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Zum Tode von Ralph Towner: Der leise Visionär der akustischen Gitarre

Mit dem Tod von Ralph Towner am 18. Januar 2026 verliert die Welt einen der stilistisch eigenständigsten und inspirierendsten Musiker der Moderne. Als Komponist, Gitarrist und Pianist der Band Oregon prägte er über Jahrzehnte den zeitgenössischen Jazz. Daneben führte ihn seine außergewöhnlich vielseitige Solokarriere zu prägenden Begegnungen mit Größen wie Gary Burton, John Abercrombie, Keith Jarrett oder Jan Garbarek. Ein Blick zurück auf das Leben und das Werk eines bemerkenswert facettenreichen Künstlers.

Zum Tode von Ralph Towner: Der leise Visionär der akustischen Gitarre
Pacific Press Media Production Corp. / Alamy Stock Foto

Ralph Towners Kindheit stand von Beginn an im Zeichen der Musik.

Ralph Towner wurde am 1. März 1940 in Chehalis, Washington, geboren und wuchs in einer musikalischen Familie auf. Schon früh erhielt er Trompetenunterricht, das  Klavierspielen brachte er sich selbst bei. 1958 begann er ein Studium an der University of Oregon, zunächst im Fach Kunst, wechselte jedoch bald zur Komposition. In dieser Zeit stieß er auf die Aufnahmen von Bill Evans, dessen harmonische Sprache und kompositorischer Ansatz sein eigenes Klavierspiel nachhaltig prägten. 

Kurz darauf entdeckte Towner die klassische Gitarre für sich. Die intensive Auseinandersetzung mit dem Instrument führte ihn Anfang der 1960er-Jahre nach Wien, wo er bei Karl Scheit an der heutigen Universität für Musik und darstellende Kunst klassische Gitarre studierte.

Ankunft in New York und die Entstehung der Band Oregon

1968 zog Towner nach New York und tauchte in die dortige Jazzszene ein. Im Paul Winter Consort begegnete er Glen Moore, Paul McCandless und Collin Walcott – eine musikalische Konstellation, aus der wenig später die Band Oregon hervorging. In dieser Zeit erhielt Towner von Paul Winter eine zwölfsaitige Gitarre, die sich zu einem seiner markantesten Erkennungszeichen entwickeln sollte. Zugleich blieb sein Instrumentarium bewusst vielfältig: Neben der zwölfsaitigen Gitarre prägten auch Steel- und vor allem Nylonstring-Gitarren sein akustisches Klangspektrum.

Ralph Towner
Credit: Kazimierz Jurewicz / Alamy Stock Foto

ECM – das offene Zuhause für Ralph Towners Musik

Parallel zu seiner Arbeit mit Oregon baute Ralph Towner eine eigenständige Solokarriere beim renommierten Label ECM Records auf. Die Zusammenarbeit mit Produzent Manfred Eicher, einem Mitbegründer von ECM, die 1972 begann, erwies sich dabei als ideales kreatives Umfeld für seine musikalische Entwicklung. Nach dem gemeinsamen Album „Trios/Solos“ mit Bassist Glen Moore erschien 1973 mit „Diary“ Towners erstes reines Soloalbum. In den folgenden Jahren veröffentlichte er eine Reihe stilprägender Aufnahmen, unter denen insbesondere „Solstice“ (1975) sowie das live eingespielte Soloalbum „Solo Concert“ (1980) zu seinen zentralen Werken zählen. Dabei blieb Towner stets offen für neue technische Möglichkeiten: Ab 1983 nutzte er den Prophet-5-Synthesizer, mit dem er neue Klangwelten erschloss. 

Ein Schicksalsschlag – und der Weg zurück zur Musik

Ein schwerer Einschnitt ereignete sich 1984, als Percussionist Collin Walcott und Manager Jo Härting bei einem Busunfall in Deutschland ums Leben kamen. Towner und McCandless überlebten zwar leichtverletzt, blieben jedoch emotional gezeichnet. Dennoch entschieden sie sich, mit Oregon weiterzumachen, und fanden zunächst mit Trilok Gurtu und später Mark Walker geeignete Mitstreiter. Ein Höhepunkt folgte im Jahr 2000 mit „Oregon in Moscow“, einer orchestralen Doppel-CD mit dem Tschaikowsky-Sinfonieorchester, die vier Grammy-Nominierungen erhielt. Das letzte Oregon-Album erschien 2017 mit „Lantern“.

Ralph Towner
Credit: Pacific Press Media Production Corp. / Alamy Stock Foto

Ralph Towner – Auch im neuen Jahrtausend musikalisch unterwegs

Auch im neuen Jahrtausend blieb Ralph Towner künstlerisch präsent und offen für neue musikalische Begegnungen. Mit dem Trio MGT, gemeinsam mit dem österreichischen Gitarristen Wolfgang Muthspiel und dem australischen Gitarristen Slava Grigoryan, setzte er ebenso markante Akzente wie in seinen Duo-Projekten mit dem Trompeter Paolo Fresu und dem Klarinettisten Javier Girotto. Auf das 2017 erschienene Album „My Foolish Heart“, eine Hommage an den Pianisten Bill Evans, folgte 2023 mit „At First Light“ seine letzte Veröffentlichung.

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Ein bleibendes Vermächtnis

Gerade in einer Zeit, in der viele Musiker den elektrischen Sound und spektakuläre Virtuosität suchten, blieb Towner seiner akustischen Vision treu. Wie nur wenige verstand er es, technische Präzision und stilübergreifende kompositorische Ansätze mit großer emotionaler Tiefe zu verbinden. So hinterließ er ein außergewöhnliches musikalisches Vermächtnis – als Pionier, Erneuerer und feinsinniger Klangpoet. Ralph Towner starb am 18. Januar 2026 im Alter von 85 Jahren in seiner Wahlheimat Rom.

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