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M-Audio Nova Test

Praxis

Starke Verarbeitungsmängel

Au Backe! Es ist sicher kein gutes Zeichen, dass man schon Stirnrunzeln bekommt, wenn man ein Testgerät gerade aus seiner Verpackung geschält hat. Die Oberflächenbehandlung zeigt deutlichen Blasenwurf!

Qualitätskontrolle ist offenbar ein Fremdwort: Bläschenbildung auf der Oberfläche!
Qualitätskontrolle ist offenbar ein Fremdwort: Bläschenbildung auf der Oberfläche!

Discounter-Ware?

Dies ist nicht nur ein Hinweis auf wirklich grottenschlechte Verarbeitung, sondern auch für entweder minderwertige oder überhaupt nicht vorhandene Qualitätskontrolle. Schlimmer noch die Befürchtung, dass eine ganze Charge Novas mit dem Gedanken “Na, egal. Kostet ja eh nicht viel, da müssen die Kunden mit so was rechnen.” einfach in die Läden gestellt wird. Meine Damen und Herren, heute zeigen wir ihnen, weshalb es sich häufig nicht lohnt, das Billigste zu kaufen. Der Vergleich mit billiger Wurst vom Discounter verbietet sich hier aus Rücksicht auf die eventuell nervösen Lesermägen. Sicher: Wir haben hier einen optischen Fehler an einem Audio-Gerät, doch drängen sich die Rückschlüsse auf die sonstige Qualität förmlich auf.
Weitere offensichtliche Verarbeitungsmängel gibt es nicht. Es klappert nichts, die Gewinde sind ordnungsgemäß geschnitten und der Korb fest verbaut. Die Lötstellen auf der Platine können sicher nicht als leuchtendes Beispiel für sauber ausgeführte Arbeit herangezogen werden, aber da gibt es durchaus Schlimmeres. Das Kabel verheimlicht seine Herkunft China nicht und ist, wie zu erwarten, kein Rauschwunder, aber es ist gratis dabei – und das ist doch zumindest nett.

Können die inneren Werte überzeugen?

Eine schlechte Verarbeitung ist zwar ärgerlich, bedeutet jedoch nicht automatisch, dass es generell mit der Qualität im Argen liegt. Jeder kennt Berichte über die anfälligen englischen Nobel-Limousinen, und wer einmal die Verarbeitung teurer englischer Analogpulte gesehen hat, wird genauso gestaunt haben. Diese klingen dafür umso besser. Wie verhält es sich nun beim M-Audio Nova? Außen pfui, innen hui? Unsere Testreihe offenbarte Folgendes: Die Angabe des Frequenzbereichs (20 Hz – 18 kHz) bei nur einem Dezibel Toleranz scheint zu stimmen. Allerdings ist sowohl nach der Theorie als auch nach dem Test nicht davon auszugehen, dass sich diese Leistung alleine die Kapsel auf die Fahnen schreiben kann. Es klingt vielmehr wie mit einer HiFi-Loudness-Schaltung bearbeitet, also nachträglich angehoben. Dies ist nicht sonderlich angenehm, aber auch keine Katastrophe. In den Mitten wirkt das Nova allerdings recht undifferenziert, schmiert sogar leicht. Das ist unangenehm. Die eigentliche Problematik liegt aber im Dynamikverhalten des Kondensator-Mikrofons, weil Signale jeglichen Pegels stark komprimiert werden und deshalb äußerst dicht und belegt klingen. Ein Vergleich mit einem Referenzmikrofon macht deutlich, wie luftig, klar und authentisch die meisten Studiomikrofone solche Signale übertragen können. Während das Referenzmikro transparent und spritzig klingt, erscheint scheint das Nova schwerfällig und behäbig. Als wäre das nicht genug, werden scharfe Konsonanten wie S und T unnatürlich und überspitzt wiedergegeben. Sie schneiden geradezu und müssen sehr stark mit dem De-Esser bearbeitet werden.

Audio Samples
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weibliche Vocals mit dem Nova weibliche Vocals mit Referenzmikro männliche Vocals 10 cm Abstand männliche Vocals 30 cm Abstand

Hinweis zu den Audiofiles:
Die Aufnahmen wurden im Tonstudio unter professionellen Bedingungen durchgeführt. Um die Eigenschaften genau erkennen zu können, solltest du mit hochwertigen Kopfhörern oder über ein gutes Lautsprechersystem abhören. Das Referenzmikrofon ist ein Neumann TLM 127, das für seine hohe Qualität und seinen unaufdringlichen Charakter bekannt ist.

Zumindest bei der Rauscharmut ist das Nova Spitzenklasse

Natürlich gibt es auch Erfreuliches zu berichten: Das Eigenrauschen ist mit 14 dB(A) angegeben. Diese Messungen werden zwar mit simplen Filtern (hier die “A-Bewertung”) an das menschliche Gehör angepasst, haben jedoch trotzdem nur eingeschränkte Aussagekraft über das tatsächlich wahrgenommene Rauschen. Dies liegt nicht zuletzt daran, dass das Gehör um ein Vielfaches zu komplex ist, als dass es mit einfacher Filterung nachgeahmt werden könnte. Die 14 dB(A) des M-Audio sind per se schon ordentlich, aber tatsächlich hört man kaum etwas.

Das M-Audio Nova im Studiotest
Das M-Audio Nova im Studiotest
Kommentieren
Profilbild von Frank

Frank sagt:

#1 - 06.06.2014 um 01:22 Uhr

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Ja, noch kein Kommentar hier, wo fängt man denn da an.
In diesem Studio hier gibt es eine kleine Palette an Großmembranern, in verschiedener Qualität und Preisklasse. Das Nova ist in der typischen Asienkollektion, der unteren Preisklasse anzusiedeln. Da gibt es einige Mikros, die wirklilch der oberen Liga auch Paroli bieten können, weil sie alles andere als schlecht übertragen und klingen. Das Nova wurde angeschafft weil man damals mit einer 1,1" Membran die Werbetrommel schwang, und für diesen Preis, ein Alleinstellungsmerkmal. Die Klangeigenschaften einer solchen Membran unterscheiden sich dann doch von den typischen 1" Asia Mebranern. Und für einige Einsatzwecke ist eine 1,1" Membran wirklich interessant. Also dieses Mikro geordert, aber dann kam die herbe Enttäuschung. Der Klang ist wie in diesem guten Test beschrieben überhaupt nicht passend zu einem Großmembraner dieser Membrangröße. Insbesondere für Vocals eher unbrauchbar. Das Gehäuse und Korb ist dagegen sehr solide ausgeführt. Die Platinen sind in der diskreten Ausführung (Version ohne SMD- Bauteile) in dieser Preisklasse überdurchschnittlich. Da die Klangqualität aber nicht überzeugte, verschwand das Nova im Schrank. Zu einem späteren Zeitpunkt kam das Mikro wieder hervor, und der Korb wurde demontiert. Die Großmembran die zu Vorschein kam war alles, aber keine 1.1" Membran, jetzt wurde auch klar warum dieses Mikro nicht wie erwartet klingt. Es ist nichts anderes als die typische 1" Membran, die zu Hauf auf dem Markt sind, und auch teilweise sehr ordentlich klingen können.
Da war ich dann doch sauer, denn es kann doch nicht sein das man mit 1,1" Werbung betreibt.
Den Support kontaktiert, dann kamen sehr interessante Aussagen, z.b. das man die Membrangröße zwischen den Klemmschrauben des Ringes misst. Schreck nach las nach, es wurde noch schlimmer. Mittlwereile hatte ich die Membran auf ein Teströhrenmikro geschraubt was einem Neumann M 147 entspricht. Ernüchternd, die Membran ist wirklich der erwartete Schwachpunkt des Mics. Der Support hatte immer mehr Probleme sich zu äussern. Sie gingen irgendwann auf Tauchstation, die Daten des Mikros werden heute immer noch mit 1.1" angegeben.
Was soll ich sagen, wer ein solides Grundgerüst für einen Eigenbau sucht, der findet hier brauchbares Matrial. Mit einer besseren Membran kann man dieses Teil sogar noch erfolgreich verwenden. Das war es aber dann auch.

Profilbild von Bernhard

Bernhard sagt:

#2 - 11.06.2014 um 20:48 Uhr

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Ich kann meinem Vorredner nur zustimmen! Nachdem ich das hier gelesen hatte, musste ich meine beiden Nova gleich mal aufschrauben und nachmessen. Es ist definitiv keine 1.1" Kapsel verbaut! Ausserdem war in einem Befestigungsloch ein Gewindebohrer abgebrochen. Die andere Kapsel sah sogar noch schlimmer aus! Die Membrane war in sich verdreht und musste erst durch vorsichtiges lösen und erneutes anziehen der Schraube ausgerichtet werden. Mehr als peinlich! Anscheinend hat AVID das auch erkannt und hat sich von M-Audio gelöst.

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