SSL Revival 4000 Test – Best of a Legend

Praxis: Routing & Extras des SSL Revival 4000

Der Revival 4000 vereint alle modernen SSL-Tools in einem kompakten Channel-Strip und garniert die mit hochwertigen Übertrager-Sound. Neben dem praktischen Insert für weiteres Gear gibt es als Extra außerdem externen Sidechain sowie die wirklich flexibel konfigurierbare Prozessreihenfolge – ein absolut starkes Alleinstellungsmerkmal.

SSL Revival 4000 open
Nicht nur Terrance und Phillip, auch Jensen kommt aus Canada!

Gerade auf Drums spielt der Mono-Channel deshalb seine Stärken absolut souverän aus: Filter in den Sidechain, EQ vor dem Compressor oder andere Routing-Tricks lassen sich kreativ am Gerät umsetzen, ohne einen Stepptanz an der Patchbay zu vollführen. Ohnehin sind E-Dynamics sind wie geschaffen für die üppige (Einzel-)Komprimierung von akustischen Rock-Drums!

Günstig ist das auf den Kanal bezogen allerdings nicht, so fährt man mit Quad oder SSL Octa plus Comps und EQs im 500er Format eventuell sogar billiger. Den echten Jensen-Übertrager und weniger “VHD-Advanced” gibt es aber aktuell nur hier. Und den Sound der Spule, ich mag ihn schon jetzt sehr!

Übertrager-Sound Deluxe

Achtet im folgenden Beispiel – ohne aktivierten Compressor – wie allein die Wahl des Inputs für den Sound sorgt, im Falle des Mic-Preamps also für eine deutliche Übertrager-Compression, welche das Signal bereits deutlich lauter macht. Auch der Bass wird durch den Übertrager aufgenommen nochmal fresher! Jensen, me like!

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DRY (incl. Cable & Converter) EQ / Line-In EQ / Hot Mic-In, normalized -3dB EQ / Hot Mic-In, same peak as line = way louder
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Bass: Line In Bass: Mic In

Für Vocals – insbesondere bei Artists ohne Engineer – kann die Vielzahl an Optionen wiederum komplex werden. Im PA- und Live-Rack avanciert der Channel wiederum zum “Universal-Soldier, Solid-State”, keine Frage!

Der festgelegte De-Esser ergänzt außerdem den Vocal-Einsatz, bietet ansonsten aber eher wenig künstlerische Freiheit.

Features wie ein Kopfhörer-Ausgang oder ein integriertes USB-Interface – wie bei anderen aktuellen SSL-Geräten – wären eventuell praxisnäher gewesen. Auch ein Fusion-Drive oder gar VHD hätten mir an dieser Stelle mehr Charakter gebracht.

Für das Studio wäre auch ein Summier-Bus wie beim Harrison Channel spannend gewesen. Der Sound des SSL EQ ist indes vergleichsweise bissiger als beim Harrison 32Classic MS – und flexibler sowieso!

Die Stereo-Link-Option fällt mir allerdings zu simpel aus: nur das stärkere Sidechain-Signal wird übernommen, nicht aber alle Regler oder gar LED-Werte. Bisschen mehr Stereo-Liebe bitte, SSL!

Für komplexe Summensignale bevorzuge ich ohnehin andere Konzepte, gern mit variabler Attack-Zeit. Der SSL-E-Comp zeigt seine Stärken m.E. eher auf vielen Einzelspuren, wo er flink und „idiotensicher“ parallel arbeitet. Besonders Gate/Expander sind zackig und knackig, da findet sich nur schwer Software-Ersatz für. Auf Summen nutze ich den klassischen SSL Bus-Compressor bzw. Bus Plus oder auch die B-Dynamics indes lieber. Es sind Nuancen, aber sie sind eben spürbar.

SSL in the mix

Für diesen kleinen Drum-Mix habe ich nur den Revival und das gleich sechs Mal im Einsatz gehabt: eingestellt, aufgenommen und direkt auf die nächste Spur “geprinted”. Das ging erstaunlich flott. Besonders das Gate räumt das Signal effektiv auf und sorgt für Klarheit.

Der EQ kam nur dezent zum Einsatz, während der Compressor gezielt auf einzelnen Spuren – etwa auf der „Wurst“, Kick und Snare – kräftiger zupackte. Den Mic-In hab ich fast überall verwendet und ordentlich angefahren. Der Raumanteil blieb abgesehen von einen kleinen High-Shelf-Opener komplett unbearbeitet, die Overheads habe ich dagegen nur “expandert”, eher als kreativen Effekt. In einem vollen Arrangement würden die entstehenden Lücken vermutlich vollständig verschwinden.

Wichtig: Es gibt hier keinerlei Automationen oder Edits – jedes Track-Setting läuft von Anfang bis Ende identisch. Gerade dadurch zeigt sich, wie souverän die SSL-Dynamics das Material im Griff haben.

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Multi-Track – DRY Multi-Track: 6x REVIVAL 4000 Kick – DRY Kick – MIC-IN-CRUNCH / No Expander / EQ Kick – MIC-IN-CRUNCH / with Dynamics & EQ Snare – DRY Snare – Crunch Snare – Crunch, EQ/DYN

Was könnte besser?

Zwei kleine Schwachpunkte bleiben: Der Übertrager ist nicht in den Line-Weg schaltbar – DAW/Line-Signale müssen also für den “Extra-Flavour” über den Mic-Eingang mit aktivierten Pad angefahren werden, was beim Gain-Matching zumindest etwas fummelig wird.

Der fehlende DI-Eingang ist angesichts des sonst doch so üppigen Feature-Sets irgendwie auch ein echter Wermutstropfen – gerade für Gitarristen mit 4000E-Fetisch. Und ja ich weiß, das ist eine Kopie des Channels und auch der hatte keinen Kopfhörer, USB, usw. Wisst ihr was der aber auch nicht hatte? Einen Black-Knob …

Insofern könnte man 2025 überlegen, ob die kryptische Black/Brown-Knob-Dialektik überhaupt noch so Sinn mach. Oder ob gar unabhängige Slope-Switches, beispielsweise getrennt für Low-Cut und EQ, nicht eventuell besser wären. So wüsste man auf Anhieb was man da tut. Außerdem verleitet die Begrifflichkeit zu Erwartungen “tonaler Änderung”, was aber kaum der Fall ist.

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