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06.02.2015

Workshop Software für Live-Keyboarder #2: Apple MainStage

Die Performance-Software für Mac OS X in der Praxis

Nachdem wir uns in Folge 1 des Workshops Software für Live-Keyboarder mit der nötigen Hardware beschäftigt haben, geht es nun um die verschiedenen Software-Lösungen. Diesmal dreht sich alles um die Software Apple MainStage 3 für Mac OS X.

MainStage bekommt man für günstige 27€ im App Store. Nach dem Download von ca. 650 MB folgen einige weitere Gigabyte, um dem Programm einen Grundvorrat an Sounds und Effekten zur Verfügung zu stellen. Im Anschluss können bei Bedarf noch weitere 35 GB optionaler Content heruntergeladen werden. Darunter befinden sich dann ältere Instrumenten-Dateien, Drums, Hallräume, etc.

Rundgang

MainStage basiert auf Logic Pro X, wodurch dem Live-Host sämtliche Sounds und Effekte der DAW zur Verfügung stehen. Um euch einen Einblick in die Software zu geben, findet ihr hier einen kleinen Rundgang:

Das erste Pro für MainStage ist sicherlich die einzigartige Layout-Ansicht. Diese gewährt dem Spieler jederzeit Kontrolle und Übersicht über das Konzert, die Controller, Sounds, und Levels. Ein weiterer Punkt für MainStage ist die Klangvielfalt, die dem Nutzer nach der Installation bereit steht. Während andere Live-Hosts wie Cantabile und Brainspawn Forte ohne eigenes Soundmaterial auskommen müssen, bietet MainStage die komplette Palette von Logic-Instrumenten und -Effekten. Im EXS24-Sampler findet man sofort einige erstklassige Synth-Sounds. Ich empfehle auch den Download der älteren EXS-Instrumente. Es lohnt sich! Hier einige Beispiele:

Neben dem EXS24 und allen weiteren Logic-Instrumenten hat man ebenfalls Zugriff auf den seit Logic Pro X integrierten RetroSynth. Dahinter verbirgt sich ein Synthesizer mit drei Syntheseformen: Analog, FM und Wavetable:

Auch neu seit Pro X sind die MIDI-FX. Damit lassen sich zum Beispiel eingehende MIDI-Signale filtern und transformieren. Besonders erwähnenswert ist hier der „Chord Trigger“. Hier kann man bestimmen, welche Noten mit welcher Taste getriggert werden. So ist es also möglich, mit nur einer Taste einen komplexen Akkord zu spielen.

Wer schon einmal mit Logic gearbeitet hat, findet sich in MainStage schnell zurecht. Mit etwas Enthusiasmus und Zeit kann man mit den mitgelieferten Werkzeugen schon viel abdecken, ohne weitere kostenintensive Software Plug-ins einbinden zu müssen. Bei den Natursounds muss man allerdings ein paar Abstriche machen. Für Vorproduktion ist das Gebotene in Ordnung; für den anspruchsvollen Live-Performer jedoch nicht ausreichend. Hier empfiehlt es sich, MainStage entsprechend den persönlichen Bedürfnissen gezielt mit weiteren Librarys zu erweitern.

MainStage in der Praxis

Um den praktischen Umgang mit MainStage zu zeigen und trotz grundlegend unterschiedlicher Bedienkonzepte eine gewisse Vergleichbarkeit zu den anderen in dieser Workshop-Serie vorgestellten Programmen zu ermöglichen, werde ich euch im folgenden Video an Hand von Daft Punks „Get Lucky“ zeigen, wie man ein Setup für eine Live-Performance aufbaut:

Organisation von Songs

In einer Livesituation wird man jedoch nicht nur einen Song haben, sondern mehrere, zwischen denen man (im Optimalfall ohne Abbruch des Sounds) hin und her schalten möchte. Das nun folgende und letzte Video in diesem Teil befasst sich mit dem Thema „Organisation von Songs“. 

Stabilität

Ich komme nun zu einem weiteren wichtigen Punkt: Stabilität! MainStage läuft seit der Version 3.0.3 relativ (dazu unten mehr) stabil. Vorsicht ist dennoch geboten. Es gibt gewisse Einstellungen und Regeln, die man beachten sollte, um Schwierigkeiten vorzubeugen:

  • Automatische Speicherung: Regelmäßige Aussetzer sind im Bearbeiten-Modus Alltag. Dies hat mit der automatischen Speicherung zu tun. Stellt man diese aus, so bleiben die Aussetzer weg. Allerdings sollte man dann selbst zwischendurch Apfel+S drücken.
  • Controller-Häkchen: Ich erwähnte es bereits im zweiten Video. Diese Einstellung ist essentiell für ein übersichtliches Controller-Routing.
  • Klicke nirgends, wenn sich die Maus in einen Regenbogen-Ball verwandelt. Das kann zu einem Absturz von MainStage führen.
  • Verzichte auf Alias-Nutzung. Ein Alias ist in MainStage ein Verweis auf einen Channelstrip. Windows-User kennen das als „Verknüpfung auf dem Desktop erstellen“. MainStage bietet das als durchaus sinnvolle Ressourcen-schonende Maßnahme an. Meiner Erfahrung nach kann die Verwendung jedoch verwirrend sein, da einige der in diesem Channelstrip enthaltenen Parameter (Mute/Solo, FX-Plugins, Aux-Sends) alle Aliasse des entsprechenden Channelstrips im kompletten Konzert betreffen.
  • Verzichte auf Patch-Busse. Im Gegensatz zu den Auxiliary-Bussen, die global für das ganze Konzert gelten (praktisch z.B. für Reverb), finden Patch-Busse nur im ausgewählten Patch statt, um z.B. Sounds in Gruppen zusammenzuführen. Ich hatte bei der Verwendung dieser Busse häufiger Probleme.

Wie oben bereits erwähnt, läuft MainStage relativ stabil. „Relativ“ deshalb, weil es trotz aller Vorsicht zu mysteriösen Bugs kommen kann. Häufig sind hier jedoch auch die verwendeten Plug-ins und nicht unbedingt MainStage selbst schuld. Native Instrument KONTAKT z.B. ist dafür bekannt, sich nicht sonderlich gut mit Live-Hosts (auch Brainspawn Forte) zu vertragen. Die Korg Wavestation aus der Legacy Collection gehört leider auch dazu.

Hinzu kommt, dass MainStage im Gegensatz zu anderen Programmen nach dem Öffnen eines Konzerts alle dort verwendeten Samples in den Speicher lädt und somit das System belastet. Der Computer sollte also über einen ausreichend groß dimensionierten Arbeitsspeicher (RAM) verfügen.

Ab einer gewissen Konzertgröße scheint MainStage sich gelegentlich zu verzetteln. Ich möchte hier nicht verschweigen, dass es schon einige Momente während der Erstellung von Setups gab, in denen ich mich fragte: „Warum bitte passiert das jetzt?“. Insbesondere kann es zu Problemen kommen, wenn man mit überdurchschnittlich vielen Zuweisungen und vor allem Bussen arbeitet. So kann es z.B. passieren, dass man einen Sound auf einen Bus schickt, dort jedoch kein Audiosignal ankommt. Ein simpler Neustart des Programms bewirkt hier Wunder.

Support

Hat man ein Problem und sucht einen Ansprechpartner, so sucht man den vergebens. Einen offiziellen Support gibt es für MainStage nicht. Das ist in meinen Augen der größte Nachteil. Es gibt lediglich die Möglichkeit, im Apple-Diskussions-Forum nachzufragen in der Hoffnung, dass jemand antwortet. Hier hat Brainspawn Forte die Nase deutlich vorn! Auch ob es in Zukunft regelmäßige Updates geben wird, ist ungewiss. MainStage 3 wurde im Juli 2013 veröffentlicht, vier Updates sind seitdem erschienen (Stand 11/2014).

Fazit

Alles in allem betrachtet erhält man mit MainStage ein absolut rundes Gesamtpaket mit Funktionen, die Hardware-Workstations in den Schatten stellen. Ganz fehlerfrei ist MainStage dabei allerdings nicht (Um es vorweg zu nehmen: das sind die anderen aber auch nicht!). Wenn man jedoch die Schwächen und Tücken der Software kennt, kann man viele Fehlerquellen schon im Vorhinein ausschließen. Und eines sei noch gesagt: Einen Absturz oder Bug während eines Auftritts hatte ich bisher nicht.

  • VORTEILE
  • große Palette von Sounds inbegriffen
  • übersichtliche Layouterstellung
  • Verwaltung von Hardware MIDI-Controllern ohne Aufpreis
  • Verwaltung von externen Instrumenten
  • umfangreicher und kostenfreier MIDI Controller über iPad verfügbar (Logic Remote)
  • MIDI-Effekte
  • günstiger Preis
  • NACHTEILE
  • kein offizieller Support / Ansprechpartner
  • einige Funktionen nicht ausgereift (Patch-Busse)
  • Speicher wird durch vollständiges Laden der Samples belastet
  • „Verzettelung“ der Software
  • keine native Unterstützung gängiger Protokolle, wie z.B. Mackie Control

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