Mit dem Tonverk stellt Elektron einen Performance-Sampler mit track-basierter und achtfacher Polyphonie vor. Der umfangreiche Elektron-Sequencer mit seinen Parameter-Locks, Mikro-Timing und generativen Conditionals trifft auf eine besonders flexible Effekt- und Routing-Engine!

- 8fach Polyphonie pro Track, flexibler Sequencer
- Auto-Sampler für Archivierung und Sounddesign
- Leistungsfähige Effekt- und Routing-Struktur, Granular-Sampling
- Keine Velocity oder AT-fähigen Pads
- Kein Slicing oder dediziertes Time-Stretching-Algorithmen
- Overbridge aktuell nicht verfügbar, Update-Politik schwer einschätzbar

Neuer Formfaktor, Auto-Sampling, Granulares, mehrere Effektwege, sowie External-MIDI: so positioniert sich Tonverk nicht nur als Groovebox und Sequenzer, sondern als modernes Sampler-Instrument für komplexe Ketten, Pattern und Performances.
Wie bei Geräten der Klasse Octatrack, Analog Rytm sowie zuletzt Digitakt II steht nicht nur schnelles Pattern-Basteln, sondern konsequent das Performance-orientierte Schrauben im Mittelpunkt.
Inhaltsverzeichnis
- Welches Konzept verfolgt der Tonverk?
- External-MIDI mit 16 Noten pro Step!
- Projektorganisation und Speicher: Wie lang können Samples im Tonverk maximal sein?
- Zahlreiche Anschlüsse, aber noch kein Overbridge
- Elektron Workflow Deluxe
- Machines need love too
- Elektron Tonverk: please update now …
- Elektron Tonverk in der Praxis – was kann die neue Elektron?
- Ausgereifter Workflow
- Wie klingt der Elektron Tonverk?
- Was kann der externe Sequenzer ?
- Magic mit dem Tonverk Auto-Sampler
- Segmentierung & Elektron Update-Politik
- Unterschiede: Tonverk & Digitakt II
- FAZIT: Elektron Tonverk
DETAILS
Welches Konzept verfolgt der Tonverk?
Elektron Tonverk ist eine kreative Sampling-Workstation mit umfangreichem (MIDI-)Sequenzer und acht Stereo-Tracks “Made in Sweden”. Aktuell arbeitet das Gerät mit 48-kHz und 32-Bit Float Auflösung.

Alle seine ersten acht Tracks können polyphone Sounds bzw. Sub-Tracks aka Drum-Racks mit bis zu jeweils acht Voices abfeuern. Anders gesagt: Maximale Audio-Polyphonie = 8×8 = 64. Ferner kann jede Spur MIDI senden und so bis zu zwölf andere Synths und Effekte steuern.
Mit dem OS-Update 1.1 kam mit GRAINER eine weitere Source hinzu, die importierte oder aufgenommene Samples gekonnt granular verwurstet. Einen Slicer oder gar verschiedene Stretch-Möglichkeiten finden sich nicht, auch finden sich unter den mitgelieferten Samples keine Percussion-Loops.

Weitere acht Spuren dienen vier Audio-Buses (Gruppen), drei FX-Returns – Delay, Reverb und Chorus – sowie einen Master. Insgesamt ergibt das 16 Spuren, die allesamt mit eigener Sequenz, Overdrive, Multi-Filter, Amp, Envelopes, Mixer, Sends sowie zwei LFOs gesegnet sind.
Als Krönung bietet jede Spur – abgesehen von den Returns – je zwei dicke FX-Engines. Die Effekte bieten dabei vor allem viele spezialisierte Filter sowie besondere Delays und Reverbs, sodass hier ordentlich hypnotisch “gedubbed” werden kann!
External-MIDI mit 16 Noten pro Step!
Übrigens können die Busse und Tracks alternativ External-MIDI senden. Jede definierte MIDI-Spur kann pro Step bis zu 16 Noten mit einstellbaren Parametern auslösen, darunter Velocity, Notenlänge, Pitch-Bend, Aftertouch sowie 16 frei wählbare MIDI CCs.

Pro Pattern können mit 256 Steps herrschaftlich-lang Sequenzen eingespielt, quantisiert und programmiert werden. 128 Pattern, 16 Songs sowie maximal 4 GB Samples werden als Projekt organisiert.
Projektorganisation und Speicher: Wie lang können Samples im Tonverk maximal sein?
Die Anzahl der Projekte ist durch den verfügbaren Speicherplatz der eingesteckten SD-Karte begrenzt; eine 64-GB-Karte liegt bei. Pro Track können 1024 Samples mit einer maximalen Länge von bis zu 45 Minuten geladen werden, die minimale Samplegröße beträgt 96 Samples.
Tonverk unterstützt Laden und Abspielen von WAV- und AIFF-Samples mit 16, 24 oder 32 Bit (fix oder floating) sowie die Formate M4A, CAF und FLAC. Als interne Abtastrate dient aktuell nur 48 kHz, abweichende Sampleraten lassen sich importieren, werden bei Wiedergabe aber angepasst.

Zahlreiche Anschlüsse, aber noch kein Overbridge
Alle Audio-I/Os des Tonverk sind auf großer Klinke. Da wäre der Eingang für das Sampling inklusive Auto-Sampler mit Velocity. Alternativ ist dieser Eingang als Aux-In nutzbar. Hinzukommen vier TRS-Ausgänge (A-D), ein Stereo-Kopfhörer (E-F) sowie zwei USB-C Anschlüsse und ein Din-MIDI-Trio.
Via USB gibt es Strom, MIDI sowie ein 4-In/2-Out-Audiointerface. Aktuell gibt es kein Overbridge, weswegen Tonverk nur fix mit 48kHz im USB-Class-Compliant-Mode genutzt werden kann.
Das mitgelieferte USB-Power-Kabel kann verschraubt werden. Der Power-Schalter ist als Soft-Taster konzipiert und trennt nicht dauerhaft vom Strom – wer Racks gern mit einer gemeinsamen Steckdose anschaltet, muss hier extra drücken.
Elektron Workflow Deluxe
Das Setzten von Steps, bzw. Triggern wie sie Elektron nennt, erfolgt unterhalb mit 16 multifunktionalen und gut beleuchteten Tastern. Editiert werden Parameter über die acht Push-Encoder neben dem Display, deren Zuweisung durch animierte Darstellungen hübsch anzuschauen sind. Darunter gibt es sechs Tasten für vielfältige Subpages: Trigger, Source, Filter, Amp, FX und Modulation. Mehrfach, Dreifach/Vierfach-Klicken inklusive.

Das Interface-Konzept ist inzwischen vielfach adaptiert worden – Elektron gilt klar als Vorreiter: Step halten und Parameter dazu anpassen – so erhält man die umfangreich Parameter-Locks. Eine integrierte One-Octave-Klaviatur inklusive Arpeggiator und Chord-Modus laden wiederum auch zum Spielen ein und machen das Programmieren polyphoner Steps ebenfalls wesentlich einfacher – selbst wenn eine visuelle Darstellung der Noten neben dem Lauflicht fehlt.
Machines need love too
Jeder der acht Tracks unterstützt Elektron-typische SRCs/Machines, darunter seit den jüngsten Updates auch der granulare Player Grainer, der Samples in dichte Texturen, rhythmische Fragmente oder bewegte Flächen transformiert. Mit ihm kann man durchaus Time-Stretching betreiben, echte, verschiedene Time-Algorithmen oder gar einen Slicer gibt es (noch?) nicht.
Zum Testzeitpunkt bietet Tonverk somit folgende Machines:
- Single Player: polyphone Wiedergabe einzelner WAV-Samples
- Multi Player: Multisamples mit Velocity-Layer
- Subtracks: bis zu acht monophone Unterspuren pro Track
- Grainer: granulare Klangbearbeitung
- MIDI-Track: zur Steuerung externer Geräte

Die Insert-FX-Effekte sind umfangreich, sowie mit je zwei Slots pro Spur flexibel kombinierbar. Sollte das pro Spur nicht ausreichen, nutzt man zusätzlich die Busse. So hat man nochmal zwei Effekte, plus die im Master. Da geht einiges!
Schade: Sends gibt es nur pro Track und nicht pro Sub-Track – so landet die Kick auch mit in der Reverb-Suppe. Filter und Amp gibt es indes individuell für jeden Sub-Track. Ferner sind die FX-Parameter nicht über die LFOs erreichbar – man kann aber über die Parameter-Locks automatisieren. Je nach Position im Signalfluss bestehen außerdem Einschränkungen bei der Auswahl der Effekte.
Zur Auswahl stehen unter anderem Chrono Pitch, Comb ± Filter, Compressor, Daisy Delay, Degrader, Dirtshaper, Filter Folder, Filterbank, Frequency Warper, Infinite Flanger, Low-Pass Filter, Panoramic Chorus, Phase 98, Saturator- Delay sowie die Steel Box Reverb, Supervoid Reverb, Rumsklang Reverb und Warble.
Soweit so gut; einen richtigen Equalizer oder gar rhythmische Effekte wie Gates, Looper oder Stotter-Effekte finden sich nicht.

Elektron Tonverk: please update now …
Seit der ersten Veröffentlichung im September 2025 hat Elektron den Tonverk bereits zwei umfangreiche Updates nachgeschoben. OS 1.1 brachte mit Grainer eine eigenständige Sound-Engine, die Samples in granulare Fragmente zerlegt. Ergänzt wurde dies durch die neue Shape-Machine zur Klangformung auf Bus- und Send-Spuren, erweiterte Sidechain-Optionen sowie Post-FX-Pan.

OS 1.2 legte nach und lieferte mit dem Steel Box Reverb einen dritten Hall, dessen blecherner Charakter an digitale 90er-Effekte angelehnt ist. Der Filter Folder kombinierte weiterhin noch Wavefolding, Filter und Distortion, um den Tonverk eine weitere, rauere Klangoption zu bieten. Zudem lassen sich Daisy Delay und Frequency Warper auf allen Spuren einsetzen.
Verschweigen sollte man allerdings nicht, dass jedes Update auch zahlreiche und notwendige Bugfixes mit sich brachte. Im frühen Auslieferungszustand hat die Kiste leider wenig Freude bereitet, deswegen hat auch unser Review auf sich warten lassen … Und auch jetzt ist immer noch nicht alles hundertprozentig rund.

























