Hersteller_AKG
Test
5
15.11.2012
Test

AKG K167 Tiësto Test

DJ-Kopfhörer

Mehr als nur Ohrschmuck

Über die vielen erfolgreichen Produkte in der Geschichte des österreichischen Herstellers AKG als Einstieg zu berichten, dürfte für viele Leser nicht viel Neues an den Tag legen. Zu etabliert sind beispielsweise Mikrofon-Legenden wie das C414, als dass die Qualität der Entwicklungen aus der Donau-Stadt nicht hinreichend bekannt wäre. Was mit Filmprojektoren und Mikrofonen begann, führte sich auch bei den Kopfhörern von AKG fort. Immer wieder wurden Industrie-Standards gesetzt. Eine neue Produktserie professioneller Headphones, die für Studio, Bühne und den DJ-Bereich gleichermaßen geeignet sein sollen, schürt natürlich hochgesteckte Erwartungen. Ob die neue Baureihe ''AKG by TIËSTO'' diese erfüllt, soll der folgende Test für eines der drei aktuell erhältlichen Modelle klären.  

Nicht weniger als 60 verschiedene Kopfhörer-Exemplare lachen einen auf der Consumer-Webseite von AKG an. Doch wo sind die ''TIËSTOs''? Auf der Professional-Audio-Seite des zum HARMAN-Konzern gehörenden Unternehmens. Dort leben sie in friedlicher Koexistenz mit Klassikern wie dem K271 MK II, K702 oder dem vielfach ausgezeichneten K181DJ. Hieran wird deutlich, wo AKG diese Arbeitsgeräte platziert sehen möchte, bei den Profis. Nach Quincy Jones erhält nun auch der niederländische Tijs Michiel Verwest, besser bekannt als Top-DJ und Produzent mit dem Künstlernamen TIËSTO, eine eigene dreiteilige Kopfhörerserie. Alle Modelle erheben den Anspruch, nicht nur DJ-Tool zu sein, sondern sich auch für das Studio- oder  Live-Anwendungen zu eignen. Auf die bonedo-Teststrecke baten wir heute den mit 249 Euro preislich in der Mitte angesiedelten K167 – seines Zeichens geschlossenen, Ohr umschließend und mit dynamischen Schallwandlern ausgestattet.

Details

Was mir nach dem Auspacken als Erstes auffällt, sind die stylische Optik und das für einen circum-auralen Vertreter ziemlich geringe Gewicht von 250 Gramm. 184 silbrig schimmernde Pünktchen auf der linken wie auf rechten Seite des Kopfbügels mögen ein wenig Glamour oder Disco-Flair versprühen, während ein metallisch glänzender, etwa zwei Zentimeter breiter Kunststoff-Außenrand an der Ohrmuschel, zusammen mit einem kleinen silbernen TIËSTO-Adler in der Mitte, glanzvolle Akzente setzen. Edel, aber nicht zu auffallend und daher durchaus gelungen, aber natürlich ebenfalls Geschmackssache.  

Das Anschlusskabel des K167 ist auf der linken Seite ausgeführt und nicht abtrennbar. Eine solche Kabelkonstruktion hat für mich in dieser Preisklasse und für ein professionell auftretendes Produkt heutzutage wirklich nichts zu suchen. Ärgerlich. Betrachtet man das knapp 200 Euro teurere Topmodell der Serie, den K267, so ist diese Option hier nämlich zu finden und zwar wahlweise an der linken oder rechten Ohrmuschel. Wie dem auch sei. AKG setzt auf ein 120 Zentimeter langes Spiralkabel, was sich bis auf 5,5 Meter Länge ausdehnen lassen soll. Tatsächlich konnte ich es auf etwas mehr als 4 Meter strecken, doch dann ist Schluss. Immerhin hängt es einem durch den hohen Spiralanteil nicht unnötig vor den Füßen. Die Qualität wirkt ordentlich, könnte aber im Hinblick auf schwer zu verkraftende Kabelbrüche von etwas flexiblerer Natur sein. Das Ende schmückt ein hartvergoldeter Mini-Stereoklinkenstecker mit aufschraubbarem 6,3mm-Adapter.

An die circa neun Zentimeter große, runde Hartplastik-Ohrmuschel schmiegt sich ein feines, angenehm weiches, rund 22 Millimeter dickes Kunstleder-Polster, welches das gesamte Ohr vollständig umschließt. Durch knapp 19 Millimeter Tiefe im Innenraum des Polsters ist ein schmerzhafter Kontakt des Hörorgans mit dem eigentlichen Schallwandler praktisch ausgeschlossen. Sollten große Ohren auf Tuchfühlung mit der noch weicheren Innenseite des Schalldämpfers gehen, so führt auch dies nicht zu Druckstellen. Prima.  

Nun gut, Ohrpolster sind Verschleißteile, und so machte ich mich dran, ihnen die Freiheit zu schenken. Doch es gelang mir nicht. Ob ein Blick in die Bedienungsanleitung hilft? Fehlanzeige. AKG liefert das gute Stück nur mit einer Garantie-Erklärung und ein paar Sicherheitshinweisen aus. Ansonsten finde ich keinerlei Dreingaben im Karton, nicht einmal ein Softbag. Wenn`s kaputt ist, ist`s kaputt. Das würde ich mich auch nicht trauen, aufzuschreiben.

Konstruktion und Verarbeitung

Die Ankopplung der Ohrmuschel an den Rest des Hörers erfolgt über ein einzelnes Gelenk an einem knapp fünf Zentimeter langen Kunststoffhalter, welcher sich in 14-Uhr-Position befindet, wenn man den Kopfhörer von der Seite betrachtet. Dies ermöglicht eine eingeschränkte, eindimensionale Drehung nach schräg innen oder schräg außen. Zusammen mit dem Drehgelenk an dem Halter am Kopfbügel befestigt, lässt sich somit die Kopfhörermuschel perfekt an den Kopf anpassen. Die starke Winkelbeschränkung verleiht dem Gerüst Stabilität, jedoch lasten enorme Kräfte auf dieser Ein-Punkt-Aufhängung. Außerdem verhindert die 14-Uhr-Position ein geschlossenes Aufeinanderliegen der Ohrpolster, mit dem man auf einfache Weise für Ruhe sorgen könnte, wenn der Hörer irgendwo vor sich hin spielend herumläge.

Das zweite beschriebene Gelenk lässt sich rund 30° nach außen und 90° nach innen drehen. Auch hier wirken die Beschränkungen auf das Konstrukt stabilisierend. Es ist jedoch nicht direkt am Kopfbügel befestigt, sondern ein weiteres Gelenk lässt die Halter-Ohrmuschel-Konstruktion bis zu 90° in den selbigen wandern. Aus alledem ergibt sich der von AKG schon lange eingesetzte, patentierte 3D-Faltmechanismus, der einerseits ein einfaches, sicheres und bequemes Tragen mit einer Muschel hinter, aber auch vor dem Ohr ermöglicht. Andererseits kann man das ganze Teil auf dreierlei Arten platzsparend zusammenlegen. Einmal sehr kompakt, mit einer nach innen geklappten rechten Seite, die linke Einheit parallel dazu. Zweitens sehr flach, mit 90° nach innen gedrehten Ohrmuscheln, die einerseits nebeneinander unter dem Kopfbügel liegen können. Letztlich auch noch mit einer den Kopfbügel hinein geklappt, was noch mal etwas kompakter ist.

Die hochflexible und gewichtssparende Konstruktion des K167 ist an sich recht stabil. Lediglich die Ein-Punkt-Aufhängung wirkt auf mich im Gesamtbild nicht ganz so widerstandsfähig. Robust hingegen wirkt der Kopfbügel. In seinem oberen Drittel ist vermutlich das glasfaserverstärkte Polymer verarbeitet worden, was ihn enorm flexibel macht, ohne dass ich Angst bekäme, er würde bei starker Dehnungsbeanspruchung gleich brechen. Auch sorgt er für gleichbleibend starken Anpressdruck der Polster auf den Kopf. Seine Unterseite ist mit drei Kopfpolstern versehen, die über die ganze Länge verlaufen und schmal genug ausgefallen sind, um nicht unter ihnen schwitzen zu müssen. Vielleicht ist die Polsterung etwas dünn ausgefallen, doch sie reicht unterm Strich aus. Eine Anpassung an die Kopfgröße erfolgt über eine metallbandverstärkte Rasterung, die sich leider ziemlich schnell verstellt. Da haben wir von AKG schon pfiffigeres gesehen.

An der Verarbeitung des (wie mittlerweile fast alle Produkte dieses Hauses) in China gefertigten Sprösslings, kann ich keine Mängel feststellen. Die verwendeten Materialien wirken in keiner Weise billig, aber auch nicht umwerfend edel. Das Design ist im Übrigen nicht komplett neu: Vergleicht man das kleine Schwestermodell K67 - eine Ohr-aufliegende Variante für 119 Euro - mit den schon länger existierenden Modellen K618DJ und K619, so fallen erstaunliche Parallelen auf. Am Gewicht des K167 Tiësto gibt`s ebenfalls nichts zu monieren, es beträgt 250g und gut ist.  

Der Motor …

… trumpft mit feinsten technischen Daten auf. Ein dynamischer 40-Millimeter-Wandler erzeugt einen Schalldruck von 112 dB, was AKG bei einer Eingangsspannung von einem Volt angibt. Die meisten Hersteller beziehen ihre Lautstärkeangaben auf eine Eingangsleistung von 100 mW, was, bei gleicher Impedanz, zu niedrigeren (nicht so werbewirksamen) Zahlen führt. Man könnte nun den Schalldruck von „pro Volt“ in „pro 100 mW“ umrechnen. Dass ich diese Zahl hier nicht hinschreibe liegt daran, dass auch diese nicht wirklich vergleichbar ist. Ein Hersteller gibt sie bei 1 kHz an, der Nächste bei 500 Hz, die meisten machen gar keine Angaben zu Bezugsfrequenzen. Diese hilft auch nicht wirklich weiter, denn dann weiß man nur, wie laut der Kopfhörer bei dieser genannten Frequenz ist. Ich möchte aber wissen, wie laut er über das ganze Spektrum gesehen ist. Eine Einheit für die Lautstärke über das gesamte Frequenzspektrum gibt es aber nicht. Ein Beispiel: In einem praktischen Hörvergleich musste sich der K167 mit fünf Kollegen gleicher Bauart messen - zwei davon waren vom gleichen Hersteller. Das als DJ-Modell verkaufte Exemplar ist mit einem Kennschalldruckpegel von 102 dB angegeben. Das als Pro-Modell gehandelte Teil bot 96 dB auf dem Papier. Mit Ausnahme der Mitten war dieses jedoch deutlich lauter, da alle anderen Bereiche mehr Druck hatten als beim „lauter = werbewirksamer“ angegebenen Probanden. Ein weiterer - mit 110 dB angegeben - konnte aber nur Bässe laut wiedergeben. Darüber hinaus gibt es Hersteller, welche den Schalldruck im Zusammenhang mit einer ''Nennleistung'' angeben … usw. Daraus folgt: In den seltensten Fällen gibt eine Herstellerangabe eine allgemeingültig vergleichbare und in der Praxis verlässliche Orientierung zur Lautheit. Da bleibt nur: Rein ins Geschäft und ausprobieren! Gleiches gilt auch für den Übertragungsbereich, man liest auch: Frequenzgang.

Alle am Markt erhältlichen „Ohrdurchpuster“ übertragen Frequenzbereiche jenseits des menschlichen Hörvermögens. Wann welcher dieser Bereiche wie laut wiedergegeben wird, geht aus solch schön klingenden Zahlen nicht hervor. Bedeutet: Der vom Hersteller angegebene Übertragungsbereich ist für den Anwender kaum von Nutzen. Ein weiteres Werbemittel also, genauso wie die Belastbarkeitsangabe. Manch ein Verkäufer versucht einem sogar zu vermitteln, dies habe etwas mit Lautstärke zu tun. Wie kann es dann sein, dass ich schon etliche 3000-mW-Boliden zerschossen habe, obwohl kein Kopfhörerausgang je diese Leistung bringt? Wie auch bei Lautsprechern sind bei Kopfhörern genauso Gleichströme für das Durchbrennen der Schwingspule verantwortlich. Die Gleichstrombelastbarkeit der Treiber ist aber nirgendwo angegeben. Sie ist erheblich niedriger als der praxisfern ermittelte, verlockende Wert und steht zu diesem auch in keiner Relation. Auch sagt er nichts über die mechanische Belastbarkeit aus, doch dazu mehr im Praxisteil. Wir halten fest: Die vom Hersteller angegebene Belastbarkeit sagt mir weder, wie lange meine Treiber halten, noch wie laut ich sie betreiben kann, geschweige denn, wie es bei welcher Lautstärke klingt. An dieser Stelle soll übrigens AKG nicht alleinig an den Pranger gestellt werden, die meisten anderen Hersteller verfahren ganz genauso. Etwas besser sieht es bei der Impedanz aus: Sie erlaubt es, in gewissem Maße zu beurteilen, wie viel Leistung ein Schallwandler einem Verstärker entlockt. Da ein Treiber aber nicht nur EINE Impedanz hat, sondern für jede Frequenz eine andere, ist die Aufsummierung zu seiner Nennimpedanz im Grunde eine „Schätzimpedanz“ und somit nur bedingt vergleichbar. Sie liegt beim TIËSTO bei 32 Ohm. Damit kann er also auch an schwachen Headphone-Amps betrieben werden.

Verwandte Inhalte

Reloop RHP-30 Test

Reloop RHP-30 ist ein geschlossener DJ-Kopfhörer mit vielversprechenden Leistungsdaten und gleich drei Kabeln für Kanzel- und Studioeinsätze sowie iOS- und Android-Mobilgeräte. Im bonedo.de-Test möchte er beweisen, dass er sich nicht hinter den Konkurrenten aus den Häusern Pioneer, Audio Technica oder Sennheiser verstecken muss.

Pioneer DJE-2000 Test

Für In-Ear-Kopfhörer haben die meisten DJs zwar noch kein offenes Ohr, aber vielleicht werden sie ja bei einem Premium-Produkt aus dem Hause Pioneer genauer hinhören wollen.

Reloop RHP-20 Knight Test

Der dynamische Stereo-Kopfhörer Reloop RHP-20 tritt mit 110 dB Schalldruck in der brandneuen Knight-Edition zum Bonedo Test-Turnier an.

Nocs NS900 Live Test

Der DJ-Kopfhörer Nocs NS900 Live besticht durch sein erfrischend schlichtes Design, zeitgemäße Ausstattungsmerkmale und sehr gute Material- und Verarbeitungsqualität. Wir verraten euch, ob der 249 Euro teure Ohr-Nahbeschaller auch soundtechnisch in der Oberliga mitspielt – oder nicht.

User Kommentare

Noch keine Kommentare zu diesem Artikel vorhanden

** Schreibe jetzt den ersten Kommentar **