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Test
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07.11.2020

iZotope Music Production Suite 4 Test

Plugin-Bundle

Ozone 9 Advanced, Neutron 3 Advanced, Nectar 3 Plus, Stutter Edit 2, Vocal Synth 2, RX 8 Standard, Neoverb, Insight 2, Tonal Balance Control 2 sowie Exponential Audio Nimbus und R4 im attraktiven Kampfpreisgewand!

Ozone 9, Neutron 3 (beide in der Advanced Variante), Nectar 3 Plus, Stutter Edit 2, Vocal Synth 2 sowie RX 8 Standard – hinzu kommen die erstklassigen Reverbs R4 und Nimbus von Exponential Audio sowie der neue Neoverb. Insight 2 und Tonal Balance Control 2 gibt es auch noch drauf – und all das schnürt iZotope zum “Music Production Suite 4“, einem Bundle mit reichlich Softwarewerkzeugen für Produktion, Mischung und Mastering also.

Zählt man die Straßenpreise der Titel zusammen, kommt man schnell auf über 2.900 Euro. In Anbetracht dessen erscheint der Bundlepreis von 579 Euro dagegen als Schnäppchen – zumal es auch noch günstigere Crossgrades gibt. Was sind hier also die Highlights, was wird dankend mitgenommen? 

Allgemeines

Das iZotope Music Production Suite 4 Bundle ist ein äußerst vollständiges Bundle an Plugin-Prozessoren für die DAW von kreativ bis chirurgisch. Es enthält viele Industrieschwergewichte zu einem äußert fairen Preis bereit – was vor allem für Neueinsteiger interessant sein dürfte.

Eine Besonderheit gegenüber Plugins anderer Hersteller liegt in den vielen Assistenten innerhalb der Kanalzüge, die euer Ausgangsmaterial analysieren und automatische Einstellungen finden können. Das kann Neutron, Ozone, Nectar sowie Neoverb und heißt dem jeweiligen Einsatzzweck nach entsprechend „Mix Assistant“, „Master-Assistant“, „Vocal-Assistant“ und "Reverb-Assistant".

Hinzu kommen weitere spezifische Gimmicks. Neutron beispielsweise kann zudem Pegelbalancen auf unterschiedlichen Spuren herstellen und Nectar wiederum Nicht-Vocal-Spuren demaskieren. Das alles klappt wirklich gut und ist in jedem Fall eine schnelle Abkürzung zu ausgewogenen Ausgangspunkten für den Mix – und schließt eigene Tweeks sicherlich nicht aus.

Ozone 9 Advanced – HQ-Mastering

Ozone ist eines der besten All-in-one-Bundles fürs chirurgisches Mastering-Arbeitsbesteck: Es bringt Kompression und EQing in allen Facetten sowie Limiter, Exciter, Stereo-Spreader und Shaper mit.

Die meisten Prozessoren sind Multiband-fähig, einen speziellen Dynamic-EQ und Multiband-Dynamics sowie Match-EQ, Low-End-Focus und Master Rebalance gibt es aber auch noch. Low End Focus optimiert den Bassbereich, macht ihn knackiger – und dass mit wenigen Parametern und schnell. Master Rebalance hingegen bietet die Möglichkeit, Vocals, Drums und den Bass in einer Stereomischung getrennt voneinander im Gain zu bearbeiten. 

Tape, Limiter, EQ und Compressor sind außerdem als Vintage-Varianten vorhanden, sodass es auch mal etwas grob-dicker werden darf. Alles insgesamt top-notch und perfekt für das Filetieren von Audio.  Obendrein lassen sich die Prozessoren als Einzel-Plugin verwenden oder eben in das Mothership mit den angesprochenen Assistenzsystemen laden.

Ozone ist seit Jahren mein Go-to für sämtliche Audioaufgaben. Insbesondere den Exciter und den Spreader liebe ich und benutze beide daher in jedem Mix. Sie sind als Multi-Band konfiguriert – wie so ziemlich alles in Ozone –  und nicht nur dezent eingestellt überzeugend, sondern auch wunderbar drastisch für das Sounddesign zu missbrauchen. Angezerrt mit dem Exciter setzt sich jedes Signal durch und kann unkompliziert nach vorn oder hinten gerückt werden – mit dem Spreader verteile ich Signale wiederum in die Breite.

Auch der Dynamic-EQ ist eine flinke Waffe – gerade, um in den Tiefmitten dynamisch aufzuräumen ohne sie konstant dünn zu machen. Als ultraflexbiler De-Esser dient der Dynamic-EQ ebenfalls, genau wie die Multiband-Dynamics. Was ihr nicht verwechseln solltet: Der eine verändert die Dynamik in einem isolierten Frequenzband, während der andere Filter in Abhängigkeit des Teilpegels absenkt. Für tiefergehende Infos empfehle ich meinen alten Test, der umfangreich auf die einzelnen Optionen eingeht. Vorab zur Info: Ozone ist gut, frisst aber auch ordentlich CPU.

Neutron 3 Advanced – Allround KI-Mixing

Neutron 3 ist der Allrounder im Bundle und verbraucht mit seinen Teilprozessoren weit weniger Leistung als ein typischer Ozone-Effekt. Auch Neutron gibt als „Mothership“-Plugin-Fenster sowie als einzelne Plugins. Und so gibt es Compressor, Equalizer, Exciter, Gate, Transient-Shaper und Sculptor sowie den Visual Mixer.

Sculptor ist ein speaktrales Shaping-Tool und mit Smart-EQ bzw. Gulfoss vergleichbar. Jedes Modul kann pro Instanz einmal geladen werden – die Ausnahme bildet der Compressor, den gibt es zweimal –und so können bis zu sieben Module aneinander gekettet werden.

Nectar 3 Plus Melodyne Essentials – Vocal-Superchannel

Nektar 3 ist Neutron ähnlich und ebenfalls nur als Mothership erhältlich. Diesmal dürfen es bis zu zwölf Prozesse in Reihe sein, wobei diese hier besonders für die Bearbeitung von Gesang und Sprache angedacht sind.

Es gibt neun Prozessoren: Compressor, Deessor, Delay, Dimension, EQ, Gate, Harmony, Reverb und Saturation. Harmony ist dabei natürlich die unersetzliche Intonantionskorrektur alla Auto-Tune und Cher-Gejaule. Und für genaueres Tweeking der Intonation gibt es sogar noch Melodyne-Essentials dazu, was das Plus im Bundle Namen erklärt. Mehr dazu erfahrt ihr im Test meines Kollegen Julian.

Neoverb, Exponential Audio Nimbus und R4 – Top Reverbs

Exponential Audio ist seit dem PhoenixVerb die aktuelle Topmarke, was Reverb-Plugins angeht – und Nimbus und R4 sind innerhalb dessen die Flagschiffe für Musik. Es gibt zwar noch ein paar krassere 3D-Surround-Varianten, aber die sind sehr Post-Pro und weniger für den „normalen Kunden“ gedacht. 

Nimbus ist als „Natural Stereo Reverb“ konzipiert und damit eher sauber, präzise und „realistisch klingend“. R4 hingegen moduliert wilder und will „bigger than Life“ bzw. nach 80s klingen. Neoverb wiederum ist ein Izotope Reverb, der mit KI glänzt und für all diejenigen gedacht ist, die keinen Bock auf die vielen Parameter und die leider altbackene GUI von Exponential haben. Die Engine des Neoverb basiert übrigens trotzdem wieder auf Exponential Algorithmen. 

Will heißen: Über Nachhall muss man sich mit den drei Schwergewichten keine Sorgen mehr machen. Oder nochmal anders gesprochen: Das gesamte Music Production Bundle kostet als Crossgrade für Besitzer von Neutron 3 Advanced oder Ozone 9 Advanced 291 Euro – und damit genau so viel wie mein Favorit R4 alleine… Ein klassischer No-Brainer, würde ich sagen.

RX 8 Standard – Restauration Branchenstandard

Ein weiterer Brocken im Bundle ist das Restaurationswerkzeug RX8. Einen richtigen Test von RX8 Advanced müssen wir hier noch nachholen, die Möglichkeiten, Fehler zu beseitigen, waren aber bereits in RX7 beachtlich. Und deswegen ist RX auch Branchenstandard in Film und Post-Pro – sei es, um einzelne Signale aus einem Mix zu isolieren, beispielsweise für DJ-Remixe mit Stems, oder um professionelle Nachhall-Entfernung durchzuführen und Dialoge zu optimieren.

Hinzu kommt die umfassende Störgeräuschunterdrückung und die Batch-Verarbeitung – in alldem ist RX8 sozusagen der Boss. Die Standardvariante hat natürlich ein paar Einschränkungen. Für die „normalen Kreativen“ unter uns sollte das aber weniger von Belang sein.

Stutter Edit 2 – Rhythmische FX-Breitseite

Stutter Edit stammt von BT, und der ist eher verrückt. Insofern ist dieser Effekt weniger für das Aufhübschen von Signalen gedacht, sondern eher für das extreme Verbiegen. Insbesondere die Zeitsignatur der einzelnen Effekte spielt eine große Rolle, sodass die Effekte selbst und auch ihr Wechsel tolle Rhythmusstrukturen schaffen, vergleichbar mit Ilformed Glitch oder Tim Exile Stuff.

VocalSynth 2 – Vocoder und mehr

Noch ein Schippe mehr aufs Stimmchen packt Vocal Synth 2, egal ob Sprache, Gesang oder sonstige Sounddesigngebaren: Er liefert tolle Vocoder-Effekte, bietet Verfremder und weitere Effekte. Weitere Infos hat Julians Test für euch. 

Fazit

Alle Titel des Bundle sind erstklassig, überschneiden sich teilweise aber auch ein wenig – insbesondere in den Kerngebieten Compression, EQ und Saturation bzw. den Titeln Ozone, Nectar, Neutron und Vocal Synth 2. Man fragt sich, ob nicht EIN Mothership mit ALLEN Prozessoren gemeinsam zielführender wäre. Schließlich ist doch Usability eines der stärksten Alleinstellungsmerkmale aller iZotope-Produkte, oder? Ich jedenfalls liebe die funktionellen GUIs und würde diese immer Fotos-GUIs von tontechnischen Relikten vorziehen. Der Preis mag zunächst heftig wirken, in Anbetracht der Summe aller Einzelteile ist er aber wirklich mehr als fair. Eine Jahresmitgliedschaft für Groove3, die auch englischsprachige Audio-Tutorials enthält, gibt es beim Kauf sogar noch obendrauf. Wer vernünftig mixen will und den DAW-Stock-Content ordentlich mit Drittanbieter-Plugins pimpen will, ist hier jedenfalls genau richtig. Nicht so sinnlos viele Produkte wie bei Waves – aber gewiss auch nicht zu wenige: 5 Sterne.

  • Pro
  • umfangreiches Bundle sehr hochwertiger Prozessoren
  • viele AI-Features und Mix-Assistenten
  • gutes Preis-Leistungs-Verhältnis
  • Contra
  • kein Contra
  • Features
  • Softwarewerkzeuge für Produktion, Mischung und Mastering
  • bestehend aus Insight 2, Nectar 3 Plus inkl. Celemony Melodyne Essential, Neoverb, Neutron 3 Advanced, Ozone 9 Advanced, RX 8 Standard, Relay, Stutter Edit 2, Tonal Balance Control 2 und VocalSynth 2 sowie Exponential Audio R4 und Nimbus
  • inkl. Groove3 One Year All-Access-Pass
  • Preis:
  • iZotope Music Production Suite 4: EUR 579,- Straßenpreis
  • Crossgrade von einer Advanced Version: EUR 291,- Straßenpreis

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