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Test
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16.01.2015

Strymon Deco Test

Bandmaschinen-Emulation

Back to Tape

Das Strymon Deco in unserem aktuellen bonedo-Test gehört zu den Effektpedalen, die sich den Vintage-Sounds der alten analogen Originale verschrieben haben. Flanger und Chorus sind neben dem Delay die am häufigsten verwendeten Effekte in der heutigen Popmusik, wobei wir deren Entdeckung der Experimentierfreudigkeit von Toningenieuren der 50er und 60er Jahre zu verdanken haben. Neben dem Bandechoeffekt, den man ursprünglich mithilfe von Endlosbandschleifen und mehreren Tonköpfen erzeugte, waren Flanging- und Choruseffekt damals nur im Tonstudio durch die Kombination mehrerer Bandmaschinen möglich. Dazu musste man zuerst die gewünschte Spur auf eine zweite Maschine kopieren mit der Option, den Grundsound per Bandsättigung zu manipulieren und anzuzerren. Anschließend wurden beide Bandmaschinen gleichzeitig gestartet und die Signale gemischt, während ein Tontechniker durch Drücken auf den Flansch (engl. flange) die Geschwindigkeit einer der beiden Maschinen veränderte.

Deshalb auch der Name "Flanging". Dieser Effekt war alles andere als gleichmäßig und wurde teilweise sogar absichtlich bis zu einem massiven "Eiern" übertrieben, wie bei dem legendären Gitarrensolo von "While my guitar gently weeps" oder dem gesamten Playback in dem Status Quo Song "Pictures of Matchstick Men". Erst mit dem Aufkommen von Eimerkettenspeicher war es Mitte der 70er Jahre möglich, Flanging- und Chorussounds auch in ein Pedalgehäuse zu packen.

Details

Konzept

Das Deco von Strymon ist kein Choruspedal, sondern die Emulation einer Bandmaschine, deren imaginäre Bandsättigung und unregelmäßige Gleichlaufmanipulationen man, wie in den 60er Jahren, gezielt dem Originalsignal beimischen kann. Der erzielte Effekt ist weitaus subtiler als der eines "normalen" Chorus oder Flangers. Selbst die simulierte Bandsättigung kann so manchen Röhrenamp das Fürchten lehren. Hier haben die Ingenieure von Strymon wirklich exzellente Arbeit geleistet - für jeden, der alte Beatles-, T Rex- oder 10CC-Aufnahmen mag und auf psychedelische Hippie-Sounds steht, eine wahre Fundgrube.

Bedienelemente

Das Gerät ist in zwei Effektsektionen unterteilt, die mit den beiden Fußtastern getrennt ein- und ausgeschaltet werden. Auf der linken Seite ist die Bandsättigungsabteilung des Gerätes, die lediglich aus dem "Saturation"-Poti für den Grad der Bandsättigung und dem Volume-Regler für die Ausgangslautstärke der Sektion besteht. Die Modulationseinheit ist weitaus komplexer aufgebaut.

Mittig befindet sich ein Miniswitch, der die imaginäre Bandmaschine in unterschiedliche Modes versetzt. Im "Sum"-Modus befindet sich die Modulationseinheit in Phase. Dementsprechend phasengedreht wird das Effektsignal dem Originalsignal in der mittleren Position "Invert" beigemischt, wodurch sich hier besonders realistische Tape-Flangingsounds realisieren lassen. Der Bounce-Modus ermöglicht einen breiteren Stereoeffekt, wenn man das Pedal in einem aufwendigeren Setup betreiben möchte. Lag Time regelt die Zeitverzögerung, mit der das Effektsignal der emulierten Bandmaschine dem Originalsignal beigemischt wird. Bis 11 Uhr erhält man einen Tape-Flanging-Effekt, zwischen 12 und 14 Uhr klingt es wegen der etwas längeren Verzögerung ähnlich wie der Choruseffekt einer eiernden Bandmaschine. Ab der 15-Uhr-Einstellung geht es von einem Slapback-Delaysound allmählich in ein Delay über. Allerdings bietet das Gerät in Sum- und Invert-Modus eine, und im "Bounce-Modus" nur zwei Wiederholungen. Deshalb lässt sich das Strymon Deco leider nicht zu einem vollwertigen Delaypedal umfunktionieren, obwohl es eine maximale Verzögerung von bis zu 500 Millisekunden bietet. Aber gut, dazu wurde es auch nicht konzipiert. Kommen wir zum Wobble-Regler. Hier wird die Stärke des Bandeierns eingestellt. In der 0-Position eiert nichts und man erhält einen feststehenden Kammfiltereffekt, der sich so mithilfe des "Lag Time"-Reglers durchstimmen lässt. Einen ähnlichen Effekt kennen einige sicher noch vom legendären Deluxe Electric Mistress Flanger, den man auch bestens als Filter missbrauchen kann, um sehr abgefahrene und phasige Sounds zu erzeugen. Bringt man den Wobble-Regler in die 9-Uhr-Position, erhält man eine leichte Modulation, die sich besonders gut für Flangingeffekte eignet. In höheren Einstellungen entstehen immer stärkere Modulationen, die im Gegensatz zum Chorus unregelmäßig und wie bei einem Zufallsmuster strukturiert sind. Deshalb klingt der Effekt hier auch wesentlich unkitschiger, als man es vom gemeinen Chorus- und Flangerpedal her kennt.

Die Anschlüsse

Neben dem Anschluss für das mitgelieferte 9-Volt-Netzteil, ohne das man das Pedal nicht betreiben kann, findet man auf der Stirnseite vier Klinkenbuchsen. Die Eingangsbuchse kann wahlweise in Mono oder Stereo betrieben werden, ab Werk ist das Gerät auf mono eingestellt. Um das Pedal in ein komplexes Stereosetup einzubinden, muss man den Boden abschrauben und einen Jumper verändern, der den Eingang als Stereoklinkenbuchse aktiviert. Als Ausgang dienen zwei Monoklinkenbuchsen. An der vierten Buchse findet ein Expressionpedal oder ein Strymon Tap Switch Anschluss.

Doppelfunktionen bei eingeschaltetem Pedal

Wenn man beide Fußtaster gleichzeitig gedrückt hält, erhalten alle Regler eine zweite Funktion. Mit dem Volumepoti kann man nun den Bassbereich bearbeiten, während der Saturation-Regler die oberen Frequenzen modelliert. Blend boostet den rechten Teil des Pedals um bis zu 3 dB, während der Lag Time Regler in diesem Modus die "Auto Flange Time" festlegt. Diese Funktion wird aktiviert, wenn man den rechten Fußschalter gedrückt hält. Der Wobble-Regler verändert das Stereoimage.

Doppelfunktionen beim Einschalten des Pedals

Wenn man beide Fußtaster gedrückt hält und danach das Netzteil einsteckt, lassen sich globale Voreinstellungen des Pedals vornehmen. Mit Saturation wird in diesem Modus die Funktion der Expressionbuchse voreingestellt. Im ersten Drittel des Regelweges arbeitet die Buchse mit einem Expressionpedal zusammen. Im zweiten Drittel kann man die Delaytime mittels optional erhältlichem Tap Switch einstellen, während man im letzten Drittel des Regelweges ein Preset per Favorite Switch abspeichern kann. Der Blend-Regler bietet die Wahl zwischen True- und Buffered-Bypass. Hierbei wird intern ein Relais ein- bzw. ausgeschaltet und das Poti arbeitet im Grunde genommen wie ein Schalter. Vor der 12-Uhr-Stellung hat man einen unbeeinflussten True-Bypass und danach einen Buffered-Bypass. Der dritte im Bunde ist der Lag Time Regler, mit dem man den Input zwischen Instrumentenlevel und Studiolevel umschaltet.

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