Test
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14.03.2017

Praxis

In der Mitte zwischen „unruhig-clean“ und „verrundend-smooth“

Es dürfte bereits klar geworden sein, dass der Zähl EQ1 als eher sauber-transparenter Entzerrer konzipiert wurde. Darauf lassen bereits Features wie die vielen Bypass-Schaltungen schließen. Und in der Tat verbirgt sich hinter der aufgeräumten Fassade ein ebenso aufgeräumtes Klangbild. Dies bedarf jedoch noch einiger Erläuterung, denn clean bedeutet ja nicht gleich clean. Da gibt es die nervösen, eher auf „Schnelligkeit“ hochgezüchteten Prozessoren, die das Klangmaterial eher noch unruhiger werden lassen, wenn es solche Eigenschaften bereits mitbringt. Solche Geräte können toll sein, wenn man mit zu soften Tape-Signalen hantiert. Auf der anderen Seite gibt es – gerne röhrenbasierte – Prozessoren, die „clean“ mit einer sanften Verrundung und einem sehr smoothen Klangbild assoziieren. Der EQ1 jedoch setzt sich hier ziemlich exakt in die Mitte. Übersetzt bedeutet dies: Er schenkt dem Anwender keine der manchmal mit „Analogsound“ bezeichneten Sättigungsattribute, er macht einem aber auch nicht das Leben mit HiFi-Überambitioniertheit schwer. Dem Ideal eines EQs, der macht was er soll und nicht macht was er nicht soll, kommt der Zähl damit schon sehr, sehr nahe. Es handelt sich hier im wahrsten Sinne des Wortes um ein Werkzeug, um ein Mittel zum Zweck, bei dem stets das Ziel im Auge behalten wird.

Getreu seiner Herkunft als Pult-EQ muss der Zähl EQ1 mit jeglichen Aufgaben klarkommen

Tritt man einmal einen kleinen Schritt zurück und erinnert sich an die Herkunftsgeschichte des EQ1, dann wird auch klar, warum das so ist, warum das so sein muss und wie erfolgreich Zähl und Ernestus beim Design des EQs waren. Schließlich handelt es sich hier um einen Konsolen-EQ, der in jedem Kanal der AM1-Konsole sitzt. Und als waschechter Konsolen-EQ muss er ja jedes nur erdenkliche Ausgangssignal mit gleicher Qualität verarbeiten können. Einige klassische Konsolen-EQs aus der Transistorfrühzeit interpretieren dieses Ziel ja anders, aber das ist eher den beschränkten technischen Möglichkeiten zu ihrem Entstehungszeitpunkt geschuldet. Der Zähl jedoch löst diese Kernaufgabe auf der Höhe der Zeit, auf Basis all der Möglichkeiten, die die aktuelle Analogtechnik bietet.  

Das bedeutet konkret, dass der EQ1 wunderschön greift. Man hat stets das Gefühl, das Signal dort zu packen zu bekommen, wo es nötig ist, aber der Zähl verbindet dies nicht mit Härte. Man kann sehr differenziert ins Klanggeschehen eingreifen, und doch bleibt das Signal immer konturiert und sauber. Am Ende der Bearbeitung wirkt das Material wie eine bessere Version von sich selbst und nicht wie ein prozessiertes Signal. Obwohl der EQ1 kräftig anpackt, bleiben die Nebeneffekte weniger hochwertiger EQ-Designs aus: Hier gibt es keine Schwammigkeit, kein Überschwingen, kein „phasiges“ Klingeln in den Mitten, sondern eine unter allen Umständen saubere und kultivierte Bearbeitung des Materials. Was Färbungen betrifft, verhält sich der Zähl neutral; er nimmt nichts weg und fügt nichts hinzu. Das ist nicht überraschend, denn genau so wurde das Gerät konzipiert. Hier geht es um die Frequenzkorrektur an sich und nicht um irgendwie geartete Vintage-Tönungen.

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