Test
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05.03.2020

Praxis

Hands On

Beim Verkabeln fällt auf, wie nah die Schaltungstopologie des Warm Audio Bus-Comp am Original ist. Denn auch bei ihm finden sich nicht etwa linker und rechter Eingang und linker und rechter Ausgang paarweise nebeneinander, wie es bei vielen anderen 19"-Geräten üblich ist. Vielmehr übernimmt das Gerät den Aufbau des SSL-Kompressors und bietet nebeneinander jeweils den Ein- und Ausgang des linken und getrennt davon den Ein- und Ausgang des rechten Kanals.

Der Workflow des Bus-Comp ist im Wesentlichen derselbe wie beim Gegenstück von SSL. Daher lenke ich meinen Blick auf Details. Alle Regler mit konkret vorgegebenen Werten rasten satt ein, die Buttons sind bei Aktivierung beleuchtet. Dadurch, dass sie nicht zweistufig leuchten (also auch bei Deaktivierung noch leicht beleuchtet sind) und auch nicht direkt auf der Schaltfläche beschriftet sind wie beim Vorbild, ist die Bedienung in dunklen Umgebungen zwar unproblematisch, aber eben nicht ganz so komfortabel wie beim SSL Bus-Kompressor. Ähnliche feine Unterschiede zeigen sich beim Gain-Reduction-Meter. Es ist beleuchtet und das Metering der Pegelreduktion problemlos durchführbar/ablesbar. Doch ist nicht nur seine Skalierungsbreite geringer, sondern auch seine Beleuchtung weniger sanft als beim Original und blendet sogar ab und an, wenn man die Nadel aus nächster Nähe ablesen möchte. Außerdem ist die Integration Time des dB-Meters kürzer als beim Original. Im Vergleich erschwert die daraus resultierende schnellere Nadelbewegung das Arbeiten mit dem Clone ein wenig. Denn beim Warm Audio-Kompressor "vergibt" die Anzeige Pegel-Ausreißer nicht so schnell wie beim SSL-Gerät. Nichtsdestotrotz lässt sich auch mit dem Gain-Reduction-Meter des Bus-Comp einwandfrei arbeiten.

Direkter Soundvergleich mit dem SSL XLogic Bus Compressor

Den Sound-Test bestreitet der Bus-Comp zunächst mit einer kurzen Schlagzeug-Passage. Auf diese wende ich eine sanfte und eine stärkere Kompression an. Zunächst hören wir den Kompressor mit 0,1 ms Attack, automatischem Release und 2:1-Ratio arbeiten. In Audiobeispiel 3 geht es dann mit identischen Attack- und Release-Dauern, aber mit einer Kompression von 10:1 zur Sache. Zum Vergleich könnt ihr jeweils in eine Vergleichsaufnahme hinein hören, die ich mit meinem SSL Bus-Kompressor gemacht habe. Dabei kommen die D/A- und A/D-Wandler eines RME Fireface 800 zum Einsatz. Das Gesamtbild des Warm Audio-Klangs wirkt schon ohne hinzugeschaltete Kompression warm und rund. Es ist Transienten-stark und zähmt die oberen Frequenzen bei höhenreichem Audiomaterial.

Schalte ich die sanfte Kompression hinzu, ist das Sustain der Kickdrum deutlicher wahrnehmbar, der Klang wirkt aber dadurch keineswegs verwaschen. Für mich ist das Signal des SSL-Kompressors hierbei allerdings leicht druckvoller. Doch der Warm Audio Bus-Comp steht dem nur geringfügig nach. Der Hi-Hat-Sound dient mir als Indikator für den Einfluss des Geräts auf die Höhen. Hier kann ich zwischen Clone und Vorbild keinen Unterschied feststellen. Bei 10:1-Komprimierung wird der Unterschied zwischen beiden Geräten deutlicher: Während der Warm Audio-Kompressor starke Betonung auf die Transienten der Kickdrum legt, ist das Signal beim SSL-Kompressor feiner gezeichnet, lässt dabei mehr Textur in den Ausklingfahnen der Drum-Sounds erkennen und macht den Raumsound der Schlagzeugaufnahme prominenter und brillanter. Um diese Unterschiede wahrzunehmen, muss man aber schon sehr genau hinhören. Vom klanglichen Grundcharakter her tritt der Warm Audio Bus-Comp jedenfalls wunderbar in die Fußstapfen seines großen Idols.

Weiter geht es mit der Komprimierung einer E-Bass-Aufnahme. Beide Bus-Kompressoren arbeiten dabei mit einer nicht allzu kurzen Attackzeit von 0,3 ms, einer Release-Dauer von 1,2 ms und einem Kompressionsverhältnis von 4:1. Für den Warm Audio Bus-Comp habe ich dabei zusätzlich ein Audiobeispiel mit aktivierten Cinemag-Transformern aufgenommen. Es ist klar zu hören, dass die Transformer das Signal nochmal deutlich runder machen und dem Klang insbesondere in den Mitten ein wenig die Schärfe nehmen. Auch die Dynamik ist mit zugeschalteten Übertragern ein wenig gestauchter und wirkt dadurch homogener. Wenngleich der Klang des SSL Bus-Kompressors auch hier das brillantere Signal mit ein wenig mehr Feinheiten im Bereich oberer Mitten und Höhen bereithält, punktet der Warm Audio Bus-Comp dank Transformer-Option mit Sound-Flexibilität.

Zum Abschluss teste ich noch die Königsdisziplin für Bus-Kompressoren. Als Test-Audiofile kommt eine kurze Blues-Rock-Aufnahme zum Einsatz, die mithilfe des Kompressor den oft erwähnten "Mix Glue" erhalten soll. Ziel ist es also, eine konsistentere Signaldynamik zu erhalten, durch die der Klang der Instrumente sozusagen "zusammengeschweißt" wird. Für die Einstellungen wähle ich eine typische Mix-Komprimierung mit 10 ms Attack, Auto-Release und einem für diesen Zweck vergleichsweise hohen Ratio von 4:1. Der Warm Audio Bus-Comp sorgt dabei für ein kompaktes Stereosignal, das auf mich vor allem bass-stark wirkt. Ausgeglichener ist der Klang mit Hinzuschalten der Cinemag-Transformer. Allerdings kommt dann der Kompressionsanteil der Bearbeitung ebenfalls stärker zur Geltung. Wer die Transformer aktiviert, kommt also durchaus mit einem geringeren Kompressionsverhältnis aus. Dafür klingen die Transienten von Snares und Kickdrum dann aber auch wesentlich breiter und sind dynamisch ein klein weniger prägnant. Für den Einsatz der Transformer stellt sich deshalb nicht die Frage nach "besser" oder "schlechter", sondern schlichtweg nach der gewünschten Klangästhetik. Überraschenderweise kann für meine Ohren der SSL-Bus-Kompressor im Vergleich zur transformerlosen Warm Audio-Komprimierung des Stereosignals keinen wesentlichen klanglichen Mehrwert bieten. Wie die Audiofiles belegen, steht der Warm Audio Bus-Comp dem wesentlich teureren SSL-Gerät in Sachen "Mix Glue" – zumindest in meinem Projektstudio – in nichts nach.

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