Stirbt High-End-HiFi – und mit ihm unser Anspruch an Sound?

High-End Hi-Fi: Aus unserem Blickwinkel sind das vor allem alte Männer mit zu viel Geld, die ihren Jugendtraum ausleben – die eigene „Stereoanlage“. Wer sich ein wenig mit der Thematik beschäftigt, der wird über die Preise staunen, die nicht nur aufgerufen, sondern auch bezahlt werden. Mehrere tausend Euro für passive Lautsprecher sind da ganz normal, manchmal werden auch durchaus esoterisch anmutende Konzepte thematisiert.

Hig End Leute vor Anlage
(Bildquelle: Shutterstock / DmitriiFotograf)

High-End-Anlage für High-End-Produktionen?

Eine Überlegung ist: Wer sich eine hochwertige Hörsituation einrichtet, der erfreut sich an gutem Klang, kauft wohlklingende Musikproduktionen. Im Umkehrschluss streben viele Musiker wie Engineers danach, möglichst audiophile (= „klangliebende“) Produktionen zu schaffen. Und weil die Hauptgruppe, die der alten Männer, mit viel Geld zunehmend wegstirbt, bedeutet das im Umkehrschluss auch, dass sowohl die High-End-HiFi-Hersteller weniger Umsatz machen können als auch, dass das Streben nach Wohlklang abnimmt.

Geht es da wirklich immer um Sound?

So zumindest habe ich es jetzt öfters gehört. Ich halte das für ein ziemlich konstruiert. Das fängt schon recht weit vorne an. Ein Bonmot von Alan Parsons ist: „Normale Leute kaufen sich eine Stereoanlage, um Musik zu hören. High-End-HiFi-Fans kaufen Musik, um ihre Stereoanlage zu hören.“ Das ist natürlich durchaus übertrieben, aber die wirklichen Soundfanatiker bei Musikproduktionen sind oft auch schlichtweg wir Engineers. Und die Leute, die zehntausende Euro für ihre HiFi-Anlagen ausgeben, sind nicht unbedingt nur auf der Suche nach dem tollen Sound, sondern sehen in der Optimierung ihrer Anlage einen Selbstzweck. Und ja: Oftmals ist das auch ein Statussymbol, und so mancher Lautsprecher im Gegenwert eines Neuwagens steht in einem akustisch unbehandelten Marmor-/Glas-Raum …

HiFi ist nicht gleich HiFi

Außerdem: Die Braqnche der Hersteller von HiFi-Equipment wächst aktuell. Das geht einher mit einem Wandel von Zielgruppen und Produktausrichtung. Das ist in vollem Gange, natürlich sorgt das für Probleme bei manchen Firmen, die sehr traditionell eingestellt sind und mit Streaming, Mobile Audio/Wireless, Multi-Room, und dergleichen nichts am Hut haben wollen. Aber selbst Totgesagte überleben, man denke nur an den Markt für Vinylproduktionen und für Plattenspieler! Auch in Nischen lässt es sich für viele Companys bequem aushalten.

Musikproduktion funktioniert anders

Sicher, die Vorgehensweisen in der Musikproduktion haben sich in den letzten Jahren enorm geändert. Der Personalaufwand ist geringer geworden, aber es wird stärker an Details gefeilt, es stehen viel komplexere Werkzeuge zur Verfügung. Und ich wüsste nicht, dass jemand im Studio vor allem die Besitzer von Hörräumen mit Super-Anlagen im Sinn hätte. Denn der Anteil an physischen Verkäufen oder möglichen Verdiensten durch Streamingdienst-Abwürfe ist verschwindend gering für diese Zielgruppe. Ob es Musikproduktionen guttut, für Kopfhörer, Bluetoothboxen und sogar Smartphonelautsprecher optimiert zu werden, steht auf einem anderen Blatt. Obwohl: Immersive-Formate sind da natürlich wieder eine tolle Entwicklung! Aber: Mir persönlich fehlen heute oftmals die Ecken und Kanten in Produktionen.

Fazit

Ich bin mir ziemlich sicher, dass an der Hypothese nicht viel dran ist. Weder wird HiFi sterben noch die Qualität der Musikproduktion schlechter. Was denkst du?

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