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Interview mit Tobias Regner

B: Ich dachte eigentlich, dass die meisten Probleme dann entstanden sind, als der große Hype vorbei war, als viele das Interesse verloren haben. Bist du da in ein Loch gefallen, hattest du mit der plötzlichen Leere zu kämpfen?
Grundsätzlich habe ich die Situation damals einfach als einen beendeten Lebensabschnitt gesehen. Klar, war ich irgendwann „alleine“ und keiner hat sich mehr um mich gekümmert. Aber ich habe da nie jemanden die Schuld gegeben und gesagt, dass sie mich fallengelassen hätten. Klar war da ein Loch, denn in gewisser Weise hatte ich mich an den ganzen Rummel gewöhnt, auch wenn es im Endeffekt nur sechs Monate waren, wo das meiste Programm war. Danach denkst du schon: „Was war das jetzt für ein Film, für ein Traum?“ und fragst dich, wie es weitergeht. Die ganzen sechs Monate wusste ich, dass der große Hype irgendwann vorbei ist. Und auch, dass ich im Vergleich mit anderen Künstlern eigentlich wenig dafür tun musste. Ich habe ja lediglich bei DSDS gesungen – und nicht mal meine eigenen Lieder, sondern ich habe nachgesungen! Deshalb war mir klar, wenn der Erfolg so weitergehen würde, dann wäre das das Schlaraffenland. Und mir war bewusst, dass ich danach verantwortlich für meine Karriere bin, dass ich dafür sorgen muss, wieder hoch zu kommen. Und das aus eigener Kraft, total unerfahren, als Teisendorfer Bua (lacht).
B: Dein Resümee: Kannst du die Teilnahme an DSDS für aufstrebende Musiker empfehlen und wenn ja, welche Tipps kannst du mit auf den Weg geben?
Oh, das ist schwer zu sagen. DSDS hat Vor- und Nachteile, das ist klar. Man sollte sich auf jeden Fall keine allzu großen Chancen ausrechnen. Wenn man wirklich Karriere machen will, dann kann man natürlich hingehen, aber man sollte sich immer in Klaren sein, dass nur einer gewinnen wird und vielleicht der eine oder andere von den ersten Zehn noch einen Plattenvertrag bekommt – im Optimalfall. Und man geht das Risiko ein, durch den Kakao gezogen zu werden. Denn davon lebt DSDS ja auch: die Leute zu verarschen und damit die Zuschauer zu unterhalten. Und es kann auch sein, dass man dann zwei Wochen lang durch die Presse geistert und keinen Einfluss darauf hat! So wie der Teilnehmer der letzten Staffel, der vor laufender Kamera den Anfall bekam, als er nicht weiterkam. Wer eine langfristig angelegte Karriere machen will, mit Fans, die bleiben, die auf die Musik, auf den Künstler abfahren, und nicht da sind, weil sie einen aus dem Fernsehen kennen, der sollte das Ganze Schritt für Schritt aufbauen. Die Fans sollten ausschließlich wegen seiner Musik kommen. Bei DSDS wird ein Gesamtpaket verkauft, in dem halt auch Musik mit drin ist, aber alles andere mindestens genauso stark gewichtet wird. Wenn nicht sogar mehr, man braucht nur an die ganzen Skandalstories denken, von denen die Sendung ja auch lebt.
B: Ich denke da an „We are the Champions“ von der letzten Finalshow, wo im Endeffekt die Schlechtesten der Castings noch einmal vor einem Millionenpublikum vorgeführt wurden. Für mich schon jenseits aller Grenzen…
…was? Das habe ich gar nicht gesehen! Aber die Show lebt ja davon. Und wenn man ein Produkt hat, muss man es immer wieder „verfeinern.“ Und RTL und DSDS haben sich da wohl in eine Schiene verrannt und müssen jetzt immer noch extremer werden. Auch bei der Jury klingen die Kommentare manchmal, als wenn in der Schulklasse die letzte Reihe irgendwelche Sprüche macht. In der letzten Staffel schmissen sie sich einmal weg vor lachen, nur weil ein Kandidat reinkam und irgendetwas sagte. Er hatte noch nicht mal gesungen. Da denkt man sich dann schon, was ist denn jetzt los? Man erwartet ein fachkundiges Urteil über eine Leistung, aber nicht so etwas.
B: Was wird deine neue CD bringen?
Sie wird mehr Tobias Regner werden. Härter als die erste CD. Es sollen aber auch wieder Popsongs drauf sein. Ich stehe auf harte Popsongs. Vielleicht werden sie etwas Riff lastiger, mehr „Tobi artig“. Ich stehe auf Audioslave-artige Gitarrenriffs und natürlich Metallica. Allerdings habe ich inzwischen gemerkt, dass meine Musik nicht wirklich Metallica sein kann, da ich zum Beispiel sehr viel Pop in mir habe. Ich stehe auf gute Hooks, da stellt es mir die Haare auf. Erst vor kurzem habe ich mit ein paar Kumpels „Weist a Herz hast wia a Bergwerk“ von Rainhard Fendrich gejammt. Da hatte ich Gänsehaut an beiden Armen! Deshalb wird auch die neue CD gitarrenlastige Popsongs enthalten. Hauptsache es schiebt und hat gute Melodien. Wir haben jetzt mal Anfang 2009 für die Veröffentlichung angepeilt.
B: Metallicafan und Rainhard Fendrich-Hörer – eine breite Palette, die du hörst und spielst!
Meistens höre ich die harten Sachen. Stone Sour, Slipknot, Seven Dust… Da habe ich dann ein Grinsen im Gesicht, weil die Musik einfach nur noch geil ist. Bei emotionalen Sachen, da ist das weniger auf Bands bzw. Interpreten bezogen. Da sind es einzelne Songs, die bei mir Gänsehaut verursachen.
B: Was machst du, wenn sich eines Tages herausstellen sollte, dass es mit der Musikkarriere doch nichts wird? Ist da der Grafiker als Beruf noch im Hinterkopf?
Ja, schon. Ich mach mir da aber keinen so großen Stress. (Pause) Obwohl, eigentlich wäre es schon schade, wenn man schon so viel erreicht hat und dann plötzlich geht es nicht weiter.
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von alois.c. braun

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