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Test
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22.06.2016

MotU Stage-B16 Test

USB/AVB-Interface, Standalone-Mixer und Stagebox

Fleißiger Netzwerker!

Motus Stage-B16 wurde als Stagebox in einem AVB(Audio/Video Bridging)-Netzwerk konzipiert. Es stellt auf der Bühne oder im Aufnahmeraum 16 Eingänge und 12 Ausgänge bereit, lässt sich aber auch als Audiointerface betreiben. Ob es dazu die erste Wahl ist und wie das mit dem AVB-Netzwerk genau funktioniert, finden wir im Test heraus.

Die Firma Motu hat mittlerweile eine ganze Reihe an Interfaces im Angebot, die sich unter Nutzung des Audio/Video Bridging (AVB) Standards in umfangreiche Audionetzwerke einbinden lassen. Für Anwender, die mit sehr vielen Kanälen und/oder über größere Distanzen bzw. in mehreren Regie- und Aufnahmeräumen arbeiten, ist das hochinteressant. Lassen sich doch teure und mitunter komplexe Multicore-Verbindungen durch einfache und bis zu 100 Meter lange LAN-Kabel ersetzen.

Details

Typisch Stagebox: Alle Ein- und Ausgänge auf der Vorderseite

Ganz wie man es von einer Stagebox erwartet, sind alle Ein- und Ausgänge auf der Vorderseite untergebracht, ebenso die Netzwerkbuchse. Bei Rackmontage sind also nach wie vor alle Audioanschlüsse leicht erreichbar – ohne akrobatische Glanzleistungen oder Taschenlampe. Auf der Rückseite wurden lediglich Netzanschluss und -schalter verstaut sowie MIDI- und USB-Interface.

Die 16 Mikrofonvorverstärker bieten 63 dB Gain, pro Kanal schaltbare 48-V-Phantomspeisung und ein 20-dB-Pad. Dass hierfür keinerlei Bedienelemente am Gerät selbst vorhanden sind, passt in das Bild einer Stagebox. Die wenigsten Tontechniker werden Lust haben, immer wieder auf die Bühne oder in den Aufnahmeraum rennen zu müssen, um dort Einstellungen vorzunehmen. Das Stage-B16 verzichtet also auf die manuelle Steuerung der Preamps und setzt ausschließlich auf Fernsteuerung über Software.

Schade ist, dass keine Line-Eingänge vorhanden sind und alle analogen Eingangssignale durch die Mic-Preamps laufen. Der Hersteller empfiehlt beim Anschluss von Line-Quellen, die Pad-Schaltung der entsprechenden Kanäle zu aktivieren, wodurch sich nebenbei die Eingangs-Impedanz von 3 kΩ auf 4,5 kΩ erhöht. Einige echte Line-Ins oder Instrumenteneingänge würden dem Stage-B16 aber sicher gut zu Gesicht stehen.

Line-Outs sind dagegen reichlich vorhanden. Zu acht analogen Mono-Ausgängen gesellen sich zwei digitale AES/EBU-Stereo-Pärchen – alle in Form von männlichen XLR-Buchsen. Der zusätzliche Kopfhörerausgang im 6,3-mm-Klinken-Format kann separat adressiert werden und verfügt über einen eigenen Lautstärkeregler. Und das war es auch schon fast mit den Bedienelementen. Ansonsten gibt es nur zwei Gummitaster für kleinere Nebenfunktionen. Einer davon bewirkt, dass die Signalpegel-LEDs rechts oben anzeigen, welche Kanäle aktuell mit Phantomspeisung belegt sind, der andere schaltet alle analogen Ein- und Ausgänge des Stage-B16 stumm. Wenn man auf der Bühne mit dem Verkabeln beschäftigt ist und ein Feedback auftritt, kann das durchaus hilfreich sein.

Das Stage-B16 als eigenständiges Audiointerface

Wird das Stage-B16 mit einem Rechner verbunden, lässt es sich wie ein herkömmliches Audiointerface betreiben. Gerade die 16 internen Preamps wirken für diese Anwendung außerordentlich verlockend. Mit digitalen Schnittstellen ist unser Testkandidaten allerdings recht spärlich ausgestattet, abgesehen von den AES/EBU-Ausgängen gibt es keine weiteren Digitalports. Wer Geräte über ADAT oder S/PDIF andocken will, sitzt also auf dem Trockenen. Es sei denn, er bindet weitere AVB-Geräte ein. Wer mit den stattlichen 16 Eingängen ohnehin zufrieden ist, hat damit natürlich kein Problem.

Das Stage-B16 lässt sich auf zwei Arten als Audiointerface mit dem Rechner verbinden. Der klassische Weg läuft über die USB-Schnittstelle auf der Rückseite. Die Alternative ist die direkte Verbindung über ein LAN-Kabel (Cat 5e oder Cat 6), das in den Ethernet-Port des Rechners und den AVB-Port des Stage-B16 gestöpselt wird. Dies funktioniert allerdings nur mit neueren Macs ab OS X 10.10 Yosemite.

Ein Nachteil der LAN-Verbindung: Die MIDI-Schnittstelle kann nicht genutzt werden, AVB überträgt keine MIDI-Kommunikation. Zudem entfällt so Anbindung weiterer AVB-Interfaces. Zugriff auf ein kleines (oder auch größeres) Netzwerk erhält man über das Stage-B16 nur, wenn man die USB-Verbindung nutzt.

Das Stage-B16 als Teil eines AVB-Netzwerks

Als Stagebox innerhalb eines AVB-Netzwerks fühlt sich das Stage-B16 am wohlsten. Ein mögliches Szenario ist, ein Motu 1248 AVB oder das kleinere Ultralite AVB als zentrales Interface am Rechner zu verwenden und das Stage-B16 über eine Punkt-zu-Punkt-Verbindung der AVB-Ports einzubinden. Man kann sich aber auch bei anderen Hersteller umsehen, denn bei AVB handelt es sich um einen offenen Standard, der nicht auf Motu beschränkt ist.

Es lassen sich auch weit umfangreichere Netzwerke erstellen. So wäre es beispielsweise denkbar, zwei Aufnahmeräume mit jeweils einem Stage-B16 auszustatten und auf diese Interfaces von zwei getrennten Regieräumen mit je einem Rechner und einem 1248 AVB Zugriff zu haben. In diesem Fall müsste man alle Interfaces durch einen AVB-Switch verbinden und die jeweiligen Rechner über USB oder Thunderbolt anbinden. Thunderbolt ist bei größeren Netzwerken übrigens die bessere Alternative, da die schnelle Schnittstelle bis zu 128 Ein- und Ausgangskanäle gleichzeitig streamen kann. USB bietet bei einer Abtastrate bis zu 48 kHz „nur“ 64 I/Os und baut bei höheren Abtastraten weiter ab. So sind bei 192 kHz nur noch je 24 Kanäle rein und raus möglich.

Leider bietet das Stage-B16 keine Thunderbolt-Schnittstelle, was angesichts der klaren Konzeption als Netzwerk-Stagebox aber nachvollziehbar ist. Am Rande bemerkt: Die neuen Motu-Treiber unterstützen auch Thunderbolt unter Windows 10.

Das Stage-B16 als Standalone-Mixer

Der Einsatz als Standalone-Mixer ist vor allem für den Live-Einsatz interessant. Dazu reicht es prinzipiell aus, das Stage-B16 auf die Bühne zu stellen, die Ausgänge mit PA-Boxen und Monitoren für die Musiker zu verbinden und einen Rechner zum Mischen anzubinden. So lange nicht aufgenommen werden soll, genügt es sogar, einen WLAN-Router an die AVB-Schnittstelle zu hängen und sich drahtlos mit einem oder mehreren Computern und/oder Tablets einzuloggen. So kann sich jeder Musiker den eigenen Monitor-Mix über sein persönliches Tablet erstellen.

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