoul-Pedal handelt es sich laut Mike Fuller um ein Mittelding aus Overdrive und Distortion. Wie bereits erwähnt, bietet das Pedal zwei unterschiedliche Zerrstrukturen unter einem Dach, die mit dem Stage2-Regler stufenlos miteinander gemischt werden können. Ich hatte jedoch eher den Eindruck, dass man es hier mit einer Kombination aus Overdrive und  Fuzz zu tun hat. Im Ausklang, besonders ab der 12Uhr-Stellung des Gain-Reglers, erhält man einen süßlichen, leicht fuzzigen Ton, der sich sehr schön für fette, singende Blues-Sounds eignet.

Audio Samples
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Gain 10 bis 17 Uhr Stage 12 Uhr, High-Cut Stage 2 – Null bis Max Gain 17 Uhr

Mich erinnert der Sound an eine geschmackvolle Mischung aus alten ZZ Top Sounds, und einer JCM 800 Zerre. Mit Humbucker-Gitarren bekommt man auch Eric Johnson-artige Klänge hin – und wie man weiß, verwendet dieser Saitenvirtuose für seine Lead-Sounds hauptsächlich eine Kombination aus Fuzz und angezerrtem Marshall bzw. einem Tubedriver. Sehr gut gefällt mir, dass der Ton selbst bei Maximal-Gain immer durchsichtig bleibt und der Anschlag gut zur Geltung kommt. Spielfehler verzeiht dieses Pedal definitiv nicht. Man muss schon einen „gewissen Ton“ in den Fingern haben. Ist dies der Fall, liefert der PlimSoul gnadenlos gute Ergebnisse. Jeder kennt ja diese High-Gain-Pedale, die jeden Fehler einfach wegkomprimieren. Das ist hier definitiv nicht der Fall. Man muss schon mit dem Instrument umgehen können, um einen wirklich tollen Lead-Sound zu erhalten.  Eine Fusion/Legato Flitzefinger-Zerre bekommt man aber nicht hin, dazu fehlt es dem Pedal an Gain.

Eine weitere Spezialtät des Pedals sind singende und schon leicht gesättigte Clean-Sounds, wie sie Fender- oder Vox-Amps erst in einer gehörigen Lautstärke liefern.

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Das PlimSoul-Pedal aus dem Hause Fulltone ist ein sehr vielseitiger und geschmackvoller Verzerrer. Man hat hier die Möglichkeit, zwei unterschiedliche Zerr-Sounds miteinander zu kombinieren, wodurch sich eine Vielzahl unterschiedlicher  Sounds realisieren lässt. Der Klangcharakter eignet sich für Gitarristen, die Blues und stabile Mainstream-Rocksounds mit leichtem Vintage-Touch suchen. Man kann von einer fast unhörbaren leichten Blues-Anzerrung, bis hin zu einem fetten Brett stufenlos alles einstellen – und im Gegensatz zu fast allen anderen Pedalen der Fulltone-Edelschmiede kommt dieser Treter auch mit Humbucker-Gitarren bestens zurecht.

Unser Fazit:
5 / 5
Pro
  • Sound
  • Dynamik
  • Vielseitigkeit
Contra
Artikelbild
Fulltone PlimSoul Test
Für 169,00€ bei
Fulltone_PlimSoul_08FIN
Facts
  • Hersteller: Fulltone
  • Modell: PlimSoul
  • Regler: Level, Sustain, High – Cut, Stage 2
  • Anschlüsse: IN/OUT, Netzteilanschluss für 9 oder 18 Volt
  • Preis: 259 EUR (UVP), 199 EUR (Street)
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Profilbild von Heiko

Heiko sagt:

#1 - 14.11.2011 um 15:14 Uhr

0

Schon faszinierend - und erschütternd, daß alle Clips so ziemlich gleich klingen. Entweder ist das ein Schrott Pedal oder der Autor weiß es nicht einzustellen. Komische Zerre, klingt boxy - und alles so gar nicht nach Amp. Habe den Eindruck, als ob alles wohl mit ner Speaker Simulation aufgenommen wurde - also direkt in den Rechner - ohne Mikro. So kann man keine Clips ins Netz stellen. Sorry - ist für mich überhaupt nicht repräsentativ. Danke trotzdem für die Arbeit.

Profilbild von Chris

Chris sagt:

#2 - 05.08.2013 um 21:18 Uhr

0

Mensch Heiko, vielleicht mal die Abhöre wechseln? Oder zum Ohrenarzt - bei mir sind die Nuancen des Geräts akustisch angekommen ...

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