Test
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09.06.2016

Praxis

Ich muss zugeben, dass ich bezüglich der USB-Fernsteuerung ein paar Berührungsängste hatte. Software installieren für den Test eines 500-Hardware-Moduls? Ein USB-Kabel vor dem Rack verlegen? Dies war mir unheimlich. Um so größer die Überraschung, dass Plug-in und Kassette auf Anhieb ordnungsgemäß miteinander kommunizierten. Wenig später dann ungläubiges Staunen, als sich die LED-Kränze des Moduls Plug-in-gesteuert in Bewegung setzen. Wenn das so gut klappt, möchte ich es für alle analogen Prozessoren haben!

Man mag diskutieren, ob eine Parameter-Automation bei einem 1176-Kompressor wirklich notwendig ist, aber die Vorteile überzeugen. Total recall? Auf Knopfdruck! Schnell ein paar unterschiedliche Settings vergleichen? Nur einen Mausklick entfernt! Das ist toll für den Workflow, zumal man hier das beste beider Welten serviert bekommt und auch an der Hardware mit beiden Händen eingreifen kann.

Klingt gut?

Doch jetzt zum Knackpunkt: Wie klingt es? Einfache Antwort: ziemlich gut. Aufgrund der Erfahrungen des Herstellers mit dieser Schaltung und den verbauten Komponenten ist das keine große Überraschung. Durch alle Klangbeispiele zieht sich der straffe, klar konturierte Sound, den man von so einem Prozessor erwartet. Gerade auf Drums kann der Mimas seine muskulös-wuchtigen Eigenschaften ausfahren, die vor allem durch die rasend schnellen Zeitkonstanten beim Attack-Parameter definiert werden. Nicht umsonst taufte Bill Putnam sein Biest damals Limiting Amplifier!

Bewegt man sich bei Attack und Release im Bereich der kürzesten Werte, die sich wie beim Original nahe des Rechtsanschlages befinden, gelingen die typischen, wuchtigen Drums, bei denen die Raummikros zu explodieren scheinen. Lässt man den Attack langsam kommen, formen sich knackig-knallige Transienten, deren Durchschlagskraft man feinfühlig kontrollieren kann.

Audiobeispiele Drums:

Dieser Klangeindruck setzt sich bei Bässen fort, die ein rockiges Timbre erhalten; und das vor allem dank der Intermodulationsverzerrungen bei kurzem Attack und der Drive-Funktion, die für zusätzlichen Schmutz sorgen. Mit dem Sidechain-Filter kann man zudem sicherstellen, dass dies nicht vollkommen zu Lasten des Drucks im Tiefbassbereich geht.

Audiobeispiele Bass:

Überragend für Stimmen

Vocals schließlich erweisen sich einmal mehr als Paradedisziplin eines solchen Dynamikwerkzeugs. Nur wenige Kompressoren eignen sich so sehr als Vocal-Lautmacher wie ein 1176 und der Wes Audio meistert diese Aufgabe mit Bravour. Analog zu Drums und Bässen kann man mit dem Attack-Knopf wunderbar die Durchschlagskraft von Konsonanten formen. Ein korrekt eingestellter 1176 zählt zu den ganz wenigen Dynamics, bei denen man komprimierte Vocals nicht mit einem De-Esser glätten muss. Das Teil ist so schnell, dass es diesen Job gleich miterledigt!

Das Ganze funktioniert beim Mimas so effektiv und das Gerät hat so viele Reserven, dass man sich bisweilen bewusst zügeln muss. Die Linie zur Überkompression ist je nach Anwendungsfall fein Auch dieser Punkt spricht für den Kompressor - nicht dagegen.

Das einzige Wermutströpfchen ist der "All-Button"-Modus des Mimas. Normalerweise sorgt diese "absichtliche Fehlbedienung" beim 1176 für eine heftige, organisch schnaufende Effektkompression mit ganz charakteristischem Klang. Doch während man im übertragenden Sinne mit dem sämig-dicken Singsang einer Les Paul rechnet, spuckt der Mimas eher das perkussive Klingeln einer Stratocaster aus. Das klingt nicht schlecht und hat als Sound seine Berechtigung, aber an den Original-1176-All-Button-Modus erinnert es eher entfernt. Das sollte man wissen.

Audiobeispiele Vocals:

Hier könnt ihr den Mimas in einem kurzen Video in Aktion erleben:

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