Gitarre Hersteller_Yamaha
Test
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23.06.2021

Praxis

Direkt aus dem Karton punktet die Yamaha Pacifica 112V mit einer ziemlich flachen Saitenlage, die nicht übermäßig zum Klirren neigt und eine angenehm leichte Bespielbarkeit ermöglicht. Dazu trägt auch der matt lackierte und sich natürlich anfühlende Hals mit seinem recht flachen und umkomplizierten Profil bei, der Einsteigern entgegenkommen dürfte. Ein klein wenig rau fühlen sich die Bünde allerdings beim Massieren der Saiten an, wobei ich diesen Umstand auch schon bei deutlich teureren Gitarren in ausgeprägterem Maße erlebt habe. Störender empfinde ich eher die nicht ganz sauber abgerundeten Bundkanten. Das macht sich zwar beim Spielen nicht direkt bemerkbar, beeinträchtigt aber die Haptik des Instruments. Ab Werk kommt auch diese E-Gitarre mit dünnen Saiten in den Stärken 009-042, was das Ziehen natürlich spürbar erleichtert. Andererseits leidet mit solch dünnen Saiten bei Einsteigern, die häufig noch etwas viel Druck mit den Fingern auf die Saiten ausüben, schnell die Intonation. Das Tremolo ist, wie schon erwähnt, aufliegend eingestellt und erlaubt demzufolge nur eine Modulation der Tonhöhe nach unten. Allerdings kommt hier nur bedingt Freude auf, da es etwas schwergängig läuft. Bei moderatem Einsatz hält die Gitarre aber ansonsten die Stimmung. Trocken angespielt wirkt diese S-Style-Gitarre ansonsten schön knackig und spritzig in der Ansprache, genau so, wie man es von einem Instrument dieser Art erwartet. Daher ist es nun Zeit, den Amp warmlaufen zu lassen.

Für den Praxischeck steht ein Fender Silverface Bassman-Topteil bereit. Das Amp-Signal läuft dabei über eine Universal Audio OX Box, die die Lautsprechersimulation übernimmt, und wird anschließend aufgezeichnet. Für die Overdrive-Sounds liegen außerdem ein Wampler Tumnus sowie ein Maxon OD808 Pedal bereit. In Sachen High Gain sattele ich dann später auf das Line6 HX Stomp um, bei dem ich die Simulation eines Engl Amps aktiviert habe.

Wie gewohnt starten wir aber mit den unverzerrten Sounds und einer ersten Bestandsaufnahme der Pickup-Einstellungen. Ich beginne dabei mit den Single-Coil am Hals. Am Ende des Beispiels hört ihr dann die beiden Split-Coil-Einstellungen.

Das klingt erwartungsgemäß "stratig". In der Tat weisen die Alnico-Pickups dabei in den Höhen eine gewisse Härte auf und wirken clean gespielt tendenziell auch ein wenig kühl in der Auflösung. Der Humbucker am Steg hebt dann hörbar den Output an und bringt den Bassman schon etwas ins Schwitzen. Gleichzeitig machen die Mitten einen deutlichen Satz nach vorne, was sich mit mehr Gain positiv auswirken dürfte. Dazu gleich mehr. Insgesamt machen die Pickups einen sehr praktikablen und vielseitigen ersten Eindruck.

Es folgen ein paar Praxisbeispiele in unterschiedlichen Einstellungen, die diesen Eindruck untermauern können. Die Kombination aus mittlerem Single-Coil und Humbucker am Steg sorgt auch bei dieser Variante für einen etwas moderneren Strat-Sound mit mehr Mittenanteil. Auch wenn Split-Coil-Sounds immer ein Stück kompromissbehaftet sind, macht der Humbucker auch mit nur einer aktiven Spule neben den Single-Coils eine gute Figur.

Im Zusammenspiel mit den erwähnten Overdrive-Pedalen geht die etwas härtere Auflösung der Höhen bei den Single-Coils gut auf und sorgt für einen direkten und durchsetzungsfähigen Ansatz. Angezerrte Blues-Rock-Töne in Richtung SRV lassen sich mit dem Single-Coil am Hals und dem OD808 als Boost vor dem Bassman ebenfalls umsetzen und auch der Humbucker als Split-Coil macht hier eine gute Figur. Aber hört selbst.

Bevor wir uns in High-Gain-Gefilde vorwagen, gibt es noch eine Bestandsaufnahme zum dynamischen Verhalten der Tonabnehmer. Dabei hängt erneut der Wampler Tumnus mit schon etwas mehr Gain vor der Vorstufe des Bassman. An der Gitarre ist der Bridge-Humbucker aktiviert. Wie sich zeigt, hängt die Yamaha Pacifica 112V sehr gut am Volume-Poti und am Anschlag und erlaubt so eine feinfühlige Dosierung des Zerrgrads.

Auch im High-Gain-Betrieb löst der Humbucker das Signal gut auf, punktet mit einem durchsetzungsfähigen Sound und unterstreicht damit den vielseitigen Ansatz dieses Modells. Hier kommen zwei abschließende Beispiele.

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