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Keeley Dark Side Test

Mit dem Dark Side Pedal spricht Robert Keeley gezielt Fans von David Gilmour und seinen Gitarrensounds bei “The Dark Side Of The Moon” an. Dieses musikalische Meisterwerk zählt nicht nur zu den meistverkauften Alben aller Zeiten, sondern gehört auch zu einem der ersten und bedeutendsten Konzeptalben überhaupt.

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Wer sich allerdings schon einmal mit dem imposanten Equipment-Park des Pink-Floyd-Gitarristen beschäftigt hat, fragt sich, ob man dessen aufwändige Klangeskapaden tatsächlich mit einem einzigen Pedal reproduzieren kann. Ein Grund, warum wir uns das schwarze Kästchen einmal näher angeschaut haben.

Details

Konzept und Aufbau

Das Dark Side Pedal ist vereinfacht ausgedrückt die Kombination eines Big Muff inspirierten analogen Silikon-Fuzz-Verzerrers und eines digitalen Multieffektgerätes. Die Verzerrer-Einheit ist völlig autark und befindet sich auf der rechten Seite des Pedals. Sie wird mit einen Fußschalter ein-und ausgeschaltet. Für die Feineinstellungen stehen drei Regler zur Verfügung. Fuzz steuert die Stärke der Verzerrung, während sich mit Level der Ausgangspegel regeln lässt. Der Frequenzgang der Verzerrung wird mit Filter sowie einem dreistufigen Miniswitch mit den Positionen Flat, Full und Scope geregelt.

Fotostrecke: 5 Bilder Nicht die dunkle Seite der Macht sondern David Gilmours Gitarrensound auf "The dark side of the moon"…

Die Effektsektion des Pedals befindet sich im linken Bereich. Auch dieser hat seinen eigenen On/Off -Fußschalter, wodurch sich das Pedal auch als reine Effektschleuder nutzen lässt. Insgesamt stehen fünf davon zur Verfügung: Flanger, Rotary, Delay, Phaser und Univibe. Leider kann man die Effekte nicht kombinieren, was für mich das größte Manko des Pedals darstellt. Ob der DSP nicht mehr hergibt oder man einen dritten Fußschalter bzw. eine größeres Pedal umgehen wollte, kann ich nicht sagen. Für meinen Geschmack hätte der Echoeffekt in Anbetracht der Delay-orientierten Gilmour-Gitarrensounds einen separaten Bereich verdient, aber man kann nicht alles haben.
Das Herzstück der Effektsektion ist ein dreistufiger Minischalter, über den man die Effekte zunächst einmal grob anwählt. Grob deshalb, weil zwei Schalterstellungen eine Doppelfunktion haben. In der linken Stellung stehen Flanger und Rotary zur Verfügung und in der rechten Phaser- und Univibe. Die mittlere Stellung ist ausschließlich für den Delayeffekt zuständig. Der Blend-Regler überblendet stufenlos zwischen Flanger und Rotary bzw. Phaser und Univibe, wobei eine wirkliche Mischung nicht stattfindet.

Fotostrecke: 5 Bilder Die Bedienoberfläche teilt sich in getrennte Bereiche für den digitalen Effektprozessor und den Verzerrer auf.

Wenn die Delaysektion aktiviert ist, dient der Blendregler dem Anwählen von insgesamt 12 unterschiedlichen Delaypattern. Hier orientiert man sich am klassischen Multihead Binson Echorec. Etwas unlogisch fand ich in diesem Zusammenhang die Belegung der Depth- und Rate-Regler. Während man mit Rate die Geschwindigkeit der Modulationseffekte einstellt, ist das Poti bei den Delay-Effekten für das Feedback zuständig. Der Depth-Regler dagegen steuert in diesem Fall die Delaytime, ist aber bei den restlichen Effekten für die Effekttiefe zuständig. Den Ausgangspegel der Effektsektion bestimmt das Level-Poti.

Fotostrecke: 2 Bilder Hier sind alle Funktionen des Pedals übersichtlich aufgeführt.

Auf der Stirnseite liegen alle Anschlüsse des Pedals. Neben Ein- und Ausgangsbuchsen befindet sich hier auch ein Anschluss für ein Expressionpedal, um den Rate- bzw. Feedback-Regler fernzusteuern, was sich besonders beim Rotary-Effekt lohnt. Eine weitere Buchse dient dem Einschleifen eines externen Mono-Effektgerätes. Hierbei handelt es sich um eine Stereo-Klinkenbuchse, weil für eine weitere Monobuchse kein Platz mehr vorhanden ist. Deshalb liefert der Hersteller ein Y-Kabel mit, das man tunlichst nicht verschlampen sollte. Letzter im Bunde ist der Anschluss für ein 9-Volt-Gleichstrom-Netzteil. Der Betrieb mit einem 9-Volt-Block ist nicht nur wegen Platzmangel nicht vorgesehen. Schraubt man die Bodenplatte ab, sieht man die Lötpunkten einer flächendeckenden Platine. Aber selbst wenn hier Platz wäre, hatte das Pedal mit seiner Stromaufnahme von 75 mAh die Batterie in nur wenige Stunden leergesaugt.

Fotostrecke: 3 Bilder Alle Anschlüsse finden sich nebeneinander angeordnet auf der Stirnseite des Dark Side Pedals.

Welche Effekte setzte Gilmour bei “The Dark Side Of The Moon” ein?

David Gilmour war immer schon ein Effektmaniac, und bei der Studioproduktion von “The Dark Side Of The Moon” im Jahr 1972 benutzte er die modernsten und besten Effektpedale seiner Zeit. Dazu gehörten neben Leslie und Binson Echorec auch der MXR Phase 90, Univox Uni-Vibe, Cry Baby, Colorsound Power Boost und das Dallas Arbiter Fuzz Face (BC108). Der Tremoloeffekt bei “Money” wurde mit dem Kepex-Processor erzeugt. Einen Teil der Modulationseffekte realisierte er mit dem EMS Synthie Hi Fli, der seinerzeit übrigens auch massiv von Steve Hacket bei den Aufnahmen zu “The Lamb Lies Down On Broadway” eingesetzt wurde. Dabei handelt es sich um einen der ersten analogen Multieffektprozessoren im Pultformat. Allerdings gibt es keine explizite Dokumentation darüber, welche Effekte oder Effektkombinationen er bei den einzelnen Songs verwendete. Eines aber ist klar: Einen Big Muff PI setzt David Gilmour bei den Aufnahmen im Jahr 1972 nicht ein. Er verwendet ihn erst seit 1974, nachdem ihn sein Backline-Techniker Phil Taylor auf das Pedal aufmerksam gemacht hatte. Der Electric Mistress Flanger kam übrigens noch später an die Reihe, denn er kam erst 1976 auf den Markt und wurde in den darauffolgenden Jahren besonders bei “The Wall” zu einem Teil des typischen Gilmour Trademarksounds.

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Praxis

Praxis und Sound

Beim “Dark Side” handelt es sich um ein kleines Sammelsurium an Sounds, die in Anlehnung an David Gilmour in einem Pedal vereint sind. Zu 100 Prozent hat man sich allerdings nicht an die historischen Gegebenheiten gehalten, da bei den Aufnahmen von “The Dark Side Of The Moon” weder Big Muff noch ein Flanger zum Einsatz kamen.

Fotostrecke: 2 Bilder Pink Floyd haben mit ihrem 1972 veröffentlichten Album "The dark side of the moon" Geschichte geschrieben…
Audio Samples
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Fuzz Miniswitch: Flat, Full, Scope

Obwohl hier anstelle des Big Muff eigentlich ein Fuzz Face hingehört, gefällt mir der Sound der Keeley-Muff-Variante. Im Vergleich zu meinem alten Big Muff aus den 70ern klingt die Schaltung wesentlich weicher, wodurch man den nachgeschalteten Amp nicht in die Sättigung fahren muss, um einen runden und nicht zu harschen Ton zu erhalten. Allerdings muss man den Filter-Regler sehr weit aufdrehen, damit der Ton genügend Definition erhält. Hier zunächst einmal die drei Grundeinstellungen der Fuzz-Sektion mit dem Miniswitch. Zuerst hört ihr den Flat-Modus, dann den Full-Modus und im letzten Drittel den Scoop-Modus. Der Amp ist ein alter, clean eingestellter Vox AC 30.

Obwohl der Meister seinerzeit ein Arbiter Fuzz Face verwendete und seine Hiwatts im Studio weit in die Sättigung fuhr, habe ich mich an einen kleinen Ausschnitt seines Gitarrensolos aus dem Song Money gewagt. Das Fuzz steht hier im Flat-Modus. Der Fuzzregler steht auf Vollgas und das Filter-Poti auf 15 Uhr. In der zweiten Hälfte habe ich dann das Delay hinzu-geschaltet. Die verwendete Gitarre ist meine alte 77er Stratocaster, die nachträglich mit Kloppmann-Pickups bestückt wurde.

Audio Samples
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Money: Fuzz im Flat Modus, ab zweiter Hälfte mit Delay

Bei den Aufnahmen zu “The Wall” setzte Gilmour den Flanger-Effekt nicht nur beim Solieren ein. Auch bei gedoppelten Bratwänden kam sein Electric Mistress Flanger zusammen mit dem Big Muff zum Einsatz. Diesen Sound kann man hier sehr gut nachbauen, weil der Flanger einen unaufdringlichen, weichen Sound erzeugt. Was mich aber stört, ist das starke Eigenrauschen der Effektsektion, auch wenn das Fuzz nicht aktiviert ist.

Audio Samples
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Fuzz Full Modus mit Flanger

Kommen wir zu den einzelnen Effekten des Pedals ohne aktiviertes Fuzz. Die Sounds sind nicht auf Hochglanz getrimmt, sondern eher etwas matter abgestimmt, um den analogen Charakter der alten Geräte näherzukommen. Der Flanger macht auch alleine eine gute Figur und klingt wie eine angenehme Mischform von Chorus und Flanger.

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Flanger

Auch der Phaser-Algorithmus macht hier einen guten Job. Sein Sound tendiert in Richtung Phase 90 und bringt, ähnlich wie das Original, einen eher weichen Phasersound.

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Phaser
Die Hommage an David Gilmours Gitarrensound ist gelungen, leider sind die Effekte nur einzeln nutzbar.
Die Hommage an David Gilmours Gitarrensound ist gelungen, leider sind die Effekte nur einzeln nutzbar.

Das simulierte Univibe klingt für sich gespielt wirklich gut. Im direkten A/B-Vergleich mit meinem KR Mega Vibe klingt der Effekt jedoch flacher und eher zweidimensional. Aber gut, ich habe bisher noch keinen digitalen Univibe-Klon gehört, der wirklich an die Tiefe der klassischen analogen Geräte heranreicht.

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Univibe

Beim Rotary-Effekt geht es mir ähnlich wie beim Univibe. Der Sound klingt für sich alleine gespielt wirklich anständig, aber besonders in sehr schnellen und sehr langsamen Einstellungen wirkt es etwas künstlich in Richtung Flanger/Phaser-Mix. Zum Regeln der Modulationsgeschwindigkeit habe ich hier ein Expressionpedal angeschlossen.

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Rotary mit Expression Pedal

Kommen wir zu den Delay-Algorithmen des Dark Side Pedals. Insgesamt stehen 12 Delypattern zur Verfügung, mit denen sich klassische Delaysounds in Anlehnung an ein Binson Echorec Scheibenecho nachbauen lassen. Mit einigen Pattern kann man auch Echos im Stil von Hank Marvin realisieren. Das Pedal bietet weder die Möglichkeit, den Frequenzgang der Echos zu verändern, noch kann man die Delays modulieren lassen. Hier eine kurze Demonstration der 12 verfügbaren Delaypattern in einem Audiostrang.

Audio Samples
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Die unterschiedlichen Echopattern

Zum Schluss noch ein etwas melodiöseres Beispiel mit dem Delay Pattern Nr. 5. Wie man hören kann, macht das Pedal hier einen anständigen Job, und obwohl man den Frequenzgang der Echos nicht manipulieren kann, finde ich den an einem Bandecho-Sound orientierten Frequenzgang gut getroffen.

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Cleanes Delaybeispiel mit Delay Pattern 5
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Fazit

Das Dark Side Pedal von Robert Keeley ist eine Hommage an die Gitarrensounds von David Gilmour auf dem legendären Konzeptalbum von 1972. Neben einem Fuzzverzerrer ist das Gerät mit einem digitalen Effektprozessor ausgestattet, der Flanger, Rotary, Delay, Phaser und einen Univibe-Sound beherrscht. Obwohl Gilmour zu Zeiten von “The Dark Side Of The Moon” noch keinen Big Muff, sondern ein Arbiter Fuzz Face gespielt hat, macht der Big-Muff-Klon hier einen sehr guten Job. Leider kann man immer nur einen Effekt in Kombination mit dem Fuzz anwählen. Wollte man beispielsweise das Fuzz mit dem Delay und einem der vier Modulationseffekte gleichzeitig nutzen, müsste ein externes Gerät eingeschleift werden. Auch wenn die Effektsimulationen im direkten A/B-Vergleich mit meinen originalen klassischen Pedalen zurückfallen, bietet das Gerät ein ausgeglichenes Preis-Leistungsverhältnis.

Unser Fazit:
4,5 / 5
Pro
  • gute Verarbeitung
  • weicher Fuzz Sound
Contra
  • Effekte nur einzeln nutzbar
  • Eigenrauschen der Effektsektion
Artikelbild
Keeley Dark Side Test
Für 339,00€ bei
Fans von David Gilmours Sound werden mit dem Dark Side Pedal auf ihre Kosten kommen, schade nur, das man die Effekte nicht kombinieren kann.
Fans von David Gilmours Sound werden mit dem Dark Side Pedal auf ihre Kosten kommen, schade nur, das man die Effekte nicht kombinieren kann.
Technische Spezifikationen
  • Hersteller: Robert Keeley
  • Modell: Dark Side
  • Effekt-Typen: Flanger, Rotary, Delay, Phaser, Univibe
  • Herkunftsland: USA
  • Bauart: Analog
  • Anschlüsse: In, Out, Expression Pedal, Insert (Stereoklinkenbuchse), Netzteil
  • Regler: Level, Level, Blend/Tape-Head, Depth/Time, Rate/Feedback, Filter, Fuzz
  • Modes: Normal, Hot
  • Order-Schalter: ändert die Reihenfolge von Mod und Fuzz in der Signalkette
  • Dreifach-Effekt Miniswitch: Flange/Rotary, Delay, Phase/U Vibe
  • Dreifach-Fuzz Miniswitch: Flat, Full, Scoop
  • Fußschalter: Modulation, Fuzz
  • Stromversorgung: 9V DC, Adapter liegt bei
  • Batteriebetrieb: nicht vorgesehen
  • Abmessungen B x H x T (cm): 7,5 x 4 x 12
  • Gewicht: 425 Gramm
  • Preis: 423,00 Euro UVP
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