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Test
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28.01.2018

Yamaha EAD10 Drum Module Test

Elektro-akustisches E-Drum-Modul

Die Fusion aus E und A

E-Drums funktionieren – normalerweise – folgendermaßen: Über Pads oder an den Fellen angebrachte Trigger wird ein Impuls an ein Steuerteil geleitet, welches diesen Impuls einem im Gerät gespeicherten Sound zuordnet und diesen anschließend per Kopfhörer- oder Ausgangsbuchse an die Außenwelt schickt. Ein noch relativ junger Trend ist es, das akustische Schlagzeug mit elektronischen Elementen zu ergänzen und mit diesem Hybrid die eigene Sound-Palette zu vergrößern. Yamaha EAD10 heißt unser heutiger Testkandidat, und wenn man den Entwicklern glauben möchte, bricht mit seiner Vorstellung eine neue Ära des „hybrid drummings“ an. Sein Steuergerät kann zwar auch Trigger-Signale verarbeiten, seine Kernkompetenz jedoch soll darin bestehen, das gesamte akustische Drumset per Stereomikrofon abzunehmen und mit Effekten zu einem hochwertigen Studiosound aufzubereiten. 

Per USB Flashdrive sollen die Ergebnisse auch noch PC-frei aufgenommen werden können. Für diese Aufgaben haben Drummer bisher ein Audio-Interface, mehrere Mikrofone, Kabel, Stative, einen Rechner samt Aufnahme-Software und eine große Menge Erfahrung benötigt. Ach ja, ein gut klingender Raum wäre auch noch von Vorteil. All das sollen jetzt zwei kleine Kästchen leisten können, die zudem auch noch unter 600 Euro kosten. Damit richtet sich Yamaha's Angebot nicht in erster Linie an E-Drummer, die leise spielen müssen. Die Hauptzielgruppe sind Akustik-Kit-Spieler, die sich den mühevollen Weg über teures Recording-Equipment sparen wollen und gleichzeitig auf viele Genre-spezifische Sounds zurückgreifen möchten. Das EAD10 soll aber noch viel mehr können. Was das ist, und ob das System halten kann, was Yamaha verspricht, lest ihr auf den folgenden Zeilen. 

Details

Das EAD10 besteht aus einem Steuerteil und der Sensoreinheit

Das „revolutionäre“ System kommt auf den ersten Blick recht unspektakulär daher. Die beiden Hauptprotagonisten des EAD10 bestehen aus dem Modul nebst passendem Netzteil sowie einem kleinen Metallgehäuse, welches Yamaha als „Sensor Unit“ beschreibt. Diese wird an der oberen Seite des Bassdrum-Spannreifens befestigt und beherbergt sowohl einen Bassdrum-Trigger als auch ein eingebautes Stereo-Kondensatormikrofon zur Abnahme des ganzen Sets. In einem kompakten Pappkarton finde ich zudem etliche Zubehörteile. Dazu zählen ein neigbarer Kunststoffdorn und zwei dazu passende Flügelschrauben zur Befestigung des EAD10 Steuerteils an einer Multiklammer. Zwei selbstklebende Gummistreifen sollen der Sensoreinheit auch auf dem Profil dünnerer Metallspannreifen guten Halt bescheren, und zwei Kabelbinder sind dafür gedacht, die – ebenfalls im Lieferumfang befindlichen – beiden Stereokabel im Zaum zu halten, welche die beiden EAD-Komponenten miteinander verbinden. Unter dem Stapel Bedienungsanleitungen findet sich auch ein deutsches Exemplar, welches verständlich und anschaulich geraten ist. Kommen wir nun zu den Details des Moduls. 

Layout und Bedienelemente

Mit 26 Zentimetern Breite und guten 14 Zentimetern Höhe fällt das Modul zwar nicht ultrakompakt aus, wirkt aber sehr aufgeräumt. Spitze Finger braucht keines der Bedienelemente, wodurch auch die Arbeit in schummrigen Lichtverhältnissen erleichtert wird. Sechs Drehregler sind auf der linken Seite des Gerätes angeordnet, vier davon sind als Endlos-Encoder ausgelegt. Nur die beiden Regler für Master Volume und das Mix-Verhältnis aus Audiosignal und Metronom sind als normale Versionen mit Anschlag ausgelegt. Ein großer Knopf mit der Aufschrift „Scene“ ist für das Auswählen der Drumsets zuständig, mit den Reglern Reverb, Effect und Trigger werden die Anteile für Hall, das eingebaute Effektgerät sowie das Signal des getriggerten Bassdrumsounds gemischt. Diese drei Knöpfe werden von LED-Kränzen umschlossen, welche schnellen Aufschluss über den eingestellten Wert liefern sollen. Ein kleines Display zeigt den Drumset (Scene)-Namen sowie Informationen zu den jeweiligen Funktionen des EAD10. Über fünf weitere Taster lassen sich alle Sound-relevanten Funktionen steuern. Drei von ihnen wechseln ihre Funktion je nach Display-Anzeige, zwei größere mit der Aufschrift Plus und Minus stehen zum Ändern von Werten und Sounds zur Verfügung. Noch weiter rechts auf dem Bedien-Panel findet sich der Menüknopf, über den sich globale Einstellungen beispielsweise zur Trigger-Empfindlichkeit, zu angeschlossenen Pads und Footswitches justieren lassen. Eine Art Gain-Taster führt den User in die Aussteuerungsanzeige für die Sensoreinheit, hier kann der Eingangspegel sowohl manuell als auch automatisch eingestellt werden. Dieser Taster ist hintergrundbeleuchtet, gelegentliches rotes Flackern bei kräftiger Spielweise zeigt einen korrekten Pegel an. Ebenfalls beleuchtet sind die beiden Taster darunter. Einer führt beim Betätigen in die Metronom-Einstellungen, der andere ist mit „Recorder“ beschriftet. Drückt man ihn, wechselt das Display in den Aufnahmemodus. Das Gerät kann bis zu eineinhalb Minuten aufnehmen, ein angeschlossenes USB Flashdrive ermöglicht entsprechend längere Sessions, welche am Stück bis zu 30 Minuten lang sein dürfen. Es bleibt der „Exit“-Schalter, welcher das Display immer in den Scene-Modus zurück bringt, sowie der On/Off-Schalter. Erwähnenswert ist noch die Auto-Off-Funktion, welche das EAD10 nach längerer Zeit der Nichtbenutzung automatisch abschaltet. Was mir an dem Modul nicht gefällt, ist die billig wirkende Verarbeitung. So sind alle Buchsen aus Kunststoff, die Drehregler fühlen sich wackelig und wenig wertig an. Der Grund dafür offenbart sich beim Abziehen der Poti-Kappen. Wo professionelles Studio-Equipment über metallene, mit dem Gehäuse verschraubte Poti-Achsen verfügt, gibt es beim EAD10 Plastikachsen, welche zudem direkt auf die Platinen gelötet wurden. Schläge oder Stöße werden somit direkt auf die Elektronik übertragen. Hier hätte ich mir für ein paar Euro mehr eine stabilere Bauweise gewünscht. Clavia zeigt beim Norddrum (https://www.bonedo.de/artikel/einzelansicht/clavia-nord-drum-3p-test.html), wie die aussehen könnte.  

Die Anschlüsse

Ein Blick auf die Anschlussmöglichkeiten gibt dem Technikfreund einen schnellen Überblick über die Fähigkeiten eines Gerätes. Konnektivität nennt das der Spezi, und davon bietet das EAD10 Steuerteil ausreichend. So umfassen die insgesamt sechs – als große Klinke ausgeführten – Eingangsbuchsen nicht nur die zwei Anschlüsse für die Sensoreinheit, sondern auch einen Fußschalter-Input sowie Buchsen für zwei weitere Pads. Das bedeutet, dass das EAD10 auch als kleines, lautloses Standard-E-Set spielbar ist. Weiter geht es mit zwei USB-Buchsen, wovon eine („To Host“) zu einem Computer führen kann, das EAD fungiert dann als Interface. Das ist logisch, denn schließlich wendet sich das System eben gerade an Drummer, die den „Rattenschwanz“ an Recording-Equipment nicht verwenden wollen oder können. Die andere Buchse ist zum Anschluss eines USB Flashdrives bestimmt, wodurch dann auch der Rechner zum Aufnehmen überflüssig wird. Wer ein Interface besitzt, kann zwei unsymmetrische Output-Klinkenbuchsen verwenden. Die linke ist dabei als Monobuchse ausgelegt. Natürlich bietet das EAD10 auch die Möglichkeit, externe Audioquellen wie Musicplayer oder Smartphones anzuschließen, dafür steht eine Stereo-Miniklinkenbuchse zur Verfügung. 

Sehr robust wirkt die „Sensor Unit“

Schalter und andere Bedienelemente besitzt die Sensoreinheit des EAD10 nicht, denn das kompakte Vollmetallgehäuse beherbergt nur die namensstiftenden Sensoren, welche aus einem Trigger für die Bassdrum sowie einem nach oben ausgerichteten Pärchen XY-Stereomikrofone bestehen. Yamaha beschreibt die Mikros als „High SPL mics“, also Mikros mit der Fähigkeit, sehr hohe Schalldrücke zu verarbeiten. Ich vermute stark, dass es sich um Kleinmembran-Kondensator-Mikros mit breiter Nierencharakteristik handelt. Um die Einheit betriebsbereit zu machen, schiebt man sie von der Drummer-Seite auf den Bassdrum-Spannreifen, ein etwa zwei Zentimeter breites „Maul“ sorgt für den Kontakt zwischen Reifen und eingebautem Trigger. Per Rändelschraube wird das Teil anschließend fixiert. Zwei mit „A“ und „B“ markierte Stereoklinkenbuchsen leiten die Signale zum Modul. Im Gegensatz zu diesem wirkt die Sensoreinheit extrem robust, alles ist aus Metall, die Buchsen sind mit dem Gehäuse verschraubt.  

Die Rec 'n' Share App soll als Audio- und Videorecorder fungieren

Kaum ein modernes neues Medienprodukt kommt heutzutage ohne App aus, und so bietet Yamaha eine kostenlose Anwendung namens Rec 'n' Share an, welche nicht nur in der Lage sein soll, auf dem Telefon gespeicherte Musik zu laden und mit einem eigens berechneten Click samt Vorzähler zu versehen. Per USB-Kabel mit dem Smartphone verbunden, fungiert sie zusätzlich als Aufnahmegerät und Videorecorder für die eigene EAD10-Performance. Anschließend kann das Video in der App bearbeitet und direkt in die sozialen Medien hochgeladen werden. Damit wären in der gesamten Kette vom Spiel bis zur Veröffentlichung tatsächlich keinerlei weitere Geräte wie Interface oder Rechner mehr nötig.  

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