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Test
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19.02.2018

Warm Audio WA-47 Test

Großmembran-Röhrenmikrofon

Beinahe fast original ähnlich

Warm Audio sind keine Innovatoren. Ganz im Gegenteil: Die Firma hat sich in kurzer Zeit vor allem dadurch einen Namen gemacht, klassische Studiogeräte nachzuahmen. Diese Nähe bezieht sich auf Technik, Look und Klang. Das machen viele, doch punktet Warm Audio nicht zuletzt durch seine recht geringen Preise. Mit Pultec-EQ, LA-2A-Style-Kompressor, Limiter nach 1176-Art und API-ähnlichem Preamp waren es erst Schmuckstücke für das Rack, dann mit WA-87 und WA-14 auch Mikrofone. Nun also ein WA-47. Wer sich ein wenig mit Studiomikrofonen beschäftigt, dem wird kaum verborgen geblieben sein, dass das umschaltbare Röhrenmikro Neumann U 47 (vor allem in den USA später unter dem Handelsnamen Telefunken U 47 bekannt) eines der wichtigsten und bekanntesten Mikros überhaupt ist. Ein gut funktionierendes U 47 wechselt heute kaum für weniger als 15000 Euro den Besitzer. Nachbauten des 47 gibt es viele, von den heutigen Telefunken Elektroakustik bis zu Peluso, ja sogar solche, die zwar gut sind, aber schlichtweg die Zahl werbewirksam im Produktkürzel unterbringen.

Übrigens: Es gibt auch ein preiswerteres "Junior"-47 von Warm Audio! Das röhren- und übertragerlose Warm Audio WA-47jr findet ihr hier im Test.

Details

Ein 47 wie ein 47 – zumindest optisch

Wirklich vorstellen muss man das U 47 insofern nicht, als dass es im Grunde die Grundlage für Großmembrankondensator-Studiomikrofone der heutigen Zeit gewesen ist. Das beginnt schon bei der Optik: Tubus und Gitterkorb mit ausgeprägtem „Schopf“ über dem oberen Abschlussring sprechen eindeutig die Designsprache des bekanntesten Röhrenmikrofons. Etwas fehlt auf der Front des Warm Audio WA-47, nämlich die Patternumschaltung. Wo beim Neumann U47 mit einem Schiebeschalter die rückseitige Membran dem Signal gleichphasig mit identischem Pegel hinzugemischt werden kann, um statt einer Niere eine Kugel zu erhalten, ist beim Warm – nichts. Hier greift man auf eine gänzlich andere Lösung zurück, nämlich die Einstellbarkeit am Netzteil. Und hier ist dann wirklich alles anders, denn wo das U 47 zwei Richtcharakteristiken bot, sind es bei Warms Interpretation ganze neun. Darunter findet sich auch die Acht, die dem Neumann U 48 vorbehalten war. Mit je drei Zwischenschritten zwischen Niere und Kugel sowie Niere und Acht ergibt das dann neun Positionen – moderner Standard.  

V14? Natürlich nicht.

Vielleicht ist es sinnvoller, auf die Unterschiede hinzuweisen: Da währe zunächst die Röhre. Als nicht nur namens- sondern auch soundprägendes Element eines Röhrenmikrofons fällt ihr eine nicht unwichtige Rolle zu. Bedenkt man, dass schon vor einem halben Jahrhundert die Herstellung von U 47 und U 48 eingestellt wurde, weil die Stahlröhre V14 nicht mehr hergestellt wurde, wird klar, dass ein Budget-Nachbau wohl kaum dieses Originalbauteil verwenden wird. So ist es im Warm Audio WA-47 eine verbreitetere 5751, die ihren Dienst verrichtet. Schlimm? Eher nicht.  

AMI-Übertrager

Ähnlich verhält es sich mit dem Übertrager. Diese Bauteile haben einen nicht unerheblichen Einfluss auf den Klang eines Mikrofons, wenn sie verbaut werden. Warm Audio scheint das bewusst zu sein und setzt auch beim Outboard auf ordentliches Material. Im WA-47 kommt eine „Auftragsarbeit“ von AMI zum Einsatz, die zumindest äußerlich der BV8 sehr ähnlich ist (die damals übrigens für den gemeinsamen Vorgänger von WDR und NDR, den NWDR gefertigt wurde). AMIs findet man recht häufig in Geräten höherer Klassen.  

1“-Doppelmembrankapsel

Die Kapsel ist in wesentlichen Punkten dem Original sehr ähnlich – aber die 1“-Doppelmembran-Konstruktion mit gemeinsamer Backplate und Mittenkontaktierung ist die wohl häufigste Bauform dieser Art. Das Lochmuster der Backplate, welches die Schwingungseigenschaften eines solchen Systems regelt, ähnelt dem der zunächst im U 47 eingesetzten M7-Kapsel von Neumann, das Trägermaterial ist sicher ein anderes. Meines Wissens ist es nur Microtech Gefell, welches wirklich Polyvinylchlorid verwendet. Die Kapsel im Warm Audio WA-47 ähnelt also der etwas später verwendeten K47 und scheint das heute nahezu überall verwendete Mylar zu benutzen. Das Handbuch informiert, die WA-47-B-80v sei nicht aus chinesischer, sondern australischer Fertigung und „klangtreu“. Was das wohl genau ist? Wie dem auch sei: Wenn eine Kapsel, nicht „klangtreu“, sondern eher „klanguntreu“ wäre, dann wäre das ja sicher etwas blöd.  

Feine Sachen im WA-47

Ein Blick auf die passiven Bauteile des Mikrofons zeigt, dass dort nicht gespart wurde. WIMA-Kondensatoren wurden dort beispielsweise verbaut, das ist eigentlich ein charakteristisches Merkmal teurerer tontechnischer Geräte. Auf der Höhe der Zeit sind die technischen Daten des WA-47. 11 dB(A) Eigenrauschen sind für ein umschaltbares Röhrenmikrofon ein guter Wert, eine Zerrgrenze (0,5% THD+N) bei 140 Dezibel Sound Pressure Level ebenfalls. Neben den zum Betrieb notwendigen Dingen (Mikro, Kabel, Netzteil) liegt dem Warm Audio WA-47 noch eine Metallspinne bei.

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