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30.07.2015

Windows 10 für Audioanwendungen

Performance und Stabilität bei Musikprogrammen

Wie gut eignet sich Microsofts neues Betriebssystem zur Musikproduktion?

Microsoft Windows 10 ist offiziell verfügbar, doch welche Probleme erwarten Musiker und Produzenten beim Upgrade? Schließlich sollten die Treiber für die Audiointerfaces, weitere Hardware, die DAW-Programme und ihre Effekt- und Instrumenten-Plug-Ins ohne Kompatibilitätsprobleme laufen, um entspannt weiter produzieren zu können…

Die wohl wichtigste Neuerung läuft dabei im Hintergrund ab: Statt wie bisher – wo es für mobile Systeme und „Großrechner“ getrennte Betriebssysteme von Windows gab – wird in Zukunft unter der Haube auf allen Maschinen der gleiche Kern werkeln. Die Unterscheidung findet nur durch die grafische Oberfläche und entsprechende Bedienvorgänge statt. Was es noch für Änderungen gibt und ob ihr sofort upgraden solltet – oder lieber doch nicht – das erfahrt ihr hier! Ein Microsoft Keynote Video findet ihr hier.

DETAILS

Viele Veränderungen unter der Haube 

Windows wird vereinheitlicht. Auf dem Windows-Handy und eurem Musikrechner wird in Zukunft also ein und das selbe Betriebssystem laufen und nur optisch variieren. Ferner wurden Verbesserungen bei den WASAPI- und WDM-Treiberarchitekturen angekündigt, allerdings haben diese in professionellen Audioanwendungen kaum eine Daseinsberechtigung. Auch der Audiocore wurde wohl verbessert. Ob dies allerdings wirkliche Performance-Zuwächse bringen wird, können wir auch noch nicht absehen. Unsere Kollegen von Gearnews haben zumindest die WASAPI-Problematik schon mal angeschaut und konnten keine spürbaren Verbesserungen feststellen. 

Windows 10 integriert auch DirectX 12, was besonders der Audioverarbeitung von Computerspielen entgegenkommt. Für professionelle Anwendungen spielt DirectX aber weiterhin auch nur eine untergeordnete Rolle. Das gleiche gilt übrigens auch für den Media Player, welcher nun von Haus aus High Efficiency Video Coding (HEVC) unterstützt.

Neue Update-Politik

Deutlich interessanter und relevanter ist hingegen folgende Fakt: Laut Microsoft soll ein Upgrade auf Windows 10 während der gesamten Lebenszeit eines Gerätes kostenlos auf aktuellem Stand gehalten werden. Allerdings werden bei der „Home“-Variante zumindest alle Updates automatisch heruntergeladen und installiert – also ohne, dass ihr als Nutzer dies irgendwie verhindern könntet. Selbst bei anderen Varianten von Windows 10 sollen die Aktualisierungen nur verzögert, nicht aber verhindert werden können. 

Der kluge Nutzer sollte allerdings immer mit dem Updaten warten, da es zu unvorhersehbaren Kompatibilitätsproblemen kommen kann – und im Audiosektor leider nicht alle Firmen wirklich schnell Updates nachliefern. Wenn eure Rechner also heute noch funktionieren, morgen muss das nicht unbedingt der Fall sein. Meiner Meinung nach ein nicht wirklich geniales Feature. Allerdings sind das nur Spekulationen, vielleicht wird auch alles einwandfrei funktionieren. Wunder geschehen ja immer wieder!

App geht es!

Vereinheitlichungen wird es auch im Windows-Store geben, in dem Apps für das OS von Microsoft gekauft und heruntergeladen werden können. Ob Microsoft dabei eine ähnliche Relevanz für Musik-Apps einnehmen wird, wie es die iOS-Plattform von Apple bereits jetzt tut, mag ich allerdings auch mehr als stark bezweifeln. 

Neu, was es woanders schon lange gibt

Apple-Nutzer werden jetzt lachen, aber Windows 10 präsentiert virtuelle Desktops, sodass man für verschiedene Bereiche verschiedene Arbeitsflächen verwenden kann. Hin und wieder nutze ich das zwar unter OS X, ob ich deswegen wechseln würde ?!

Wird jetzt alles besser ?

Getreu der Regel, dass nur jedes zweite Windows Version etwas taugt, müsste Windows 10 ein echter Erfolg werden. Windows 2000 (schlecht), Windows XP (gut), Windows Vista (schlecht), Windows 7(gut), Windows 8 (schlecht) und nun Windows 10. Und nein, Windows 9 hab ich nicht einfach nur ausgelassen, denn das gab es nie.

Viele Hersteller bietet übrigens nach wie vor Computersysteme mit Windows 7 an, denn das hat sich bewährt und funktioniert mittlerweile auch ziemlich gut – ohne dass man von optischen Firlefanz zugemüllt wird. Aber Optik ist ja nicht alles, viel wichtiger ist, ob auch  nach dem Upgrade all eure (Audio-) Hard- und Software funktioniert. Das sagen zumindestens ausgewählte Hersteller zur Thematik:

RME (Synthax Vertrieb)

„ RME hat alle seine Treiber und die entsprechende Hardware ausführlich auf Windows 10 Systemen getestet, um den problemlosen Betrieb auch nach dem Upgrade auf das neue Betriebssystem garantieren zu können. […] Um sicher zu gehen, dass der Umstieg auf Windows 10 am 29. Juli reibungslos von Statten geht, sollten alle Anwender prüfen, ob sie die jeweils neuesten Treiber für ihre RME-Produkte installiert haben. Für Firewire-Produkte ist Version 3.115 aktuell, für USB (Fireface UFX / UCX / UC / 802 / Babyface / Babyface Pro 1.080 | MADIface XT / MADIface USB) die Version 0.9435. Der aktuelle HDSP-Treiber für Windows (HDSPe MADI FX / MADIface XT 2.04) ist Version 4.09. Die Treiber lassen sich komfortabel und kostenlos direkt bei RME herunterladen.“

Steinberg

"Wir starten bald mit einer Serie von Kompatibilitätstests für alle Steinberg Software und Hardware Produkte mit einer fast finalen Version von Windows 10, so dass wie Sie rechtzeitig vor dem Veröffentlichungsdatum mit Informationen zur Kompatibilität Ihres Steinberg Produkts versorgen können. Wir empfehlen Ihnen deshalb, mit dem Update auf Windows 10 zu warten, bis die finalen Testergebnisse feststehen, da es möglich ist, dass einige Steinberg Produkte für die volle Kompatibilität mit Windows 10 ein Update benötigen."

Propellerhead

„Wir konnten Reason und ReCycle bisher nur eingeschränkt mit einer Vorab-Version von Windows 10 testen. Obwohl unsere Tests ohne Probleme verliefen, können wir bis zum offizielle Release allerdings keine verbindliche Aussage treffen. Sobald dies der Fall ist, werden wir aber auch ein offizielles Statement abgeben. Wir sind aber bereits jetzt gespannt, was Microsofts Fokus auf kreative Apps mit Windows 10 mit sich bringen wird. Bei der Microsoft’s Build Conference waren wir sogar mit auf der Bühne und haben den Prototypen unserer mobile Musik-App Figure vorgestellt, welche bereits viele Vorteile der neuen Plattform nutzt.“

Bitwig

„Unser Entwickler Claes ist mit seinem Rechner schon vor 3 Monaten auf Win10 Beta umgestiegen und hat bisher auch keine Probleme damit. Wir arbeiten außerdem mit Microsoft am Thema Bitwig auf dem Surface Pro. Ein Vorab-Video dazu findet ihr hier.“

Alles gut – oder etwa doch nicht ?!

Hard und Software Hersteller sind also bezüglich der Kompatibilität ihrer Produkte mit Windows 10 mehr als zuversichtlich. Das heißt aber nicht, dass es nicht doch Probleme geben wird. Denn nur, weil zwei Hersteller ihre Software für sich aktualisieren, heißt das noch lange nicht, dass diese Software – obwohl sie für sich genommen allein wunderbar funktioniert – im Zusammenspiel mit anderen Produkten auch funktionieren wird. 

Die wenigsten Hersteller testen mit einer Vielzahl unterschiedlicher Konstellationen, wie sie bei Produktionsrechnern nun einmal vorkommen. Hier greifen eine Menge Zahnräder ineinander und wenn auch nur eins davon klemmt, kann es ganz schnell zu massiven Problemen kommen – und eure komplette Produktion lahmlegen. Deshalb gilt:

Never change a running system

Auch wenn das neue Windows sicherlich einige neue Features und Verbesserungen mit sich bringt, sofort wechseln würde ich auf gar keinen Fall! Und das hat mehrere Gründe:

  1. Windows 10 wird für Benutzer von Windows 7 und 8 noch knapp ein Jahr kostenlos bleiben. Es gibt also zunächst mal keinen Zeitstress und man kann abwarten, bis wirklich alle Probleme bekannt sind und im Feldversuch auch abgestellt wurden.
  2. Windows 7 funktioniert mittlerweile ziemlich gut und es wird noch Jahre dauern, bis der Support dafür eingestellt wird. Warum also ändern, was funktioniert und an was man gewohnt ist?
  3. Wechseln ist generell eine schlechte Idee: Mag es auch auf den ersten Blick ökonomisch und ökologisch durchaus sinnvoll erscheinen, einen Rechner nur um die Teile zu erneuern, die man wirklich neu braucht, würde ich bei einem Produktionsrechner vom Aufrüsten generell abraten. Sicherlich, eine weitere Festplatte einbauen und neuen RAM einstecken ist kein Problem, aber spätestens wenn ihr ein neues Motherboard einbauen wollt, muss auch Windows neu drauf. Und ob ihr dann noch eure alten Sessions problemlos öffnen könnt, wird zum Glücksspiel! Ich kenne viele Kollegen, die kaufen deshalb nur komplett neue Rechner und motten ihre alten Rechner mit den alten Projekten einfach ein. Sollte man dann ein altes Projekt wieder öffnen müssen, kann man dies auf dem Rechner machen, auf dem es auch erstellt wurde. Klingt umständlich, wenn eure Sessions aber euer täglich Brot erwirtschaften, sind die paar Euros für den alten Rechner Peanuts!

Solltet ihr euch allerdings einen neuen Rechner kaufen, gibt es kaum einen Grund, nicht das neuste Betriebssystem mitzunehmen. Auf- oder Umrüsten würde ich jedoch wie gesagt (noch) nicht.

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