Mit dem Tube Drive bringt Keeley ein Dual-Overdrive-Pedal mit integrierter Vorstufenröhre auf den Markt. Die linke Seite des kompakten Pedals basiert auf einer 12AX7-Doppeltriode, die zur vollen Potenzialausschöpfung mit Hochspannung betrieben wird. Auf der rechten Seite hat Robert Keeley seine berühmte Phat-Mod-Schaltung für dynamische Overdrive- und Distortion-Sounds verbaut. Beide Pedalhälften können unabhängig voneinander betrieben oder in beliebiger Reihenfolge hintereinander geschaltet werden.
Unser Fazit:
4,5 / 5
Pro
hervorragende Ansprache und Dynamik
als Clean-Boost, Overdrive und Distortion verwendbar
Keeley Tube Drive Twin Triode Dual Overdrive – Das Wichtigste in Kürze
Ist der Tube Drive ein Röhren-Preamp? Die linke Seite des Tube Drive (Tube) ist im Stile eines Röhren-Preamps konzipiert und erzeugt seine Verzerrung mithilfe einer echten 12AX7-Doppeltriode. Die rechte Seite (Drive) basiert auf einer JFET-Transistor-Schaltung, inspiriert vom Keeley Super Phat Mod (Artikelnummer: 406278).
Wie wird das Pedal mit Strom versorgt? Das Tube Drive wird mit einem Standard-9V-Netzteil betrieben, dessen Spannung für den Röhrenschaltkreis intern auf 168 V angehoben wird.
Welche Extras gibt es? Das Pedal verfügt über eine Remote-Buchse zur externen Steuerung der beiden Pedalhälften und kann sowohl im True-Bypass als auch im Buffered-Bypass betrieben werden. Außerdem lässt sich die Effektreihenfolge der beiden Pedalhälften festlegen.
Was sagt der Test? Der Keeley Tube Drive liefert eine breite Palette an dynamischen Zerrsounds und glänzt gleichermaßen als Clean-Boost, Overdrive und Distortion-Pedal. Dank seiner Amp-ähnlichen Ansprache funktioniert das Pedal hervorragend als zweiter und dritter Kanal vor einem cleanen Amp.
Funktionsumfang und Bedienung
Das Keeley Tube Drive sitzt in einem (B × H × T) 100 × 68 × 133 mm großen und 502 Gramm schweren Gehäuse, dessen Anschlüsse allesamt an der Stirnseite beherbergt sind. Die integrierte 12AX7-Röhre aus russischer Fertigung ist stehend in das Gehäuse integriert und wird über eine stabile Abdeckung inklusive Keeley-Logo vor Fußtritten geschützt.
Für die unabhängige Inbetriebnahme der beiden Pedalhälften stehen zwei Softswitch-Fußschalter bereit, mit denen durch längeres Halten auch der Bypass-Modus (True/Buffered) und die Effektreihenfolge (Drive→Tube/Tube→Drive) festgelegt werden. Pro Seite gibt es ein Trio aus identischen Potis für die Ausgangslautstärke (Level), den Grad der Verzerrung (Gain) und den Anteil der hohen Frequenzen (Tone). Da das Tube Drive Pedal im Inneren mit Hochspannung zur Versorgung der Röhre arbeitet, sollte man beim Netzteil auf eine ausreichend dimensionierte Stromstärke achten (mindestens 500 mA).
Für den Test sitzt das Keeley Tube Drive vor einem Budda Superdrive 45 in Kombination mit einem RedSeven Amp Central EVO und alle Reverb-Sounds kommen von einem Neunaber Wet Reverb. Als Gitarren stehen eine Maybach Texonian T54, eine Patrick Eggle Berlin Plus (PRS-Style) und eine 87er Fender Squier Strat bereit.
Beim ersten Antesten der Tube-Seite mit allen Potis in der 12-Uhr-Stellung überrascht unser Testkandidat mit einem recht höhenlastigen Grundsound, der zwar wenig eigene Gain-Reserven hat, dafür aber in Sachen Ansprache und Dynamik eine glänzende Figur abgibt. Mit höheren Gain-Settings und einem etwas zurückgenommenen Tone-Poti erzeugt der Röhren-Schaltkreis zunehmend Wärme und Sättigung, verlässt aber nie den Low-Gain-Bereich. Die Sounds wirken dabei sehr dynamisch und lassen sich perfekt mit dem Anschlag der rechten Hand formen, was vor allem Amp-Puristen ansprechen dürfte. Dass sich Keeley beim Design seiner Schaltung an einem Tweed-Style-Amp orientiert hat, ist ebenfalls gut zu hören. Dies betrifft besonders die (im positiven Sinne) bröselige Verzerrung bei höheren Gain-Settings.
Die Drive-Sektion wandert stufenlos zwischen Overdrive und Distortion
In eine ganz andere Richtung geht es dann auf der rechten Seite. Hier hat sich Keeley für eine Interpretation seines Super Phat Mod Pedals entschieden, das wiederum auf einem modifizierten Boss Bluesdriver basiert. Freunde dieser Schaltung schätzen sie für ihren Amp-ähnlichen Charakter, der durch das Kaskadieren von JFET-Transistoren das Verhalten einer Röhrenvorstufe nachahmt. Die hierdurch entstehenden Zerrstufen reichen von Medium-Gain-Overdrive über Distortion-Sounds bis hinein ins Fuzz-Territorium. Im Falle unseres Testkandidaten also die perfekte Ergänzung zur etwas zurückhaltenden Tube-Sektion. Alles in allem präsentiert sich das Tube Drive – nicht zuletzt durch die flexiblen Stacking-Optionen der beiden Seiten – als idealer Partner, um einen cleanen Amp um zwei bis drei „Kanäle“ zu erweitern.
Wir starten den Praxisteil mit einem kleinen Überblick über die Möglichkeiten der beiden Pedalhälften als separate Overdrive-Pedale. Hierzu hören wir beide Seiten nacheinander im Vergleich zum Bypass-Signal und mit verschiedenen Gain-Settings und Gitarren. Für einen ausgewogenen Klang stehen die beiden Tone-Potis dafür in der 10-Uhr- (Tube) bzw. 14-Uhr-Stellung (Drive).
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Soundcheck Medium Gain, Bypass -> Tube -> Drive (Tele)Soundcheck High Gain, Bypass -> Tube -> Drive (PRS)Soundcheck Low Gain, Bypass -> Tube -> Drive (Strat)
Gain- und Tone-Range des Keeley Tube Drive Overdrives
Als Nächstes hören wir den Regelweg der Gain- und Tone-Potis auf beiden Pedalhälften, mit denen sich ein extrem weiter Bereich zwischen Clean-Boost und Distortion abdecken lässt.
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Drive-Poti Tube, min -> max (Tele)Tone Poti Tube, min -> max (Tele)Drive-Poti Drive, min -> max (PRS)Tone-Poti Drive, min -> max (PRS)
Das Stacking der beiden Schaltkreise eröffnet zusätzliche Optionen
In den letzten beiden Audiofiles hören wir zwei Praxisbeispiele mit hintereinander geschalteten Pedalhälften. Während die Drive-Sektion dem Tube-Schaltkreis mehr Verzerrung und Kompression entlockt, eignet sich die Tube-Sektion hervorragend zum Anblasen von High-Gain-Sounds im Drive-Modus.
Das Keeley Tube Drive liefert eine beeindruckende Palette an Zerrsounds von leichtem Clean-Boost über transparenten Overdrive bis hin zu Distortion am Rande des Fuzz-Territoriums. In allen Disziplinen überzeugt der kompakte Dual-Overdrive dabei mit vorbildlicher Dynamik und Ansprache. Wer auf die Full-Range-Sounds des Keeley Super Phat Mod oder des Boss Bluesdrivers steht, wird auch an der zusätzlich integrierten Röhrenschaltung seine helle Freude haben. Denn aus den Kombinationen der beiden Pedalhälften lässt sich so ziemlich alles rausholen, was ein guter mehrkanaliger Röhrenverstärker zu bieten hat; und das vor einem völlig clean eingestellten Amp.
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