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15.08.2018

Vocal Quickie Workshop #1 – Singen mit Erkältung: Sänger und Sängerinnen Apotheke

Tipps und Hausmittel für Sänger: Was tun bei einer Erkältung?

Wenn es draußen kalt wird, haben Erkältungskrankheiten Hochkonjunktur. Das wäre nicht so schlimm, wenn wir Sänger und Sängerinnen unsere Töne "extern" produzieren könnten – und nicht nicht unsere Lungen, unseren Hals und unseren Kopf dafür bräuchten. Sind die Stimmbänder geschwollen, die Atmung rasselt und die Nebenhöhlen verstopft, dann droht dem nächsten Gig akut das Aus. Und wir können nur ton- und machtlos daneben stehen. Oder rechtzeitig eingreifen, damit es erst gar nicht so weit kommt. Womit? Natürlich mit einem Mittel aus der Sänger und Sängerinnen Hausapotheke. Hier kommen meine persönlichen Tipps und Tricks -  garantiert geeignet für jede Jahreszeit!

Prävention ist alles

Eine Erkältung dauert mit Medikamenten sieben Tage und ohne eine Woche. Das ist bestimmt richtig, trifft aber für Sänger und Sängerinnen nicht den Punkt. Alle die professionell mit ihrer Stimme arbeiten wissen, dass sie erst gar nicht in die Lage kommen dürfen erkältet zu sein. Deswegen lohnt sich ein sehr frühes, konsequentes Vorgehen gegen die allerersten (!) Erkältungszeichen. Das verspricht den größten Erfolg die Krankheit abzuwenden. Noch ehe sie richtig ausbricht.

Beispiel Homöopathie

Sehr bewährt haben sich für mich Mittel aus der Naturheilapotheke. Egal ob ihr Schüssler Salze, Immunstärkungstropfen oder Homöopathie bevorzugt, ihr könnt die meisten davon in niedrigen Dosen nehmen, um erst gar nicht krank zu werden  – und in hohen Dosen, um zu verhindern, dass die Erkältung sich in eurem Körper einnistet. Welches Mittel Euch am besten hilft, müsst ihr ausprobieren. Fragt da am besten Euren Hausarzt oder Stammapotheker mal aus! Im Folgenden ein paar konkrete Tipps, die für mich funktioniert haben:

Zum Beispiel „Infludoron“ von Weleda: Das ist eine Streukügelchenmischung mit verschiedenen homöopatischen Wirkstoffen. Wenn alle um mich rum krank sind, ich es aber nicht werden darf, nehme ich vorbeugend zwei bis dreimal am Tag 15 Globuli (Kügelchen). Wenn ich merke, dass ich akut krank werde, nehme ich die 15 Globuli stündlich. Und wenn es ganz bergab geht, kann ich die Intervalle sogar auf 10 Globuli die halbe oder 5 pro viertel Stunde verkürzen. So hat mir das ein Apotheker erklärt und es funktioniert prima. Sobald es etwas besser geht, wechsele ich wieder in das nächst größere Intervall. Auf diese Weise fange ich bestimmt 80 – 90 % aller Erkältungsanflüge ab.

Für den Hals finde ich das Echinacea Halsspray von Wala sehr gut. Es ist zwar am Anfang etwas ungewohnt sich einen Schaum auf die Mandeln zu sprühen, hilft aber prima – und der Hals wird nicht so taub wie bei vielen herkömmlichen Mitteln.

Inhalieren mit heißem Wasser und einem Zusatz ohne Mentol (das ist zu scharf und trocknet eure Stimme aus!) ist Balsam für Lungen und Hals. Als Krönung könnt ihr noch die Nase mit lauwarmem Wasser mit Emser Salz spülen. Das kostet mich zwar immer wieder Überwindung, tut aber nicht weh und lässt die Nebenhöhlen abschwellen.

Notfallapotheke für den Gig

Geht es gar nicht anders und ihr MÜSST singen, so ist es erlaubt auch mal zu härteren Mitteln zu greifen. Die stabilisieren euch für den Moment und unterdrücken die Krankheit einfach. Das fördert nicht die Heilung, kann aber den Abend retten. Die meisten dieser Medikamente sind eine Kombination aus Coffein (Kreislauf hoch), Schmerzmittel (sich besser fühlen), Schleimlöser (freie Lungen und freier Kopf) und Vitamin C. Bitte lasst Euch in so einer Situation unbedingt in der Apotheke oder beim Arzt beraten! Die wissen, welches Mittel richtig für die Situation und verträglich für Euch ist – und nehmt es nicht durch. Der Körper unterdrückt die Krankheit bis zu dem Moment, wo ihr damit aufhört, und gibt euch danach die Quittung in doppelter Höhe.

Ist die Stimme zu angegriffen, und droht der Totalausfall, heißt es SOFORT ab zu einem HNO Arzt. Der sollte sich möglichst auf Sänger und Sängerinnen spezialisiert haben. Dort solltet ihr ernst genommen werden, wenn ihr auf die Dringlichkeit der Lage hinweist und sofort einen Termin bekommen. Ein bekannter Stimmarzt in Hamburg verschreibt in solchen Fällen zum Beispiel oft ein Mittel welches eigentlich zur Entwässerung genommen wird und so auch die Stimmbänder abschwillt. Selbstmedikation ist dabei absolut verboten. Lasst Euch lieber von den Profis helfen!

Ebenfalls ganz verboten bei einer angegriffenen Stimme ist flüstern. Das ist viel anstrengender für Eure Stimmbänder als normales, entspanntes Sprechen, da beim Flüstern die Stimmbänder nicht geschlossen werden und der Ton mit ganz viel Luft produziert werden muss. Sprecht also ganz normal und macht einfach öfter mal eine Schweigepause zwischendurch.

Sich zu räuspern ist auch nicht gut. Ich kann es aber manchmal nicht verhindern und versuche es dann eben ganz bewusst und kontrolliert zu machen. Das mindert die Heftigkeit mit der die Stimmbänder geschlossen und dann wieder von der gestauten Luft aufgesprengt werden.

Auch zu husten versuche ich kontrolliert und mit halber Energie. Einmal unkontrolliert, richtig laut husten, ist wie einmal schreien.

Trockene Stimme und Hustenreiz als Erkältungsrest

Ist die Erkältung am Abklingen, und ihr befindet Euch in der „trockener Hals und Stimme -  Phase“, so kann ich neben klassischen Mitteln wie Isla Moos oder ähnlichem die relativ neuen Gelorevoice Lutschtabletten empfehlen, die aus Hyaloron sind. Sie kommen in die Backe, wo sie bis zu zwei Stunden halten, und die die Stimmbänder befeuchten. Das lindert einen Hustenreiz und erleichtert einen weichen Tonansatz beim Singen. Fisherman's Friends oder ähnlich scharfe Lutschpillen sind keine gute Idee: Das Menthol trocknet die eh schon trockenen Stimmbänder weiter aus.

Als Hausmittelalternative empfehle ich da eher warme Brühe. Den Tipp bekam ich von meiner Logopädin und habe gute Erfahrungen damit gemacht. Warme Brühe hat mehrere Vorteile: Sie führt dem Körper Energie zu, ist leicht salzig und leicht fettig. Der dünne Fettfilm verteilt sich auf den Schleimhäuten und lindert die Trockenheit. Ich habe auch schon von Leuten gehört, die auf eine Olive im Mund schwören. Was für mich dasselbe Prinzip widerspiegelt.

Schlafen, schlafen, schlafen

Ist und wird für immer das beste Mittel bleiben! So viel wie geht – Klappe halten inklusive. Gleichzeitig haltet ihr Euch warm und könnt Euren Körper zusätzlich mit Energie in Form von warmem frischen Essen pimpen.

Und sonst noch?

Die chinesische Medizin schwört auf Birnen als Stimm-Booster und hält pflanzliche Tabletten bereit, die die Stimme bei Belastung robuster machen. Es gibt auch homöopatische Mittel, die das gleiche tun. Wie schon oben gesagt: Lasst Euch beim Arzt oder in einer Apotheke die auf Homöopathie oder chinesische Medizin spezialisiert sind beraten.

Alkohol und Rauchen sind nie gut für die Stimme. Im gesunden Fall würde ich den Gebrauch in Eure eigene Verantwortung legen. Im Krankheitsfall empfehle ich euch dringend davon abzusehen, da Eure Stimme diese zusätzliche Belastung nicht gebrauchen kann!

Einsingen und die Prozentregel

Nehmt Euch noch mehr Zeit für ordentliches und schonendes Einsingen. Stellt Euch vor, ihr seid Sportler oder Sportlerin (was Sänger und Sängerinnen ja sind), die nicht ganz fit an den Start müssen, und macht Eure Muskeln (den das sind Stimmbänder letztendlich) ganz langsam warm. Das heißt, dass ihr eine Übung macht, dann wieder eine Stimmpause und dann noch eine Übung. Versucht auch mal Euch lautlos einzusingen. Jawohl, richtig gelesen. Ich meine ganz ohne Ton. Singt die Töne im Kopf, macht aber alle körperlichen Bewegungen mit wie beim normalen Einsingen. Das funktioniert und schont die angegriffene Stimme.

Im Krankheitsfall gehe ich NIE über meine Tagesstimmgrenze. Der Spielraum ist einfach nicht da. Ich frage mich, wie viel Prozent ich aktuell zur Verfügung habe, und halte mich dann daran nicht mehr zu geben. Auch mit 50%, die ihr voll ausschöpft, könnt ihr toll singen. Das verlangt eine neue Kreativität – und vielleicht eine etwas andere Fassung des Songs als gewohnt. Es hilft Euch aber dabei, bis zum Ende des Abends stimmlich durchzuhalten. Ich habe schon Konzerte mit gefühlten 30% Stimmkraft gesungen, und es ist kaum jemandem im Publikum aufgefallen.

Kommt gut durch den Winter. Eure Catharina

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