NAMM 2026: In Anaheim zeigt der Edelhersteller Knif (Aussprache hier) aus Helsinki ein für seine Verhältnisse ungewöhnliches Gerät. Das Knif BBD wird wohl weniger in Mastering-Suiten stehen, sondern seine Freunde auch unter Synthesizer-Freaks finden. Es handelt sich beim BBD um ein röhrenbetriebenes Eimerkettendelay (= “Bucket Brigade Delay” = “BBD”) im schnieken Holzgewand. Und es kostet nur 199 Euro. Ok, kleiner Scherz.


Was kann das Knif BBD?
Was es kann? Es kann Signale verzögern, es ist eben ein Delay. Klar: Diese simple Funktion kann jede DAW heute ohne mit der Wimper zu zucken und ohne, dass es extra Geld kostet. Das Knif BBD ist aber den Features nach zu urteilen ein Meister seines Fachs.
Es gibt die Möglichkeit, mit Tap Tempo die grundsätzliche Delaytime einzustellen, manuell per Regler oder externem Sync (aber keine MIDI Clock!). Selbstredend ist als wesentlicher Parameter das Feedback des Delays steuerbar. Und wie es sich gehört, gibt es Divider/Multiplier, LFO-Funktionen und Feedbacking. Damit lassen sich Modulationseffekte wie Chorus und Flanger erzeugen. Die Niederfrequenzoszillation lässt sich mit unterschiedlichen Parametern regeln, darunter natürlich der Schwingungsform.
Röhren im Delay
Vier New Old Stock (“NOS”) E83F machen das Innere des BBD schön muckelig warm. Aber natürlich haben diese eine Aufgabe, nämlich Sättigungseffekte zu erzeugen.

Was macht dieses Delay besonders? Was unterscheidet es von anderen?
Der wohl wichtigste Punkt ist von außen nicht zu sehen: Knif hat das berüchtige Bucket-Brigade-Aliasing eliminiert.
Wie Aliasing bei BBDs normalerweise entsteht
- BBDs arbeiten mit einer festen Anzahl von Stufen („Buckets“), die das Audiosignal schrittweise weiterleiten (wie bei einer Eimerkette eben)
- Die Weitergabe von Bucket zu Bucket ergibt eine Rate, ähnlich einer Abtastrate beim Sampling.
- Wird die Delay-Zeit erhöht, sinkt die Rate. Das ist ähnlich wie bei einer langsamer laufenden Filmkamera.
- Folge: Hohe Frequenzen im Signal können nicht mehr korrekt dargestellt werden und „falten sich zurück“ („Aliasing“). Das hört man als unnatürliche, metallische klingende Artefakte.
Was die selbstanpassenden Filter im Knif BBD machen
- Die Bucketlänge passt sich dynamisch an die eingestellte Delay-Zeit an.
- Anti-Aliasing-Filter: Dämpft Frequenzen oberhalb der „sicheren“ Abtastgrenze, bevor das Signal in den BBD gelangt – verhindert so das Entstehen der Probleme.
- Rekonstruktionsfilter: Glättet das Signal nach dem BBD, um die ursprünglichen Frequenzen möglichst originalgetreu wiederherzustellen.
- ja, das ist ähnlcih wie bei Digitalkonvertern.
- Ergebnis: Breiterer Frequenzgang, natürlicherer Sound, selbst bei langen Delay-Zeiten
Für wen ist das Knif BBD interessant?
- hochwertig ausgestattete Recording-Studios und Mixing-Suiten (die gerne mit Adaptern von TRS auf XLR und TT-Phone arbeiten oder eine Klinkenpatchbay nutzen)
- Leute mit umfangreichem Synth-Setup, die gerne verkabeln und ungern speichern
- ALLE, die “irgendwas mit Dub” machen

Delay-Pedale werten den Sound von Synthesizern und Keyboards in vielerlei Hinsicht auf. Wir helfen mit Kauf-Empfehlungen und Entscheidungs-Hilfen dabei, das passende Delay-Pedal für den persönlichen Bedarf zu finden.
Wie klingt das Eimerkettendelay aus Finnland?
Kauf eins und lass es uns wissen. 😉 Nein, im Ernst: Zum Zeitpunkt der Newsveröffentlichung haben wir noch nicht mal Demo ausmachen können. Wer allerdings weiß, was Jonte Knif ansonsten auf die Beine stellt, der kann darauf wetten, dass dieses Ding umwerfend klingen wird.
Was mich beim ersten Blick auf die Frontplatte etwas stört
- Es gibt nur ein zuschaltbares Hochpassfilter, das ist nicht wählbar. Dabei fände ich das besonders interessant.
- Ich sehe keine Möglichkeit, bei extern gesynctem oder getapptem Delay Zeiten zu verändern, dabei kann das ein toller Effekt sein, das Delay ziehen oder bremsen zu lassen.
Knif-Booth auf der NAMM
Knif ist auf der UDO Audio Booth zu finden, Halle A, Booth Nummer 10504.
Was kostet das Knif BBD?
Kurz und schmerzlos: EUR 3500. Ach ja: plus Umsatzsteuer! Aber logisch, so ein komplexes Gerät kann man nicht billig bauen, nicht in dieser Qualität und nicht in der EU und nicht mit so forschungs- und entwicklungsintensiven technischen Neuerungen.
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