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07.12.2020

Yamaha Stage Custom Hip Shellset Test

Vierteiliges Schlagzeug

Der Exot unter den Kompaktsets

Yamahas Hip Gig war seinerzeit das erste Oberklasse-Reiseset auf dem Markt. Mit ineinander stapelbaren Trommeln und pfiffigen Hardware-Lösungen setzte es eigene Akzente. Rückblickend muss man allerdings anmerken, dass es alles andere als preisgünstig war, das platzsparende Stapel-Schlagzeug war zudem am Stück verpackt recht gewichtsintensiv und im Zusammenbau auch nicht unbedingt zeitsparender als ein kleines Bop Set mit separatem Hardware-Satz.

Bei unserem heute zum Test angetretenen Stage Custom Hip hat man sich, zumindest was die Kesselgrößen von Toms und Snare betrifft, etwas am alten Hip Gig Konzept orientiert, außerdem hat man kräftig an der Preisschraube gedreht und dem Floortom einen Snareteppich verpasst. Außerdem hat das Stage Custom Hip eine ultraflache 20“ x 8“ Bassdrum, wie man sie vom alten Premier Artist Heritage Club Set her kennt. Die Mischung klingt spannend, ob auch was Taugliches dabei heraus kommt, lest ihr jetzt.

Details

Die bekannte Stage Custom Serie bildet die Basis

Das Stage Custom Bop Set mit 18“ Bassdrum und 12“ und 14“ Toms ist ein mehr als ordentlich klingendes Birkenset in Jazzgrößen und mit amtlicher Hardware, wie ich in meinem damaligen Test feststellen konnte. Daneben bietet die Serie noch Standard- und Studio-Konfigurationen mit 20er und 22er Bassdrums und einige Einzeltrommeln. Kurz, für die Vorstellungen von eher traditionell denkenden Trommlern ist Yamahas untere Mittelklasse schon recht breit aufgestellt. Mit dem Stage Custom Hip will man nicht nur in die Nische der kompakten Reise-Drumsets vorstoßen, sondern auch eigene, kreative Akzente hinzufügen. Dabei fallen besonders das 13“ x 8“ Floortom mit Snare-Funktion und die eben angesprochene flache Bassdrum ins Auge.

Die Kessel des Stage Custom Hip Sets sind auf den Außenseiten in Raven Black lackiert, ein klassisch glänzendes Schwarz, das makellos gemacht ist. Einen hübschen Kontrast dazu bilden die lackierten Spannreifen der Bassdrum im Naturton, die allerdings auf der Innenseite nicht versiegelt sind. 

Wem schwarz zu profan ist, findet mit den Farben Natural Wood (hochglanz) und einem matten Surf Green weitere Auswahlmöglichkeiten. Die 7,2 Millimeter starken Kessel bestehen aus sechs Lagen Birkenholz, die Gratung verläuft nach einem leicht verrundeten Gegenschnitt zwischen der zweiten und dritten Lage und fällt dann im 45-Grad-Winkel ab. Auf den Innenseiten sind die Kessel entsprechend der Preisklasse nicht versiegelt, sondern nur fein geschliffen. 

Durch die robuste Hardware fällt das Set gar nicht so federleicht aus

Bei den Spannböckchen setzt Yamaha an allen Trommeln Center Lugs ein, wie man sie von Snaredrums her kennt. Die beiden Toms und die Snare haben jeweils sechs Spannschrauben pro Seite, die mit Stahlunterlegscheiben versehen sind, die verchromten und geflanschten Stahlspannreifen sind relativ zarte 1,5-Millimeter-Versionen.

Besonders die Bassdrum fällt trotz des schlanken Kessels gar nicht so federleicht aus, wie man es auf den ersten Blick erwarten würde. Sie hat acht Schrauben pro Seite, die mit gummiunterlegten, massiv gebauten Klauen am Holzspannreifen befestigt werden. Was mir schon beim Zusammenbau auffällt, ist das relativ ausgeprägte Lug Splay, also die Winkeldifferenz zwischen Spannreifen und der flexibel gestalteten Gewindeaufnahme am Spannböckchen. Die Böckchen könnten hier für meinen Geschmack ruhig eine etwas breitere Unterlage vertragen, damit die Stimmschrauben parallel zum Kessel verlaufen. Ansonsten ist die kleine Bassdrum mit durchweg amtlicher Hardware bestückt: Abklappbare Teleskopbeine, bei denen allerdings - wie bei den Floortom-Beinen auch - die Dornen stets ausgefahren sind, und die bekannte mittig angebrachte Yamaha Bassdrum-Rosette. Dazu gibt es  einen langen Tomhalter mit Kugelgelenk für das 10“ Tom. Die Halterung ragt in alter Tradition in den Kessel hinein, es gibt also keine Freischwinghalterung.

Die Besonderheit: gleich zwei Snareteppiche

Das 13“ x 8“ Floortom ist multifunktional einsetzbar, es steht wie ein typisches Standtom auf drei Beinen, ist aber auch als zweite Snare nutzbar. Dazu wurde die Unterseite identisch zur 13“ x 5“ Snare bestückt, das Snare/Tom hat also auch ein Snare-Resonanzfell aufgezogen, ebenso sind zwei plan über die Gratung gezogene Snarebeds installiert. Eine seitlich abklappbare Teppichabhebung mit gut einstellbarem Rändelrädchen sorgt für den gewünschten Raschelanteil im Gesamtklang. Dafür zuständig ist ein 20-Spiraler aus Stahl.

Die Felle des Sets tragen allesamt Yamaha-Logos, bis auf die beidseitig vorgedämpften Bassdrumfelle (clear und white coated) sind die übrigen Schlagfelle einlagig beschichtete Exemplare. Zur Herkunft der Felle gibt es keine genauere Angabe, sie sind aber definitiv in Fernost gefertigt und keine USA-Remos. 

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