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Test
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01.08.2018

JHS Pedals The Bonsai Test

Overdrive-Pedal

Neunfach screamen

Im JHS Pedals The Bonsai vereint die amerikanische Pedalfirma eine ganze Reihe von Overdrive-Modellen, die in die Gitarrengeschichte eingegangen sind und den Sound ab Ende der 70er Jahre entscheidend prägen durften. Genauer genommen handelt es sich um zwei ziemlich ähnlich konstruierte Pedale, nämlich den Ibanez Tubescreamer (im folgenden TS genannt) und den Boss OD-1, die in zahlreichen Variationen und Modifikationen erhältlich waren und nun in ein Gehäuse gebannt wurden.

Damit präsentiert die Company nach dem Muffuletta den zweiten Verzerrer, der mehrere Klassiker in einem Pedal zusammenführt, was bei den aktuellen Gebrauchtpreisen der geklonten Originale durchaus eine begrüßenswerte Idee ist.

Wie gut der Bonsai sich gegen die Originale schlägt und wie er generell als Overdrive-Pedal abschneidet, gilt es hier zu ergründen.

Details

Gehäuse/Optik

Grün ist nicht nur die Farbe der Hoffnung, sondern auch die Trademark des Tubescreamers schlechthin, und darum überrascht es nicht, dass auch der Bonsai in einem grünen Metallgehäuse mit den Maßen 7,3 x 5,6 x 12,4 cm (BxHxT) steckt.

Die Oberseite offenbart vier schwarze Kunststoffpotis, wovon sich eines als neunfach gerasterter Modus-Wahlschalter entpuppt. Im unteren Drittel zeigt sich der Fußschalter und rechts daneben eine, wie soll es anders sein, grüne LED, die den Betriebszustand des Pedals signalisiert.

An der rechten Außenseite befindet sich die Eingangsbuchse und an der linken der Ausgang. Stirnseitig wurde die Buchse für das optional erhältliche 9V-Netzteil angebracht, das laut Herstellerangaben weniger als 100 mA bereitstellen muss. Die Bodenplatte ist mit vier Kreuzschlitzschrauben arretiert und gewährt Zugang zum tadellos verarbeiteten Innenleben des Pedals. Ein Batteriefach ist hier nicht zu finden, da lediglich Netzteilbetrieb vorgesehen ist.

Insgesamt wirkt das Pedal so, wie man es von eigentlich allen JHS-Tretern gewohnt ist. Die Verarbeitung ist einwandfrei und das Pedal erscheint solide und verlässlich, und arbeitet natürlich mit True Bypass.

Zum Lieferumfang gehören ein Blatt mit Bedienungshinweisen, vier anklebbare Gummifüße von 3M, ein JHS-Button, ein JHS-Sticker und ein rotes Gravity-Plektrum.

Bedienung

Die Regler entsprechen der klassischen Tubescreamer-Belegung: Volume regelt die Gesamtlautstärke, Drive den Zerrgrad und Tone bearbeitet das EQ-ing. Da das Pedal unter anderem eine Emulation des Boss OD 1 beinhaltet, der damals ohne Tonregler erschien, hat der Tonknopf des Bonsai in diesem Setting keine Funktion.

Der Mode-Drehwähler beherbergt neun verschiedene Variationen des TS/OD-1 Themas, die ich genauer betrachten will, wobei die Beschriftung des Reglers gute Rückschlüsse auf die emulierten Originale gibt:

  • OD1 Ganz klar, hier ist der Boss OD1 zu finden, der im Gegensatz zum TS mit symmetrischem Clipping aufwarten kann und exzellent zum Amp-Boost geeignet ist
  • 808 Hier steckt der Ibanez TS808, die Urform des Tubescreamers.
  • TS9 Leichte Variationen in der Schaltung liefert der später angebotene Ibanez TS9
  • MSL Ebenfalls aus dem Hause Ibanez war 1985 der Metal Screamer, eine heißere TS-Variante in einem ähnlichen Gehäuse wie der TS10.
  • TS10 Ein Kunststofffußschalter und auf die Platine gelötete Buchsen kennzeichnen den TS10, der in jüngster Zeit gerne mit John Mayer assoziiert wird und eine weitere Variante des Tubescreamers darstellt.
  • XR Auch andere Hersteller wagten sich an die beliebten Tubescreamer/OD-1 Modelle, so auch die polnische Marke EXAR, die mit dem ebenfalls OD-1 benannten Pedal eine Variation mit mehr Gain und leicht verändertem Sound veröffentlichte.
  • TS7 Die Tonelok-Serie brachte in einem grauen Gehäuse eine TS-Variante mit schaltbarem Hot-Mode für mehr Verzerrung. Letzter kommt hier im Bonsai zum Einsatz und ist damit das "heißeste" Setting des Pedals
  • Keely Mod Plus Hierbei handelt es sich um eine Modifikation von Robert Keeley, die weichere Mitten und Höhen sowie präsentere Bässe zutage fördert.
  • JHS Strong Mod In diesem Modus wagt sich der Hersteller selbst an eine "cleanere" Interpretation des Pedals und generiert kräftigere Höhen und Bässe.

Wer sich für die Historie der Originale interessiert, kann hier fündig werden:

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