Test
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03.05.2018

Zoom H1n Handy Recorder Test

Mobiler Digitalrecorder

Der Kleinste von Zoom in Neuauflage

Mit dem H1n Handy Recorder bietet der japanische Hersteller Zoom eine Neuauflage seines kleinsten und gleichzeitig günstigsten mobilen Digitalrecorders. Genauso wie beim um eine Nummer größeren H2 oder auch beim H4 wurde nun auch der Bezeichnung des alten H1 ein kleines „n“ hinzugefügt, das ganz einfach für das Wörtchen „next“ steht. Aus H2 wurde H2n, aus H4 H4n.

Ich kann mich noch gut an den Test des Vorgängermodells Zoom H1 erinnern. Die Reduktion auf das Wesentliche – nämlich die Aufnahme – in Kombination mit dem günstigen Preis und einer verhältnismäßig hohen Klangqualität wirkte auf mich ausgesprochen attraktiv. Nur in Hinblick auf die Verarbeitung des Gehäuses gab es einige Kleinigkeiten auszusetzen. Dementsprechend bin ich selbst sehr gespannt, ob sich der Nachfolger im Review behaupten kann.

Details

Zugunsten des Preises: Minimalausstattung

Der Zoom H1n ist für einen Straßenpreis von 119 Euro (Stand: April 2018) zu haben und damit zwar etwas teurer als der Vorgänger, aber definitiv nach wie vor in einem sehr günstigen Bereich angesiedelt. Der Lieferumfang konzentriert sich dementsprechend auf das Nötigste. Neben einer gedruckten Kurzanleitung (auch auf Deutsch) sind ein Paar der zum Betrieb notwendigen AAA-Batterien und ein dünner Stoffbeutel enthalten. Letzterer wirkt nicht besonders ansehnlich und eher wie eine industrielle Umverpackung, kann aber durchaus zum Schutz vor Kratzern und Verunreinigungen dienen.

Softwareseitig wird man zudem mit Lizenzen für die kleinen LE-Versionen von Steinberg Cubase und Steinberg Wavelab versorgt. Dem nachträglichen Schneiden von aufgenommenen Files und weiterer grundlegender Signalbearbeitung am Rechner steht also nichts im Wege.

Wen es nach weiterem Zubehör giert, der wird mit dem optional erhältlichen Bundle APH-1n gut bedient. Hier wird eine richtige kleine Rundumversorgung geboten, die ein Etui, ein Tripod-Stativ im Desktop-Format, einen Adapter für eine Mikrofon-Klemme, einen Windschutz aus Schaumstoff, ein USB-Kabel und ein passendes Netzteil einschließt – und all das zu einem Preis von schlappen 25 Euro (Straßenpreis im April 2018). Schön, dass Zoom auch beim Original-Zubehör so günstig bleibt!

Verarbeitung: vollkommen in Ordnung

Das Gehäuse des H1n wirkt eindeutig besser verarbeitet als das des Vorgängers. Natürlich gibt es Recorder, die allgemein hochwertiger wirken. Das hat vor allem damit zu tun, dass der kleine Zoom fast vollständig aus Plastik gefertigt ist. Grundsätzlich gibt es an den Äußerlichkeiten aber nichts auszusetzen. Das Gehäuse wirkt stabil, und auch wenn das Wort „edel“ hier nichts verloren hat, fassen sich die Bedienelemente doch gut an. Dass der H1n mit seinen Maßen von 13,75 cm x 5,0 cm x 3,2 cm und seinem Gewicht von ca. 80 Gramm (mit Batterien) sehr handlich und leicht ausfällt, ist allgemein eine feine Sache, wird aber besonders Anwendern entgegenkommen, die den Recorder mit einem Blitzschuh-Adapter auf einer DSLR montieren wollen.

So wie bei den meisten mobilen Digitalrecorder von Zoom sind auch am Kopfende des H1n zwei Mikrofon-Kapseln verbaut, die im Sinne einer echten XY-Stereofonie angeordnet sind. Dadurch, dass die beiden Mikros direkt übereinander und folglich in geringstmöglichem Abstand zueinander sitzen, kommt eintreffender Schall aus allen Richtungen nahezu gleichzeitig bei den Membranen an. Es gibt also kaum Laufzeitunterschiede, und das sorgt (zumindest laut Lehrbuch) für einen verhältnismäßig natürlichen Raumeindruck und exakte Lokalisation im Stereo-Panorama. Der Achsenwinkel der beiden nach links und rechts außen gerichteten Mikrofone liegt bei 90°.  

Die Gehäuse der beiden Mikrofon-Kapseln sind aus Metall gefertigt und sitzen sauber an ihrem Platz hinter einem erfrischend eigenwillig designten asymmetrisch gewundenen Plastikschutz. Besonders gut gefällt mir, dass es direkt unter den Mikros ein „echtes“ Poti zum Anpassen des Aufnahmepegels gibt, das zudem auch noch einen angenehmen Drehwiderstand bietet. Das Sorgt für ein aufkeimendes Gefühl von gehobener Bedienkultur, das sich beim Vorgängermodell mit seinen etwas wackeligen Tastern nicht so recht einstellen wollte.

Erstaunlich viele Funktionen!

Generell sind auf dem Gehäuse des Zoom H1n weit mehr Bedienelemente als beim Vorgänger untergebracht. Das hängt nicht zuletzt damit zusammen, dass die Neuauflage weit mehr Funktionen bietet. Neben einzelnen Buttons für die Transportfunktionen (Aufnahme, Wiedergabe, etc.) finden sich direkt unter dem kleinen Monochrom-LCD vier weitere Options-Taster, die standardmäßig die grundlegenden Einstellungen betreffen. Hier kann man sich entscheiden, ob man komprimierte MP3-Files (48 kbps bis 320 kbps) oder unkomprimierte WAV-Files (16 Bit/44,1 kHz bis 24 Bit/96 kHz) erzeugen will.

Kein Beinbruch, aber doch etwas schade ist, dass gerade die durchaus gängige Option bei 24 Bit/44,1 kHz übersprungen wird. Wer in 24 Bit aufnehmen will, der kann das nur bei 48 kHz oder 96 kHz tun. Außerdem lassen sich ein Trittschall-Filter (bei 80 Hz, 120 Hz oder 160 Hz) sowie ein Limiter und eine automatische Pegelanpassung aktivieren.

Die nicht ganz so grundlegenden Zusatzfunktionen können über Tastenkombinationen zugeschaltet werden. Eine Feature zur automatischen Aufnahme bringt den H1n dazu, wie eine Art akustischer Bewegungsmelder erst nach dem Überschreiten eines gewissen Eingangspegels loszulegen. Dies funktioniert vor allem mit dem ebenfalls zuschaltbaren Aufnahme-Vorlauf von zwei Sekunden sehr gut.

Außerdem gibt es einen Selbstauslöser, der ähnlich wie bei einer Kamera beim Druck der Aufnahme-Taste einen Countdown von variabler Länge beginnt (3, 5 oder 10 Sekunden). Was Musiker, die im Tourbus sitzen, freuen wird: Eine Overdub-Funktion, die eine neue Aufnahme mit einer bereits vorhandenen Aufnahme mischt und das Ergebnis in einer neuen einzelnen Datei ablegt, ist ebenfalls vorhanden. Und es gibt sogar die Möglichkeit, die Wiedergabe-Geschwindigkeit während des Playbacks zu beeinflussen, Marker zu setzen oder den H1n als rudimentäres USB-Audio-Interface an einem PC, Mac oder mobilen iOS-Systemen zu betreiben. Von so vielen Extra-Features konnte man beim Vorgänger nur träumen!

Anschlussmöglichkeiten: Das Übliche

Der Zoom H1n bietet wie die meisten Vertreter seiner Art einen kleinen Mono-Lautsprecher zum Kontrollhören (Leistung: 500 mW). Prinzipiell empfiehlt es sich aber, nicht ohne Kopfhörer auf Klangfang-Tour zu gehen. Ein solcher wird auf der linken Seite des Gehäuses über eine 3,5er Klinkenbuchse angeschlossen. Aber natürlich kann man auf diesem Weg auch eine Verbindung mit einer Kamera herstellen, um den Ton aus dem Recorder direkt in Video-Dateien zu speichern.

Am Rande bemerkt: Zu diesem Zweck bietet der kleine Zoom eine Aussteuerungs-Funktion, die es mittels Testtönen erleichtert, den Eingangspegel an der Kamera festzulegen. Natürlich kann man im Prinzip auch die kleinen Lautstärke-Taster zum Steuern des Ausgangspegels des H1n verwenden, die direkt neben dem Ausgang liegen.

Die rechte Seite des Recorders ist etwas dichter besiedelt. Im oberen Bereich sitzen ein Eingang für Line-Quellen oder externe Mikrofone (Plug-in-Power von 2,5 V möglich) und der obligatorische Einschub für eine MicroSD-Card. Unterstützt werden SD- bzw. SDHC-Karten bis 32 GB (ab Klasse 4).

Weiter unten befindet sich ein Power/Hold-Schiebeschalter mit einem direkt daneben liegenden Taster, über den sich Files von einer einsetzten Karte löschen lassen. Über den Micro-USB-Port (USB 2.0) wird der H1n mit einem Rechner verbunden. Und auch das Aufladen von eingesetzten NiMH-Akkus oder einfacher Netzbetrieb sind möglich. Die Laufzeit mit frischen Batterien wird von Zoom mit zehn Stunden angegeben. Damit liegt der H1n in dieser Disziplin im oberen Mittelfeld. Natürlich hängt dies aber auch immer mit der Qualität der verwendeten Batterien zusammen.

Bisher wirkt der Zoom H1n wirklich attraktiv! Die meiner Meinung nach wesentlichste Frage bei mobilen Digitalrecordern ist aber die Klangqualität, und wie sich unser Testkandidat in dieser Hinsicht macht, steht auf der nächsten Seite.

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