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Fostex PM0.3dH, PM-SUBmini2 und PC-100USB-HR2 Test

Praxis

Strippenzieher

Baut man das aus vier Teilen bestehende Set aus Fostex PM0.3dH, PM-SUBmini2 und PC-100USB-HR2 auf, gibt es so einige Strippen, die gezogen werden müssen. USB vom Rechner zum PC-100USB-HR2, von dort zwei Cinchkabel zum PM-SUBmini2, von dort wiederum zwei Cinchkabel zur aktiven PM0.3dH und dann von dort per Link-Kabel zum passiven Speaker. Mitgeschrieben? Gut, denn es kommt noch mehr: Ein Kaltgerätekabel muss den Subwoofer mit Strom versorgen, die aktive PM erhält den Saft über das externe Netzteil. Wohl dem, der die Kisten fest installieren will und ein ordentliches „Kabelmanagement“ durchführt. Für Chaoskabler gibt es eine Vielzahl möglicher Fehlerquellen. Das ist natürlich dem Prinzip geschuldet und nicht weiter schlimm, aber es gibt gleich zwei Möglichkeiten, die Volume zu verändern. Dies recht früh im Signalfluss zu tun (vielleicht sogar im Medienplayer auf dem Computer), ist nicht die beste Lösung für die Klangqualität.

Link-Kabel – aber das alleine reicht nicht zum Betrieb.
Link-Kabel – aber das alleine reicht nicht zum Betrieb.

„Einmal mit ohne“

Ein erster Test eines 2.1-Systems erfolgt ja meist „mit ohne“ Subwoofer. Aber natürlich ist da dieser Impuls, ihn sofort in Betrieb zu nehmen, denn die kleinen Speakerchen sind doch reichlich bassarm. Grundtonbereiche von wichtigen Instrumenten, nicht nur dem Bass, sogar schon von E-Gitarren, finden so gut wie gar nicht statt. Und natürlich fallen mir direkt einige Dinge auf, die ich bemängeln könnte, das liegt bei einem preiswerten System in der Natur der Sache. Doch bevor man herummäkelt, dürfen ruhig zunächst ein paar positive Dinge angemerkt werden, mit denen ich nicht sofort gerechnet hatte. So sind die Höhen tatsächlich recht ordentlich abgebildet. Das Klangbild ist recht luftig und „schnell“. Transienten werden gut abgebildet, auch die Struktur komplexer Signale wird vernünftig gezeichnet, was bestimmt keine Selbstverständlichkeit ist. Dem Stereobild und auch der Bühnentiefe tut das durchaus gut. Ab den Präsenzen kann ich eine leicht fisselige, etwas reibende Klangkomponente feststellen, die wie eine Hüllkurve dem Signal folgt. Das wird umso stärker, je lauter die Anlage betrieben wird. Es ist nicht wirklich schlimm und kann „überhört“ werden, aber es ist da.  

Die Hochtöner zeichnen ein wirklich ordentliches Bild.
Die Hochtöner zeichnen ein wirklich ordentliches Bild.

Mit Sub hören

Mit dem Sub (oder besser: dem Sübbchen) wird natürlich das Wiedergabespektrum nach unten erweitert. Dass ein Subwoofer klein ist, lässt zunächst einmal in Hinblick auf die untere Grenzfrequenz oder auf seinen Maximalpegel keine verlässlichen Rückschlüsse zu. Allerdings auf die Kombination von beidem, denn tief und laut geht nur bei entsprechender Größe. Das war jetzt zwar recht einfach gesprochen, aber erklärt auch, weshalb Subs, die in Studios eingesetzt werden, oft eine gewisse Mindestgröße besitzen, um zumindest eine halbwegs nutzbare Kombination anbieten zu können. Der Fostex PM-SUBmini2 schafft diesen Kompromiss, doch ist er insgesamt betrachtet weder besonders tiefgehend noch besonders pegelstark. Ein wirklicher Subbass ist nicht erkennbar, was die tontechnische Arbeit ein wenig erschwert. Der Bereich ab 50 Hz ist aber deutlich vorhanden. „Vorhanden“ ist leider kein schönes Wort und ganz ehrlich: Der PM-Sub tendiert zu indifferenter, ungenauer und resonierender Wiedergabe.  

Der Mini-Subwoofer kann natürlich nicht gegen viele größere und teurere Woofer anstinken.
Erweitert nach unten – der Sub

Schreibtisch besser als andere Orte

Beim Experimentieren mit Aufstellpositionen fällt mir übrigens auf, dass auf Lautsprecherstativen oder im Regal der Bereich um 200 und 300 Hertz etwas mau ist – auf Schreibtischen hingegen nicht. Es scheint fast so, als sei ein Desktop-Filter schon fest eingebaut. Ob das bewusst gemacht wurde?

Fotostrecke: 3 Bilder Die kleine “Macke” im Frequenzgang ist auf dem Schreibtisch durchaus vorteilhaft!
Fotostrecke

Gesamtsystem

Das Gesamtsystem aus Fostex PM0.3dH, PM-SUBmini2 und PC-100USB-HR2 überspringt bei höheren Pegeln schnell und tendiert dann zu einem matschenden, gepressten Klangbild. Der PC-100USB-HR2 ist ohne Treiber betriebsbereit an Mac und PC und hinterlässt noch die beste Figur: Einen Test gegen Focusrite Scarlett 6i6 verlässt er nicht wirklich als Verlierer, der Unterschied zu High-End-Wandlersystemen wie dem Lavry DA11 fällt natürlich deutlich aus. In einem Anflug von Gemeinheit vergleiche ich das Fostex-Paket mit den Genelec 8010A– ähnlich große Zweiwege-Aktivboxen, aber deutlich teurer. Und in allen Belangen merkt man das auch. Das können auch die einfachen JBL Nano Patch+ und die Wandlung mit dem im MacBook Air (2012) eingebauten DA nicht allzu stark verschlechtern.

Das hier gezeigte Testsystem ist wohl eines der preiswertesten aktiven DAC-/2.1-Systeme für die Musikproduktion. Dennoch: Wer kann, sollte mehr Geld ausgeben.
Das hier gezeigte Testsystem ist wohl eines der preiswertesten aktiven DAC-/2.1-Systeme für die Musikproduktion. Dennoch: Wer kann, sollte mehr Geld ausgeben.

Super preiswert

Was bleibt? Nun, das Fostex-Kombipaket ist wohl eine der preiswertesten Abhörketten für die Musikproduktion, die man sich zulegen kann. DA, Pegelsteller, sogar Kopfhörerausgang und ein 2.1-System aus zwei aktiven Zweiwege-Satelliten und einem aktiven Subwoofer für weit weniger als 400 Euro – das kann man sich einzeln nicht für diesen Preis kaufen. Sicher würde ich jedem raten, mehr Geld für die enorm wichtige Aufgabe der Abhöre in die Hand zu nehmen. Wenn es aber wirklich nicht anders geht, bekommt man ein System für geringe Hörabstände, mit dem man nicht zu laut hören und von dem man kein Basswunder erwarten sollte.  

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