Test
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17.06.2020

Warm Audio WA-Classic Test

Umschaltbares Großmembran-Studiomikrofon

Klassisches Konzept

Das Warm Audio WA-Classic hier im Test ist ein Großmembran-Kondensatormikrofon mit den einstellbaren Richtcharakteristiken Kugel, Niere und Acht. Dass Warm Audio damit nicht das Rad neu erfinden wollen, liegt wohl auf der Hand. Im Gegenteil: Der Namenszusatz „Classic“ und einige der Eigenschaften lassen darauf schließen, dass der Hersteller für sein Mikrofon ein bekanntes Vorbild gehabt haben muss, ein Studiomikrofon-Klassiker, den man getrost als Studiostandard bezeichnen kann.

Details & Praxis

Die wesentlichen Dinge sind schnell genannt: Im Warm Audio WA-Classic wandelt eine Doppelmembrankapsel den Schall in Spannungsänderung. Schaut man sich diese Konstruktion genauer an (Dual Backplate, Bohrungen, Mittenkontaktierung, Dimensionen, Materialien), erscheint deutlich, dass wohl die K87 Pate stand. Und auch der Aufbau der Schaltung und der Übertrager von CineMag legen nah, dass die Zahl 87 eine Rolle zu spielen scheint, auch wenn sie nicht explizit genannt wird. Mehr noch: Schaltung und Bestückung sind sehr nah am WA87, welches wir vor einigen Jahren zum Review hatten.

Neben den drei Polar Patterns Omni, Cardioid und Figure-of-Eight sind ein 80Hz-Hochpassfilter und ein 10dB-Pad zuschaltbar. Ohne letzteres sind 0,5% THD+N bei 125 dB SPL erreicht. Die grafischen Frequenzgänge von Acht und Niere ähneln sich auf dem Papier stark, hier fällt besonders die kleine Boost-Nase um 4 kHz auf. Die Kugel hingegen besitzt einen deutlichen Dip bei 5 kHz und einen Boost um die 10 kHz.

Warm Audio liefern zum Mikrofon noch sowohl eine Metallspinne als auch einen einfachen, platzsparenden Mikrofonhalter. Das WA-Classic selbst darf in einer fein ausgekleideten Holzbox schlafen, wenn es nicht benutzt wird.

Beim WA-Classic gibt sich das Unternehmen keine Blöße, was die Herstellungsqualität angeht. Und klanglich? Ich konnte den Klangcharakter sofort klar einem anderen Mikrofon zuordnen, welches schon zum ausführlichen Test bei uns war, dem WA87. In Anbetracht der weitreichenden konstruktiven Ähnlichkeiten verwundert das auch nicht. Das Signal ist insgesamt präsent, griffig, charaktervoll und feinkörnig, der Bass stramm und gut zu dosieren, die Pattern stabil. Gleichzeitig ist die Detailliertheit hoch. Ich habe mich bei der Erstellung der Audiofiles auf meine Stimme beschränkt und will für den Gesang auf den referenzierten WA87-Test verweisen. Auch beim WA-Classic gilt: Wenn die Aussprache allzu bissig und hart ist, ist vielleicht ein anderes Mikrofon die geeignetere Wahl. Sonst müssen eben EQ oder De-Esser ran. Auch durch heftiges Bearbeiten in der Frequenz- oder Dynamikdomäne „zerfällt“ das Signal nicht.

Fazit

Mit dem Warm Audio WA-Classic ist ein Mikrofon erhältlich, das den Begriff „Classic“ durchaus zurecht trägt. Für einen mehr als fairen Betrag lässt sich ein hochwertiges und flexibles Arbeitsgerät kaufen, das konzeptionell wie so viele in der Tradition eines hoch angesehenen Transistormikrofons aus Deutschland steht. Trotz durchaus ausgeprägtem Charakter ist es für sehr viele Signalequellen einsetzbar. Wie fast immer bei Warm Audio, muss auch hier das Preis-Leistungsverhältnis gelobt werden.

  • Pro
  • charaktervoller, griffiger Klang
  • detailliert
  • straffer, gut zu steuernder Bass
  • Richtcharakteristiken recht konstant
  • Contra
  • keins
  • Features & Spezifikationen
  • Membrangröße: groß
  • Empfängerprinzip: Druckgradientenempfänger
  • Wandlerprinzip: Kondensator
  • Richtcharakteristik: Niere, Kugel, Acht
  • Frequenzgang: 20 Hz - 20 kHz (+/- 3 dB)
  • maximaler Schalldruckpegel: 125 dB
  • Schaltfunktionen: Pad, HPF, Kugel, Niere, Acht
  • Ausgang: XLR
  • Lieferumfang: Mikrofon, Spinne, Halter, Tasche
  • Preis: € 649,– (Straßenpreis am 17.6.2020)

Auspackbilder findest du hier ->

Warm Audio WA-Classic

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