Feature
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06.11.2019

Wer darf mit in den Regieraum?

Recording- und Mixing-Sessions

Viele Personen im Studio oder nur sehr wenige? Pro und Contra

Eine ganze Band beim Aufnehmen und Mischen um Mischpult und Tontechniker gruppiert – das ist der Albtraum, aus dem manche Engineers nachts schweißgebadet aufschrecken. Andere sehen es ganz anders und sind froh um direkte Meinungen und den „kurzen Dienstweg“. Wie das so ist, es gibt Pro und Contra und viele unterschiedliche Meinungen.

Der direkte Draht

Als Engineer muss man Entscheidungen treffen. Und diese trifft man natürlich nach bestem Wissen und Gewissen. Aber allzu häufig ist es doch so, dass etwas „lost in translation“ ist, weil sich der Künstler etwas anders gedacht oder vorgestellt hat, als der Tontechniker glaubt. Und dann ist es gut, wenn man sich direkt austauschen kann. Die kurze Nachfrage beim Mix, ob das Sample da wirklich die Aufmerksamkeit von den Vocals abziehen darf, die kurze Rückversicherung, dass das leicht stolpernde Clicks-/Cuts-Roll da tatsächlich genau die gewünschte Ästhetik trifft – ein gemeinsames, schnelles Entscheiden ist dann besser, als zwei Wochen später noch mal zu telefonieren und die Session wieder aufrufen, vielleicht sogar Patchkabel wieder stecken zu müssen. Das vermeidet auch Konflikte.

Vier Ohren hören mehr als zwei

Den ganzen Tag lang auf Details hören, dabei das große Ganze nicht außer acht lassen, da sind viele froh, wenn jemand mit aufpasst. Spielt die vierte Gitarre da hinten rechts nicht einen falschen Akkord? Was ist das für ein Störgeräusch? Und wo, etwa auf dem Drum-Raummikrofon? Ist die Cowbell nicht vielleicht doch etwas laut jetzt?

Zwölf Ohren hören auch mehr als zwei… leider

Wenn eine fünfköpfige Band das Mischpult belagert und auf den armen Knöpfchendreher einredet, jeder dabei bandinterne Egotrips fährt („Das Solo muss deutlich lauter!“) und alles besser weiß („Ein 1176 für den Bass? Da nimmt man doch einen LA-2A!“), dann läuft ganz offensichtlich einiges schief. Das wäre ein klares Argument dafür, Nervensägen draußen zu halten, um in Ruhe arbeiten zu können.  

„Bestimmer“

Folglich kann es eine gute Idee sein, aus der Band eine einzige Person zu bestimmen, die alleinige Ansprechperson ist und eine Produzentenrolle einnimmt. Ob dann die anderen dabei sind oder nicht, ist dann weniger wichtig. In jedem Fall sollten (rechtzeitig!) Hierarchien klar sein und wer das letzte Wort hat. Bei einer selbst zahlenden Band wird das jemand der Band sein, ansonsten natürlich der Produzent.

Loner-Engineer

Viele Engineers können sich aber auf sich selbst gut verlassen. Sie haben ihre Routinen, fühlen sich durch Kommunikation von der Arbeit abgehalten und arbeiten am Liebsten alleine. Nicht nur am Liebsten, sondern auch am Besten. Wichtig ist, dass man miteinander solche Dinge vorher klarmacht, nicht einfach irgendwann der Engineer die Leute rauswirft oder sich der Musiker in eine Mixingsession als unwillkommener Gast hineinzwängt.

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