Anzeige

Test: Electro-Harmonix Percolator Overdrive/Fuzz – Wie klingt die Interpretation des 70er-Jahre Interfax Harmonic Percolator HP-1?

Der Electro-Harmonix Percolator ist eine Hommage an das in den frühen 70er-Jahren entwickelte Interfax HP-1. Das äußerst seltene und unkonventionell aufgebaute Fuzz- und Distortion-Pedal wurde unter anderem durch die Produzenten-Legende Steve Albini bekannt. Dank eines einzigartigen Clipping-Designs verstärkt die Schaltung des Harmonic Percolators Obertöne gerader Ordnung, die in unseren Ohren besonders warm und harmonisch klingen.

Unser Fazit:
4,5 / 5
Pro
  • große Bandbreite an Sounds zwischen Overdrive und Fuzz
  • eigenständige Gain-Struktur
  • perkussiver Zerrcharakter
Contra
  • hohe Nebengeräusche im Fuzz-Modus

Electro-Harmonix Percolator – Das Wichtigste in Kürze

  • Was ist das Besondere am Harmonic Percolator? Die Schaltung des Interfax HP-1 basierte auf einem asymmetrischen Clipping-Design aus Silizium- und Germaniumtransistoren, mit denen Obertöne gerader Ordnung verstärkt und Obertöne ungerader Ordnung unterdrückt werden. 
  • Was sind Obertöne gerader Ordnung? Unser Ohr nimmt musikalische Klänge als Tongemisch aus Grundton und harmonischen Teiltönen (Obertönen) wahr. Innerhalb der Obertonreihe gelten Frequenzen, die ein gerades Vielfaches (2×, 4×, 6× usw.) des Grundtons sind, als besonders angenehm.
  • Wie nah ist der Electro-Harmonix Percolator am Original? Der EHX Percolator ist eine Interpretation des Originalschaltkreises. Im Gegensatz zum HP-1 verfügt das Pedal über zwei Effekt-Modi (Drive/Fuzz), ein Bias-Poti zur Regelung der Transistorvorspannung und ein internes Trimmpoti.
  • Was sagt der Test? Der Electro-Harmonix Percolator liefert warme und gleichzeitig perkussive Drive-Sounds zwischen transparentem Overdrive und synthähnlichem Gated-Fuzz. Das simpel aufgebaute Pedal ist dabei erstaunlich vielseitig, produziert im Fuzz-Modus aber leider recht hohe Nebengeräusche. 

Wie wird der Electro-Harmonix Percolator bedient?

Die Bedienelemente des Percolators beschränken sich auf drei Potis, deren Bezeichnungen auf den ersten Blick nicht ganz selbsterklärend sind. Hierzu gehören zwei Potis für die Eingangslautstärke (Harmonics) und die Ausgangslautstärke (Balance), die vom Originaldesign des HP-1 übernommen wurden. Mit dem Bias-Poti hat EHX der Schaltung eine regelbare Vorspannung der ersten Transistorstufe spendiert, wie sie in vielen Fuzz-Schaltungen zum Einsatz kommt. 

Ebenfalls nicht originalgetreu ist der Wahlschalter zwischen den beiden Betriebsmodi (Drive/Fuzz), mit dem zwei unterschiedliche Clipping-Varianten aktiviert werden können. Ein internes Trimmpoti ist zudem für die globalen Gain-Reserven zuständig und kann nach Abnahme der Bodenplatte per Schraubenzieher justiert werden. 

Das (B × H × T) 75 × 47 × 110 mm große und 206 Gramm schwere Pedal hat eine Stromaufnahme von 10 mA und kann mit einem Standard-9-V-Netzteil oder per Batterie betrieben werden. 

Fotostrecke: 5 Bilder Der Electro-Harmonix Percolator ist eine Hommage an das legendäre Interfax HP-1 aus den 1970er-Jahren.
Anzeige

So wird der Electro-Harmonix Percolator getestet 

Getestet wird der Percolator vor einem Budda Superdrive 45 in Kombination mit einem Two Notes Torpedo Captor X. Alle Delay- und Reverb-Sounds kommen von einem MXR Carbon Copy und einem Neunaber Wet Reverb. Als Gitarren stehen eine Maybach Texonian T54, eine Maybach Lester und eine 87er Fender Squier Strat bereit.

Affiliate Links
Two Notes Torpedo Captor X + 8 Ohms
Two Notes Torpedo Captor X + 8 Ohms
Kundenbewertung:
(1)
Maybach Texonian T54 Butterscotch
Maybach Texonian T54 Butterscotch
Kundenbewertung:
(3)
Maybach Lester Bullion Gold 60s aged
Maybach Lester Bullion Gold 60s aged Bisher keine Kundenbewertung verfügbar

Eigenständige Zerrstruktur mit erstaunlicher Bandbreite

Unser Testkandidat präsentiert sich im Drive-Modus zunächst als erstaunlich dynamisches und transparent klingendes Overdrive-Pedal, dem die Verwandtschaft zu anderen transistorbasierten Schaltungen wie etwa dem Boss Blues Driver nicht abzusprechen ist. Dabei entwickelt der Percolator eine ganz eigene perkussive Note, die sich extrem gut für das Rhythmusspiel nutzen lässt. Attacks und Dead-Notes wirken hier auf eine bestimmte Art und Weise größer und lauter. 

Spannend gestaltet sich auch die Arbeit mit dem Bias- und dem Harmonics-Poti, da beide Regler sowohl den Klang als auch den Grad der Verzerrung beeinflussen. Allein aus der Interaktion dieser beiden Potis lässt sich im Drive-Modus schon eine große Bandbreite an Zerrsounds zwischen transparentem Overdrive und dichtem Fuzz realisieren. 

So klingt der EHX Percolator vor dem cleanen Amp 

In den ersten beiden Beispielen hören wir zunächst den Drive-Modus mit Bias- und Harmonics-Poti in der 11-Uhr- und danach in der 14-Uhr-Stellung.

Audio Samples
0:00
Drive-Mode, Low Bias/Harmonics, off/on (Tele) Drive-Mode, High Bias/Harmonics, off/on (Strat)

Der Fuzz-Modus macht im Grunde genommen dort weiter, wo der Drive-Modus bei höheren Gain-Settings aufhört, und liefert bei Bedarf Synth-ähnliche Gated-Fuzz-Sounds mit sattem Bassfundament. Leider muss man hierfür auch eine erhöhte Nebengeräuschentwicklung in Kauf nehmen, die sich vor allem mit Single-Coils kaum noch überhören lässt. 

Audio Samples
0:00
Fuzz-Mode, Low Bias/Harmonics, off/on (Strat) Fuzz-Mode, High Bias/Harmonics, off/on (Les Paul)

Was machen die Bias- und Harmonics-Potis?

Das Bias-Poti regelt den Eingangsstrom der Transistorschaltung und hat damit Einfluss auf die Verzerrung, auf das Sustain und den Gate-Effekt des Pedals. Wir hören das Poti zwischen 9 Uhr und Maximum in beiden Modi.  

Audio Samples
0:00
Bias-Poti im Drive-Mode, 9:00 → max. (Tele) Bias-Poti im Fuzz-Mode, 9:00 → max. (Tele)

Über das Harmonics-Poti lässt sich das Input-Gain der Schaltung steuern. Auch dieses Poti hat Einfluss auf mehrere Faktoren und erhöht neben dem Grad der Verzerrung auch die allgemeine Sättigung des Signals. Das Bias-Poti steht in den beiden folgenden Beispielen in der 11-Uhr-Stellung.

Audio Samples
0:00
Harmonics-Poti im Drive-Mode, 9:00 → max. (Tele) Harmonics-Poti im Fuzz-Mode, 9:00 → max. (Tele)

Das interne Trimmpoti kann laut Manual dazu genutzt werden, die Gesamtverstärkung und den „Sub-Octave-Effekt“ der Schaltung zu verstärken. Dieses Feature hat in meinen Ohren einen recht überschaubaren Effekt. Abschließend kommt der Percolator noch mit einem Fender Jazz Bass über eine Tech 21 VT Bass DI zum Einsatz.  

Audio Samples
0:00
Internes Trimmpoti, min. → 12 → max. (Les Paul) E-Bass, Bypass → Drive → Fuzz
Anzeige

Fazit

Der Electro-Harmonix Percolator präsentiert sich im positiven Sinne als unkonventionelles Zerrpedal und deckt eine erstaunlich große Bandbreite an Overdrive- und Fuzz-Sounds ab. Dabei entwickelt die Interpretation des Interfax HP-1 aus den Siebzigerjahren ein sehr eigenständiges perkussives und gleichzeitig warmes Grundtimbre, das vor allem beim Rhythmusspiel seine Stärken ausspielt. Dem Fuzz-Modus lassen sich bei Bedarf auch Synth-ähnliche Gated-Fuzz-Sounds entlocken, die allerdings von recht hohen Nebengeräuschen begleitet werden. Wer gerne mit verschiedenen Verzerrern arbeitet, könnte mit dem Percolator unter Umständen eine Lücke füllen, die bisher noch kein anderes Pedal schließen konnte. 

Artikelbild
Percolator Overdrive/Fuzz
Für 99,00€ bei
  • Hersteller: Electro-Harmonix
  • Modell: Percolator
  • Typ: Overdrive/Fuzz
  • Herstellungsland: USA
  • Anschlüsse: Input, Output, Netzteil
  • Regler/Schalter: Balance, Harmonics, Bias, Drive/Fuzz, Trim (intern)
  • Stromversorgung: 9-V-Netzteil, Batterie
  • Stromaufnahme: 10 mA
  • Abmessungen: 75 × 47 × 110 mm (B × H × T)
  • Gewicht: 206 g
  • Ladenpreis: 99,00 Euro (September 2026)

Herstellerseite: https://www.ehx.com/

Hot or Not
?
Electro_Harmonix_Percolator_Overdrive_Fuzz_002_FIN Bild

Wie heiß findest Du dieses Produkt?

Kommentieren
Schreibe den ersten Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.
Bonedo YouTube
  • Höfner HCT-Leader | Vintage Style Blues & Rock Guitar for a Good Price? | Sound Demo
  • The Höfner HCT-Leader!
  • Best Hollow Body Electric Guitar Under $2000? | Ibanez ASH300 | Sound Demo