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17.02.2020

Ludwig Jazz Fest 14“x5,5“ Snare Test

Jazz Festival Reissue Snare

Festival-Saison

Heute testen wir die 14“ x 5,5“ große Jazz Fest Snare von Ludwig. Jazz Fest? Das klingt ja fast wie Jazz Festival. Genau, es ist ja auch die Neuauflage eines bekannten Modells. Wie viele von euch wissen, haben Drumhersteller mit einer langen Firmenhistorie bekanntlich einen entscheidenden Vorteil: Sie können frühere Errungenschaften in regelmäßiger Abfolge wiederaufleben lassen. Die Firma Ludwig Drums hat es in dieser Hinsicht noch einmal leichter, denn ihre Firmengeschichte ist nicht nur lang, es kommen auch jede Menge legendäre und bis heute von der weltweiten Trommlerschaft geschätzte Modelle darin vor. Dazu zählen natürlich die Supra-Phonic oder die Black Beauty Snares, aber auch die etwas weniger bekannte Ludwig Jazz Festival Snare in der Größe 14“ x 5“ hat – nicht zuletzt dank Ringo Starr – ihren festen Platz in der Historie. Die Snare wurde in der Grundform Ende der 1940er Jahre zum ersten Mal als Buddy Rich Signature-Modell vorgestellt. Markenzeichen sind der dreilagige Mahogany-Poplar-Mahogany-Kessel und massive, dampfgebogene Ahorn-Verstärkungsringe. Fast genauso sieht unsere Neuauflage auch aus. Wie sie sich im Vergleich zum Vintage-Modell schlägt und vieles mehr, erfahrt ihr jetzt.

Details

Der Kessel ist im Vergleich zum Urahnen einen halben Zoll tiefer

Bei der Replika seines legendären Modells hat sich Ludwig augenscheinlich viel Mühe gegeben. Auch wenn die Jazz Fest Snare aus dem Karton heraus wie eine neue Trommel blitzt und blinkt, hat sie unverkennbar einen Vintage-Anstrich. Dafür sorgen, neben der Black Galaxy Folie, vor allem der originalgetreu nachempfundene Innendämpfer mit Baseball-Bat-Hebel und roter Filzauflage sowie die acht Bow-Tie Lugs. Ansonsten ist die Trommel mit modernen, 2,3 Millimeter starken Stahlspannreifen ausgestattet, alle Spannschrauben haben Metall- und Gummiunterlegscheiben. Auch bei der Teppichabhebung geht man mit der Zeit. Die Trommel hat den schicken und reibungslos laufenden P88AC Strainer samt passendem Butt End verbaut.

Nachdem ich die Trommel vom hauseigenen Schlagfell befreit habe, kann ich meine Inspektion im Inneren fortsetzen. Ganz in Vintage-Manier ist der 14“x5,5“ große Kessel auf der Innenseite mattweiß lackiert. Die Gratungen sind – wie bei den alten Ludwigs üblich – auf den Außenseiten stark verrundet. Das verspricht eine satte Fellauflage sowie einen weichen Gesamtklang in Kombination mit einem gut kontrollierbaren Obertonspektrum. Zwischen zwei dünnen Schichten Mahagoni sitzt die recht dicke Lage Pappelholz. Ein aufgeklebtes Papierschild im Kesselinneren weist mich darauf hin, dass der Kessel aus der Legacy-Serie stammt. Etwas außergewöhnlich mutet zunächst der schmale 18-spiralige Teppich aus Stahl an, der mit Bändern gehalten wird. Schaut man sich die Snarebeds etwas genauer an, erschließt sich der Grund, denn diese sind ebenfalls sehr schmal, gleichzeitig aber verhältnismäßig tief. Ganze 4,5 Millimeter ragen sie in den Kessel hinein und sind am tiefsten Punkt flach über Gratung gezogen. Ludwig vermarktet diese Besonderheit als Vintage 64’ Snare Beds, sie erinnern mich von der Form her aber eher an Modelle, bei denen noch Naturfelle zum Einsatz kamen. Aufgrund der schmalen Bauweise ist jetzt schon klar, dass breitere Snareteppiche für Probleme sorgen dürften. Auch bin ich gespannt, wie viel Nachrascheln diese Konstruktion hervorruft.

Ludwig ist wohl mittlerweile der einzige der großen Trommelbauer, der bei der Befellung nicht auf Produkte von Remo, Evans oder Aquarian setzt. Auffällig ist, dass das beschichtete Schlagfell eher weich wirkt und vergleichsweise wenig Grundspannung hat. Im nicht gespannten und unbespielten Zustand wirft es an den Rändern teilweise Falten. 

Zum Vergleich ist eine originale Jazz Festival Snare aus den 60ern am Start

Für den Vergleich habe ich mir von meinem Kollegen Alex Höffken eine unmodifizierte Jazz Festival Snare aus den frühen 60er Jahren ausgeliehen. Auffällige Unterscheidungsmerkmale sind die vernickelte Messinghardware an den Spannböckchen sowie die, im Vergleich zum neuen Modell, wesentlich leichteren und dünneren Messingspannreifen. Natürlich ist die seinerzeit übliche P83-Abhebung verbaut. Die Snare Beds sind bei diesem Modell übrigens flach und ohne sonderlich starke Vertiefung gestaltet. Wie die Trommel im Vergleich klingt, könnt ihr am Ende des Praxisteils erfahren.

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