Gitarre Hersteller_Zoom
Test
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08.09.2017

Praxis

Beginnen möchte ich mit ein paar Soundbeispielen, wobei ich das G3Xn direkt in die Soundkarte spiele, eine RME Fireface UFX.

Zuerst hört ihr einen Cleansound, gespielt mit einer Fender Stratocaster. Im Neuzustand ist die Speakersimulation deaktiviert und im Cabinet Block steht Mic auf Off, d.h., für die Anwendung in die Soundkarte muss ich die Lautsprechersimulation aktivieren. Der Sound klingt sehr offen und knackig. Häufig muss man bei digitalen Effektpedalen dieser Preisklasse etwas tricksen und z.B. mithilfe eines virtuellen Boosters ein paar Transienten herauskitzeln. Bei Bedarf stünde hier der RC Boost bereit.

Nun wechsele ich in die Marshall-Abteilung und wähle einen Plexi-artigen Sound. Ihr hört immer noch eine Stratocaster, allerdings diesmal mit Halstonabnehmer. Auch wenn der Marshallsound matter und zweidimensionaler klingt, als man es vom Original gewohnt ist, transportiert er doch gut den Grundcharakter und den typischen Fender-Natursound.

Beim folgenden Vox-Typ kommt eine Telecaster zum Einsatz. Auch hier ist der typische Sound gut auszumachen, dennoch generiert für mich gerade die Cabinet-Simulation einen sehr verhangenen und teilweise unattraktiven Klang, je nach gewähltem Lautsprechermodell.

Deshalb lohnt es sich beim G3Xn trotz Kopfhörer- oder DI-Anwendung, die simulierte Box auch mal auszulassen, da der Sound dadurch wesentlich offener erscheint und es wirkt tatsächlich fast so, als ob im Amp-Block bereits eine dezente Frequenzkorrektur vorgenommen wird, die auf mich wesentlich ansprechender wirkt.

Sehr bedauerlich ist, dass die De- bzw. Aktivierung der Cabinet-Simulation nicht global für alle Patches vorgenommen werden kann, sondern jeweils pro Preset gesetzt werden muss. Wenn demnach beide Varianten zum Einsatz kommen sollen, muss man sich ein paar Bänke für den DI-Einsatz und einige für den Gebrauch vor einem Amp reservieren und entsprechend belegen.

Nun wird es etwas härter und ich wähle einen Bogner-Sound, gespielt mit einer Les Paul. Auch hier klingt die Lautsprechersimulation sehr bedeckt. Definition und Klarheit sind dennoch auch bei den tiefen Frequenzen gegeben.

Widmen wir uns nun ein paar Effekten. Das GX3n muss sich hinsichtlich der Auswahl nicht verstecken, denn jeder erdenkliche Effekt ist realisierbar. Hier hört ihr ein cleanes Preset mit Chorus und anschließend einem Tremoloeffekt, die beide sehr überzeugende Resultate liefern:

Besonders anspruchsvoll für die Rechenleistung von digitalen Effekten sind PitchShifter-Sounds. Leider muss man sagen, dass bereits beim Oktaver deutliche Glitches und Trackingprobleme entstehen und wenig Toleranzspielraum hinsichtlich Vibrato oder einer mitklingenden Saite herrscht. Hier kommt der Prozessor an seine Grenzen:

Dynamische Sounds sind mit dem Zoom gut realisierbar und das G3Xn reagiert relativ musikalisch auf meinen Anschlag. Ihr hört hier eine Ibanez AT100, zuerst mit Fingern und niedrigem Volume-Poti und schließlich mit Volume-Rechtsanschlag und Pick.

Kommen wir nun zum Einsatz vor einem Amp, und zwar direkt am Eingang eines cleanen JTM 45. Ich verwende das Preset 33, dass ihr eingangs als cleanes Beispiel gehört habt, als Template, deaktiviere die Speakersimulation und experimentiere mit diversen Drive-Typen.

Den Anfang macht eine Tubescreamer-Simulation. Das Ergebnis überrascht mich positiv, denn das Signal wirkt sehr direkt und druckvoll. Dieser Einsatzbereich scheint dem Zoom besser zu stehen als die DI-Verwendung.

Schon fast verstärkerartige Sounds sind mit dem SweetDry-Modell zu erzeugen, das meinem JTM45 einen ziemlich "braunen" Sound entlockt:

Das Wah-Pedal fühlt sich ebenfalls sehr natürlich an und klingt sehr organisch vor dem Amp. Hinsichtlich des Trittgefühls wirkt es etwas klein und das Gehäuse tendiert leicht zu wackeln, aber klar ist, dass sich Kompaktheit und Luxus nur begrenzt vereinbaren lassen, insofern würde ich die Bedienung von Wah und Volume durchaus als angemessen bezeichnen.

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