Gitarre Hersteller_Nektar
Test
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26.07.2018

Nektar Pacer Test

MIDI Fuß-Controller

Kommandozentrale

Beim Nektar Pacer handelt es sich um einen MIDI-Foot-Controller, der eine handfreie DAW-Steuerung sowie das Umschalten von MIDI-fähigem Gitarrenequipment beherrschen soll. Da Gitarristen mit der Programmierung von MIDI-Gerätschaften seit gefühlten Jahrhunderten auf Kriegsfuß stehen, haben die Entwickler und Programmierer des kalifornischen Herstellers ein paar Sonderschichten eingelegt und diverse Presets für bekannte und beliebte Soundprozessoren für Gitarre angefertigt. Es sind ab Werk Presets für das Helix, POD Pro, Axe FX oder den Kemper Profiler an Bord. Selbstverständlich kann der User auch eigene MIDI-Befehl-Presets für seinen Bedarf erstellen. Für uns stellen sich neben der Überprüfung von Hardware und Schaltgenauigkeit noch zwei wichtige Fragen: Wie tauglich sind die vorgefertigten Presets und wie kompliziert ist die Programmierung eigener Presets?

Im Zeitalter von Modeling-Amps und leistungsfähigen (Multi-) Effekten mit Speichermöglichkeiten ist es natürlich sinnvoll, eine Kommandozentrale zum Steuern der Sounds sein eigen zu nennen. Und natürlich bevorzugt dann, wenn man das komplette Sound-Arsenal mit einem Befehl umschalten kann, wobei sich die Anwendungsbereiche im Laufe der Zeit etwas erweitert haben. Da wäre einmal der Gitarrist, der seinen Amp und seine Effekte im Bühneneinsatz umschalten möchte, oder der Solo-Performer, der neben der Fernsteuerung von Amp und Effekten auch ein paar Loops aus der DAW abfeuern möchte, auch wenn er gerade soliert und eigentlich keine Hand frei hat, um Start- oder Stopp-Tasten zu drücken. Der Nächste sitzt eher zuhause und nimmt mit seinem Amp-Modeler auf und freut sich über eine Fußleiste, mit der er diverse Funktionen im Modeler und seine DAW per Fuß steuern kann. Für solche Situationen hat der Pacer einige Lösungen parat und die schauen wir uns nun genauer an.

Details

Gehäuse/Optik

Der Pacer kommt in einem solide verarbeiteten Metallgehäuse, ist dunkelgrau lackiert und macht den Eindruck, dass er die harten Tritte des Gitarristen auch über einen längeren Zeitraum gut wegstecken kann. Die Oberseite neigt sich leicht dem Bediener entgegen und ist mit elf Fußtastern in zwei Reihen bestückt. Rechts oben befindet sich ein zweizeiliges Display - fünf Ziffern oben und drei Ziffern in der unteren Reihe, darunter der Encoder, ein Endlos-Drehrad mit Schaltfunktion. Jeder Fußtaster hat eine RGB-LED, dessen Farbe frei programmierbar ist. Darüber sind hintergrundbeleuchtete Icons und Hinweise zur DAW-Steuerung (Play, Stop, Track, etc.)

Rückseite/Anschlüsse

Auf der Rückseite sind sämtliche Anschlüsse geparkt. Die Stromzufuhr kann für den Pacer entweder über USB oder ein optionales 9V-Netzteil (Center Negative) erfolgen. Über den USB-Port lässt sich selbstverständlich auch die Verbindung mit einem Computer herstellen, zum Beispiel, um den Pacer mit neuen Presets über SysEx-Transfer zu füttern. Neben dem USB-Anschluss wartet der MIDI-Out mit der klassischen 5-Pol-Buchse. Zwei optionale Expression-Pedale können an den Pacer angeschlossen werden, die Anschlüsse dazu sind mit EXP1 und EXP2 bezeichnet, dazu kommen Buchsen für zusätzliche Fußtaster, von denen insgesamt vier an die Anschlüsse FS 1/3 und FS 2/4 angeschlossen werden können. Zwei Taster über ein Stereo-Klinkenkabel jeweils an einen Anschluss. Über die Anschlüsse R 1/3 und R 2/4 lassen sich vier unterschiedliche Relais-Schaltvorgänge senden, zum Beispiel, um Kanäle am Amp oder Effekte im Verstärker (Reverb, Tremolo, etc.) umzuschalten. Die Buchse für den Fußschalter am Amp wird mit dem entsprechenden Relais-Anschluss verbunden und nun kann der Schaltvorgang vom Pacer gesteuert werden, vorausgesetzt, er wird entsprechend programmiert. Deshalb tauchen wir jetzt einmal in die Tiefen der Bedienung und Programmierung ab.

Bedienung

Der Pacer hat 24 Speicherplätze (Presets) mit vorgefertigten, aber veränderbaren Einstellungen, was die Schaltbefehle anbetrifft. Angewählt werden die Presets, indem man den Preset-Taster gedrückt hält und dann eine Bank mit den Tastern A-D anwählt, danach einen Speicherplatz mit den Tastern 1 bis 6. Auf den 24 Presets befinden sich ab Werk wie bereits erwähnt einige Voreinstellungen für diverse Gerätschaften wie den Hughes & Kettner Grandmeister, Line 6 Helix, Kemper Profiler und mehr. Ist ein Preset angewählt, können diverse Funktionen über die zehn Taster (A-D, 1-6) gesteuert werden. 16 Schaltvorgänge können bei Aufruf eines Presets zusätzlich ausgelöst werden - die einzelne Taste kann maximal sechs Schaltvorgänge gleichzeitig oder nacheinander auslösen. Die Presets sind sozusagen Vorschläge zur Steuerung diverser Funktionen der unterschiedlichen Geräte und können natürlich nach Gusto auf den Eigenbedarf zugeschnitten werden. Bekanntlich hat in dieser Hinsicht jeder Gitarrist seine eigene Vorstellung, welche Funktionen per Fuß gesteuert werden, zumal diese auch abhängig von der Art des Einsatzbereiches sind, zum Beispiel Bühne oder Recording.

Programmierung

Als Programmierungs-Testobjekt dient der Kemper Profiler, bei dem viele Funktionen per MIDI gesteuert werden können und für den auch bereits ein vorgefertigtes Preset im Pacer parat liegt. Mit ihm kann man zwar einzelne Effekte ein- und ausschalten und durch die Rigs scrollen, aber das ist meines Erachtens für den Live-Einsatz nicht ganz optimal. Also ran an den Speck und die Kiste umprogrammiert!

Aber leichter gesagt als getan, denn hier ist ein Gitarrist am Werk, der von Geburt an ungeduldig ist und gewohnt ist, an Reglern zu drehen, wo sich bei jeder Bewegung direkt ein Ergebnis zeigt. Klar treffen jetzt Welten aufeinander: MIDI-Programmierung ist leider immer etwas aufwendiger und für uns Gitarristen mitunter eine sehr abstrakte Geschichte. Beim Pacer sieht das auch so aus. Wenn man einen Schaltvorgang für einen Taster ändern möchte, muss man sich durch diverse Untermenüs arbeiten und entsprechende MIDI-Befehle und Werte eingeben. Ist das geschehen, wird es auch entsprechend ausgeführt. Die ganzen Programmier-Aktionen werden über den Encoder eingegeben, die einzelnen Seiten mit Parameterdarstellung kann man mit den Tastern C und D "umblättern". Für mich war das zu Beginn recht gewöhnungsbedürftig und es dauerte geraume Zeit, bis ich mich mit dem Bedienkonzept angefreundet hatte. Konkret war das ca. eine Stunde Experimentieren, Ausprobieren und Nachschlagen in der etwas nüchtern geschriebenen Bedienungsanleitung - auf der Nektar-Website gibt es mittlerweile bessere Beschreibungen für einzelne Aktionen. Als es dann "Klick" gemacht hatte, war die komplette Umprogrammierung der zehn Taster mit je einem MIDI-Befehl in 20 Minuten erledigt. War dann doch halb so wild.

Es wäre natürlich im heutigen Zeitalter der Computer-Einbindung ein Segen, wenn die ganze Programmierarbeit übersichtlich mit einem Computer-Editor eingegeben werden könnte. Das würde noch etwas mehr Zeit sparen, die Darstellung wäre vor allem wesentlich besser. Wenn mehrere Schaltvorgänge auf einem Taster programmiert werden, dann hat man am Editor eine wesentlich bessere Übersicht. Für ein MIDI-Schalter mit dieser guten Ausstattung halte ich das für zwingend notwendig.

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