Mit dem Eventide H9 Gen2 bringt der amerikanische Hersteller den eigenen Pedal-Klassiker auf den neuesten Stand der Technik. Das Pedal präsentiert sich in schwarzem Outfit und mit einem LCD-Display sowie vier Encodern für ein schnelleres Editieren direkt am Gerät. Im Inneren warten neue Effekt-Algorithmen, die auch für andere Instrumente und Vocals interessant sind – das Ganze in gewohnter Eventide-Qualität. In diesem Test erfahrt ihr, ob das Upgrade gelungen ist und natürlich, wie das Ganze klingt.

- exzellente Soundqualität der Effekt-Algorithmen
- vielfältige Sounds und Effekte
- hervorragende Presets
- LCD-Display
- bessere Bedienung am Gerät durch Parameter-Encoder
- übersichtliches Editieren über die Eventide Control App
- Echtzeitbearbeitung der Effekte durch Hot Knob und Fußschalter
- MIDI
- mehr interner Speicher durch verschiedene User-Listen
- nur ein Effekt-Algorithmus gleichzeitig
Was sind die besonderen Eigenschaften des Eventide H9 Gen2?
Für mich sind das in erster Linie die erstklassigen Eventide-Effekt-Algorithmen, denn da spielt der Hersteller schon seit vielen Jahren bzw. Jahrzehnten in der Oberklasse. Zuerst waren es die Rack-Einheiten, bis 2013 mit dem H9 Pedalboards für Gitarristen erschienen. Deren zeitlose, klassische Effekte sind alle im H9 Gen2 enthalten, dazu neuere Entwicklungen. Besonders hervorzuheben sind dabei die Pitch-Shifting- und Synth-Effekte, die durch den starken Prozessor in ausgezeichneter Qualität geliefert werden. Auch die Modulations- und Raumeffekte sind allesamt keine 1:1-Nachbauten traditioneller Effektgeräte. Zwar orientieren sich die Eigenkreationen mitunter an den Klassikern, zeigen aber durchweg einen eigenen Charakter. Was die Konnektivität anbelangt, ist das Pedal mit den typischen Standards bestückt: MIDI, USB-C für den Software-Editor, Stereo-IN/OUT, EXP- und CTL-Anschlüsse etc. Dazu kommen die Echtzeit-Bearbeitungsmöglichkeiten per Hot Knob und Hot Switch.
Hot Knob und Hot Switch – clevere Lösungen für den schnellen Zugriff?
Mit der Hot Knob-Funktion kann man mehrere Parameter eines Effekts gleichzeitig mit nur einem Regler oder einem Expression-Pedal steuern. Für jeden zugewiesenen Parameter wird ein Start- und Endwert festgelegt. Wird der Hot Knob-Regler oder das Expression-Pedal bewegt, ändern sich alle Parameter synchron. Die Hot Switch-Funktion schaltet per Fußtritt zwischen zwei definierten Zuständen desselben Presets (Effekt) um. Dabei können beliebige Parameter auf alternative Werte springen, ohne dass ein neues Preset geladen werden muss.
Was hat sich zwischen dem Eventide H9 Max der ersten Generation und dem Eventide H9 Gen2 geändert?
Rein äußerlich fällt das größere LCD-Display ins Auge, wo beim alten H9 nur eine Ziffernanzeige saß – ein eindeutiges Plus für das Editieren am Gerät. Beim H9 Gen2 gibt es drei Parameter-Encoder mit Tastfunktion. Dazu einen weiteren, der die Funktion des Hot Knobs übernimmt und Presets anwählt. Die Anzahl der Fußschalter (2) ist gleich geblieben, genau wie die Audioanschlüsse mit zwei Ein- und Ausgängen. Allerdings findet sich neben dem EXP-Out zusätzlich ein separater Anschluss für einen externen Fußschalter (CTL). Ordentlich aufgestockt wurden die Effekt-Algorithmen. Während das H9 Max lediglich über 52 verfügt, kann das H9 Gen2 mit 74 aufwarten.
Was ist der Unterschied zwischen dem Eventide H9 Gen2 und dem Eventide H90?
Wie bereits erwähnt, ist das Angebot an Effektalgorithmen beim H9 Gen2 und beim H90 identisch. Der wesentliche Unterschied besteht darin, dass beim Eventide H90 zwei Algorithmen gleichzeitig aktiviert werden können, beim H9 Gen2 nur einer. Wer zwei Algorithmen kombinieren möchte, sollte sich überlegen, ob er nicht doch etwas mehr investiert. Das H90 liegt bei 898 Euro, das H9 Gen2 ist aktuell für 694 Euro zu haben (August 26). Darüber verfügt das H90 über drei Fußschalter und einen zusätzlichen Encoder.
Bedienung am Gerät vs. Software-Editor
Im Vergleich zum alten H9 ist das Editieren am Gerät erheblich komfortabler. Hier werden die Parameter im Display dargestellt und mit den drei darunterliegenden Encodern verändert. Per Tastendruck kann zu den nächsten drei Parametern weitergeblättert werden. Bei der Eventide Control App (Mac/PC) wird die angewählte User-Liste auf der linken Seite dargestellt, daneben der Editor mit allen verfügbaren Parametern des Effekts. Auch weitere Einstellungen wie zum Beispiel Systemdaten können hier vorgenommen werden. Das Editieren funktioniert auch hier absolut einwandfrei.
Entspricht das Angebot dem Preis?
Das quantitative Angebot an Effektalgorithmen ist erstklassig. Aber mehr als 70 Effektalgorithmen gibt es auch bei Geräten anderer Hersteller. Was eindeutig besticht, ist die bestechende Audioqualität der Effekte, die meines Erachtens jeden Cent wert ist. Die Bedienung über das LCD-Display und per Software-Editor ist ebenfalls praxisgerecht und zeitgemäß. Und wenn ich bedenke, dass mich vor einigen Jahren der H9 Max rund 650 Euro gekostet hat, dann empfinde ich den Preis von 694 Euro als absolut in Ordnung.
