Anzeige
ANZEIGE

Focusrite Clarett 8Pre Test

Praxis

Installation und Nutzung

Focusrite Control herunterladen, installieren, Interface anstecken und schon kann es losgehen – aber nur auf dem Mac! Die Treiber liefern sehr gute Latenzwerte und benötigen generell sehr wenig Ressourcen. Somit kann das Monitoring auch mal durch die DAW laufen, denn eine besonders umfangreiche Console mit Effekten oder dergleichen findet sich hier nicht. Die Eingänge mit alternativen Playback-Kanälen mixen und auf jeden Ausgang routen ist allerdings auch ohne weiteres möglich und wirklich unkompliziert gelöst.

Fotostrecke: 7 Bilder Die Latenz bei 32 Samples.
Fotostrecke

DSP-Mixer

Das simple GUI-Konzept kann überzeugen und sollte vor allem Anfängern nur wenige Stolpersteine in den Weg legen. Hinzu kommt, dass die als PDF verfügbare deutsche Anleitung ziemlich verständlich und umfangreich geschrieben wurde, was ebenfalls zu begrüßen ist. Das Gleiche auch für die Hardware-Bedienelemente: Dank der acht Gain-Potis kann man direkt am Gerät arbeiten, ohne sich in einer zu komplizierten Software-Konsole verlieren zu müssen.

Fotostrecke: 9 Bilder Die Submix-Möglichkeiten im Custom-Mode der Mixing/Routing-Page.
Fotostrecke

Sicherlich, die AIR- sowie High-Z-Funktion können nur mit der Focusrite Software aktiviert werden, aber das geht schon in Ordnung. Dass jeder Kopfhörer-Ausgang und auch der Main-Out je einen eigenen Lautstärke-Regler verpasst bekommen haben, finde ich natürlich wieder gut. Fehlbedienungen, weil der „eine“ Encoder gerade im falschen Sub-Menü hängt, sind somit ausgeschlossen.

Klang

Die Preamps lösen detailliert auf und lassen den Mikrofonen genügend Raum, um Charakter entfalten zu können. Im normalen Modus klingen die Preamps neutral, linear und auch etwas langweilig. Im Air-Mode hingegen strahlen sie deutlich knackiger und frischer, was einem deutlichen Mehr an Höhen und dünneren Bässen geschuldet ist. Der Unterschied zwischen dem Normal-Mode („pink“) und dem „AIR“-Mode („türkis“) lässt sich in folgendem Messbild auch optisch deutlich an einer kontinuierlich steigenden Erhebung im Übertragungsverlauf bis hinauf auf +4 dB in den Höhen erkennen: 

Einmal mit, einmal ohne AIR-Funktion gemessen: lila=off, türkis=on.
Einmal mit, einmal ohne AIR-Funktion gemessen: lila=off, türkis=on.
Audio Samples
0:00
DI Bass – SM57 – No Air DI Bass – C414 – Air Acoustic – SM57 / C414 – No Air Acoustic – SM57 / C414 – Air Shaker – SM57 / C414 – No Air Shaker – SM57 / C414 – Air Acoustic – SM57 – No Air Acoustic – C414 – No Air Acoustic – SM57 – Air Acoustic – C414 – Air Shaker – SM57 – No Air Shaker – C414 – No Air Shaker – SM57 – Air Shaker – C414 – Air

Die Wandler selbst lösen ebenfalls sehr gut auf und müssen sich vor teureren Intefaces nicht verstecken.  Die Unterschiede zu meinem RME UFX waren wirklich marginal, subjektiv klang das Focusrite nur etwas “weicher” – wie immer reden wir aber über feinsten Nuancen die nur im harten A/B Vergleich auffielen. Zur Erstellung der folgenden Files habe ich ein paar Audiobeispiele über den Line-Out 3/4 ausgeben und dann mit dem Eingang 3/4 direkt wieder aufgenommen, wozu ich beide Anschlüsse mit sehr kurzen Klinkekabeln verbunden habe. Wir ihr hören könnt, gibt es kaum Veränderungen, was natürlich für die Wandler spricht. 
Etwas mühselig ist es dann allerdings schon gewesen, auch Line-Pegel mit den Gain-Potis angleichen zu müssen, da dem Interface leider die Möglichkeit fehlt, diese zu umgehen und fixe Gain-Settings wie beispielsweise +4dBU in den Eingängen wählen zu können. Wer also viel mit Outboard arbeitet, sollte lieber zu einem anderen Interface greifen. Und wenn man sich doch für das Clarett entscheiden sollte, dann gewöhnt man sich besser daran, die Preamps einfach via Sinus-Ton und Level-Meter kurz vor dem Outboard-Einsatz zu kalibrieren.

Audio Samples
0:00
DA/AD – Bass Dry – Bass DA/AD – EDrums Dry – EDrums DA/AD – NDrums Dry – Ndrums DA/AD – Nylon Dry – Nylon DA/AD – Song Dry – Song DA/AD – Vocals Dry – Vocals DA/AD – Western Dry – Western

Kein „richtiger“ Monitorcontroller

Schade finde ich eigentlich nur, dass man nicht mehrere Speaker-Paare definieren kann, um zwischen diesen umschalten zu können. Zwar kann man mehrere Ausgänge mit dem MONITOR-Regler gemeinsam in der Lautstärke regeln, das macht ein Wechseln zwischen den Speakern aber immer noch nicht komfortabler. 

Kein Wordclock-Eingang

Dass das Clarett über keinen Wordclock-Eingang verfügt, ist verschmerzbar und auch nachvollziehbar, da das Gerät nicht unbedingt als Preamp-Erweiterung für andere Interfaces verstanden werden will. Sollte man dies doch tun wollen, muss man sich damit zufrieden geben, dass eine externe Clock nur über S/PDIF und ADAT eingespeist werden kann. Apropos ADAT und S/PDIF: Der optische Port kann übrigens auch S/PDIF ausspucken.

Geteilte Wandler und zusätzliche Software

Die Kopfhörer-Ausgänge erhalten das gleiche Signal wie die Ausgänge 7/8 und 9/10. Das finde ich grundsätzlich nicht so schlimm, man muss es eben nur wissen. Sicherlich wären weitere Wandler durchaus wünschenswert gewesen, aber man darf auch nicht den verhältnismäßig günstigen Preis des Interfaces aus den Augen verlieren. 

Die mitgelieferten PlugIns Red 2 and Red 3: Ein EQ und ein Compressor.
Die mitgelieferten PlugIns Red 2 and Red 3: Ein EQ und ein Compressor.

Die mitgelieferten PlugIns der „Red 2 and Red 3 Suite“ sind in dem Zusammenhang natürlich eine nette Bereicherung und bieten auch mit einem sehr gut klingenden und einfach zu bedienenden EQ- und Compressor-Plug-In einen schönen Start in das Thema Klangbearbeitung. Besser hätte ich es allerdings gefunden, wenn auch noch eine – zumindest einfache – DAW-Software mit im Paket gewesen wäre, wie beispielsweise Cubase AI.
Aus Kundensicht für mich auch nicht ganz nachvollziehbar ist der Umstand, dass Thunderbolt-Kabel nicht Teil des Lieferumfangs sind. Das ist allerdings bei fast allen Herstellern von Thunderbolt-Interfaces der Fall und wohl den hohen Lizenzkosten geschuldet, die Apple für seine Technik eben so einfordert. Nerven tut es trotzdem.

Kommentieren
Profilbild von Tommy Bassalot

Tommy Bassalot sagt:

#1 - 11.09.2015 um 15:48 Uhr

Empfehlungen Icon 0

Zuviel lowcut auf dem Bass? Kommt irgendwie dünn rüber..

Profilbild von Danny Who

Danny Who sagt:

#2 - 18.09.2015 um 23:46 Uhr

Empfehlungen Icon 0

Hast Du mal die Kopfhörerausgänge getestet in Sachen Lautstärke, Knackigkeit und Transparenz?

    Profilbild von Felix Klostermann

    Felix Klostermann sagt:

    #2.1 - 06.10.2015 um 10:53 Uhr

    Empfehlungen Icon 0

    Moin Danny Who, der Kopfhörerausgang klingt knackig, transparent und geht auch ziemlich laut. Beste Grüße, Felix

    Antwort auf #2 von Danny Who

    Antworten Melden Empfehlen
Profilbild von Robert

Robert sagt:

#3 - 30.09.2015 um 18:09 Uhr

Empfehlungen Icon 0

Hallo Felix, danke für den ausführlichen Test. Weißt Du, ob die von Dir erwähnte Problematik, dass bei Nutzung externer Preamps die Gain-Potis auch im Line-Betrieb nicht überbrückt werden auch für das große Clarett 8Pre X Interface gilt. Dort sind rückseitig neben den XLR-Mic-Inputs Line-Buchsen verbaut... werde aber aus dem Manual nicht ganz schlau. Vielleicht kannst Du mir helfen. Danke & Gruß
Robert

Profilbild von Felix Klostermann

Felix Klostermann sagt:

#4 - 01.10.2015 um 08:38 Uhr

Empfehlungen Icon 0

Hallo Robert, das kann ich dir aus Mangel eines Testobjektes leider nicht genau sagen. Ich würde aber stark darauf tippen, dass dies dort auch der Fall ist - und du kein fixes Gain für die Line-Ins einstellen kannst. Beste Grüße, Felix

Kommentare vorhanden
Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.