Test: Vox AC30 Handwired – der ultimative Vintage-British-Amp-Sound?

Nach einem Facelift der Vox Handwired-Serie meldet sich mit dem AC30 Handwired Combo der Vox-Amp-Klassiker schlechthin zum Test. Bei der Überarbeitung einer so erfolgreichen Ikone wird man es tunlichst vermeiden, das Rad neu erfinden zu wollen. In diesem Fall analysierte Vox nach eigenen Worten ein 1963er „Copper Panel“ AC30 in allen Details auf der Suche nach der „Essenz des klassischen AC30-Verstärkersounds“. Nicht nur die Elektrik stand dabei im Fokus, sondern auch viele weitere Details bis hin zur Dicke des Gehäusematerials. Und so steht der neue alte AC 30, mit ausgesuchten Bauteilen handverdrahtet und einigen zusätzlichen modernen Features jetzt in den Startlöchern.

Vox AC30 Handwired Amp Test
Unser Fazit:
4,5 / 5
Pro
  • klassischer Vox AC30-Sound in Top-Qualität
  • ausgezeichnet klingender Federhall
  • hervorragende dynamische Ansprache
  • hoher Schalldruck – sehr gute Durchsetzungsfähigkeit auf der Bühne
  • angenehmer Sound bei niedrigen Lautstärken
Contra
  • kein Standby-Schalter
  • hohes Gewicht
Artikelbild
Test: Vox AC30 Handwired – der ultimative Vintage-British-Amp-Sound?
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Vox AC30 Handwired – Das Wichtigste in Kürze

  • Was ist der Vox AC30 Handwired? Der Vox AC30 Handwired zählt zu den Boutique-Style-Amp-Modellen des britischen Herstellers. Der hochwertige Nachbau einer Amp-Ikone aus den 1960er-Jahren wird mit erlesenen Bauteilen und viel Liebe zum Detail in Handarbeit hergestellt.  
  • Was leistet der Vox AC30 Handwired? Die Endstufe des AC30 Handwired liefert 30 Watt, die über zwei 12“ Celestion Alnico Blue Lautsprecher ausgegeben werden. Eine Version mit Celestion-Greenback-Speakern ist ebenfalls erhältlich. 
  • Hat der Amp Effekte an Bord? Traditionsgemäß ist ein „echter“ Federhall, hier einer von Accutronics, der mit den zwei Reglern Level und Tone eingestellt werden kann.
  • Hat der Vox AC30 Handwired einen Tremolo-Effekt? Nein. Dieses Modell orientiert sich in seiner Ausstattung am 1963er Copper Panel AC30, der kein Tremolo eingebaut hatte.
  • Gibt es im Gegensatz zum Original einen Effekt-Loop? Hier ist man nicht stur den traditionellen Weg gegangen, sondern hat den Amp mit einem schaltbaren, seriellen Effekt-Loop ausgestattet, bei dem der Pegel zwischen -10 und +4 dB umgeschaltet werden kann. 
  • Fazit: Der Vox AC30 Handwired liefert den legendären AC30-Sound von glasklaren Cleans bis zum britischen Rockbrett in hervorragender Qualität. Die exzellente Ansprache sowie der sehr gut klingende Federhall runden den positiven Gesamteindruck ab. Der Amp ist eine klare Empfehlung für Fans des britischen Sounds, die Preis und Gewicht nicht scheuen.

Die klassischen Vox AC30-Zutaten und ein wenig mehr

Laut Hersteller hat man beim Vox AC30 Handwired noch einmal sorgfältig Hand angelegt und neben den klassischen AC30-Merkmalen auch Wert auf weitere Details gelegt. Vom klassischen Vorbild stammt die zweikanalige Auslegung mit Normal-Channel ohne Klangregelung und Top-Boost-Channel mit 2-Band-EQ (Treble, Bass). Dazu die Master-Sektion mit Master-Volume und Tone-Cut-Regler sowie ein eingebauter Federhall mit Accutronics-Hallspirale. Betrieben wird der Amp mit vier EL-84-Röhren in der Endstufe und vier 12AX7 in der Vorstufe sowie einer 12AT7 (Reverb) und einer GZ34-Gleichrichter-Röhre. Der Sound erreicht den Zuhörer über zwei 12“ Celestion Alnico Blue-Lautsprecher. 

Was unterscheidet den Vox AC30 Handwired von den regulären Modellen?

Der AC30 Handwired orientiert sich am 1963er „Copper Panel“ AC30-Modell. Bei der Analyse des Klassikers standen außer der Röhren- und Reglerbestückung auch der Ausgangstrafo im Fokus. Dieser trägt bekanntlich einen entscheidenden Anteil zum Sound bei, vor allem, wenn es um Endstufensättigung und Verzerrung geht. Deshalb entwickelte man in einem umfangreichen Prototyping-Programm spezifische Transformatoren mit den erforderlichen Vintage-Klangeigenschaften. 

Auch das Gehäuse des Combos geriet ins Radar, weil das Original mit etwas dünnerem Holz auskam. Eine Maßnahme, die tatsächlich zu einem satten und ausladenden Mittenbereich beiträgt. Im Hinblick auf die originalgetreue Klangwiedergabe verwendet das neue Gehäusedesign nun ebenfalls 12-mm starkes Birke-Multiplex. 

Wie beim Vorbild fehlt auch beim Vox AC30 Handwired der Standby-Schalter. Nach Aktivieren des Power-Schalters dauert es einen Moment, bis der Amp betriebsbereit ist und man loslegen kann. In Spielpausen beim Gig oder im Studio muss man deshalb den Verstärker ausschalten. Da man mit der Integration eines FX-Loops ohnehin vom Dogma abweicht, wäre auch ein Standby-Schalter keine Denkmalschändung. Ich persönlich jedenfalls fände sie mehr als sinnvoll, um die Röhren in Pausen schonend „auf Temperatur“ zu halten. 

Fotostrecke: 7 Bilder Satte 32 Kilo bringt der Amp mit klassischem Vorbild auf die Waage.

Was sind die typischen klanglichen Eigenschaften des Vox AC30 Handwired?

Man kennt den klassischen Vox AC30-Sound von Bands wie den Beatles, Rolling Stones, Tom Petty & The Heartbreakers, Queen oder U2. Der Sweet-Spot liegt eindeutig im angezerrten Sound mit sehr crispen Höhen, die mitunter auch scharf klingen können, sich aber im Bandgefüge äußerst gut durchsetzen. Der AC30 ist dafür bekannt (und gefürchtet), dass er überall gehört wird. Diese Tradition wird beim Handwired bis ins Detail umgesetzt. Bei Bedarf können die Höhen mit dem Tone-Cut-Regler entschärft werden und für den Vintage-Vibe steht der röhrenbetriebene Federhall zur Verfügung, der hier mit Level und Tone regelbar ist. Im Vergleich zu anderen AC30-Modellen hat dieser Amp keinen Tremoloeffekt, dafür aber einen schaltbaren FX-Loop, an den man externe Effektgeräte anschließen kann, inklusive Pegelschalter (-10/+4 dB). 

Entspricht das Angebot dem Preis?

Zugegeben, der Vox AC30 Handwired ist mit einem Verkaufspreis von rund 2500 Euro kein Schnäppchen. Aber wenn man einen Röhrenamp mit hochwertigen Bauteilen bestückt und Handarbeit angesagt ist, steigen die Kosten entsprechend. Klanglich macht sich die Ausstattung durchaus bemerkbar, denn der Amp liefert den bekannten und geliebten AC30-Ton in voller Bandbreite, wovon ihr euch gleich im Praxisteil überzeugen könnt. 


Aufnahmen mit dem Vox AC30 Handwired

Der Vox AC30 Handwired wird mit zwei Royer R-10 abgenommen, jeweils ein Mikrofon vor jedem Speaker. Der Amp liefert selbstverständlich keinen Stereosound, aber so hört ihr den Klang ein wenig räumlicher. 

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Wie klingt der Normal-Channel des Vox AC30 Handwired?

Der Normal-Channel kommt ohne Klangregelung, lediglich der Tone-Cut-Regler in der steht in der Master-Sektion zum Tone-Shaping zur Verfügung. Aber der ist meines Erachtens eigentlich nicht unbedingt notwendig, denn der Normal-Channel liefert einen sehr abgerundeten, warmen Klang. Perfekt geeignet auch zum Anschluss diverser Overdrive-Pedale und anderer Zerrgeneratoren. Mit dem Bright-Schalter werden die Höhen ab ca. 2 kHz für einen brillanteren Sound noch ein wenig angehoben. 

Audio Samples
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Normal: Bright Off – Bright On – Volume 12 Uhr (Telecaster) Normal: Bright – Volume 17 Uhr (Jaguar P90)

Was kann man mit dem Top-Boost-Channel alles für Sounds erzeugen?

Wenn es um den typischen, crispen Vox-Sound geht, ist natürlich der Top-Boost-Channel gefragt, der allein mit seiner Gain-Bandbreite schon einiges im Angebot hat. Mit dem Volume-Regler lassen sich fein dosierte Sounds von Ultraclean bis zum satten Rockbrett einstellen, dazu kommen noch die beiden unterschiedlich empfindlichen Eingänge. In mittlerer Position erhält man je nach Input und Pegel der Gitarre einen amtlichen Breakup-Ton, der sensibel auf die Anschlagsdynamik an der Gitarre reagiert. Der Amp verzeiht nichts, hier wird jede kleine Veränderung im Anschlag ungefiltert über die Speaker ausgegeben. Mit den drei Reglern für Treble, Bass und Tone-Cut in der Master-Sektion wird im Detail feinjustiert und an das Instrument angepasst. Der AC30 Handwired liefert den bekannten „chimey“ Sound mit saftigen Höhen und keinesfalls dünn oder schneidend, wie manches andere AC30-Modell, das mir hier im Studio oder auf Bühnen schon begegnet ist. 

Audio Samples
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Top Boost: Low Input – High Input (Telecaster) Top Boost: Pick Dynamic (Telecaster) Top Boost: Guitar Volume (ES-335) Top Boost: Clean Funk (Telecaster) Top Boost: Low & Dirty (Jet Baritone) Top Boost: Bright Crunch (Telecaster) Top Boost: Mid Gain (Les Paul)

Wie klingt der Federhall und wie verhält sich der FX-Loop bei digitalen Effektgeräten?

Der röhrenbetriebene Federhall klingt ausgezeichnet. Er verleiht dem Ton eine räumliche Tiefe und ist auch bei hohen Level-Einstellungen nicht im Weg. Und er reagiert ausgezeichnet auf die Dynamik an der Gitarre, weshalb man wunderbar mit dem Effekt spielen kann. Auch die Möglichkeit, die Klangfarbe des Halls mit dem Reverb-Tone-Regler zu verändern, bringt noch einmal vielfältigere Sounds ans Tageslicht. 

Der FX-Loop zeigt sich in Sachen Pegel und Rauschen beim Einsatz von Effekten völlig problemlos. In den folgenden Beispielen hört ihr das Eventide H90 mit unterschiedlichen Effekt-Algorithmen im FX-Loop des Vox AC30 Handwired. Der kann übrigens per Schalter komplett aus dem Signalweg genommen werden. 

Audio Samples
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Top Boost & FX: Slide & Slapback (SG) Top Boost & FX: Crunch & Vibe (Stratocaster) Top Boost & FX: Crisp Tempo Delay (Stratocaster)

Der Vox AC30 Handwired im Band Arrangement

Zum Abschluss hört ihr den Amp noch mal in einem Band-Arrangement mit drei unterschiedlichen Soundeinstellungen. 

Audio Samples
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Vox AC30 Handwired im Band Arrangement

Welche Alternativen oder Mitbewerber gibt es zum Vox AC30 Handwired?

Vox hat mittlerweile eine breite Palette an AC-Modellen im Angebot. Wenn der Amp nicht unbedingt so laut sein soll, dann könnte auch ein AC15 oder AC4 aus der Handwired-Serie interessant sein. Wer auf das Handwired-Gütesiegel weniger Wert legt und lieber ein etwas günstigeres Modell erwerben möchte, der sollte sich den Vox AC30 C2 anschauen, der für knapp 1100 Euro zu haben ist.

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Fazit 

Der Vox AC30 Handwired liefert den typischen und überaus geschätzten AC30-Sound mit Bravour. Der Normal-Channel eignet sich mit seinem warmen, ausgewogenen Grundsound auch hervorragend als Pedal-Plattform. Der Top-Boost-Channel liefert den klassischen Vox-Charakter vom glasklaren Cleansound bis zum dynamischen Crunch und mit Humbuckern das authentische, satte Rockbrett. Besonders hervorzuheben ist die sensible Reaktion des Amps auf die Aktionen und die Einstellungen an der Gitarre. Über den Schalldruck eines weit aufgedrehten AC30 muss man kein Wort verlieren. Aber auch bei zurückgedrehtem Master-Volume liefert der Amp klangliche Feinkost.

Der Federhall klingt musikalisch und lebendig, und der FX-Loop arbeitet problemlos auch mit digitalen Effekten. Mir persönlich fehlt ein Standby-Schalter für die Spielpausen, aber ansonsten gibt es nichts zu meckern. Wer auf der Suche nach dem legendären crispen, britischen Sound ist, findet im Vox AC30 Handwired den idealen Partner. Allerdings verlangt der Amp ein etwas umfangreicheres Budget und mit seinem Gewicht von satten 32 Kilo stabile Bandscheiben. 

Ein idealer Partner für den legendären britischen Sound, allerdings nicht besonders leicht und auch nicht gerade günstig – der Vox AC30 Handwired im Test.
Ein idealer Partner für den legendären britischen Sound, allerdings nicht besonders leicht und auch nicht gerade günstig – der Vox AC30 Handwired im Test.
  • Hersteller: Vox
  • Modell: AC30 Handwired (AC30HWR2X)
  • Typ: Gitarrenverstärker-Combo
  • Herstellungsland: Vietnam
  • Leistung: 30 Watt
  • Lautsprecherbestückung: 2x 12“ Celestion Alnico Blue
  • Röhrenbestückung: 4 x ECC83/12AX7, 1 x ECC81/12AT7, 4 x EL84, 1 x GZ34
  • Kanäle: 2 (Normal, Top Boost)
  • Regler Bedienfeld: Volume (Normal), Volume (Top Boost), Treble, Bass, Reverb-Tone, Reverb-Level, Tone-Cut, Master-Volume
  • Schalter Bedienfeld: Bright (Normal-Channel), Power
  • Anschlüsse Bedienfeld: Input-High, Input-Low (Normal-Channel), Input-High, Input-Low (Top-Boost-Channel),
  • Anschlüsse Rückseite: 2x Speaker-Out, Send, Return
  • Schalter Rückseite: Impedanz (8 Ω/16 Ω), FX-Loop-Level (-10/+4 dB), FX-Loop (on/off)
  • Abmessungen: 705 x 263 x 567 mm (B x T x H)
  • Gewicht: 32 kg
  • Zubehör: Fußschalter für Reverb
  • Ladenpreis: 2.499,00 Euro (Februar 2026)

Herstellerseite: https://voxamps.com/de/produkt/ac30-hand-wired-x-tube-amp

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Doomsday sagt:

#1 - 16.02.2026 um 20:51 Uhr

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Handwired - in Vietnam. Mein gerade gekaufter JTM20 kostete 1500 mit 2x12 Box, hat ein PCB, aber hochwertige Bauteile und Verarbeitung inside. Solange ihr das bei dem VOX nicht prueft, sagt Handwired erstmal gar nix aus. Drinnen kann ein Rattennest an schlecht verlöteten Kabeln und minderwertige Halbleiter in bedenklicher Nähe zu Röhren und Trafo stecken. Und stellt endlich die grottige KI hier bei den comments ab.

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