Anzeige

SABIAN Paragon Brilliant Performance Set Test

Ja, auch ich muss zugeben, dass ich vor vielen Jahren mal vom RUSH-Virus infiziert war. Als junger, ambitionierter Schlagzeuger und eifriger Musikmagazin-Leser kam man in den 80er Jahren an deren Drummer Neil Peart ja kaum vorbei. Aus der punk-sozialisierten Fraktion hagelte es natürlich Spott und Häme (“RUSH ?? Muckermusik!! Angebertum!!!”), aber wir kramten lieber das 1981er „Moving Pictures“-Album raus, um den Takt von „YYZ“ auszuzählen, anstatt uns mit diesen elenden Ignoranten herumzuschlagen.

Paragon_Perf_Set_kompl


Und nun, knapp 30 (!) Jahre später, schließt sich der Kreis, und vor mir liegt ein gülden schimmernder Beckensatz mit dem Namen „Sabian Paragon Brilliant Performance Set“, entwickelt in Zusammenarbeit und nach Vorgaben von … NEIL PEART.
Der gute Neil fuhr, wie es die Legende besagt, an einem verregneten Septembertag im Jahre 2003 mit seinem „trusty old“ BMW zum Sabian-Werk in Meductic, Kanada, um zusammen mit dem Chef-Produktentwickler Mark Love Ideen für eine Signature-Beckenserie zu sammeln. Nachdem Neil seine Soundvorstellungen erläutert hatte, musste das Kind noch einen Namen bekommen. „Neil Peart Signature“ klang zu gewöhnlich, es musste ein prägnanter Begriff her, und nach diversen Vorschlägen von Pearts Seite (unter anderem „Heritage“ und „Excelsior“) einigte man sich dann auf PARAGON, ein Wort, das soviel bedeutet wie „perfektes Muster bzw. Modell“ , an anderer Stelle aber auch für einen perfekten Diamanten mit mindestens 100 Karat Gewicht steht. Das klingt doch nach was, dachten sich die beiden Experten und entschieden sich dann noch für einen dezenten matt-goldenen Aufdruck mit Diamanten-Logo, wodurch sich die Becken auch optisch deutlich von allen anderen am Markt abheben sollten.
2004 ging die Paragon-Serie dann an den Start und war anfangs nur im Natural Finish erhältlich. Die Palette an Größen und Modellen war recht überschaubar und hat sich bis heute, bis auf eine Ausnahme, nicht geändert: 13/14“ Hi-Hats, 16/18/20“ Crashes, 8/10“ Splashes, 19/20“ Chinese, 22“ Ride und (seit 2008) ein 20“ Diamondback Chinese. Die neue Paragon Brilliant Serie bietet exakt dieselbe Auswahl, wobei sich das zum Test vorliegende „Performance Set“ auf die 14“ Hi-Hats, das 16“ Crash sowie das 22“ Ride beschränkt, selbstverständlich, wie bei Sabian üblich, „sonically matched“(klanglich aufeinander abgestimmt).

Anzeige

Details

Sechs Jahre nach der Vorstellung der Paragon-Serie legt Sabian nun nach und bietet die Becken ab sofort auch im Brilliant-Finish an. Der Anstoß zur neuen Serie kam von Neil Peart, der festgestellt hatte, dass seine neuen Becken immer erst nach einer gewissen Zeit „warmgespielt“ waren und ihr volles Klangpotential entfalten konnten. Diese Beobachtung deckt sich auch mit der weitverbreiteten Meinung, dass hochwertige Becken „reifen“ wie ein guter Wein und im Laufe der Jahre immer besser klingen. Etwas Wahres scheint dran zu sein, denn in der Jazz-Szene werden ja bekanntermaßen vierstellige Beträge für alte K Zildjian-Ride-Becken gezahlt, da angeblich nur diese den einzigartigen Sound produzieren, den man von Elvin Jones, Tony Williams usw. kennt. Auch wenn da sicher eine Portion Mythos im Spiel ist, so steht doch fest, dass sich bei Becken durch die permanente mechanische Beanspruchung die Molekularstruktur und damit auch der Sound allmählich verändert.
Also überlegte man sich im Hause Sabian, wie man einen solchen „Pre-aging“-Effekt praktisch von vornherein mit einbauen könnte. Man entschied sich schließlich dazu, die Becken einer speziellen Hochglanzpolitur zu unterziehen, wodurch die Tonal Grooves etwas „eingeebnet“ werden. Theoretisch hat dies ein schmaleres Frequenzspektrum und somit einen fokussierteren Sound zur Folge. Die Ecken und Kanten werden sozusagen geglättet und dadurch der Sound „entschärft“. Durch eine zusätzliche spezielle Wärmebehandlung sollen die Becken strukturell etwas nachgiebiger werden, sodass sie sich auch beim Spielen weicher anfühlen. Sabian spricht in diesem Zusammenhang von einem, gegenüber der „normalen“ Serie, „looser feel and sound“.

Fotostrecke: 2 Bilder Paragon Logo

Als Grundmaterial kommt bei den Paragon Brilliant-Becken, wie bei sämtlichen Oberklasse-Serien aus dem Hause Sabian, die bewährte B20-Bronze (80% Kupfer, 20% Zinn und Spuren von Silber) zum Einsatz. Die Unterschiede der einzelnen Serien zeigen sich in der Bearbeitung (Hämmerung, Abdrehmuster) sowie im Profil. Die Besonderheit bei der Paragon-Serie ist, dass hier drei verschiedene Bearbeitungsmethoden vereint sind. Die Oberseite zeigt ein sehr feines Abdrehmuster mit eng beieinanderliegenden Rillen, wie es bei der AAX-Serie verwendet wird. Hierdurch soll eine schnelle Ansprache erreicht werden. Auf der Unterseite kommt ein deutlich gröberes Muster im traditionellen „Turkish Style“ zum Einsatz, was bedeutet, dass die Rillen einen größeren Abstand zueinander haben. Dieses Muster wird auch bei der AA-Serie verwendet und soll für größtmögliche Projektion und Klangfülle sorgen. Und da auch eine gewisse Wärme im Sound nicht fehlen darf, wird die Kuppe zusätzlich im Stil der HH- beziehungsweise HHX-Becken handgehämmert. Was die Profile der Becken angeht, so gibt es auch hier Unterschiede zu den herkömmlichen Serien, auf die ich im Praxis-Teil noch näher eingehen werde. Die Verarbeitung der Becken ist absolut makellos. Ränder und Mittellöcher sind perfekt entgratet, die Becken liegen 100% plan auf einer ebenen Fläche auf, und das Brilliant Finish lässt so manches andere Becken im wahrsten Sinne des Wortes blass aussehen. Um lange etwas von dem schönen Effekt zu haben, heißt es allerdings: Samthandschuhe anschaffen oder Fingerabdrücke immer gleich entfernen (was aber glücklicherweise problemlos möglich ist).
Aber am meisten interessiert uns natürlich wie die Becken klingen!

Anzeige

14“ Hi Hat

Bei den Hi-Hats fällt zunächst die unterschiedliche Optik der beiden Becken auf. Das Top-Becken zeigt den im vorigen Abschnitt erwähnten typischen dreigleisigen Bearbeitungs-Mix, während beim Bottom einerseits auf das Hämmern der Kuppe verzichtet, andererseits die restliche Fläche des Beckens aber stärker gehämmert wurde, als bei den übrigen Becken des Sets. Die Becken wiegen 1060 (Top) bzw. 1400 Gramm (Bottom) und liegen damit im Medium-Heavy-Bereich. Hier erklärt sich auch die stärkere Hämmerung des unteren Beckens. Vermutlich sollte dadurch das sehr schwere Becken etwas „gezähmt“ werden, um dem Hi- Hat-Sound unangenehme metallische Frequenzen zu nehmen.
In der Praxis sorgt die Kombination des mittelschweren Top-Beckens mit dem heavy Bottom für eine gesunde Mischung aus schneller Ansprache und guter Durchsetzungsfähigkeit. Bei geschlossener Spielweise ist der Stick-Sound stets dominant mit präsentem, aber unaufdringlichem Höhenanteil. Zusammen mit dem eher dunklen Grundklang ergibt sich im musikalischen Kontext ein harmonischer Sound. Gerade filigrane Hi-Hat-Patterns machen mit diesen Becken Spaß, da sie niemals zum Verwaschen neigen. Halb offen gespielt steht nach oben hin einiges an Dynamikreserven zur Verfügung, wodurch man die Hi-Hats auch in recht lauter Musik problemlos einsetzen kann. Kein Wunder, denn Herr Peart pflegt ja bekanntlich auch einen eher kräftigen, akzentuierten Stil. Und auch bei getretener Spielweise ist der Sound im musikalischen Geschehen immer gut ortbar.
Eine kleine Merkwürdigkeit ist mir aber aufgefallen, gut zu hören im Soundfile „HH Solo“. Spielt man das obere Becken im geschlossenen Zustand auf der Kuppe an, so tritt ein länger ausklingender hoher Oberton hervor, der allerdings im musikalischen Zusammenhang kaum wahrnehmbar ist. Nun spielt man die Hi Hat zwar selten auf der Kuppe, aber seltsam fand ich dieses Phänomen schon. Ich vermute, dass sich ausgerechnet bei diesem Paar eine bestimmte Frequenz, die in beiden Becken vorhanden ist, gegenseitig verstärkt. Man kann aber wohl davon ausgehen, dass der Effekt ein Einzelfall ist und bei anderen Exemplaren nicht auftritt.

Audio Samples
0:00
HiHat Solo HiHat getreten Groove HiHat 16tel

16″ Crash

Das 16“ Crash ist mit 1170 Gramm Gewicht in der oberen Medium-Kategorie anzusiedeln. Bei dem Becken fällt sofort die recht ungewöhnliche Proportionierung ins Auge. Was sich bei den Hi Hat-Becken nur andeutete, wird hier überdeutlich. Die handgehämmerte Kuppe hat satte 13 cm Durchmesser und ist damit mindestens so groß wie die eines herkömmlichen 18“ Crash-Beckens. Hierdurch soll laut Sabian das Dynamikspektrum nach oben hin erweitert werden, und das bestätigt sich dann auch in der Praxis. Das Becken hat einen kräftigen, energiegeladenen Sound, der genügend hohe Frequenzanteile besitzt, um auch gegen laute Gitarren anzubrüllen. Trotzdem klingt es nicht kalt oder metallisch, sondern besitzt den für diese Beckenserie typischen warmen Unterton, der es niemals unangenehm klingen lässt.
Die Ansprache ist auch bei moderater Spielweise ausgezeichnet. Es explodiert förmlich und klingt dann allmählich wieder ab. Das Sustain ist nicht so kurz wie bei dünneren Becken, wodurch der Crash-Sound auch bei langsameren Tempi hervorragend trägt. Da fällt mir der große Jeff Porcaro ein, der mal folgendes Statement abgegeben hat: „ When I use a crash cymbal in the context of a song, … I like people to hear the cymbal’s tone and sustain ring over a bar or two. To me a lot of crash cymbals cut off too soon.“  Wahre Worte eines fantastischen Schlagzeugers, der übrigens auf seinen Aufnahmen auch immer durch die geschmackvollen Beckensounds auffiel.
Spielt man das Becken solo an, kann man einen „gongigen“ Grundton wahrnehmen, der aber, ähnlich wie bei den Hi-Hats, im musikalischen Zusammenhang verschwindet. Vermutlich würde das Becken sogar etwas vom warmen Klangcharakter einbüßen, wenn diese Frequenz fehlen würde, wer weiß?

Audio Samples
0:00
Crash Solo Crash Mallet Groove Straight

22″ Ride

Als echtes Schwergewicht präsentiert sich das 22“ Ride. 3920 Gramm sind ein strammes Gewicht für ein Becken dieser Größe. Da wiegen sogar die meisten 24“ Rides noch ein paar Hundert Gramm weniger. Auch hier finden wir eine relativ große handgehämmerte Kuppe vor, die allerdings längst nicht so überproportional ausfällt wie beim 16“ Crash. Nichtsdestotrotz lädt sie auf alle Fälle zur intensiven Bearbeitung ein, was sich dann auch als großer Spaß erweist, denn sie produziert einen glasklaren, definierten, nicht zu hohen Sound, der dominant klingt, sich aber gleichzeitig sehr gut in den musikalischen Kontext einbettet. Aufgrund der Stärke des Beckens setzt sich die Glocke natürlich klar vom Body-Sound ab, und auch der hat es in sich. Spielt man das Becken im mittleren Bereich an, so dominieren die hohen Frequenzen, d.h. man hört einen deutlichen Ping mit relativ wenig „Unterfütterung“. Bewegt man sich aber nun weiter zum Rand, so gesellt sich nach und nach ein sehr harmonischer Mix aus tieferen Frequenzen dazu, der aber aufgrund der Materialstärke niemals zum Aufschaukeln neigt, sondern immer „im Zaum“ bleibt und das Becken dadurch sehr kontrolliert klingen lässt. Der eine oder andere mag jetzt einwenden, dass die Dynamik dadurch ja begrenzt ist, wenn man es mal so richtig krachen lassen will, aber da kann ich nur entgegnen: Dafür gibt es Crash-Ride-Becken. Dieses hier ist ein lupenreines Ride. Ancrashen macht hier wirklich wenig Sinn, dafür bekommt man aber einen kristallinen, tragenden Ride-Sound mit relativ langem Sustain, der erstaunlicherweise keineswegs kalt und leblos klingt, wie es bei Becken dieser Gewichtsklasse häufig der Fall ist. Obwohl ich kein Freund von allzu schweren Ride-Becken bin, muss ich sagen, dass Sabian hier ein kleines Wunderwerk vollbracht hat. Ich kann nur dringend anraten, das Becken im nächsten Laden frei von allen Vorurteilen mal anzutesten. Ihr werdet erstaunt sein!

Audio Samples
0:00
Ride Solo Groove Ride Groove Ride Cup
Anzeige

FAZIT

Ich kann feststellen, dass Sabian mit der „Brilliant“-Variante eine nicht nur optisch sehr ansprechende Serie geschaffen hat. Ob die Becken nun „eingespielter“ klingen als die normalen Paragons, kann ich nicht beurteilen. Fest steht aber, dass sich alle getesteten Becken der Serie durch eine gelungene Mischung aus Wärme und Brillanz auszeichnen. Der Mix aus drei verschiedenen Bearbeitungsmethoden erweist sich nicht nur als Marketing-Trick, sondern beschert den Paragon Brilliant Becken durchaus einen eigenständigen Sound. Obwohl sie teilweise relativ schwer sind, sprechen die Becken schnell an und bieten eine immense dynamische Bandbreite und Power, die ja auch das Spiel von Neil Peart charakterisiert, welcher die Idee zu dieser Serie lieferte.

Paragon_Perf_Set_kompl_01
Unser Fazit:
4,5 / 5
Pro
  • – eigenständiger Klangcharakter
  • – große Dynamik
  • – warmer Grundsound
  • – ansprechende Optik
Contra
  • – leicht störende Obertöne bei den Hi-Hat-Becken
Artikelbild
SABIAN Paragon Brilliant Performance Set Test
Für 2.999,00€ bei
Spezifikationen
  • – Set mit 14“ HH, 16“ Crash, 22“ Ride, Deluxe Cymbal Bag
  • – Material: B20-Bronze
  • – Brilliant Finish
  • – Kombination aus drei verschiedenen Bearbeitungsmethoden
  • – Preis (UVP) 1066,– €
Hot or Not
?
Peart Signatur

Wie heiß findest Du dieses Produkt?

Kommentieren
Schreibe den ersten Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.
Bonedo YouTube
  • Sonor Momentum Birch Rock Kit | First Impression #drums
  • Vintage Ludwig Stainless Steel in Bonham Sizes
  • Ludwig Stainless Steel - We're going big! | Vintage Drum Talk Season III